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Streit um FAZ-Kommentar

LSVD fordert SPD auf, sich bei LGBTI-Community zu entschuldigen

Die Beteuerungen der Sozialdemokrat*innen, auf der Seite queerer Menschen zu stehen, seien "nichts wert", kritisiert der Lesben- und Schwulenverband. Auslöser ist die Einladung von FAZ-Feuilletonchefin Sandra Kegel zu einem Onlinetalk.


Gesine Schwan, Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission und ehemalige Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin und den Parteivorsitz, moderierte den missglückten Onlinetalk mit Sandra Kegel (Bild: Heinrich-Böll-Stiftung / flickr)

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) ist extrem sauer auf die SPD. Die Beteuerungen der Partei, auf der Seite queerer Menschen zu stehen, seien "nichts wert", kritisierte der Verband am Freitagabend in einer Pressemitteilung. Viele Sozialdemokrat*innen würden "Homophobie und Transfeindlichkeit lieber leugnen, kleinreden oder verharmlosen statt diese deutlich zu kritisieren".

Anlass der scharfen Kritik ist der Onlinetalk "Kultur schafft Demokratie", zu dem die Grundwertekommission der SPD und das Kulturforum der Sozialdemokratie am Donnerstagabend ausgerechnet die FAZ-Feuilletonchefin Sandra Kegel eingeladen hatte. Die 49-jährige Journalistin steht wegen ihres am 4. Februar veröffentlichten Kommentars "Selbstbewusstsein und Kalkül" zur Kampagne #ActOut in der Kritik. Darin negierte sie die Existenz von Queerfeindlichkeit in Film, Fernsehen und Theater und warf den beteiligten 185 Schauspieler*innen vor, nur aus "Kalkül im Ringen um Aufmerksamkeit bei Verkennung der Verhältnisse" zu handeln. Reale Diskriminierungserfahrungen spielte Kegel herunter: "Bei einer Rolle übergangen zu werden mag ärgerlich sein und sicherlich auch kränkend, aber lebensgefährlich ist das nicht."

Direktlink | Ab Minute 38 geht es um Sandra Kegels queerfeindlichen Kommentar

Moderiert wurde der Onlinetalk u.a. von Gesine Schwan, der Vorsitzenden der SPD-Grundwertekommission und ehemaligen Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin und den Parteivorsitz. Im Vorfeld hatte die SPDqueer erfolglos gefordert, Kegel von dem "Jour Fixe" wieder auszuladen (die Einladung der einflussreichen FAZ-Ressortleiterin war vor Veröffentlichung ihres Kommentars erfolgt). Als Kompromiss erklärten sich die Grundwertekommission und das Kulturforum der SPD allerdings nur bereit, Kegels Attacke zum Thema zu machen. Dazu luden sie die beiden Schauspieler*innen und #ActOut-Unterzeichner*innen Heinrich Horwitz und Bettina Hoppe sowie Nollendorfblogger Johannes Kram als zusätzliche Gäste ein, um am Ende des Onlinetalks dreiminütige Statements abzugeben. Kram hatte bereits am 9. Februar eine "Gegenrede auf Sandra Kegel" veröffentlicht.

Heinrich Horwitz, nichtbinär, wird im Talk falsch angesprochen

"Was dann geschah, war so unverständlich wie schwer auszuhalten", heißt es in der LSVD-Pressemitteilung über die "fassungslose Farce". So wollte die FAZ-Feuilletonchefin ihren "zugespitzten" Kommentar unter anderem als "Glosse" sowie als "Ideologiekritik" verstanden wissen. "Damit bedient sich Kegel nun tatsächlich auch rechtspopulistischen bis rechten Kampfbegriffen, die regelmäßig in AfD-Reden oder den Auseinandersetzungen in Polen verwendet werden, wenn dort vor vermeintlicher 'Gender-Ideologie' oder 'LGBT-Ideologien' gewarnt wird", kritisierte der Lesben- und Schwulenverband.

