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Play Store ohne Satire

Google sperrt "Titanic" wegen suggestivem Titelbild mit Papst Franziskus

Ein Bild über Homosexualität und Kirche im deutschen Satiremagazin war dem Google Play Store zu heiß. Doch der Verlag wehrt sich gegen die "Monopolwichser".


Diese Titelseite löste die "Titanic"-Sperre aus (Bild: Titanic)

Das Satiremagazin "Titanic" ist nicht mehr im Google Play Store erhältlich. Wie der Titanic-Verlag am Montag mitteilte, habe der amerikanische Konzern Google kurz vor Erscheinen der zweiten Ausgabe von 2021 "ohne Vorwarnung" die verlagseigene App gesperrt. Bisherige Kund*innen, die die App bereits auf ihrem Handy installiert haben, könnten weitere Ausgaben nicht mehr herunterladen. "Titanic" teilte weiter mit: "Grund für die Sperre: das Titelmotiv der Ausgabe 12/2020. Google störte sich an 'profanity' in der sakralen Darstellung." Die beanstandete Titelseite zeigt in gewohnter respektloser "Titanic"-Manier einen gezeichneten Papst Franziskus mit einem Kruzifix im Hintern und eine Jesus-Darstellung mit entblößtem Glied.

Die "Titanic" betrachtet die Löschung als "willkürliche Entscheidung" und legte Widerspruch ein. Statt nachzugeben, wollte Google jedoch noch weitere Löschungen erzwingen – nämlich die Titelmotive der Ausgaben 4/2019 und 4/2018, die Nacktheit enthielten.


Auch diese Titelseiten wollen die Moralhüter aus Kalifornien nicht veröffentlichen

Die beanstandeten Titelseiten für "Google"-Nutzer*innen einfach zu löschen, lehnte "Titanic"- Chefredakteur Moritz Hürtgen ab: "TITANIC wird sich nicht selbst zensieren, um dem verkniffenen Humor von Monopolwichsern in San Fernando Valley, äh: Silicon Valley gerecht zu werden." Vielmehr werden man zur Not den Store gänzlich verlassen, "auch wenn dies den Verlust digitaler Abonnements bedeutet". Ein erneuter Einspruch gegen die Entscheidungen von Google sei bis heute unbeantwortet geblieben. "All dies geschieht, obwohl Google seit App-Einreichung im Jahr 2014 bekannt ist, dass es in und auf TITANIC zu Darstellungen von Nacktheit und Sexualität kommt", so die Redaktion.

Da die Redaktion keinen Zugang zu den Google-Daten habe, werden bisherige Play-Store-Abonennt*innen gebeten, sich unter webmaster@titanic-magazin.de zu melden. "Sie werden unbürokratisch mit Print- oder PDF-Ausgaben versorgt", versprach "Titanic".

Google hat kein Problem mit Rechtsaußenmagazin "Junge Freiheit"

Der Google Play Store bietet viele deutsche Magazine, Zeitungen oder Zeitschriften an – und hat dabei wenig Berührungsängste nach Rechtsaußen: So ist beispielsweise die App des rechtsextremen Berliner Wochenmagazins "Junge Freiheit" frei erhältlich.

Das 1979 gegründete Satiremagazin "Titanic" sorgt immer wieder mit seinen Titelseiten für Erregung unter Moralaposteln. 2013 titelte das Magazin etwa "Endlich Sex" und zeigte den damaligen Papst Benedikt XVI. und seinen langjährigen Privatsekretär (queer.de berichtete). 2016 zeigte die "Titanic" Bilder von heterosexuellen Personen wie Donald Trump und Jogi Löw und titelte: "Die Religion des Terrors – Heteros – Sie sind mitten unter uns!" (queer.de berichtete). (dk)



#1 YannickAnonym
  • 15.02.2021, 16:18h
  • "Google hat kein Problem mit Rechtsaußenmagazin"

    Wie immer bei Google und den ganzen bigotten US-IT-Konzernen:

    Mit Rechten, mit Waffen, etc. haben die kein Problem. Aber wehe, es ist mal irgendwo ein wenig nackte Haut zu sehen. Oder Satire, die auf Missstände aufmerksam macht.

    Dann schlagen die sofort mit der Zensur-Keule zu.
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#2 LupdejuppAnonym
#3 Ralph
  • 15.02.2021, 16:53h
  • Ich will hier ja nicht den Schutzherrn "religiöser Gefühle" spielen - aber findet jemand diese Karikatur wirklich gut?
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#4 YannickAnonym
  • 15.02.2021, 17:21h
  • Antwort auf #2 von Lupdejupp
  • Doch, wenn ein Unternehmen, das 90% des Suchmaschinenmarktes bedient, und mit seinem Playstore für sein eigenes Handy-Betriebssystem Android (das über 80% Marktanteil hat) quasi das Monopol für Apps stellt, dann ist das sehr wohl Zensur.

