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Beschluss des Bezirksparlaments

Berlin bekommt einen Charlotte-Wolff-Platz

Ein neuer Platz direkt am künftigen queeren Wohnprojekt "Lebensort Vielfalt am Südkreuz" wird an die lesbische Ärztin, Sexualwissenschaftlerin und Schriftstellerin erinnern.


Die Ärztin, Sexualwissenschaftlerin und Schriftstellerin Charlotte Wolff wurde 1933 von der Gestapo wegen des Tragens von Männerkleidung verhaftet (Bild: Anke Rixa Hansen / Schwules Museum)
  • 19. Februar 2021, 06:19h, noch kein Kommentar

Ein neuer Platz in Berlin soll den Namen der lesbischen Ärztin, Sexualwissenschaftlerin und Schriftstellerin Charlotte Wolff tragen. Das hat die Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg am Mittwochabend beschlossen. Direkt an dem Platz, der gerade durch Bauarbeiten an der Ecke Ella-Barowsky-Straße Ecke Gotenstraße am Tempelhofer Weg entsteht, wird das queere Wohnprojekt "Lebensort Vielfalt am Südkreuz" errichtet.

Den Vorschlag der Schwulenberatung Berlin hatten im Bezirksparlament SPD, CDU, Linke und FDP in einem gemeinsamen Antrag unterstützt. Die Grünen hatten einen ähnlichen Antrag eingebracht.

Queere Menschen ins öffentliche Bewusstsein rücken

"Es ist wichtig, queere Menschen noch stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken", argumentierten SPD, CDU, Linke und FDP in ihrer Antragsbegründung. "Der Platz vor dem Lebensort Vielfalt am Südkreuz ist dafür sehr geeignet, denn dort entsteht ein besonderes Wohnprojekt für schwule Senioren, ältere lesbische Frauen, Trans-, Inter- und jüngere LSBTIQ-Menschen. Dr. med. Charlotte Wolff hat sich durch ihr Wirken und ihre Arbeit hervorgetan und ist eine bedeutende Vertreterin ihrer Zeit."

Im Grünen-Antrag hieß es: "Charlotte Wolff war nicht nur als emigrierte Jüdin eine Außenseiterin, sondern auch als Wissenschaftlerin, die den Mut besaß, ungewohnte Wege unabhängig vom Urteil der Fachkolleg*innen zu gehen. Auf die deutsche Lesbenbewegung der siebziger Jahre übte sie einen nachhaltigen Einfluss aus."

Auf Initiative der Schwulenberatung Berlin, hat die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg gestern...

Posted by Schwulenberatung Berlin on Thursday, February 18, 2021
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Wolff veröffentlichte erste große Studie über Bisexualität


Gedenkstein für Charlotte Wolff auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin (Bild: OTFW, Berlin / wikipedia)

Charlotte Wolff wurde 1897 in Berlin geboren. Schon während ihres Studiums der Medizin und Philosophie hatte sie ihr lesbisches Coming-out. Wolff selbst verweigerte sich auch dem klassischen Frauenbild der damaligen Zeit und bevorzugte bequeme Männerkleidung. Wolff war an der Einrichtung der ersten Klinik für Schwangerschaftsverhütung in Deutschland beteiligt und beriet am Alexanderplatz zum Thema Familienplanung. Im Februar 1933 wurde die den Nationalsozialisten unliebsame jüdische Medizinerin verhaftet, musste dann nach ihrer Haftentlassung im Mai aus Deutschland fliehen und emigrierte nach Großbritannien.

Neben ihrer Tätigkeit als Psychotherapeutin schuf sich Wolff durch ihre Studien über die lesbische Liebe einen internationalen Ruf. 1971 erschien "Love between Women" (dt. "Die Psychologie der lesbischen Liebe"), 1977 eine Untersuchung über Bisexualität – die erste umfassende zu diesem Thema überhaupt. Ihr wohl wichtigstes Werk ist ein Porträt des Berliner Sexualreformers Magnus Hirschfeld, das sie kurz vor ihrem Tod fertigstellte. Charlotte Wolff starb 1986 in London im Alter von 89 Jahren. (cw)