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Neues Buch

Philipp Lahm warnt schwule Fußballer noch immer vor Coming-out

Ein homosexueller Spieler, der sich in der Bundesliga outet, hat laut dem ehemaligen Kapitän der Nationalmannschaft und Ex-Weltmeister nur geringe Chancen, "halbwegs unbeschadet davonzukommen".


Philipp Lahm 2017 beim Training auf dem Gelände des FC Bayern München (Bild: Rufus46 / wikipedia)

Der ehemalige Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm rät schwulen Fußballern von einem Coming-out während der aktiven Karriere ab. Es möge Städte und Vereine geben, wo solch ein Coming-out eher möglich wäre als anderswo, schreibt der Ex-Weltmeister in seinem Buch "Das Spiel: Die Welt des Fußballs", aus dem die "Bild"-Zeitung (Paywall-Artikel) vorab zitiert. Lahm nannte Berlin, Freiburg und den FC St. Pauli. "Aber gegenwärtig schienen mir die Chancen gering, so einen Versuch in der Bundesliga mit Erfolg zu wagen und nur halbwegs unbeschadet davonzukommen", so der frühere Profi des FC Bayern München.


Lahms Buch "Das Spiel: Die Welt des Fußballs" erscheint am 22. Februar 2021

Lahm empfiehlt schwulen Fußballern, sich vor einem geplanten öffentlichen Coming-out mit engsten Vertrauten zu beraten, rät jedoch davon ab, sich über das Thema mit Mitspielern zu unterhalten. Grund für Lahms Ratschlag ist die nach seiner Meinung fehlende Akzeptanz sowohl im Fußball als auch im Umfeld. Der Sportler könne die nötige Reife für diesen Schritt haben und auf die nötige Toleranz in seinem unmittelbaren Umfeld stoßen. "Aber er wird nicht mit der gleichen Reife bei allen Gegnern im Sport und ganz sicher nicht in allen Stadien rechnen dürfen, in denen er antritt", schreibt Lahm.

Als erster prominenter deutscher Fußballer hatte Lahms Auswahlkollege Thomas Hitzlsperger 2014 nach Abschluss seiner sportlichen Karriere sein Schwulsein nicht mehr verheimlicht. "Mir scheint es lebensklug, dass Thomas Hitzlsperger erst nach Beendigung seiner Laufbahn als aktiver Fußballprofi den Schritt gewagt und seine Homosexualität öffentlich gemacht hat", schreibt Lahm in seinem Buch.

In zehn Jahren nichts dazugelernt

Bereits vor zehn Jahren hatte sich Lahm in einem früheren Buch ähnlich geäußert. In seinem Werk "Der feine Unterschied: Wie man heute Spitzenfußballer wird", das Ende August 2011 auf den Markt kam. schrieb er zum Thema Coming-out eines Bundesliga-Spielers: "Ich hätte Angst, dass es ihm gehen könnte wie dem englischen Profi Justin Fashanu, der sich nach seinem Outing so in die Enge getrieben fühlte, dass er schließlich Selbstmord beging" (queer.de berichtete). Fashanu nahm sich 1998 das Leben – er ist nach wie vor der einzige aktive Profispieler, der sein Schwulsein nicht verheimlichte.

Auch in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" erklärte Lahm 2012: "Ich glaube nicht, dass die Gesellschaft schon so weit ist, schwule Profi-Fußballer als etwas Selbstverständliches zu akzeptieren, so wie es in anderen Bereichen bereits möglich ist" (queer.de berichtete). Im Stadion gehe es nun einmal nicht politisch korrekt vor, so Lahm. Daraufhin war er von Christine Lüders, der damaligen Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, scharf kritisiert worden. "Ich denke, es war ein Fehler von Philipp Lahm, das zu sagen", sagte Lüders. Sie kritisierte, dass schwule Spieler durch die Aussage Lahms von einem Coming-out abgehalten werden könnten.. Gerade als Nationalspieler hätte Lahm zum Coming-out aufrufen müssen (queer.de berichtete).

Lahms Coming-out als hetero

In dem Buch "Der feine Unterschied: Wie man heute Spitzenfußballer wird" hatte sich Lahm 2011 auch als hetero geoutet (queer.de berichtete). Die Homo-Gerüchte um seine eigene Person seien ihm eigenlich "egal", schrieb er vor zehn Jahren. Selbst habe er auch nichts gegen Schwule: "Ich finde Homosexualität nichts Verwerfliches. Aber ich wundere mich immer wieder darüber, dass einzelne Typen, die so eine Geschichte in Umlauf setzen, so viel Einfluss auf die öffentliche Meinung haben."

Philipp Lahm hat sich in der Vergangenheit mehrfach für die Gleichbehandlung von schwulen Fußballern eingesetzt. So erklärte er 2007 in einem Interview mit dem Schwulenmagazin "Front": "Wenn ein Spieler schwul ist, ist er trotzdem mein Mannschaftskollege, und für mich würde sich im Umgang mit ihm nichts ändern" (queer.de berichtete). Wegen seines "besonderen und herausragenden Einsatzes gegen Intoleranz und Homophobie im Breitensport und insbesondere im Fußball" wurde ihm 2008 der Tolerantia-Preis verliehen (queer.de berichtete). (cw/dpa)



