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"Tanze Samba mit mir"

Tony Holiday wäre heute 70 Jahre alt geworden

Der stets gut gelaunte Schlagerstar war ein Dauergast bei der ZDF-Hitparade und inszenierte sich als Frauenheld. Seine Homosexualität blieb der Öffentlichkeit bis zu seinem Aids-Tod verborgen.


Tony Holiday bestimmte jahrelang die Schlagerszene mit

Rolf Peter Knigge kam am 24. Februar 1951 – auf den Tag genau vor 70 Jahren – in Hamburg zur Welt. Als er 1974 einen Plattenvertrag erhielt, entschied sein Produzent Hans Bertram, dass der Nachwuchssänger für seine Schlagerkarriere einen klangvolleren Namen brauchte; so wurde aus dem schnöden Textilkaufmann der strahlende Schlagerstar Tony Holiday. Der Musiker sollte in seiner anderthalb Jahrzehnte dauernden Karriere seine Homosexualität stets wie ein Staatgeheimnis hüten.

Seinen Durchbruch schaffte Holiday 1977 mit dem Lied "Tanze Samba mit mir", der deutschen Version des Raffaella-Carrà-Titels "A far l'amore comincia tu". Der Titel war der größte Hit seiner Karriere – mit ihm gewann Holiday unter anderem die ZDF-Hitparade und schaffte es in den deutschen Charts bis auf den vierten Rang.

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1979 nahm er mit dem Lied "Zuviel Tequila, zuviel schöne Mädchen" am von Carolin Reiber und Thomas Gottschalk moderierten ESC-Vorentscheid "Unser Lied für Jerusalem" teil, belegte aber nur den neunten Platz (Sieger war Ralph Siegels Band Dschinghis Khan). Zu seinen weiteren Hits zählen "Nie mehr allein sein" (die deutsche Version des Goombay-Dance-Band-Liedes "Sun of Jamaica") und "Urlaubsreif" (die deutsche Version von Jimmy Cliffs "Reggae Night").

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In seinen Texten sprach Holiday oft über seine Liebe zu Frauen – die erste Strophe seines Grand-Prix-Liedes begann etwa mit den Worten "Marita, gib Geld, ich muss laufen / Zwei goldene Ringe für uns kaufen". Nur heimlich besuchte Holiday schwulen Szeneeinrichtungen und vergnügte sich mit Männern. In den Achtzigerjahren infizierte er sich mit HIV. Am 14. Februar 1990 verstarb er kurz vor seinem 39. Geburtstag an den Folgen von Aids.

Mit seiner Heimlichtuerei wegen seiner sexuellen Orientierung verfuhr Holiday ähnlich wie andere zeitgenössische Schlagerstars. Der bekannteste von ihnen war wohl Rex Gildo ("Fiesta Mexicana"), der 1974 sogar seine Cousine heiratete, um Schwulengerüchte zu entkräften. Gildo beging 1999 im Alter von 63 Jahren Selbstmord. (dk)



#1 StaffelbergblickAnonym
  • 24.02.2021, 13:24h
  • OMG ... Die monatliche ZDF Hitparade, damals die schwulste Sendung im ZDF. Ich war damals mit einem Arbeitskollegen, und plötzlich sitzt vor ihm Rex Gildo und hat ein ebensolches Hemd an wie er ... Da war ja meine "Arbeitskollegin" gleich aus dem Häuschen ...
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#2 übel_übelAnonym
#3 IckeAnonym
  • 25.02.2021, 09:38h
  • Sein Leben ist tragisch und ein Beispiel dafür wie das Leben von Schwulen mal ausgesehen hat. Sein komplettes Leben nicht er selbst sein dürfen, weil dann seine Karriere nicht mehr läuft, weil er dann ein Hinterlader ist und auf Arschsex steht, pfui, pfui, pfui. Kann man sich nur drüber ekeln und lachen. Dieses Stigmata wollten sich viele nicht aussetzen, er auch nicht. Dazu dann die Aidskrise, von der er ein Opfer wurde. Alles furchtbar, seine Musik steht auf einem anderen Blatt, muss man nicht mögen, wenn man besoffen ist und 'Tanze Samba mit mir' läuft hat man Spaß, sonst wohl eher nicht.
    Seine Geschichte zeigt doch aber wie wir, wohl vor allem durch das Internet und die bessere Vernetzung der Community, unser Leben sehr viel freier Leben können. Diskriminierung ist nicht mehr gesellschaftlich akzeptiert, auch wenn sie immer noch stattfindet. Queere Jugendliche haben Identifikationsfiguren, haben Anlaufstellen die helfen. Wenn man Leute daten will sind die zwei Klicks entfernt, alles hat sich verändert. Ein Tony Holiday hätte seine Karriere ruiniert, hätte er sein Leben gelebt, wie er es verdient gehabt hätte, aber er wäre heute eine Ikone und keine Randnotiz die hier erwähnt wird und die kaum jemanden interessiert. Bei Schwulenpartys würde nach 'Er gehört zu mir' 'Tanze Samba mit mir' gespielt werden, hätte er sich geoutet und das hätte er machen sollen, spätestens als er wusste dass er HIV hat. Einfach um mit seinem Leben noch etwas zu bewirken, zu zeigen dass es Schwule gibt und dass das nicht schlimm ist, das war so wichtig in der Zeit. Das ging ja erst mit dem Zwangsouting von Kerkeling in der 90ern los. Einfach eine traurige Geschichte, die leider schnell wieder vergessen sein wird.
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