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Studie
Homo- und Bisexuelle leiden eher unter psychischen Problemen
Trotz zunehmender gesellschaftlicher Toleranz müssen sich sexuelle Minderheiten laut einer britischen Studie in größerem Ausmaß mit Depressionen oder Angststörungen herumschlagen.

Schwule, Lesben und Bisexuelle brauchen öfter die Hilfe von Psycholog*innen als Heterosexuelle (Bild: freepik.com)
- 18. Februar 2021, 15:12h 2 Min.
Schwule, Lesben und Bisexuelle leiden weit mehr unter Problemen mit der psychischen Gesundheit als Heterosexuelle. Auch wegen erhöhtem Drogen- und Alkoholmissbrauch sei diese Gruppe eher gefährdet als der Rest der Bevölkerung. Das ist das Ergebnis einer am Mittwoch im Fachmagazin "Psychological Medicine" veröffentlichten Studie von Wissenschaftler*innen mehrerer englischer Universitäten.
In der Studie wurden zwei englische Umfragen zur psychischen Gesundheit aus den Jahren 2007 und 2014 mit mehr als 10.000 Teilnehmenden ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass sich die Unterschiede zwischen Homo- und Heterosexuellen in der sieben Jahre später durchgeführten Umfrage nicht geändert hätten. Die Forscher*innen waren darüber überrascht, da die Gesellschaft im selben Zeitraum toleranter geworden sei.
Hier einige Ergebnisse der Studie: Unter Bisexuellen hätten 40 Prozent mit Depressionen oder Angststörungen zu kämpfen, unter Lesben und Schwulen seien es 28 Prozent und unter Heterosexuellen lediglich 16 Prozent.
Ähnliche Ergebnisse gab es bei Drogenkonsum: 37 Prozent von Bisexuellen hätten illegale Drogen eingenommen, 25 Prozent von Lesben und Schwulen, aber nur 10,5 Prozent von Heterosexuellen. Bei Alkoholmissbrauch führten Schwule und Lesben die Liste mit 37 Prozent vor Bisexuellen (31 Prozent) und Heterosexuellen (24 Prozent) an.
"Um diese gesellschaftliche Ungleichheit zu bekämpfen, müssen wir sicherstellen, dass Gesundheitspersonal in der Frage der psychologischen Bedürfnisse von sexuellen Minderheiten besser ausgebildet werden, da sich diese Gruppe im nationalen Gesundheitssystem oft unsichtbar fühlt", erklärte Chefautorin Dr. Alexandra Pitman von der Londoner UCL-Universität. Schulen der Sekundarstufe müssten außerdem schwule, lesbische und bisexuelle Schüler*innen besser unterstützen. Zudem müssten Gesundheitseinrichtungen Antidiskriminierungsstrategien erarbeiten.
Die Lage für sexuelle Minderheiten hat sich im Rahmen der Corona-Krise wohl noch verschlechtert: Eine britische Studie aus dem vergangenen Jahr war zu dem Ergebnis gekommen, dass die Pandemie einen "schädlichen Einfluss" auf die psychische Gesundheit von LGBTI habe (queer.de berichtete). Eine deutsche Studie kam vergangene Woche zu ähnlichen Ergebnissen (queer.de berichtete). (dk)















Denn für die eigene psychische Gesundheit ist nicht relevant, wie akzeptiert man von der Mehrheit der Gesellschaft ist. Sondern ob man immer noch Diskriminierung erlebt (selbst wenn sie weniger wird) oder Diskriminierung oder gar Gewalt fürchten muss.
Solange man immer noch nicht 100% gleichgestellt ist und immer noch gesellschaftliche Diskriminierung oder Gewalt fürchten muss, lebt man in ständiger Angst davor. Die Angst mag unterbewusst sein, aber sie hat ihre Folgen.