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"Unzensiert"

Bibelwissenschaftler: "Homosexualität wird in der Bibel schlicht und ergreifend gelebt"

Laut Bibel ist es ein "Gräuel", wenn ein Mann bei einem Mann liegt. Der Theologe Simone Paganini widerspricht dieser Interpretation allerdings in seinem neuen Buch über Sex und Bibel.


Seit Jahrtausenden streiten sich Menschen darüber, wie man die Worte in diesem Buch interpretieren soll (Bild: Evangelisches Schuldekanat Schorndorf/Waiblingen / flickr)

Der katholische Bibelwissenschaftler Simone Paganini argumentiert in einem am Donnerstag erschienen Buch, dass die Heilige Schrift "erstaunlich offen und ohne rot zu werden über Sex" rede – "und zwar in allen Facetten". Dabei, so der in Italien geborene Professor für Biblische Theologie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, sei auch Homosexualität kein Tabu und werde nicht verurteilt. Das Buch trägt den Titel: "Unzensiert: Was Sie schon immer über Sex in der Bibel wissen wollten, aber nie zu fragen wagten".

"Homosexualität wird in der Bibel nicht thematisiert oder problematisiert, sie wird schlicht und ergreifend gelebt", so zitiert das "Domradio" Paganini. Dies geschehe etwa in der Gestalt von König David, der sich zu seinem Freund Jonatan in einer Weise hingezogen fühle, die eine Männerfreundschaft übersteige.

Der oft von Homo-Hasser*innen zitierte Abschnitt im Buch Levitikus (Kapitel 18, Vers 22) würde dagegen missinterpretiert. Der biblische Satz "Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel" spreche nicht Homosexualität an, behauptet Paganini. In dieser Geschichte gehe es vielmehr um sexuelle Demütigung.

Katholische Würdenträger rechtfertigen Homophobie mit Bibel


Das Buch ist für 14 Euro zu haben (Bild: Herder-Verlag)

Freilich haben katholische Würdenträger eine ganz andere Meinung darüber, was die Bibel über Homosexualität sagt. Der schweizerische Bischof Vitus Huonder wiederholte etwa 2016 die Levitikus-Passagen samt der Androhung der Todesstrafe als geltende biblische Aussage zur "gleichgeschlechtlichen Praxis" (queer.de berichtete).

Laut Paganini behandle die Heilige Schrift viele weitere sexuellen Themen, etwa Polygamie und Selbstbefriedigung. Auch Vielehe, Inzest und Prostitution sowie sexualisierter Machtmissbrauch und Vergewaltigung kämen in dem Buch vor. Das Neue Testament sei bei dieser Thematik allerdings viel zurückhaltender als das turbulente Alte Testament. Dort würde etwa Paulus Enthaltsamkeit und Keuschheit predigen. Die Sexualfeindlichkeit der Kirche gehe aber weniger auf den Ursprungstext zurück, so Paganini, sondern auf mittelalterliche Theologen.

Im Interview mit SWR1 Rheinland-Pfalz betonte Paganini, dass er mit seinem Buch "nicht die Sexualmoral der Kirche in irgendeiner Weise infrage stellen" wolle. Ferner erklärte der Professor: "Als Bibelwissenschaftler weiß ich ganz genau, dass biblische Texte innerhalb einer christlichen Gemeinschaft immer eine Wirkungsgeschichte hatten. Bestimmte Texte wurden anders gelesen als sie tatsächlich dargestellt werden." (dk)

Infos zum Buch

Simone Paganini (Autor) und Esther Lanfermann (Illustratorin): "Unzensiert: Was Sie schon immer über Sex in der Bibel wissen wollten, aber nie zu fragen wagten". 160 Seiten. Heder-Verlag, 2021. 14,00€ (Taschenbuch), 10,99€ (Kindle). ISBN: 978-3451032752


