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"Unzensiert"
Bibelwissenschaftler: "Homosexualität wird in der Bibel schlicht und ergreifend gelebt"
Laut Bibel ist es ein "Gräuel", wenn ein Mann bei einem Mann liegt. Der Theologe Simone Paganini widerspricht dieser Interpretation allerdings in seinem neuen Buch über Sex und Bibel.

Seit Jahrtausenden streiten sich Menschen darüber, wie man die Worte in diesem Buch interpretieren soll (Bild: Evangelisches Schuldekanat Schorndorf/Waiblingen / flickr)
- 18. Februar 2021, 14:26h 2 Min.
Der katholische Bibelwissenschaftler Simone Paganini argumentiert in einem am Donnerstag erschienen Buch, dass die Heilige Schrift "erstaunlich offen und ohne rot zu werden über Sex" rede – "und zwar in allen Facetten". Dabei, so der in Italien geborene Professor für Biblische Theologie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, sei auch Homosexualität kein Tabu und werde nicht verurteilt. Das Buch trägt den Titel: "Unzensiert: Was Sie schon immer über Sex in der Bibel wissen wollten, aber nie zu fragen wagten".
"Homosexualität wird in der Bibel nicht thematisiert oder problematisiert, sie wird schlicht und ergreifend gelebt", so zitiert das "Domradio" Paganini. Dies geschehe etwa in der Gestalt von König David, der sich zu seinem Freund Jonatan in einer Weise hingezogen fühle, die eine Männerfreundschaft übersteige.
Der oft von Homo-Hasser*innen zitierte Abschnitt im Buch Levitikus (Kapitel 18, Vers 22) würde dagegen missinterpretiert. Der biblische Satz "Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel" spreche nicht Homosexualität an, behauptet Paganini. In dieser Geschichte gehe es vielmehr um sexuelle Demütigung.
Katholische Würdenträger rechtfertigen Homophobie mit Bibel

Das Buch ist für 14 Euro zu haben (Bild: Herder-Verlag)
Freilich haben katholische Würdenträger eine ganz andere Meinung darüber, was die Bibel über Homosexualität sagt. Der schweizerische Bischof Vitus Huonder wiederholte etwa 2016 die Levitikus-Passagen samt der Androhung der Todesstrafe als geltende biblische Aussage zur "gleichgeschlechtlichen Praxis" (queer.de berichtete).
Laut Paganini behandle die Heilige Schrift viele weitere sexuellen Themen, etwa Polygamie und Selbstbefriedigung. Auch Vielehe, Inzest und Prostitution sowie sexualisierter Machtmissbrauch und Vergewaltigung kämen in dem Buch vor. Das Neue Testament sei bei dieser Thematik allerdings viel zurückhaltender als das turbulente Alte Testament. Dort würde etwa Paulus Enthaltsamkeit und Keuschheit predigen. Die Sexualfeindlichkeit der Kirche gehe aber weniger auf den Ursprungstext zurück, so Paganini, sondern auf mittelalterliche Theologen.
Im Interview mit SWR1 Rheinland-Pfalz betonte Paganini, dass er mit seinem Buch "nicht die Sexualmoral der Kirche in irgendeiner Weise infrage stellen" wolle. Ferner erklärte der Professor: "Als Bibelwissenschaftler weiß ich ganz genau, dass biblische Texte innerhalb einer christlichen Gemeinschaft immer eine Wirkungsgeschichte hatten. Bestimmte Texte wurden anders gelesen als sie tatsächlich dargestellt werden." (dk)
Simone Paganini (Autor) und Esther Lanfermann (Illustratorin): "Unzensiert: Was Sie schon immer über Sex in der Bibel wissen wollten, aber nie zu fragen wagten". 160 Seiten. Heder-Verlag, 2021. 14,00€ (Taschenbuch), 10,99€ (Kindle). ISBN: 978-3451032752
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Die Bibel (altgriechischer Teil) benutzt schon deshalb nicht das Wort Homosexualität (im Original), weil dieses Wort im antiken Griechenland schlicht nicht existierte. Für die Griechen handelte es einfach um "Liebe", unabhängig vom Geschlecht der Liebenden. (Kleiner Exkurs: Man betrachte die bi- oder homosexuellen Beziehungen vieler griechischer Götter).
Was die Bibel als Gräuel darstellt, ist beispielsweise der Geschlechtsvekehr mit Engeln (vgl. die Geschichte um Sodom). Das wird oft missinterpretiert, m.E.n. durchaus nicht unabsichtlich. Zu weiteren Details verweise ich auf John Corvino, der das aufgedröselt hat.
Zu Jonathan und David zitiere ich aus der Bibel:
"Dann schloss Jonathan mit David einen ewigen Pakt, weil er ihn wie seine eigene Seele liebte. Und Jonathan zog sein Gewand aus und gab es David, ebenso verfuhr er mit seiner Rüstung und sogar seinem Schwert, seinem Bogen und seinem Gürtel." [1, Samuel 18]
"[...] Deine Liebe zu mir war außergewöhnlich, die Liebe der Frauen übertreffend." [2, Samuel 1]