Die drei queeren Gäste widersprachen den Vorwürfen Kegels deutlich. In ihren Statements berichteten sie von ihren Erfahrungen und erzählten von ihrer Wut und ihrem Schmerz angesichts der Negierung ihrer Erfahrungen und der Unterstellung, Diskriminierung zu erfinden, weil sie lediglich Aufmerksamkeit bekommen wollen. Heinrich Horwitz als nichtbinäre Person wurde dabei von den SPD-Verantwortlichen falsch angekündigt und angesprochen.

"Im Verlaufe des Gesprächs war es dann nicht Kegel, die sich für ihre Verleumdung und schwerwiegenden Vorwürfe rechtfertigen musste, sondern die Betroffenen", fasst der LSVD die Diskussion zusammen. "Sie wurden beschuldigt, Kegel mundtot machen zu wollen. Dabei waren es letztlich sie, die aus dem Talk rausgeworfen wurden." Auch die FAZ-Redakteurin sprach von "Cancel Culture".

LSVD: "Die SPD hat versagt"

"Die SPD hat versagt", urteilte der Verband. "Ausgerechnet in der SPD-Grundwertekommission haben die Verantwortlichen klargemacht, auf wessen Seite sie stehen und wer mit ihrer Unterstützung rechnen kann: Es sind nicht die Betroffenen." Die Verantwortung reiche sogar noch weiter: "Es war eine Veranstaltung der SPD, auf dem Kanal ihrer Zeitschrift 'vorwärts'. Viele hochrangige SPD-Politiker*innen wie etwa Generalsekretär Lars Klingbeil waren informiert und nahmen die Sorgen nicht ernst." Damit wiederholten die SPD-Verantwortlichen "genau die perfide Argumentation von Sandra Kegel: Queere Menschen sollen sich mal nicht so haben", so der LSVD. "Der Angriff von Sandra Kegel war zwar in einem der wichtigsten und größten Tageszeitungen Deutschlands. Aber war ja nicht lebensgefährlich."

Der Lesben- und Schwulenverband fordert nun ein "glaubwürdiges Aufarbeiten innerhalb der Partei". Außerdem sollten die SPD-Verantwortlichen bei den Redner*innen, bei #ActOut und der queeren Community um Entschuldigung bitten.

Heftige Kritik an dem SPD-Talk gab es auch in sozialen Medien. "Diese Veranstaltung strotzt vor Homophobie, Rassismus und Täter-Opfer-Umkehr", schrieb Jenny Luca Renner, u.a. Bundessprecherin* von Die Linke.queer und ZDF-Fernsehrätin*, auf Twitter. "Ich bin entsetzt! Das, war da gestern passiert ist, ist ekelhaft und macht mich als Betroffene wütend, sprachlos und sehr sauer."

Twitter / JennyLucaRenner

Der Schauspieler Klaus Nierhoff warf den SPD-Talker*innen und Kegel in einem Tweet vor, mit einer "atemberaubenden Selbstgefälligkeit über die Anliegen von #actout hinweg" zu gehen. (mize)

Twitter / klnie



#1 NonBinary
  • 20.02.2021, 06:30h
  • "die perfide Argumentation von Sandra Kegel: Queere Menschen sollen sich mal nicht so haben"

    Ich. Kann. Es. Nicht. Mehr. Hören.
    Ich. Kann. Es. Nicht. Mehr. Ertragen.

    SPD: für queere Menschen unwählbar.
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#2 LegatProfil
  • 20.02.2021, 07:12hFrankfurt am Main
  • Laut Frau Kegel können wir Ideologen also froh sein, nicht ins russische Straflager zu kommen und sollen uns bitte mal nicht so haben. Wir dind doch schon so weit bei uns und nehmen das in unseren Echokammern nur nicht wahr. Wir sind wegen userer härte in der Diskussion unkultiviert und sind einfach viel zu empfindlich, wenn man uns anfeindet und unsichtbar machen will. Das wird man ja wohl nochmal sagen dürfen und wir in Blasen lebenden Übertreiber, sollen doch bitte mal andere Meinungen aushalten.