#1 CornyAnonym
  • 18.02.2021, 15:50h
  • Tja, und mit dieser Stellungnahme hat er tatsächlich Recht, wie ein Blick in die Bibel verrät.
    Die Bibel (altgriechischer Teil) benutzt schon deshalb nicht das Wort Homosexualität (im Original), weil dieses Wort im antiken Griechenland schlicht nicht existierte. Für die Griechen handelte es einfach um "Liebe", unabhängig vom Geschlecht der Liebenden. (Kleiner Exkurs: Man betrachte die bi- oder homosexuellen Beziehungen vieler griechischer Götter).
    Was die Bibel als Gräuel darstellt, ist beispielsweise der Geschlechtsvekehr mit Engeln (vgl. die Geschichte um Sodom). Das wird oft missinterpretiert, m.E.n. durchaus nicht unabsichtlich. Zu weiteren Details verweise ich auf John Corvino, der das aufgedröselt hat.
    Zu Jonathan und David zitiere ich aus der Bibel:
    "Dann schloss Jonathan mit David einen ewigen Pakt, weil er ihn wie seine eigene Seele liebte. Und Jonathan zog sein Gewand aus und gab es David, ebenso verfuhr er mit seiner Rüstung und sogar seinem Schwert, seinem Bogen und seinem Gürtel." [1, Samuel 18]
    "[...] Deine Liebe zu mir war außergewöhnlich, die Liebe der Frauen übertreffend." [2, Samuel 1]
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#2 Julian SAnonym
  • 18.02.2021, 15:54h
  • "Im Interview mit SWR1 Rheinland-Pfalz betonte Paganini, dass er mit seinem Buch "nicht die Sexualmoral der Kirche in irgendeiner Weise infrage stellen" wolle."

    Also letztlich kriecht auch er dann doch vor der Kirche. Der Arbeitsplatz ist dann wohl doch wichtiger als die Wahrheit, das eigene Gewissen und die Menschlichkeit.
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#3 Korinthen KKAnonym
#4 Ralph
  • 18.02.2021, 16:28h
  • Alle Kulturen besitzen einen reichen Schatz an in die Vorgeschichte zurückreichenden Sagen, Märchen und Mythen. Das Problem sind nicht deren Inhalte und Interpretationen, sondern dass Menschen heute noch allen Ernstes aus diesen Erzählungen Handlungsanweisungen fürs Leben, ja gar für die staatliche Ordnung ableiten wollen.
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#5 ArroganzAnonym
  • 18.02.2021, 16:34h
  • Antwort auf #3 von Korinthen KK
  • Vielen Dank für den Link.

    Dass ausgerechnet dieser Verein, der so viel Dreck am Stecken hat und bis heute zu Kindesmissbrauch vertuscht, statt schonungslos aufzuklären, es wagt, Leute dermaßen unter Druck zu setzen und so eine Drohkulisse aufzubauen, beweist deren arrogante Geisteshaltung.

    Dieser Abteilungsleiter der Gemeinde (oder wie auch immer man das nennen mag) ist ja wohl der Hammer. Fragt das Team, ob sie eine Drehgenehmigung haben. Das ist öffentlicher Grund und Boden. Dafür braucht man keine Drehgenehmigung. Damit wollte er nur diese Leute, die sich dort äußern, einschüchtern.

    Ich verstehe aber auch nicht diese Mitglieder der katholischen Hochschulgemeinde und diese später gezeigten Gemeinde-Mitglieder. Die beschweren sich über die Haltung ihrer Kirche und deren Blockade und eine junge Frau sagt: "Wir können nicht drauf reagieren. Wie sollen wir auch reagieren?"

    Dabei wäre die Reaktion doch ganz einfach:
    Austreten!!

    Können die es wirklich noch mit ihrem christlichen Glauben vereinbaren, Mitglied dieser "Kirche" zu sein? Oder sollten die nicht austreten, gerade WEIL sie Christen sind?!
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#6 Carsten ACAnonym
  • 18.02.2021, 17:19h
  • Antwort auf #5 von Arroganz
  • Ich finde es auch immer sonderbar bis verlogen, wenn Leute zwar die Kirche kritisieren, aber dennoch Mitglied bleiben.

    Wenn die das wirklich alles so schlimm finden, was die Kirche abzieht, wieso treten sie dann nicht aus?

    Wer da Mitglied bleibt, unterstützt die finanziell und ideologisch!!

    Da frage ich auch gar nicht, wie man als Christ da Mitglied bleiben kann. Ich frage viel allgemeiner, wie man als Mensch Mitglied in einer Organisation sein kann, die nicht nur massenhaft Kinder missbraucht hat, sondern das auch bis zum heutigen Tag so weit wie möglich vertuscht. (Wie z.B. im Bistum Köln, wo Kardinal Woelki weiterhin die Veröffentlichung eines entsprechenden Gutachtens blockiert und erst in ein paar Wochen ein alternatives Gutachten aus dem Hut zaubern will.)

