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Kassel

Noch kein Urteil im Kutschera-Prozess

Anders als erwartet gab es noch kein Urteil im Berufungsprozess gegen den homophoben Biologieprofessor.


Vor dem Landgericht protestieren Studierende gegen Homophobie (Bild: Queer* Referat Uni Kassel)

Der zweite Verhandlungstag im Berufungsprozess gegen den homophoben Biologieprofessor Ulrich Kutschera ging am Dienstag vor dem Kasseler Landgericht nach acht Stunden überraschend ohne Urteil zu Ende. Die Anklage wirft dem 66-Jährigen Volksverhetzung, Beleidigung und Verleumdung vor, weil er im Juli 2017 in einem Interview mit kath.net homosexuellen Menschen eine grundsätzliche Neigung zum sexuellen Missbrauch von Kindern attestiert hatte (queer.de berichtete). Kutschera behauptet dagegen, nur wissenschaftliche Tatsachen verbreitet zu haben.

In erster Instanz war der Professor vergangenen August zu einer Geldstrafe in Höhe von 6.000 Euro verurteilt worden (queer.de berichtete). Dagegen legte er fast sofort Berufung ein. Auch die Staatsanwaltschaft war mit dem Urteil, das nur den Vorwurf Beleidigung anerkannte, nicht zufrieden.


In dem kath.net-Artikel warb Ulrich Kutschera für eine Beibehaltung des Ehe-Verbots für Schwule und Lesben. Er schrieb unter anderem, dass Kinder der "übersteigerten Elternliebe" schwuler Männer "schutzlos ausgeliefert" seien. Zudem behauptete er: "Da lesbische Frauen in verstärktem Maße zur Pädophilie neigen, ergeben sich dort analoge Probleme."

Laut der "Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen" stritten die Prozessbeteiligten am Dienstag über "immer neue Studien, Internetartikel und vermeintliche wissenschaftliche Erkenntnisse, um Kutscheras Äußerungen über Homosexualität und Pädophilie wahlweise zu stützen oder zu entkräften".

Kutschera erhält Unterstützung von Professor der Uni Tübingen

Zu den größten Unterstützern Kutscheras gehörte Biologieprofessor Thomas Junker von der Universität Tübingen, der als Zeuge auftrat. Er behauptete, dass Kinder bei schwulen Männern pauschal einer höheren Missbrauchsgefahr ausgesetzt seien und daher Kutscheras Begriff "Horror-Kinderschänder-Szenario" nicht zu beanstanden sei. Auch Kutscheras Kampfwort "Falschpolung" in Bezug auf Homosexuelle sei in Ordnung, weil dieser in der Biologie nicht wertend verwendet werde. Junker ist allerdings kein neutraler Wissenschaftler, sondern arbeitet sein Jahren mit Kutschera zusammen: So ist er Mitglied im Arbeitskreis Evolutionsbiologie, in dem Kutschera im Vorstand sitzt. Die Organisation beschäftigt sich laut ihrer Website unter anderem mit "Genderismus" und bietet einseitige Artikel wie "Interview zur Gender Ideologie: U. Kutschera redet Klartext!"


Ulrich Kutschera wird von der AfD wegen seiner homosexuellenfeindlichen Ansichten geliebt (Bild: Screenshot Parteivideo)

Der nächste Verhandlungstag ist für den 2. März angesetzt. Bis dann soll entschieden werden, ob das Gericht auch eine Redakteurin von kath.net als Zeugin hören wird.

Während der Verhandlung protestierten vor dem Gerichtssaal mehrere Dutzend Studierende in einer unter anderem vom Autonomen Queer*-Referat der Kasseler Universität organisierten Mahnwache. Sie sprachen sich gegen rechte und queerfeindliche Hetze sowie für eine Verurteilung Kutscheras aus. "Wir haben die ernste Befürchtung, dass die Aussagen Kutscheras zu noch mehr Gewalt gegen Queers und andere marginalisierte Gruppen führen werden. Besonders vor dem Hintergrund des rechten Terrors der letzten Jahre sind Kutscheras rassistische Aussagen nicht zu tolerieren", so die Aktivist*innen. (dk)

+KUTSCHERA-NEWS+ Das Urteil wurde noch nicht gesprochen, nächster Prozesstermin ist der 02.03., 11 Uhr. Wir haben den...

Posted by Autonomes Queer Referat Uni Kassel on Wednesday, February 17, 2021
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#1 PeerAnonym
  • 17.02.2021, 15:39h
  • "Zu den größten Unterstützern Kutscheras gehörte Biologieprofessor Thomas Junker von der Universität Tübingen, der als Zeuge auftrat. Er behauptete, dass Kinder bei schwulen Männern pauschal einer höheren Missbrauchsgefahr ausgesetzt seien"

    Belege?

    Genau wie Kutschera werden einfach Thesen aufgestellt, ohne dass sie belegt werden. Es ist in der Wissenschaft durchaus in Ordnung, Thesen aufzustellen, aber die muss man dann auch irgendwie belegen können. Und wenn man das nicht kann, darf man diese Arbeitshypothesen nicht als Fakten oder wissenschaftlichen Konsens darstellen, denn dann ist das nur subjektive Meinung.
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#2 Teddy63Ehemaliges Profil
  • 17.02.2021, 16:27h
  • Antwort auf #1 von Peer
  • Die können es ja nicht belegen, weil es längst widerlegt ist. Aber das stete Repetieren dieser Lügen ist ja eine altbekannte Strategie von Verschwörungstheoretikern, Nazis und sonstigem Gesindel. Immer wieder diese Legenden auftischen, sogar vor Gerichten scheuen sie nicht davor zurück, weils bei solch prominenten Verfahren ja breite Öffentlichkeit findet und irgendwas von dem braunen Dreck bleibt schon kleben in den Köpfen.
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#3 Homonklin_NZAnonym
  • 17.02.2021, 17:40h
  • Begriffe werden in der Wissenschaft oft nicht wertend verwendet, die Idee einer "Flaschpolung" ist allerdings in sich wertend. Es ist sehrwohl eine Wrtung, etwas als "falsch" zu deklarieren, weil man seine Natur nicht versteht und daher einseitig angeht. Zudem ist diese Sichtweise etwas antiquiert. Selbst die heute lebenden Professoren werden mitgeschnitten haben, dass bei Fragen der sexuellen Orientierung mehr als nur 1 Möglichkeit richtig gepolt tickt. Vor allem wenn man erkennt, dass die sexuellen Interessen von Menschen sich von denen eines Wurms ein klein wenig unterscheiden.

