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Homosexualität im Fußball

FC Bayern München: "Mia san bunt"

Bayern-Präsident Herbert Hainer wünscht sich ein Klima in Fußball und Gesellschaft, in dem man niemanden zum Coming-out ermutigen muss. Kinder und Jugendliche sollten frühzeitig sensibilert werden.


Herbert Hainer ist seit 15. November 2019 Präsident des FC Bayern München und damit Nachfolger von Uli Hoeneß (Bild: FC Bayern München)

In der Debatte um Homosexualität im Fußball hat der Präsident des FC Bayern München, Herbert Hainer, die Verantwortung der Vereine betont. Es sei nicht ihre Aufgabe, eine Spielerin oder einen Spieler zu ermutigen, ihre und seine sexuelle Orientierung öffentlich zu leben, sagte der Vereinschef der "Rheinischen Post" (Bezahlartikel). "Das ist eine Entscheidung, die jede und jeder für sich selbst treffen muss, und selbstverständlich werden wir als Verein unsere Sportlerinnen und Sportler dann in ihrer und seiner persönlichen Entscheidung unterstützen", sagte Hainer.

Nach seiner Meinung geht das Thema aber über den Sport hinaus. "Wir müssen es in der Gesellschaft hinbekommen, dass ein Klima entsteht, in dem man niemanden ermutigen muss. Dazu möchten auch wir einen Beitrag leisten", sagte Hainer.

Vereinspräsident fordert mehr Aufklärung

Deswegen arbeite man in allen Altersklassen intensiv an dem Thema, unter anderem auch im Bayern-Campus setze man auf Aufklärung. "Die Frage, wie sich die Gesellschaft, der Fußball verändern muss, damit homosexuelle Menschen sich nicht zu verstecken brauchen, hat eine unserer Pädagoginnen am Campus so beantwortet: "Wir müssen die Kinder und Jugendlichen frühzeitig für das Thema sensibilisieren, offene Fragen beantworten, Unsicherheiten nehmen und sehr klar vermitteln, dass 'Mia san mia' auch 'Mia san bunt' heißt"", berichtete der Vereinspräsident.

Warnung von Philipp, Ermunterung von über 800 Kolleg*innen

Seit mehreren Tagen wird in Deutschland zum wiederholten Mal über Homosexualität im Profifußball diskutiert. Ausgelöst wurde die Debatte durch das neue Buch "Das Spiel" des ehemaligen Nationalmannschaftskapitäns Philipp Lahm, in dem er vor einem Coming-out warnt. Ein schwuler Spieler, der sich in der Bundesliga outet, habe nur geringe Chancen, "halbwegs unbeschadet davonzukommen", zitierte die "Bild"-Zeitung am Mittwoch vorab aus dem Band, der am 22. Februar auf den Markt kommt (queer.de berichtete).

Neben den Aussagen von Lahm hatte in dieser Woche ein Appell für Aufsehen gesorgt, mit dem mehr als 800 deutschen Fußballer*innen homosexuellen Spielern ihre Solidarität zugesichert hatten. "Wir werden euch unterstützen und ermutigen und, falls notwendig, auch gegen Anfeindungen verteidigen. Denn ihr tut das Richtige, und wir sind auf eurer Seite", hieß es in dem Solidaritätsschreiben, das das Magazin "11 Freunde" in seiner jüngsten Ausgabe veröffentlichte (queer.de berichtete). (cw/dpa)



#1 gutgemeintAnonym
  • 20.02.2021, 08:33h
  • "dass ein Klima entsteht, in dem man niemanden ermutigen muss"

    gut gemeint ist nicht unbedingt gut gemacht. mir klingt das verdächtig danach, dass man damit am liebsten so wenig wie möglich zu tun haben will. im moment haben wir nämlich eher ein klima, in dem es unbedingt ermutigung braucht, und das liegt genau daran, dass das thema tabuisiert wird. sich mit einem tabuisierten thema am liebsten nicht mehr beschäftigen zu wollen, wird da nicht wirklich weiter helfen.

    mit der harmlosen formulierung "Das ist eine Entscheidung, die jede und jeder für sich selbst treffen muss" wird das ganze thema wieder ins private verschoben, und auf die ebene der persönlichen verantwortung der betroffenen. damit kann man sich wunderbar aus der affäre ziehen.
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#2 PeerAnonym
  • 20.02.2021, 10:52h
  • Sehr vorbildlich.

    So sollte es sein, dass man niemandem zum Coming-out ermuntern muss und nicht mal ein Coming-out notwendig ist. Sondern dann die sexuelle Orientierung so selbstverständlich und belanglos ist wie die Augenfarbe.

    Das zeigt, dass sich auch im Fußball etwas ändert... Und das ist gut so. Denn sich selbst zu verleugnen und immer Angst vor Enttarnung zu haben, hat nicht nur Folgen für die Psyche, sondern schmälert auch die sportlichen Leistungen.