#1 WanndererAnonym
#2 TinoAnonym
  • 17.02.2021, 07:05h
  • Antwort auf #1 von Wannderer
  • Wunschdenken? Er ist Hetero und gut. Muss man Heteros immer eine Homosexualität andichten? Ich kann Frauen ja schließlich auch nicht leiden, welche mir nur eine Phase unterstellen und ich solle es einfach mal versuchen. So etwas ist zu tiefst krank! Halte dich also mit öffentlichen Aussagen zurück, du kannst so etwas offensichtlich nicht sehr gut. Vielleicht hast du aber auch einfach keine männlichen, heterosexuellen Freunde im Kreis. Denn dann wüsstest du, dass sich so einige mit Diskriminierung beschäftigen. Wir haben schließlich nicht mehr das Jahr 2000. Versuche mal, außerhalb von Romeo, Grindr & Co. dein Leben zu führen. Dann befindet man sich auch nicht in einer unrealistischen Blase. Hinzu hat der Lahm ja leider recht. Es ist schwer im Sport. Besser man outet sich, hat man seine Karriere durch. Als Sportler gibt es eben nur Sport. Mit den kommenden Jahrzehnten wird es aber besser werden, es dauert eben noch was.
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#3 WartenAnonym
  • 17.02.2021, 08:05h
  • Na dann warten wir eben auf bessere Zeiten.
    Es ist halt nur so, dass die nicht kommen werden, wenn wir nicht selbst etwas dafür tun.
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#4 FliegenAnonym
#5 TzhjAnonym
#6 NerdAnonym
  • 17.02.2021, 09:14h
  • Der soll weiter in seinen geschützten Privatclubs feiern...
    typisches gelaber aus dem Schrank...
    Eigentlich bemitleidenswert...
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#7 AthreusProfil
  • 17.02.2021, 09:33hSÜW
  • Was er damit sagt, nur etwas verschwurbelt ausdrückt ist: Der Profifussball ist ein menschenfeindliches Geschäft, dass toxische Stereotype pflegt und innerhalb von zehn Jahren kein Gramm Entwicklung vollzogen hat, entgegen den anderslautenden Einlassungen eines gewissen Herrn Hitzlsperger. Wer sich outet, kann sich auf Mobbing in der Mannschaft, aus der Fanbase und der sportlichen Gegnerschaft gefasst machen und falls die psychische und seelische Belastung zu groß wird und in Suizid mündet, ist der Spieler qua Outing selbst schuld. Denn er hätte sich ja weiterhin verstecken können. Es grüßt ihr Toleranz-Award-Gewinner: Philipp Lahm. So weit, so bekannt.

    Ich finde es ausgesprochen schade, dass man seine homosexuellenfeindlichen Tipps zur Unterdrückung der eigenen Person und der Unischtbarmachung zum Wohle der Fussballgemeinschaft, in beinahe demselben Wortlaut durch Buch Nr.2 manifestiert. Und ich frage mich, was er seiner Logik folgend farbigen Spielern oder Juden rät: Konversion und Hautbleaching? Ich bin nur Unsicher, ob das Lahms ureigenem Charakter entspringt oder der FC Bayern abgefärbt hat, der das Banner der Toleranz und Menschenrechte vor sich herträgt, um sich gleichzeitig von Unrechts- und Fokterstaaten sponsern zu lassen und gerne dort Trainingslager abhält. Weil, wie wir wissen, 40° im Schatten die optimale Trainingsbedingung ist und Europa schließlich nicht so schöne Rasen hat.

    Was wir von Lahm lernen: nicht die Gesellschaft ist das Problem, wir sind es. Nicht die Gesellschaft soll sich ändern, wir sollen so tun, als gäbe es uns nicht. Merket auf.
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#8 AthreusProfil
  • 17.02.2021, 10:04hSÜW
  • Antwort auf #7 von Athreus
  • Nachtrag: In der aktuellen Ausgabe der "11 Freunde" melden sich als Hommage an "Act Out" 800 Fussballer als Straight-Allies zu Wort, mit dem Versprechen "Ihr könnt auf uns zählen". Um Kollegen Mut zuzusprechen und Solidarität im Falle des Coming Outs zu garantieren.

    Während ganze Mannschaften, etwa Frankfurt oder St. Pauli daran teilnehmen, ratet doch mal, welche Spieler und Mannschaften fehlen...
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#9 janxAnonym
  • 17.02.2021, 10:05h
  • Er legt doch nur den Finger in die Wunde. Können manche wohl nicht ertragen dass er einfach nur die Realität beschreibt. Verstehe auch nicht dass alle solche gesamtgesellschaftlichen Aufgaben immer an Einzelpersonen abladen.

    Ist das Stadtviertel unsicher, braucht es angeblich mehr Zivilcourage (anstatt effektivere Strafverfolgung), ist im Krankenhaus das Personal knapp braucht es "Helden" im Krankenhaus (anstatt bessere Bezahlung und Neueinstellungen) und ist der Fußball eine komplett toxische Umgebung soll sich halt jemand outen und dann schaun' mer mal. Nö. So läuft das nicht. Da sollen doch mal Vereine, Politik & Medien in Vorleistung gehen, um eine Umgebung zu schaffen in der man sich gerne outet.

    Alleine die Duldung der Hooliganszene... Wieso gibt es sowas in den USA eigentlich nicht? Oder in Japan? Tja...
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#10 Ralph
  • 17.02.2021, 10:16h
  • Die Frage drängt sich in der Tat auf, welches persönliche Interesse Herr Lahm an diesem Thema hat, dass er es immer wieder zur Sprache bringt, um sich dabei schwulenfeindlich zu positionieren. Auch wenn er sich um moderate Sprache bemüht und scheinbar nur indirekt gegen Schwule auftritt, will er doch offen gelebte Homosexualität aus seinem Sport draußen halten, indem er vorgeblich freundschaftliche Ratschläge gegens Outen gibt. Damit macht er sich zu einem der Anführer jener ach so zivilisierten und lächelnden Homofeindlichkeit, die in gehobenen Kreisen des Bürgertums inzwischen die laut schreiende abgelöst hat.
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