    Und es ist auch nicht so, dass jedes Unternehmen seine Richtlinien macht und gut ist. Aus diesem Grund werden ja auch immer wieder AGB von Gerichten für ungültig erklärt.
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#5 YannickAnonym
  • 15.02.2021, 17:24h
  • Antwort auf #3 von Ralph
  • Und genau das ist bereits der Denkfehler und der Beginn eines Paradigmenwechsels:

    Die Frage ist nicht, ob Du oder ich oder sonst irgendwer (oder die Mehrheit der Menschen) die Karikatur gut, gelungen, geschmackvoll oder was auch immer finden. Für Dinge, die eh alle gut finden und wo alle zustimmen, braucht man keine Freiheitsrechte. Diese Rechte sind gerade gedacht für die Dinge, die eben nicht jeder gut findet.
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#6 Teddy63
  • 15.02.2021, 17:32h
  • Antwort auf #3 von Ralph
  • Jawoll! Habe herzlich gelacht, (lache immer noch, kann gar nicht aufhören.)

    Was soll denn das für eine armselige Religion sein, die noch nicht mal ein Witzchen über sich selbst verträgt? Bei der jahrhundertelangen Bigotterie und Sexualitätsunterdrückung, mit der sie die Menschheit immer noch geißeln wollen, während sie selbst in übelsten Ausschweifungen bis hin zum massenhaften Kindesmißbrauch schwelgen und das ganze inzwischen so Offentsichtliche immer noch unter ihre komischen langen Kittel zu kehren bemüht sind, so lange haben sie sich diesen Spott redlich verdient. Diese Karikatur ist nicht boshafter als die katholische Kirche selbst!
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#7 LupdejuppAnonym
  • 15.02.2021, 17:39h
  • Antwort auf #4 von Yannick
  • Was für eine Zensur seitens Google soll dass denn sein wenn ich nur "Titanic satire" in Google eingeben kann und das Bild präsentiert bekomme????

    Es ist per Definition des Wortes schon keine Zensur, hier wurde (ziemlich sicher) gegen Richtlinien verstoßen die jemanden, der die Dienste kommerziell nutzen möchte, egtl aufgrund der gegebenen Zustimmung bekannt sein müssten.....
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#8 SchonAnonym
  • 15.02.2021, 17:56h
  • Antwort auf #3 von Ralph
  • Hallo Ralph, ich glaube das ist nicht die Richtschnur, ob man was gut findet. Sonst würde ich, wäre ich Google alle religiösen Inhalte entfernen und die BILD Zeitung sperren.
    Gut ist immer relativ im Auge des Betrachters, und wenn ein Gott den Menschen nach seinem Vorbild gebastelt hat, wie manche das vorgeben, hat er auch einen Penis.
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#9 Teddy63
  • 15.02.2021, 18:03h
  • Antwort auf #2 von Lupdejupp
  • So, so, hat mit Zensur also nichts zu tun. Dann empfehle ich durchaus mal diesen Artikel aus der SZ zu lesen.

    www.sueddeutsche.de/digital/google-menschenrechte-1.4744483

    Der Artikel bezieht sich zwar in der Hauptsache auf die chinesische Zensurmaschine des Konzerns. Ross LaJeunesse, ehemaliger Top-Manager bei G++gle gibt aber auch Einblicke in die inneren
    rassistischen, auch queerfeindlichen Strukturen des Internet-Konzerns. G++gle ist genauso verkommen und verlogen wie die katholische Kirche selbst...

    Es bieten sich auch andere interessante Quellen zum Thema an. (Übrigens auch über die G++gle-Suche, alles schaffen die nämlich glücklicherweise noch nicht zu sperren.)
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#10 Julian SAnonym
  • 15.02.2021, 18:20h
  • Antwort auf #5 von Yannick
  • Volle Zustimmung!

    Das eigentliche Problem ist ja, dass das Internet ein weltweites Netz ist, jedoch nur von US-Konzernen bestimmt wird.

    In den USA herrschen nun mal andere Gesetze als im Rest der Welt. Das ist auch OK, denn die haben das Recht, ihre eigenen, demokratisch legitimierten Gesetze zu machen.

    Problematisch wird es aber dann, wenn eben diese US-Konzerne eben dieses US-Recht weltweit durchsetzen wollen, obwohl in anderen Staaten andere Gesetze gelten. Und dann auch noch damit durchkommen, weil es eben keine Konkurrenten gibt, die nicht aus den USA kommen.

    Und bei App-Stores gilt dasselbe.

    Und wenn diese US-Konzerne bestimmen, was man im Internet zu sehen bekommt oder nicht, welche Zeitschriften in digitalen Kiosks angeboten werden und welche nicht, welche Apps angeboten werden dürfen oder nicht, welche Filme und Musik in den Diensten angeboten werden oder nicht, welche Bücher verkauft werden oder nicht, etc. etc. etc. dann ist das ein Problem.

    Und ja, das ist auch Zensur.
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