Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?38234

SPD-Politiker attackiert Lesben- und Schwulenverband

Wolfgang Thierse fühlt sich als Heterosexueller in öffentlicher Debatte diskriminiert

Ihm werde vorgehalten, "die Ansichten eines alten weißen Mannes mit heterosexueller Orientierung" zu haben, beklagt Wolfgang Thierse. Dabei greift er den LSVD direkt an.


SPD-Politiker Wolfgang Thierse glaubt, dass schwule und lesbische Aktivist*innen "treibende" Faktoren hinter einem Shitstorm gegen ihn seien (Bild: Christliches Medienmagazin pro / flickr)

Der SPD-Politiker Wolfgang Thierse holt zum Gegenschlag gegen Kritiker*innen aus der LGBTI-Community aus. Dabei attackiert er direkt den Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD): "Ich werde als reaktionär beschimpft, als Mann mit neurechtem Sprech, gewissermaßen AfD-Positionen. Vom Schwulen- und Lesbenverband wird das getrieben", so Thierse am Donnerstag in einem Interview im Deutschlandfunk.

Anlass für die Auseinandersetzung war ein Kommentar des ehemaligen Bundestagspräsidenten in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", in der er vor wenigen Tagen "Identitätspolitik" kritisierte und dabei bereits die Aktivitäten von Bürgerrechtsorganisationen für fragwürdig erklärte ("Debatten über Rassismus, Postkolonialismus und Gender werden heftiger und aggressiver"). LSVD-Vorstandsmitglied und SPDqueer-Landeschef Alfonso Pantisano kritisierte seinen Parteifreund danach als "reaktionär" und bescheinigte ihm "neurechten Sprech" (queer.de berichtete).

Im Deutschlandfunk inszenierte sich Thierse als Opfer eines angeblich ungerechtfertigten Shitstorms: "Mir wird vorgehalten, das sind ja die Ansichten eines alten weißen Mannes mit heterosexueller Orientierung, heteronormativer Orientierung", erklärte der 77-Jährige. "Eine Ansicht, die einem nicht passt, die wird identitär zurückgewiesen. Mein Alter, meine 'Rasse', mein Geschlecht, meine sexuelle Orientierung – also ist die Sache erledigt."

Thierse verteidigt Blackfacing

Im Interview kritisierte Thierse unter anderem "Cancel Culture" und geschlechtergerechte Sprache. Außerdem verteidigte der Sozialdemokrat das heute als rassistisch verschriene Blackfacing. "Kulturelle Aneignung über Hautfarben und ethnische Grenzen hinweg muss möglich sein", so Thierse. Die schwarze Theater- und Unterhaltungsmaskerade war in den sogenannten Minstrel Shows des 18. und 19. Jahrhunderts in den USA populär geworden. Weiße Darsteller machten sich damals – zur Zeit der Sklaverei und der Rassentrennung – mit greller und übertriebener Schminke über angeblich minderwertige Schwarze lustig. Diese Praxis gilt bereits seit Jahrzehnten in Amerika als inakzeptabel. Aber erst seit die afrodeutsche Community in den letzten Jahren auf die rassistischen Ursprünge des Blackfacing aufmerksam machte, gab es auch hierzulande eine Debatte.

Twitter / 50trends_de | Das deutsche Internet beschäftigt sich seit Tagen inbrünstig mit Thierses Thesen
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Journalistin Anna Seibt kritisierte in einem Deutschlandfunk-Kommentar die Rhetorik Thierses: Die deutsche Gesellschaft sei "viel pluraler und vielfältiger als dieses 'Traditions-Wir' es sich vorstellen kann", schrieb sie. Thierse wolle das strukturelle Problem nicht anerkennen, "dass im Moment nicht alle gleichberechtigt in unserer Gesellschaft teilhaben können".

Twitter / extra3 | Auch Satiresendungen machen sich über Thierses Thesen lustig
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Applaus von Rechtsaußen

Zustimmung erhält der Sozialdemokrat dagegen von Rechtsaußen: Die rechtsradikale Zeitung "Junge Freiheit" lobte Thierse etwa für sein "nachdenklich-abwägendes Essay, in dem er mit den Identitäts-Ideologen, Gender-Fanatikern und Minderheiten-Militanten ins Gericht geht, die aus der einst ehrwürdigen Sozialdemokratie eine verbohrte Sekte gemacht haben".

Thierse hat in der Vergangenheit immer wieder mit eigenwilligen Aussagen für Aufregung gesorgt, in denen er über bestimmte Minderheiten herzog. 2012 echauffierte er sich etwa über schwäbische Berlin-Einwanderer, die Brötchen als Wecken statt als Schrippen bezeichneten. 2014 beschuldigte er LGBTI-Aktivist*innen, mit ihrer Kritik an diskriminierenden Gesetzen Intoleranz bei Heterosexuellen zu erzeugen. Zudem verteidigte er damals auch Homo-Hasser*innen: So bezeichnete er es als "legitime respektable Position", wenn Politiker*innen am Ehe-Verbot für Schwule und Lesben festhalten wollten (queer.de berichtete). Ironischerweise beschreibt er sich jetzt im Deutschlandfunk als Gegner der "Verbotskultur".