    Ich weiß nicht, ob die beiden Herren Professoren verheiratet sind, aber würde man die Liebe zu ihren Partnerinnen auf einen biologisch simplen Zweck reduzieren und eine aus realen Zahlen herzuleitende ( es sind nun einmal real mehr heterosexuelle Pädophile, Päderasten und Pädosexuelle, weil LGBTIQ* unter ca. 10 % der Menschen bestellen ) höhere Wahrscheinlichkeit zum Kindesmissbrauch zuordnen, wären die davon sicher wenig angetan.
    Zudem sind Kinder bei Heterosexuellen schon deshalb in weit höherer Gefahr, gezüchtigt oder missbraucht zu werden, weil Heterosexuelle die meisten Kinder haben.

    Es gibt noch einmal eine Erhöhung, da geht es besonders um religiöse Eltern - wiederum ist die Wahrscheinlichkeit für Züchtigung und Missbrauch in solchen Familien erhöht. Komisch ist nur, dass niemand religiösen Familien deswegen verboten hat, Kinder groß zu ziehen.

    Dann ist besonders in der Gruppe katholischer Geistlicher die Wahrscheinlichkeit für Kindesmissbrauch deutlich erhöht. Auch dazu gab es schon Studien. Komisch ist nur, dass man katholische Geistliche immer noch auf Kinder loslässt.

    -Irgend eine evolutionsbiologische Begründung für das >>Pädophilen-Aufkommen dort? Kann es sein, dass sich pädophile Interessen zu den Genen, die Religiosität beeinflussen, alliiert und festgesetzt hat?
    Biologische Erklärung zur Bedingung von Verhaltensweisen.
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#4 KaiJAnonym
  • 17.02.2021, 19:05h
  • Wie der Richter wohl schon am 1. Prozesstag Kutschera eindringlich daran erinnerte, geht es im Prozess nicht um eine wissenschaftliche Vorlesung, sondern um den Straftatbestand der Volksverhetzung. Dieser ist wohl absolut erfüllt und in der ebensolchen Schwere im Strafmaß entsprechend zu bemessen. Die rechtliche Gleichstellung queerer Beziehungen durch Bundesverfassungsgericht und Bundestag ist vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Expertise ergangen, wo hingegen Kutscheras Äusserungen wohl geeignet sind, im Sinne der Volksverhetzung den öffentlichen Frieden zu stören und das stark und um so strafbewehrter.
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#5 KatsukiAnonym
  • 18.02.2021, 04:44h
  • Na Hau Ruck die Waschfrau. Das sind also die sagenumwobenen Beweise des Ulrich Kutschera... Längst widerlegte Thesen & die Aussagen eines engen Kollegen. Bei den beiden Kollegen stand ja wohl in der Kindheit die Schaukel zu nah an der Hauswand.
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#6 PeerAnonym
  • 18.02.2021, 10:09h
  • Antwort auf #2 von Teddy63
  • Ja, genau deswegen muss man immer darauf hinweisen, dass solche Leute, die ihre Privatmeinung als wissenschaftliches Faktum verkaufen wollen, keine Belege haben.

    Die hoffen, dass das irgendwann common sense ist, wenn man es nur oft genug wiederholt. Und dann muss man immer wieder darauf aufmerksam machen, dass das einfach nur erfundene Behauptungen sind, die sich durch nichts wiederlegen lassen.
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#7 PeerAnonym
  • 18.02.2021, 10:14h
  • Antwort auf #5 von Katsuki
  • Ja, ich kann mich auch nur wundern.

    Er hatte doch angekündigt, im Prozess Beweise für seine Aussagen vorzulegen. Und dann ist der einzige "Beweis" ein enger Kollege, der genauso keinerlei Beweis vorbringen kann.

    Die "Argumentation" verläuft nach dem Schema: "Er hat recht, weil die Dinge wirklich so sind, wie er sagt." Aber einen Beweis dafür, dass die Dinge so sind, hat bisher niemand gebracht. Letztendlich ein Paradebeispiel für einen Zirkelschluss.
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#8 StaffelbergblickAnonym
  • 18.02.2021, 13:59h
  • Antwort auf #1 von Peer
  • "Und wenn man das nicht kann, darf man diese Arbeitshypothesen nicht als Fakten oder wissenschaftlichen Konsens darstellen, denn dann ist das nur subjektive Meinung." Das läßt sich ganz leicht verfizieren/falsifizieren: Der Juncker soll seine Studien offenlegen. Und dann dann offen darüber wissenschaftlich gestritten werden. Wenn er das nicht macht / nicht kann, dann ist davon auszugehen, dass er in seinem nebulösen "Himmelreich" eine selektive Wahrnehmungsstörung hat.
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#9 Taemin
  • 18.02.2021, 16:36h
  • Kutscheras These ist genauso seriös wissenschaftlich beweisbar wie die Annahme, Angela Merkel sei die Tochter von Adolf Hitler und/oder ein Reptiloid.
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