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Interview

"Es ist eine große Ehre, bei 'Love, Victor' dabei zu sein"

Endlich läuft die gefeierte queere Serie "Love, Victor" auf Disney+ Star. Wir sprachen mit den beiden Hauptdarstellern Michael Cimino und George Sear über das Casting, Heteros in schwulen Rollen und die Reaktionen der Fans.


Victor (Michael Cimino, li.) bewirbt sich um einen Barista-Job in dem Coffeeshop, in dem auch Benji (George Sear) arbeitet (Bild: Disney+)
  • Von Patrick Heidmann
    23. Februar 2021, 02:22h, noch kein Kommentar

Endlich ist es soweit: "Love, Victor", der Serien-Ableger des Kino-Überraschungshits "Love, Simon" von 2018, ist nun auch in Deutschland zu sehen. Die komplette erste Staffel (eine zweite befindet sich bereits im Dreh) ist ab dem 23. Februar bei Disney+ Star zu sehen.

Wir hatten aus diesem Anlass die Gelegenheit, via Zoom mit Hauptdarsteller Michael Cimino und seinem Kollegen George Sear zu sprechen. Der 21-jährige Amerikaner Cimino spielt in der Serie den 16-jährigen Titelhelden, der damit beschäftigt ist herauszufinden, ob er schwul ist, während der 23-jährige Brite Sear seinen geouteten Mitschüler Benji verkörpert, in den sich Victor bei der gemeinsamen Arbeit im Coffeeshop schnell verguckt.

Michael und George, für Euch beide ist "Love, Victor" Euer bislang größtes Projekt als Schauspieler. Wie lange dauerte es, bis Ihr die Rollen in der Tasche hattet?

Michael Cimino: Für mich dauerte das Casting-Verfahren mehrere Monate. Das war emotional echt eine aufwühlende Zeit. Irgendwie habe ich gespürt, dass ich diese Rolle einfach spielen muss, aber natürlich war es ein ziemlicher Kampf, bis ich sie auch wirklich in der Tasche hatte. Ich musste sehr beharrlich und geduldig sein. Zum Glück hat es sich gelohnt.

George Sear: Für mich ging die heiße Casting-Phase erst los, als Michael die Rolle hatte. Denn dann mussten alle, die als Benji in die engere Auswahl kamen, nach Los Angeles fliegen und Szenen mit Michael vor laufender Kamera spielen. Zum Glück stimmte zwischen uns beiden echt die Chemie, deswegen rechnete ich mir gute Chancen aus. Aber ich musste dann nochmal einen Monat warten, bis ich wusste, dass ich dabei bin.


Poster zur Serie: "Love, Victor" läuft ab dem 23. Februar 2021 bei Disney+ Star

Michael, Du hast Dich zur Vorbereitung lange mit Deinem schwulen Cousin ausgetauscht, nicht wahr?

Michael Cimino: Ja, das war mir sehr wichtig. Mir ist ja klar, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass ich als nicht-schwuler Schauspieler diese Rolle spiele. Damit geht eine echte Verantwortung einher, und der wollte ich gerecht werden. Ich wollte den Weg, den ein Mensch bei seinem Coming-out zurücklegt, so wahrhaftig und authentisch wie möglich darstellen. Mir war es wichtig, dass sich möglichst viele Mitglieder der LGBTI-Community in Victors Geschichte wiederfinden, mit all ihren Sorgen und Kämpfen.

Hast Du Dir Sorgen gemacht, wie die Reaktionen sein würden?

Michael Cimino: Nicht in dem Sinne, dass ich Muffensausen bekommen hätte. Ich habe auch nicht gezögert, die Rolle zu spielen. Aber natürlich war es eine echte Herausforderung, mich so gründlich vorzubereiten und einzufühlen, dass man mir Victors Emotionen abnimmt. Ich glaube nicht, dass nur schwule Schauspieler eine solche Rolle spielen können. Aber gerade wenn man selbst solche Erfahrungen nie am eigenen Leib gemacht hat, muss man sehr gewissenhaft sein. Ich habe mich da wirklich unter Druck gesetzt, die Lebenswelt queerer Menschen so gut wie möglich zu verstehen und akkurat zu repräsentieren. Hätte ich das auf die leichte Schulter genommen, hätte ich es nicht verdient gehabt, Victor zu spielen.

Ging es Dir ähnlich, George?

George Sear: Besser als Michael es zusammengefasst hat, kann man es nicht ausdrücken. Wobei ich nicht leugnen kann, dass die größte Herausforderung für mich eine ganz andere war. Denn ich musste mir ja für die Rolle einen amerikanischen Akzent zulegen. Daran habe ich eine ganze Weile echt hart gearbeitet.


Benji und Victor auf dem Rummel (Bild: Disney+)

Es ist noch gar nicht so lange her, dass jungen Schauspielern zu Beginn ihrer Karriere geraten wurde, keine queeren Rollen zu spielen, um nicht als schwul abgestempelt zu werden. Habt Ihr so etwas je zu hören bekommen?

George Sear: Ich glaube, in dieser Hinsicht hat sich zum Glück einiges getan. Auch weil man gemerkt hat, dass das Publikum ziemlich gut zwischen Schauspielern und ihren Rollen trennen kann. Ich für meinen Teil habe jedenfalls keinen Moment gezögert, einen Kerl wie Benji zu spielen. Für mich zählt nur, ob ich menschlich mit einer Figur etwas anfangen kann. Alles andere ist mir bei meiner Rollenauswahl eigentlich egal.

Michael Cimino: Ich denke auch, dass wir in solchen Fragen viel weiter sind als noch vor ein paar Jahren. Wobei ich mich schon daran erinnere, vor ein paar Jahren am Beginn meiner Karriere auch gehört zu haben, besser nicht gleich als erste Rolle einen Schwulen zu spielen. Weil man sonst auf schwule Rollen festgelegt wird. Doch das stimmt nicht, und jeder, der so etwas behauptet, hat Unrecht und ist reichlich vorurteilsbehaftet. Zum Glück habe ich mich davon nie beeindrucken lassen.

Kurze Frage zum Abschluss: Wie habt Ihr die Reaktionen der Fans in den USA auf die erste Staffel erlebt?

George Sear: Wir haben alle wirklich wahnsinnig viele Nachrichten in den sozialen Netzwerken bekommen und freuen uns riesig, dass gerade die LGBTI-Jugend scheinbar echt etwas anfangen kann mit der Serie. Für mich ist es eine ganz neue Erfahrung, etwas zu spielen, dass die Menschen richtig zu berühren scheint. Das ist schon sehr cool. Und gerade weil es eben nicht so viele Geschichten in Film und Fernsehen über queere Kids gibt, ist es so eine große Ehre, bei "Love, Victor" dabei zu sein.

Michael Cimino: Geht mir ganz genauso. Victor zu spielen und die LGBTI-Community zu repräsentieren, ist das Beste, was mir in meinem Leben bislang passiert ist.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer