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Porträt

Die ESC-Teilnahme war schon immer sein großer Traum

Am Donnerstag stellt Deutschlands schwuler Eurovision-Starter Jendrik Sigwart sein Lied für den Musikwettbewerb vor. Bisher verdiente der 26-jährige Ukulelen-Fan sein Geld als Musicaldarsteller.


Jendrik Sigwart wird am 22. Mai um viele "douze points" kämpfen (Bild: NDR)
  • Von Ralf Isermann, AFP
    20. Februar 2021, 12:52h, 1 Kommentar

Er hat Charme, er hat Witz, er ist unbekümmert – aber hat er auch den richtigen Hit? Am Donnerstag darf Jendrik Sigwart das Geheimnis lüften, mit welchem Lied er für Deutschland beim Eurovision Song Contest (ESC) im Mai im niederländischen Rotterdam antritt. Sicher wird der schwule 26-Jährige seine mit 4.000 Strasssteinchen selbst beklebte Ukulele in den von ihm geschriebenen Beitrag einbauen.

Die Präsentation des deutschen Lieds erst knapp drei Wochen nach der Bekanntgabe des ESC-Teilnehmers ist ein Kunstgriff, mit dem der Norddeutsche Rundfunk (NDR) als verantwortlicher ARD-Sender vermutlich das Interesse an Jendrik anfeuern wollte. Wie schon im Vorfeld des wegen der Corona-Pandemie abgesagten ESC im Vorjahr verzichtete der Sender erneut auf einen deutschen Vorentscheid – Juroren entschieden für Jendrik, der bisher sein Geld als Musicaldarsteller verdiente.

Geboren in Hamburg, Studium in Osnabrück


"Es ist einfach so, dass die Ukulele gute Laune verbreitet" (Bild: NDR)

Der deutsche ESC-Starter kam am 27. August 1994 in Hamburg zur Welt, wie er mit "Moin" als Grußwort gern dokumentiert. Er stammt aus einer Großfamilie mit fünf Kindern. Der Familienbande verdankt er auch seine große Leidenschaft für die Ukulele. Jendriks Schwester bekam das Instrument im Grundschulalter geschenkt. Doch statt der Schwester spielte der Bruder mit dem Geschenk.

"Es ist einfach so, dass die Ukulele gute Laune verbreitet", sagte Jendrik dem NDR. Das sei auch wissenschaftlich erwiesen, er schrieb in seiner Bachelorarbeit an der Musikhochschule darüber. Für ESC-Fans in Deutschland macht die Ukulele noch aus einem anderen Grund gute Laune: ESC-Legende Stefan Raab nutzte sie ebenfalls immer wieder, und mit Raab verbanden sich stets gute Platzierungen.

Jendrik studierte in Osnabrück von 2014 bis 2018 Musical und Vokalpädagogik. Seit dieser Zeit stand er in 17 Musicals auf der Bühne – angefangen mit "Alice im Wunderland" im Theater Osnabrück, wo er später auch in "My Fair Lady" oder "The Addams Family" zu sehen war.

2019 spielte er in zwei Produktionen der Luisenburg-Festspiele und zuletzt als Comedian Harmonist im Musical "Berlin, Berlin" im Berliner Admiralspalast. Bei einer seiner Produktionen passierte Jendrik auch sein bisher größter Fauxpas: "Ich habe mal in einer Show die erste Strophe zu singen vergessen", danach habe er sich zu Tode geschämt.

Jendrik hofft auf Wettbewerb mit Publikum

Beim ESC-Finale sollte ihm solch ein Hänger nicht passieren – es ist der weltweit am meisten vom Publikum beachtete Musikwettbewerb. In welchem Rahmen dieser angesichts der andauernden Pandemie stattfinden kann, soll sich allerdings erst in der zweiten Aprilhälfte entscheiden.

Jendrik wäre möglichst viel Publikum in der Halle in Rotterdam am liebsten. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass es überhaupt keine Liveauftritte gibt. Die Teilnehmerländer wurden aufgefordert, bis Ende März fertig produzierte Videoclips einzureichen. Diese könnten dann abgespielt werden, wenn keine Show mit Künstlern vor Ort möglich ist.

Anders als im vergangenen Jahr, als die ESC-Verantwortlichen auf einen Wettbewerb mit Videoclips verzichteten, soll es also in diesem Jahr auf jeden Fall wieder einen Wettbewerb geben. Der in sozialen Netzwerken wie Instagram oder Tiktok mit unterhaltsamen Videos äußerst aktive Jendrik träumte nach eigenen Worten schon seit Jahren von einer Teilnahme. Mit einem kreativen Videoclip, für den er sich 18 kaputte Waschmaschinen zu einem Waschsalon zusammenbaute, überzeugte er in der Bewerbung die Juroren.

Der seit vier Jahren mit einem Mann liierte Sänger sagt, er schätze den ESC auch deshalb so, weil dort Diversity – also die Wertschätzung aller Menschen unabhängig von Herkunft, Religion oder Sexualität – gepflegt werde. Es sei ein Traum, dass er dabei sein dürfe.

Direktlink | Jendrik in einer humorvollen Kurzvorstellung



#1 Lys AsAnonym
  • 22.02.2021, 15:07h
  • Sigwarz wurde auserwählt, nicht demokratisch gewählt. Die EBU sollte den Mitgliedsländern per Regelung vorschreiben, wie sie ESC-Teilnehmende zu nominieren haben, damit diese intransparente Vetter*innenweirtschaft des NDR ein Ende findet.
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