    Wer da noch Mitglied bleibt, macht sich mitschuldig...
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#7 thorium222Profil
  • 18.02.2021, 18:23hMr
  • Antwort auf #3 von Korinthen KK
  • Danke für den Link!
    Tragisch, dass noch heute eine (fehlinterpretiert oder wie auch immer) Textstelle aus der Bronzezeit für Hass und Gewalt herhalten muss. Dass die gleichen Menschen, die das heute immer noch tun, das Wohl ihrer Organisation über alles andere Stellen, auch über das Wohl von missbrauchten Kindern, überrascht da natürlich keineswegs.
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#8 tchantchesProfil
  • 18.02.2021, 21:34hSonstwo
  • *Biblische* Theologie an der *Technischen* Hochschule? Hallo...?

    Da kann man mal sehen, wie sehr dieser Humbug selbst die gestandenste Wissenschaft verseucht.
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#9 Pu244Anonym
  • 18.02.2021, 23:17h
  • Das ganze fällt dann doch unter den Punkt Geschichts- und Bibelfälschung. Hier bastelt sich jemand seinen Glauben so zusammen, wie es ihm passt. Das ist an und für sich nichts neues, der Glaube wurde von vielen immer an die jeweilige Zeit angepasst. Mal war es der Gott der weißen Christenheit, der die brutale Versklavung anderer Völker und die Auslöschung ihrer Kultur befahl, mal war es der nationalistische Gott, der seine Gunst der jeweiligen Nation gewährte und die anderen mit Elend und mangelndem Kriegsglück bestrafte. Nach 1945 war es dann plötzlich die Gott des Friedens und der religiösen Toleranz. Heute soll es der Gott der sexuellen Freizügigkeit sein. Für alles gibt es klare Gegenbeweise in der Bibel.

    Ich frage mich auch, wie er das in Lev 18:22 umdeuten möchte. Es liest sich so, als sei es Pflicht, die Frau beim Sex zu demütigen, ein Mann darf jedoch beim Sex nicht gedemütigt werden, sonst droht die Todesstrafe. Eine äußerst originelle Deutungsweise, das muß man ihm lassen. Wer das ganze jedoch mit etwas Verstand liest, der weiß, wie es gemeint ist und wie es auch vollstreckt wurde.

    Auch bei den anderen Themen muß man sich fragen, was den Autor da geritten hat, um das so zu verdrehen. Sexueller Machtmißbrauch wird jedenfalls sehr oft gerechtfertigt, da stehen einem die Haare zu berge (alleine schon wenn die Nebenfrau einem Mob zur Vergewaltigung vorgeworfen wird und sich die Männer dann schlafen legen). Bei einer Vergewaltigung muß der Vergewaltiger, auf dem Land, dem Vater des Opfers eine Entschädigung zahlen und er muß das Opfer heiraten (das Opfer wird nicht gefragt und muß den Vergewaltiger heiraten). In der Stadt müssen sowohl Täter, als auch Opfer, hingerichtet werden. Bei der Masturbation ist Mann unrein, immerhin drohen keine sonstigen Strafen (sofern man die Gebote bezüglich der Unreinheit befolgt). Auf Inzest und diversen anderen Dingen steht die Todesstrafe. Wahr ist, dass die Bibel die Polygamie propagiert und dass es einige Stelle gibt, die Homosexuelle Beziehungen, zumindest nach heutiger Interpretation, nahelegen. Auch im neuen Testament wird Homosexualität übrigens ausdrücklich verdammt.

    Man sollte sich dem ganzen stellen und seine Konsequenzen ziehen. Wenn man damit nicht einverstanden ist, dann heißt das eben austreten. Ich finde auch, dass man die zahllosen Opfer verhöhnt, indem man den Grund ihrer Ermordung jetzt einfach so weginterpretiert und nicht sagt, was Sache war.

    Als nächstes wird wohl auch noch Hitler zum pazifistischen Judenversteher umgedeutet. Die Zitate gibt es, man muß sie nur aus dem Zusammenhang reißen.
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#10 Pu244Anonym
  • 18.02.2021, 23:36h
  • Antwort auf #8 von tchantches
  • Das ist eben noch ein Überbleibsel aus der Vergangenheit. Heute gibt es auch Versuche, von diversen Interessengruppen, pseudowissenschaftlichen Quatsch in die Hochschulen zu bringen, z.B. die Homöopathie. Diese Versuche werden aber, zumindest in Deutschland, meist erfolgreich abgewehrt. Es wäre an der Zeit, alles pseudowissenschaftliche auszusortieren, egal wie alt es ist.
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