    Ende der Glosse. Ich geh dann mal kotzen.
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#3 KumpelAnonym
  • 20.02.2021, 07:44h
  • Antwort auf #1 von NonBinary
  • Absolut. Für mich ist die sPD einfach untragbar geworden. Leider. Somit auch nicht wählbar. Unter anderem auch nicht für unsere Hauptstadt. Für Berlin wünsche ich mir ganz fest, eine noch stärkere Grüne Regierung. Dies wäre zumindest ein Schritt i.d.richtige Richtung und ein gewaltiger Arschtritt für die sPD. Aber eher wahrscheinlicher wird sein, das uns eine flach grinsende neu gewählte Bürgermeisterin Giffey den Sitz übernimmt. Gähn.
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#4 LegatProfil
  • 20.02.2021, 08:15hFrankfurt am Main
  • Jörg Bong und die anderen Kegel-Befürworter möchten also einen kulturell hochwertigen Diskurs fuhren. Wie nett. Ich mache mal ein paar Vorschläge für den Titel dieses Termins:
    - Qeerness: Gut oder schlecht? Eine ergebnisoffe Diskussion.
    - Das wird man ja noch sagen dürfen! Rechte Meinungen in Gefahr!
    - Wir sind doch schon so weit, was wollt ihr denn noch? Minderheiten und ihre Unersättlichkeiten.
    - Beleidigte Ideologen, oder wie wir wieder lernen, andere Meinungen gegen unsere persönlichen Identitäten auszuhalten.
    - Täglich aushalten können: Warum die Akzeptanz von Minderheiten jeden Tag grundlegend neu verhandelt werden muss.
    - Mutwillig missverstanden: Warum ich nicht queerphob bin, obwohl ich queerphobes sage und schreibe.
    - Weiß, Frau und nicht lesbisch sein ist kein Verbrechen!
    - Ein bisschen Spaß muss sein! Glossen richtig lesen können, von kulturell gebildeten ExpertEN erklärt.
    - Aggressiv auf Angriffe gegen die eigene Identität reagieren? Völlig inakzeptabel und unkultiviert! Wie wir wieder lernen, ergebnisoffen über unser Sein oder nicht Sein mit unseren politischen Feinden zu verhandeln.

    Ende der Glosse zweiter Teil.
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#5 SchonAnonym
  • 20.02.2021, 08:17h
  • Na gut, die ist in einer richtig dicken Wellnesszone. Nachvollziehbar, dass sie da blind für die Probleme anderer Leute ist. Das entschuldigt aber keinesfalls Ungebildetheit:
    Allle Errungenschaften unserer Gesellschaft, ob das jetzt Arbeitnehmerrechte, Minderheitenschutz, Abtreibungsrecht oder das Frauenwahlrecht ist wurden auf der Straße erkämpft. Wenn kein Mensch auf die Strasse geht, passiert es einfach nicht, dass Politiker oder Interessenvertreter aus Humanität oder Empahie beschließen den bequemen Ist-Zustand zu ändern, nicht hier, nicht in Polen und auch nicht in Russland.
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#6 NevermindAnonym
  • 20.02.2021, 08:35h
  • Man verrennt sich da in etwas, fürchte ich.

    Die Forderung, Frau Kegel auf Grund ihres Kommentares von einer Diskussion auszuladen, finde ich -ehrlich gesagt- unverschämt, nachdem ich ihn gelesen habe. Herr Kram hat eine >>Gegenrede<< verfasst, das ist doch gut, auf dieser Grundlage könnte man doch dann diskutieren? Diese Forderung war wohl ein Omen für die missglückte Diskussion, von der ich nur diesen Artikel kenne. Der negative Verlauf könnte auch von den queeren Teilnehmern verursacht worden, das ist mein Eindruck.