#1 z7z7wAnonym
  • 26.02.2021, 12:10h
  • Wenn Thierse, der übrigens stets und ausschließlich Ossi-Identitätspolitik betrieben hat, selbt nicht versteht, worin die Kritik besteht, sollte er stutzen, wer ihm dafür applaudiert. So viel Nachdenken sollte ihm doch möglich sein. Oder beobachten wir hier einen Fall von Altersstarrsinn?
  • Antworten » | Direktlink »
#2 LupdejuppAnonym
#3 PiakAnonym
  • 26.02.2021, 12:46h
  • Antwort auf #1 von z7z7w
  • Ich denke, das hat mit Altersstarrsind wenig zu tun und ist vielmehr seine konsistente Position, was es natürlich nur noch schlimmer macht.

    Auch wenn er mit seiner Kritik an Identitätspolitiken im Kern recht hat, ist sein Mangel an Selbstreflexion doch erstaunlich, denn, wie schon gesagt, ist er selbst Protagonist von Identitätspolitiken (ostdeutsche und christliche) und erkennt es nicht mal.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 AnyNameAnonym
  • 26.02.2021, 13:03h
  • Naja, wenn man als reaktionär bezeichnet wird, sollte man nachdenken, ob man vielleicht reaktionär ist.

    Oft hilft das. Zu mindestens wenn man ehrlich ist mit sich.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 goddamn liberalAnonym
  • 26.02.2021, 13:40h
  • Das Problem von Herrn Thierse ist nicht sein Alter, sind auf keinen Fall seine Pigmente (die sahen bei Abermillionen Nazi-Opfern nicht anders aus) und ist auch nicht, dass er auf Frauen steht.

    Das Problem an Herrn Thierse ist Herr Thierse höchstselbst.

    Wie bei allen Menschen, die sich über die Dinge aufregen, die nicht ihr Ding sein sollten.

    Schlimmstenfalls.

    Bestenfalls könnte man auch Empathie für Marginalisierte entwicklen.

    Aber das ist wohl zuviel verlangt.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 PetterAnonym
  • 26.02.2021, 13:41h
  • Immer die alte Leier und die ewig gleiche Masche:

    Die armen Heteros sind ja so diskriminiert. Die Ärmsten...

    Mal ein paar Fragen dazu:
    - Wie lange durften Heteros heiraten bevor Schwule und Lesben es durften?

    - Wie oft bekommen Heteros einen Job nicht oder verlieren ihn, weil sie hetero sind?

    - Wie oft bekommen Heteros eine Wohnung nicht, weil sie hetero sind?

    - Wie oft werden Heteros beleidigt, gemobbt, bespuckt, verprügelt oder gar getötet, weil sie hetero sind?

    - Wie oft haben Heteros Angst, ihren Eltern, anderen Verwandten, Kollegen und Freunden zu sagen, dass sie hetero sind oder den Freund/die Freundin vorzustellen?

    Etc. etc. etc.

    Ich kann es echt nicht mehr hören, wenn Heteros zuerst gegen LGBTI austeilen und sobald diese sich dann wehren, sich als arme Opfer aufspielen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 PeerAnonym
  • 26.02.2021, 13:49h
  • Fällt der SPD eigentlich nicht auf, dass sie immer öfter von ganz weit rechts Beifall bekommt?

    Oder ist das Kalkül, weil die SPD angesichts ihrer seit Jahren konstant miserbalen Umfragewerte mittlerweile schon so verzweifelt ist, dass sie auch am rechten Rand fischen wollen?

    Wäre nicht das erste mal...
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Nesiree DickAnonym
  • 26.02.2021, 13:58h
  • Diese Thierse gehört in die Prenzelberger Klamottenkiste - und zwar schnell.

    Und der Junge, dessen Name eine Diagnose ist, hält sich auch vornehm zurück. Wahnsinn.

    Damit kann dann gerne die Klamottenkiste auch das zweite Mal im September aufgehen. Und zwar für den ganzen Genossen-Lampenladen.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 LorenProfil
  • 26.02.2021, 14:10hGreifswald
  • Herr Thierse hält offenbar das sog. 'Blackfacing" für eine respektable "kulturelle Aneignung". Interessante und abstruse Sichtweise, insbesondere für einen studierten Kulturwissenschaftler wie ihn, der es besser wissen sollte. Na ja, jeder demontiert sich selbst so gut er eben kann.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 IckeAnonym
  • 26.02.2021, 14:19h
  • Natürlich teile ich als schwuler Mann die Ansichten von Thierse nicht, jedoch muss es erlaubt sein seine Meinung frei zu äußern und zur Debatte zu stellen ohne dafür als Trottel hingestellt zu werden. Man kann in einer Diskussion aber natürlich seine Ansichten widerlegen, was in dem Fall ja nicht schwer ist.
  • Antworten » | Direktlink »