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England

Gericht: Homophobe Schauspielerin wurde nicht diskriminiert

Eine evangelikale Christin, die Homosexuelle für minderwertig hält, sollte eine lesbische Rolle spielen. Wegen ihrer homophoben Haltung wurde sie gefeuert – zu Recht, wie jetzt ein Londoner Gericht entschied.


Seyi Omooba hält Homosexualität pauschal für "nicht richtig"

Eine 26-jährige Theaterschauspielerin, die wegen eines homophoben Facebook-Eintrags von einem britischen Theater sowie ihrer Schauspielagentur gefeuert worden war, hat am Mittwoch ihren Diskriminierungsprozess in London verloren. Seyi Omooba hatte auf Zahlung von umgerechnet rund 150.000 Euro geklagt, nachdem sie vom "Curve"-Theater im mittelenglischen Leicester eine Rolle in "Die Farbe Lila" wegen eines von ihr verfassten homophoben Facebook-Eintrags verlor.

Omooba sollte in dem auf einem Buch von Alice Walker aus dem Jahr 1982 basierenden Theaterstück die Hauptrolle der Celie spielen. Die Homosexualität von Celie wird sowohl im Buch als auch in der Filmversion von 1985 mit Hauptdarstellerin Whoopi Goldberg und Regisseur Steven Spielberg offen angesprochen.

Das Theater in Leicester gab die Personalie Omooba im März 2019 bekannt. Die Besetzung wurde bald zu einem Politikum, als ein Facebook-Eintrag Omoobas aus dem Jahr 2014 aufgetaucht war, in dem die damals 20-Jährige mit Verweis auf ihren christlichen Glauben unter anderem erklärte: "Ich glaube nicht, dass man homosexuell geboren wird, und ich glaube auch nicht, dass Homosexualität richtig ist. Auch wenn der Gesetzgeber das legal gemacht hat, heißt das nicht, dass es richtig ist."



Das führte zu Kritik am Theater und Boykottdrohungen in sozialen Netzwerken. Das Theater fragte daraufhin bei der Schauspielerin an, ob sie ihre Aussagen zurücknehmen wolle. Als sie darauf beharrte, wurde sie entlassen. Nur wenige Tage später beendete auch ihre Schauspielagentur die Zusammenarbeit.

Wie aus der virtuellen Anhörung des Gerichts hervorging, hatte das Theater Omooba angeboten, das Gehalt für die Rolle trotz der Entlassung zu zahlen. Die Schauspielerin schrieb aber nie eine Rechnung. Vielmehr reichte sie mit Hilfe der LGBTI-feindlichen Organisation "Christian Concern" Klage ein. Sie sei wegen ihres christlichen Glaubens diskriminiert worden, so die Argumentation. "Christian Concern" war von ihrem Vater Ade Omooba gegründet worden, einem evangelikalen Pfarrer.

Gericht: "Negative Publicity" hat Produktion gefährdet

Das Arbeitsgericht "Central London Employment Tribunal" wies aber den Vorwurf zurück, dass ihre Religionsfreiheit verletzt worden sei. Sie sei nicht wegen ihres christlichen Glaubens entlassen worden. Vielmehr habe die "negative Publicity" den Erfolg der gesamten Produktion gefährdet.

Omooba hatte in ihrer Klage auch behauptet, dass die sexuelle Orientierung der Figur Celia "mehrdeutig" sei und sie die Rolle nicht angenommen hätte, wenn Celia als offen lesbisch dargestellt worden wäre. Dazu erklärte das Gericht: "Sie hatte das Skript und wusste, dass eine lesbische Beziehung zumindest eine mögliche Interpretation ist." Theater und Schauspielagentur hätten auch nicht – wie von der Klägerin behauptet – ihren guten Ruf beschädigt. Ihre Reputation, so das Gericht, sei vielmehr durch ihren "Facebook-Eintrag und die Reaktionen darauf" beschädigt worden.

Theater kritisiert "kalkulierte Kampagne" der Schauspielerin

Das "Curve"-Theater begrüßte die Entscheidung des Gerichts: "Seyi Omooba akzeptierte einen lesbischen Part in der Produktion von 'Die Farbe Lila' und wusste, dass sie diese homosexuelle Kultrolle nicht als lesbisch spielen würde", hieß es in einer Pressemitteilung. Das Theater beschuldigte die Schauspielerin und die Organisation "Christian Concern", eine "kalkulierte Kampagne" gestartet zu haben – ihr Ziel sei es gewesen, LGBTI-feindliche Ansichten in die Öffentlichkeit zu tragen und sich als Opfer zu stilisieren.

Twitter / CurveLeicester
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"Die Farbe Lila" (Originaltitel: "The Color Purple") spielt in den Südstaaten des frühen 20. Jahrhunderts und handelt von den harten Lebensbedingungen afroamerikanischer Frauen in der rassistischen Jim-Crow-Ära. Dabei werden neben lesbischer Liebe Themen wie Inzest oder patriarchale Gewalt angesprochen. Die Verfilmung mit Whoopi Goldberg, Danny Glover, Margaret Avery und Oprah Winfrey hatte elf Oscar-Nominierungen erhalten und spielte bei Produktionskosten von 15 Millionen Dollar mehr als 140 Millionen Dollar an den Kinokassen ein.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (dk)



#1 Alexander_FAnonym
  • 17.02.2021, 15:32h
  • Eine homophobe Christin will eine Lesbe spielen. Was kommt als Nächstes? Nazis, die Juden im KZ spielen wollen? Ach, halt, das gibt es ja schon (siehe Querdenker).

    Sehr gut also, dass hier dem Hass die Bühne genommen wurde.
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#2 thokoh
  • 17.02.2021, 17:57h
  • Ich finde es Unglaublich das ne junge Frau mit 26 jahren so Homophobe sein kann. Man die ist Schauspielerin, sollte frei und offen durchs Leben gehen. So fliegt die bald vom Markt wenn Sie jeden verklagen will weil bei der oder der Rolle was nicht passt.
    Und wieder sind es die Religionen die die Menschen verderben und den unfrieden in die Welt bringen!
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#3 Korinthen KKAnonym
  • 17.02.2021, 19:37h
  • Man könnte ihr ja zugute halten, dass ihr Post von 2014 und somit etwas länger her ist.
    Blöd nur, dass sie darin eine Haltung verteidigt, die jemand vor 2000 Jahren in einem "Facebook der Antike" gepostet hat, die sie bis heute noch für gültig hält, obwohl sie so lange her ist.
    Pech gehabt.
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#4 lindener_H_BLNProfil
  • 17.02.2021, 20:49hBerlin
  • 1800 Jahre wurden Queere Menschen von Christen verfolgt. Ich persönlich sehe da gar keinen Spielraum für Toleranz oder Respekt für fundamentalistische, "bibeltreue" Positionen. Mal abgesehen davon, dass diese Ideologien antidemokratisch und sind und unsere Art zu leben, als demokratische Gesellschaft, zerstören wollen. Das Urteil ist zwar mit einer anderen Begründung erfolgt, aber im Kern natürlich richtig.
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#5 Uwe_RAnonym
#6 Korinthen KKAnonym
#7 DramaQueen24Ehemaliges Profil
  • 19.02.2021, 02:23h
  • Der Job eines Schauspielerin ist es, eine Rolle zu spielen. Sie ist nicht diese Rolle (außer auf der Bühne oder im Film), sie spielt sie nur.
    Das zeigt mal wieder, dass dieser aufkommende Stern ihren Vertrag, das Buch, den Film, und/oder das Theaterstück (Musical) besser hätte lesen sollen.
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