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Türkei

Bild der Kaaba mit queeren Flaggen: Staatsanwaltschaft fordert Haft für Studierende

Nach den Uni-Protesten in Istanbul und der Hetze gegen LGBTI durch die Staatsführung soll nun sieben Studierenden der Prozess gemacht werden.


Protestaktion Anfang Februar an der von der Polizei abgeriegelten Istanbuler Uni (Bild: Twitter / Terry Reintke)

Wegen eines umstrittenen, bei einer Protest-Ausstellung auf dem Gelände der Bogazici-Universität präsentierten Bildes hat die Istanbuler Staatsanwaltschaft Haftstrafen zwischen einem bis zu drei Jahre für sieben Studierende gefordert. Ihnen wird "Aufhetzung zu Hass und Feindseligkeit" angelastet, wie Medien am Freitag aus der Anklageschrift zitieren. Durch die Verknüpfung der heiligsten Stätte des Islam mit Zeichen der LGBT-Bewegung werde der Islam "beleidigt", sagte der Anklagevertreter nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Auf dem Bild ist eine Szene rund um das muslimische Heiligtum in Saudi-Arabien, die Kaaba, zu sehen: Sie ist fast vollständig von einem mythischen Wesen verdeckt. Die Bildecken zieren jeweils eine Regenbogen-, eine Trans-, eine Lesben- und eine Asexuellen-Flagge. Die Urheber des Bildes sind nicht bekannt.

Twitter / mericoz_
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Zwei Studenten wird nun etwa vorgeworfen, das Bild Ende Januar in der Ausstellung auf dem Campus aufgehängt zu haben. Sie befinden sich bereits seit rund vier Wochen in Untersuchungshaft, obwohl sie eine Beteiligung Medienberichten zufolge abstreiten. Zwei weitere Personen, die angeklagt werden sollen, sind in Hausarrest.

Das Bild wurde unter anderem von der islamischen Gruppe der Studentinnen und Studenten der Bogazici-Universität als beleidigend kritisiert. In Folge kam es Ende Januar zu dem Polizeieinsatz, bei dem auch das Büro der queeren Studierendenvertretung durchsucht wurde. Wenige Tage später wurde die Gruppe von der Uni-Leitung verboten.

Studierende und Akademiker*innen der Universität sowie Unterstützer*innen protestieren seit Anfang Januar gegen den neuen Direktor Melih Bulu. Er steht der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP nahe und wurde von Präsident Recep Tayyip Erdogan eingesetzt. In dem Zusammenhang hatten die Studierenden auch eine Ausstellung auf dem Campus organisiert, auf der unter anderem das umstrittene Bild ausgestellt wurde.

Twitter / dokuz8news | Die Proteste halten an

Nach der Verhaftung der beiden Studenten war es zu tagelangen Protesten in Istanbul und weiteren Städten gekommen, die Polizei nahm hunderte Menschen fest und stürmte an einem Abend gar das Uni-Gelände. Erdogan und Innenminister Süleyman Soylu nutzten die Vorkommnisse zu Stimmungsmache. Der Präsident nannte protestierende Studierende etwa "Terroristen" und äußerte sich feindlich gegenüber queeren Jugendlichen, Soylu sprach von "LGBT-Perversen". (nb/dpa/afp)



#1 goddamn liberalAnonym
  • 26.02.2021, 18:28h
  • Man kann das Bild als eine Kritik eines sunnitischen Rationalismus an der Anknüpfung an heidnisch-vorislamische Traditionen im islamischen Ritus deuten. Das Heiligtum gab es ja schon vor dem Propheten Mohammed und seinem klaren Monotheismus.

    Der Kulturkampf in der Türkei ist alt und noch lange nicht zu Ende.

    Ich erinnere hier gerne noch mal daran, dass Erdogan mal in der deutschen 'Qualitätspresse' als Liberalisierer gefeiert wurde. Deutsche Arroganz gegen türkische Kompetenz, etwa einer Lale Akgün.
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#2 KaiJAnonym
  • 26.02.2021, 18:54h
  • "Aufhetzung zu Hass und Feindseligkeit"
    Was sind das für Wortungetüme? Das ist ein klassischer Fall von Täter-Opfer-Umkehrung. Der Hass und die Feindseligkeit waren schon bei den Tätern. Die Fahnen selbst und die sie Demonstrierenden tragen beides nicht in sich. Die Fahnen stehen für Vielfalt und Freiheit der Persönlichkeit. Dagegen agieren die Täter Erdogan, seine Justiz etc. Sie gehören weltweit auf die Anklagebank und abgeurteilt. So funktioniert Rechtsstaatlichkeit. Und ob nun hin oder her, der Islam kann hier nicht beleidigt sein.
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#3 swimniAnonym
  • 27.02.2021, 23:14h
  • man kann das bild auch als kunst sehen, nur ist in einem islamofaschistischen staat keinerlei platz für freie kunst. und erdogan ist viel zu petrifiziert einfältig als dass er kunst verstünde
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