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Positionspapier
FDP will nichtkommerzielle Leihmutterschaft legalisieren
Die Bundestagsfraktion der Liberalen will es Menschen in Deutschland erlauben, für ein befreundetes schwules Paar oder die eigene Schwester ein Kind auszutragen.

camylla93 / unsplash) Leihmutterschaft sei "bereits gesellschaftliche Realität", heißt es in einem Positionspapier der FDP-Bundestagsfraktion (Bild:
- 21. Februar 2021, 05:46h 2 Min.
Als bisher einzige Fraktion im Bundestag will die FDP die nichtkommerzielle Leihmutterschaft legalisieren. Demnach soll es Menschen künftig erlaubt sein, ohne finanzielle Gegenleistung für ein befreundetes schwules Paar oder die eigene Schwester ein Kind auszutragen. "Als Fraktion der Freien Demokraten stehen wir an der Seite derjenigen, die sich sehnlichst ein Kind wünschen", heißt es im Positionspapier "Leihmutterschaft aus Nächstenliebe auch in Deutschland ermöglichen" (PDF).
Leihmutterschaft sei "bereits gesellschaftliche Realität", argumentieren die Liberalen. Anstatt kinderlose Eltern weiter ins Ausland zu drängen, sollten alle Beteiligten mit einem klaren Rechtsrahmen und hohen medizinischen Standards unterstützt werden. "Die Frauen, die als Leihmütter fungieren, handeln in manchen Ländern teilweise aus wirtschaftlicher Not heraus und die medizinischen Bedingungen gerade auch in der Nachsorge nach der Entbindung sind oft nicht mit hiesigen medizinischen Standards zu vergleichen", heißt es im Positionspapier. "Auch die rechtlichen Konstellationen, in die die Kinder hineingeboren werden, sind oft kompliziert und unsicher."
FDP-Vorstoß sieht strenge Auflagen vor
Nach den Vorstellungen der Liberalen sollen für die sogenannte altruistische Leihmutterschaft strenge Auflagen gelten. Gefordert wird u.a. eine "notariell beurkundete Elternschaftsvereinbarung" sowie eine Genehmigung durch das Familiengericht. Die gebärende Person muss bereits mindestens ein Kind zur Welt gebracht haben und hat das Recht, sich während der Schwangerschaft und binnen kurzer Frist nach der Geburt von der Vereinbarung zu lösen. Die Erstattung ihrer Arztkosten oder Einkommensausfälle ist erlaubt.
"Warum darf ich für jemanden, dem ich zu Lebzeiten ein Organ spenden darf, nicht auch aus altruistischen Motiven ein Kind austragen?", meinte die FDP-Abgeordnete Katrin Helling-Plahr, die Mitglied des Gesundheitsausschusses ist, zum Vorstoß ihrer Fraktion. "Das ist ein nicht zu erklärender Wertungswiderspruch."
Kindeswohl "hängt nicht von der Art der Zeugung" ab
"Das Kindeswohl hängt von der Liebe der Eltern ab, nicht von der Art der Zeugung", erklärte der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg. "Wieso soll der sehnliche Kinderwunsch zweier Männer unerfüllt bleiben, wenn die beste Freundin bereit ist, das Kind auszutragen? Wenn die Leihmutter selbstbestimmt und aus Nächstenliebe helfen möchte, darf der Staat das neue Leben nicht verbieten."
Familienfreundliche Queerpolitik sei "mehr als eine Kritik an diskriminierenden Stiefkindadoptionen", so der LSBTI-politische Sprecher der Liberalen. "Wir wollen allen Familien und Kindern unter dem Regenbogen einen sicheren Rechtsrahmen bieten. Dazu gehört auch die altruistische Leihmutterschaft." (cw)

Links zum Thema:
» Das Positionspapier der FDP-Bundestagsfraktion als PDF
Und den belehrenden, grünen Zeigefinger haben sie auch nicht. Liebe es.