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Evangelikale sind sauer

Nach kritischem Bericht: Homophober Schulverband wirft WDR Rassismus vor

Der WDR recherchierte in einer evangelikalen Schule, in der Homosexualität mit Pädophilie gleichgesetzt wird. Der Verband Evangelischer Bekenntnisschulen reagierte mit schweren Vorwürfen.


Das WDR-Archivhaus in der Kölner Innenstadt (Bild: Raimond Spekking / wikipedia)

Wolfgang Stock, der Generalsekretär des Verbandes Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS), hat laut dem evangelikalen Magazin "pro" eine Programmbeschwerde gegen den Westdeutschen Rundfunk wegen eines Beitrags im Landespolitik-Podcast "WDR Rheinblick" vom 17. Dezember eingelegt. Darin waren zwei Volontärinnen über ihre Undercover-Recherche in evangelikalen Schulen interviewt worden. Das knapp 25-minütige Gespräch ist wie der eigentliche Recherche-Beitrag für WDR 5 bis Ende dieses Jahres auf der Homepage des öffentlich-rechtlichen Kölner Senders erhältlich.

In dem Interview seien Russlanddeutsche rassistisch beleidigt worden, beklagte Stock. So schädige der WDR das Zusammenleben verschiedener Kulturen im Land und bilde diese Vielfalt nicht auf konstruktive Weise ab. Außerdem, erklärte Stock weiter, sei die verdeckte Recherche unzulässig, da kein "besonderes öffentliches Interesse" an diesem Thema bestehe.

In dem Podcast erklärten die beiden Volontärinnen konkret, dass das Schicksal eines 17-jährigen schwulen Schülers Anlass für ihre Recherche gewesen sei. Johannes (Name geändert) habe sich als Schwuler in einer derartigen Bekenntnisschule unwohl gefühlt und nicht outen können. Der Jugendliche habe auch die Homophobie innerhalb der Schule beschrieben, etwa dass ein Lehrer vor minderjährigen Schüler*innen Homosexualität und Pädophilie gleichgesetzt habe. Deshalb habe man sich in den Schulen als interessierte Eltern ausgegeben, um das wirkliche Leben dort kennenzulernen.

Die von Stock beschriebene angebliche Russophobie im Podcast bestand aus praktisch zwei Sätzen. Eine Volontärin beschrieb in dem Podcast, dass Lehrer*innen und Schüler*innen einer Schule vor allem der Gruppe von Menschen angehörten, "die vor allem aus der Sowjetunion gekommen sind". Dort hätten sie "über 200 Jahre lang ihren Glauben in der Form konserviert, wie es damals üblich war, also bevor die Evolutionstheorie oder Gender-Fragen diskutiert wurden". Der Russophobie-Vorwurf ist bereits seit Jahren eine beliebte Taktik des russischen Propaganda-Senders RT, um auf Vorwürfe LGBTI-feindlicher Politik in Russland zu reagieren.

In dem WDR-Podcast stellten die Autorinnen übrigens klar, dass sie am Existenzrecht von Bekenntnisschulen nicht rütteln wollten. Zudem betonten sie, dass es viele Unterschiede bei Bekenntnisschulen gebe.

Bereits letztes Jahr gab es Kritik an einer evangelikalen Bekenntnisschule in Bremen, weil diese einen trans Schüler wegen dessen Geschlechtsidentität drangsaliert haben soll. Auch die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf (queer.de berichtete). Aktivist*innen forderten, die staatliche Finanzierung dieser Schulen zu beenden, die "wie Superspreader bei der Verbreitung von Hass und Verachtung gegen anders Liebende" wirkten.

VEBS-Vertreter Stock hatte bereits in der Vergangenheit gegen LGBTI Stimmung gemacht. So gehörte er 2009 zu den Unterzeichnern der "Marburger Erklärung" ("Für Freiheit und Selbstbestimmung – gegen totalitäre Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände"). Darin wird LGBTI-Organisationen vorgeworfen, Totalitarismus anzustreben. Außerdem wird für die "Heilung" von Homosexualität geworben. (dk)



#1 Korinthen KKAnonym
  • 23.02.2021, 16:53h
  • Aus dem Link:

    www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/Evangelikale-Bekenntni
    sschulen-NRW-100.html


    "Aus den Verlautbarungen der Bibel ziehen wir die Schlussfolgerungen, dass homosexuelle Partnerschaften der Ehe nicht gleichgestellt werden können. Verurteilendes Verhalten Homosexuellen gegenüber wird nicht verschwiegen und als Schuld bekannt."

