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Heimkino

Diese böse Lesbe ist gut für queere Sichtbarkeit und Normalität

In der Komödie "I Care a Lot" begeistert Rosamund Pike als gerichtlich bestellte Vormundin, die ihre betagten Mündel zusammen mit ihrer Freundin um die Ersparnisse bringt. Doch fies im Film sind nicht nur sie...


Rosamund Pike wurde für ihre Rolle als kriminelle Vormundin Marla Grayson mit einer Nominierung für den Golden Globe bedacht (Bild: Netflix)

Keine Frage, Marla Grayson sorgt und kümmert sich. Und zwar mit Nachdruck. Nur vielleicht nicht um die Dinge, die man erwarten würde, wie die bitterböse, passend betitelte Komödie "I Care a Lot" zeigt, die seit kurzem bei Netflix verfügbar ist.

Marla Grayson (Rosamund Pike) ist hauptberuflich Vormundin für Menschen, die nicht mehr ausreichend für sich selbst sorgen können und keine Familie haben, die dazu in der Lage wäre. Sie sorgt dafür, dass die Menschen in ihrer Obhut nach ärztlicher Anweisung einen Heimplatz bekommen, löst ihren Hausstand auf und verwaltet ihre Finanzen. Alles abgesegnet durch richterliche Beschlüsse. Ihre Intentionen sind dabei allerdings nicht unbedingt ehrenwert: Eine befreundete Ärztin stellt auf Wunsch unnötige Befunde aus, und Grayson hat ein erstaunliches Händchen für Mündel mit recht großen Vermögen, von denen sich beträchtliche Anteile in die eigene Tasche abzweigen lassen.

Sympathische Protagonist*innen? Fehlanzeige!


Poster zum Film: "I Care a Lot" läuft seit 19. Februar 2021 auf Netflix

Ein solcher Fall ist Jennifer Peterson (Dianne Wiest), bei der zu Hause die Fabergé-Eier in der Vitrine stehen, während von Angehörigen jede Spur zu fehlen scheint. Ehe sie sich versieht, befindet sich die eigentlich mehr als rüstige Dame im Altersheim, ohne Ausgang oder Telefon, und Marla wittert den großen Reibach. Nicht zuletzt, als sie auch noch auf ein Schließfach mit Diamanten stößt. Doch die bewährte Masche gerät unerwartet ins Straucheln, als ihr ein scheinbar mit Jennifer bekannter Gangster (Peter Dinklage) erst einen Anwalt (Chris Messina) und dann noch ungemütlichere Gesellen auf den Hals hetzt.

Wer in Filmen nach potentiellen Identifikationsfiguren oder sympathischen Protagonist*innen sucht, der ist in "I Care a Lot" fehl am Platz. Im neuen Film von J Blakeson sind eigentlich alle Beteiligten moralisch korrupt, hinterhältig und/oder böse. Und der eigene Egoismus wird an allen Fronten mit ebenso skrupellosen wie brutalen Mitteln verteidigt. Das muss man abkönnen, um Spaß an diesem Film zu haben, genauso wie die Tatsache, dass ein echtes Happy End in dieser Konstellation natürlich praktisch unmöglich ist. Wer's allerdings fies und schräg mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Genauso übrigens wie Fans von durchgestylten Filmbildern mit besonderem Fokus auf die Farbe Blau.

Marlas Homosexualität wird nicht problematisiert

Dass "I Care a Lot" mitunter herrlich komisch ist, liegt nicht zuletzt an der eigentlich immer großartigen Hauptdarstellerin Rosamund Pike, die für die Rolle gerade mit einer Nominierung für den Golden Globe bedacht wurde. Die Britin hat es im Laufe ihrer inzwischen bald 25-jährigen Karriere vom Bond-Girl ("Stirb an einem anderen Tag") zur Nobelpreisträgerin ("Marie Curie – Elemente des Lebens") gebracht – und darf hier noch ätzender und heimtückischer sein als in "Gone Girl".

Marla Grayons engste Verbündete in allen ihren kriminellen Aktivitäten ist übrigens ihre Lebensgefährtin Fran (Eiza González). Auch die ist niemand, den man als Zuschauer*in ins Herz schließen würde, und dass Marla selbst im Angesicht ihrer großen Liebe immer zuerst an sich selbst denkt, versteht sich hier von selbst. Als lesbisches Paar in einem Film dieser Größenordnung sind die beiden aber in jedem Fall eine erfreuliche Ausnahmeerscheinung. Ihre sexuelle Identität wird nie thematisiert, in Frage gestellt oder versteckt, sondern ist ganz selbstverständlicher Teil der Geschichte, die sich gleichzeitig auch eins zu eins mit einem Mann an Marlas Seite hätte erzählen lassen. So viel Normalität im Umgang mit queeren Protagonist*innen müsste es viel mehr geben, egal ob sie nun Held*innen oder Antiheld*innen sind.

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Infos zum Film

I Care a Lot. Krimi-Komödie. USA 202. Regie: J Blakeson. Darsteller*innen: Rosamund Pike, Peter Dinklage, Eiza González, Dianne Wiest, Chris Messina, Alicia Witt. Laufzeit: 119 Minuten. Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Seit 19. Februar 2021 auf Netflix


#1 TomvonBergenAnonym
  • 22.02.2021, 14:34h
  • Ein wirklich ungewöhnlicher Film mit hervorragenden Schauspielern, insbesondere ist die alte entmündigte Dame hervorzuheben. Nicht gerade Mainstream trotz der vielen Actionszenen. Unerwartete Wendungen, spannend und ungemein witzig. Hat richtig Spaß gemacht. Das die beiden Hauptprotagonisten lesbisch sind ist eine Beiläufigkeit im Film die nicht besonders hervorgehoben wird sondern als Normalität daherkommt, so sollte es auch sein
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#2 LupdejuppAnonym
  • 22.02.2021, 14:45h
  • Antwort auf #1 von TomvonBergen
  • Ja, das hat netflix den anderen noch voraus....in "the old guard" gibt's bei den hauptcharakteren auch n schwules Paar das halt einfach n schwules Paar ist, fertig, wird weder extra hervorgehoben noch groß thematisiert, die sind halt "einfach da".... fand ich echt angenehm ( auch wenn der Film als solches eher mittelmäßig ist)
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