    Also ihr schwulen Spieler und lesbischen Spielerinnen:
    Seid wahre Vorbilder an Sportlichkeit und steht zu Euch selbst. Die Unterstützung Eurer Kollegen, Fans und Funktionäre ist Euch gewiss.
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#3 PeerAnonym
  • 20.02.2021, 10:56h
  • Antwort auf #1 von gutgemeint
  • Sorry, aber man kann sich über Unterstützung auch einfach mal freuen, ohne immer gleich zwanghaft das Haar in der Suppe zu suchen.

    Damit ist doch nicht gemeint, dass man nichts damit zu tun haben will, sondern eher, dass der Umgang mit dem Thema völlig selbstverständlich und unverkrampft sein sollte. So wie wir es seit Jahrzehnten fordern.

    Diese Forderung wird nicht plötzlich weniger wertvoll, wenn sich Heteros anschließen.
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#4 gutgemeintAnonym
  • 20.02.2021, 10:58h
  • Antwort auf #2 von Peer
  • "So sollte es sein, dass man niemandem zum Coming-out ermuntern muss und nicht mal ein Coming-out notwendig ist."
    "Also ihr schwulen Spieler und lesbischen Spielerinnen:
    Seid wahre Vorbilder an Sportlichkeit und steht zu Euch selbst."

    merkste selber, ne.
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#5 PeerAnonym
  • 20.02.2021, 11:07h
  • Antwort auf #4 von gutgemeint
  • Dass es so sein SOLLTE, heißt nicht, dass es jetzt schon so IST.

    Gerade deswegen sollten die sich ja outen, damit es dann in Zukunft eben kein Thema mehr sein muss und jeder ganz normal seinen Partner zeigen kann, wie Heteros das ja auch machen.
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#6 gutgemeintAnonym
#7 AthreusProfil
  • 20.02.2021, 11:25hSÜW
  • Mit "Klimata" kennt sich der FC Bayern ja aus. Ich erinnere daran, dass die Führungsriege höchstselbst jahrelang ihren Jugendtrainer trotz unzähliger Beschwerden seitens der Eltern geschützt hat, der Kinder und Jugendliche rassistisch und homophob beleidigt, körperlich angegangen und einen Chat mit selbigem Inhalt betrieben hat. Erst durch Berichterstattungen quer durch die deutsche Presselandschaft hat man ihn gefeuert.

    Der springende Punkt ist: Die Beschützer und Bewahrer dieses menschenfeindlichen Subjekts und seiner menschenfeindlichen Strukturen arbeiten 202 noch immer beim FC und zwar in herausragender Stellung. Too big to fail, wie man in der Ökonomie sagen würde.

    MIr braucht dort deshalb niemand von Klima zu sprechen, schon gar nicht, nachdem man die Teilnahme am 11 Freunde - Projekt verweigert hat, dessen Chefredakteur jeden Club der Bundesliga extra angeschrieben hat!
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#8 PeerAnonym
  • 20.02.2021, 12:50h
  • Antwort auf #6 von gutgemeint
  • "[...] wenn mir einer bei einem tabuthema erzählen will, das ziel sei, am besten gar nicht mehr darüber zu sprechen"

    Wo soll ich das denn gesagt haben?

    1. Ich will ja gerade, dass es kein Tabuthema mehr ist. Genauso wie auch Heteros nicht gezwungen sind zu sagen "Ich muss Dir was sagen, ich bin hetero", genauso wenig sollten LGBTI das tun müssen. Nicht, weil man nicht über ein Tabuthema sprechen soll, sondern weil es kein Tabuthema mehr ist.

    2. Selbst wenn dann irgendwann der Umgang damit ganz selbstverständlich und unverkrampft ist, heißt das nicht, dass man "am besten gar nicht mehr drüber sprechen" soll. Aber nicht mit diesen "Outing"-Beigeschmack, sondern dass man z.B. ganz selbstverständlich von seinem Partner reden kann, wie Heteros von der Partnerin sprechen. Etc.

    Fazit:
    Alltäglichkeit, Selbstverständlichkeit und Unverkrampftheit bedeuten nicht Tabuisierung.
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#9 gutgemeintAnonym
#10 Ralph
  • 20.02.2021, 13:09h
  • "Wir müssen es in der Gesellschaft hinbekommen, dass ein Klima entsteht..." Oh ja, wer wollte trotz allen gegenteiligen Beteuerungen der Restdiskriminierungserhalter und Nix-gegen-Schwule-aber...-Sager behaupten, ein solches Klima sei bereits vorhanden? Wenn der Vereinspräsident das feststellt, grenzt er nicht seinerseits aus, sondern macht jenen Missstand klar, den so viele andere für den höchsterreichbaren Normalzustand halten.
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