    Jede*r kann wählen, wen e*r möchte. Jede sollte auch sagen und schreiben können, was sie denkt, ohne Konsequenzen (wie eine Ausladung) fürchten zu müssen. Eine >>Gegenrede<< selbstverständlich schon. Und eine >>Gegenrede<< sollte dann auch ausreichen.
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#7 LegatProfil
  • 20.02.2021, 08:59hFrankfurt am Main
  • Antwort auf #6 von Nevermind
  • Wer jemanden zu einer Diskussion einlädt, muss dessen Position zwar nicht teilen, doch durch die Einladung selbst wird die Position des Eingeladenen vom Einladenden legitimiert. Genau um dies zu vemeiden, lädt die SPD keine Vertreter*innen der AfD zu ihren eigenen Gesprächsrunden ein. Warum dann eine Frau Kegel, die sich den gleichen Ressentiments wie die AfD bedient?
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#8 NonBinary
  • 20.02.2021, 08:59h
  • Antwort auf #6 von Nevermind
  • "Der negative Verlauf könnte auch von den queeren Teilnehmern verursacht worden"

    Klassische Täter-Opfer-Umkehr.

    "Jede sollte auch sagen und schreiben können, was sie denkt, ohne Konsequenzen [...] fürchten zu müssen."

    Falsch verstandene Meinungsfreiheit. Selbstverständlich darf jede_r sagen und schreiben, was er_sie denkt. Aber selbstverständlich muss diese Person dann auch mit Konsequenzen rechnen. Von einfachem Widerspruch bis hin zu einer Anklage wegen Volksverhetzung (ganz generell gesprochen).

    @Legat, #2 und #4: großartig formuliert.
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#9 JoseAnonym
  • 20.02.2021, 09:19h
  • Warum beleidigt sein ? In dem Talk, war es Meinung und nicht Beleidigung. So sehe ich das. Ich finde es, prinzipiell, gut wenn Leute mit anderer, eigener Meinung, die sie auch öffentlich kommunizieren können dabei sind. Das fördert die Diskussionskultur. Durchs Grundgesetz gedeckt. Natürlich ist die Reaktion der anderen Seite genau das Gegenteil. Das die "Queere Szene" oft gereizt und überempfindlich reagiert, ist bekannt. Im Idealfall sollte danach gleich, für eine andere Meinung, die Entschuldigung kommen. Manchmal grenzt das schon an Peinlichkeit. So empfinde ich das persönlich. Bei mir muß sich allerdings auch keine Konservativer ob nun queer oder nicht, für seine eigene Meinung entschuldigen. Zumal ich nicht jedes seiner Worte auf die "Goldwaage" lege. Wenn dann noch Zeit ist, diskutiere ich gerne.
    Überhaupt hat die Diskussionskultur in D stark abgenommen, seitdem nur noch in links und rechts eingeteilt wir. Wenn Du nicht unserer Meinung bist, bist Du einzig und allein rechts oder links. Jeh nach Sichtweise. Das ist schlimm.
    Diskussionskultur-bestes Beispiel sind unsere Talkshows. Gabs vor Jahren noch angeregten Talk, auch mit Leuten die extrem unbequem waren aber einen interessanten Talk erst möglich machten, vermisse ich das heute sehr. War Anne Will, nach dem Tatort früher Pflicht, schaue ich mir dieses flache Gedöns (sorry), mit immer den gleichen Gästen und daraus resultierend, immer den gleichen Meinungen, wie auch die anderen Talks schon Jahre nicht mehr an.
    Übrigens fand ich das "Massen-Outing" von "Kulturschaffenden" in der SZ nun auch keine Sensation. Dafür kam es 20 Jahre zu spät.
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#10 SickoAnonym
  • 20.02.2021, 09:24h
  • Wie man doch nur an diesem letzten Satz der "Glosse" so hochziehen kann. Mir unbegreiflich.
    Ich fand es eher unglaublich Scarlett Johansson als eine der besten Schauspielerinnen des Universums zu bezeichnen.
    Und dass die Autorin nicht ganz verstanden hat, worum es geht, zeigt doch schon allein die Einlassung zu Ulrike Folkerts.
    Es gibt allerdings auch in der queeren Community unterschiedliche Ansichten darüber, ob heterosexuelle Trans- oder schwule/ lesbische, ... Charaktere darstellen dürfen. Ich persönlich habe damit kein Problem. Finde allerdings den ganzen bohei darum oft unerträglich.
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