    Soso. Gehirnwäsche an den Jüngeren ist ok?

    "So sollen den Schülerinnen und Schülern unterschiedliche "Ansichten und Theorien" vorgestellt werden und so könnten sie sich "ihre eigene Meinung bilden".

    Ahja. Wenn man dann "Ansichten und Theorien" vorstellt, woher diese religiösen Ansichten herkommen, dann ist es plötzlich Rassismus?

    "Konfrontiert mit diesen Äußerungen schreibt die Kanzlei, dass das Bekenntnis "prägend für die Schule und den gesamten Unterricht" sei. " Aha. Und die betroffenen Schüler dürfen negativ geprägt werden?
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#2 dellbronx51069Anonym
  • 23.02.2021, 17:29h
  • Der Russophobie Vorwurf ist der typische Whataboutism, der schon in der Soviet Ära verwendet wurde um Kritik des Westens abzuwehren z.B. in Fragen der Menschenrechte. Wir werden wohl nie erleben, das sich in diesem Land irgendwas zum Besseren wendet.
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#3 PeerAnonym
  • 23.02.2021, 19:37h
  • 1. "In dem Interview seien Russlanddeutsche rassistisch beleidigt worden, beklagte Stock."

    Wenn man darauf hinweist, dass es unter Migranten aus bestimmten Kulturkreisen mehr LGBTI-Feindlichkeit gibt als in anderen Bevölkerungsgruppen, dann ist das nicht rassistisch, sondern statistisches Faktum.

    Oder darf man jetzt Hass nicht mehr thematisieren, sobald es von Migranten kommt?

    2. "Außerdem, erklärte Stock weiter, sei die verdeckte Recherche unzulässig, da kein "besonderes öffentliches Interesse" an diesem Thema bestehe."

    Wir haben in Deutschland eine freie Presse und freie Medien. Was in öffentlichem Interesse ist, entscheiden die immer noch selber und keine Bekenntnisschulen.

    Außerdem finde ich es schon in öffentlichem Interesse, wenn in Bekenntnisschulen gegen Minderheiten gehetzt wird und Homosexualität mit Pädophilie gleichgesetzt wird, was nicht nur fachlich falsch ist, sondern auch hart an Volksverhetzung grenzt.
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#4 WADIMAnonym
  • 23.02.2021, 20:10h
  • " Dort hätten sie "über 200 Jahre lang ihren Glauben in der Form konserviert, wie es damals üblich war, also bevor die Evolutionstheorie oder Gender-Fragen diskutiert wurden". Der Russophobie-Vorwurf ist bereits seit Jahren eine beliebte Taktik des russischen Propaganda-Senders RT, um auf Vorwürfe LGBTI-feindlicher Politik in Russland zu reagieren."-als selber Russlanddeutscher bestätige ich die völlige Richtigkeit dieser Aussage. Und nicht nur aus Russland stammende religiöse Fundamentalisten sondern sehr viele nicht besonders gläubige und gar nicht gläubige Russen und Russlanddeutschen sind homophob.
    Vor mir haben diese Homophoben keine Hemmungen, sie haben mich mehre male " digital" und sogar "real" bedroht und beleidigt, obwohl ich mich "normal" benehme und provoziere die Menschen nicht.
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#5 Ralph
  • 24.02.2021, 10:13h
  • Menschenfeindliche Propaganda und Missachtung der Grundrechte sind auch dann menschenfeindliche Propaganda und Missachtung der Grundrechte, wenn sie von Christen oder von Russen betrieben werden.
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#6 hugoAnonym
  • 24.02.2021, 12:12h
  • Nun, Bekennerschulen unterleigen den geltenden Gesetzen. Sie dürfen den Schwerpunkt auf die jeweilige Religion legen, sofern dies nicht dem geltenden Recht widerspricht. Unversändlich ist mir vor allem, wenn christliche Organisationen Diskriminierung und Mobbing betreiben, obwohl die ausdrücklich dem Grundsatz der christlichen Lehre widerspricht
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#7 Alexander_FAnonym
  • 25.02.2021, 11:22h
  • Ei, da macht wohl einer den Gunnar Lindemann. Ganz, ganz mieses und durchschaubares Spielchen.
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