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Vorläufige Ergebnisse

Charité-Studie: Corona-Pandemie belastet queere Menschen seelisch

Sexuelle und geschlechtliche Minderheiten sind durch die Corona-Krise einsamer geworden – laut einer Studie der Berliner Charité-Klinik mehr als der Rest der Bevölkerung.


Einsamkeit ist einer der Kollateralschäden des Corona-Shutdowns (Bild: PublicDomainPictures / pixabay)

Lesbische, schwule, bisexuelle, trans, inter und asexuelle Menschen (LGBTIA) belastet der Corona-Shutdown überdurchschnittlich stark. Das geht aus ersten vorläufigen Ergebnissen einer Studie der Berliner Charité unter Führung von Prof. Dr. Wolfram Herrmann hervor. Die Universitätsklinik stellte erste vorläufige Ergebnisse ihrer Untersuchung am Donnerstag vor.

Bereits beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 hatte die Charité eine entsprechende Untersuchung durchgeführt und eine größere Einsamkeit bei LGBTIA festgestellt (queer.de berichtete). Bei der ersten Befragung hatten damals 2.641 Menschen einen Online-Fragebogen, der sich speziell an die queere Community richtete, ausgefüllt – bei der zweiten Befragung waren es sogar 4.143. 80 Prozent der Teilnehmenden beider Befragungen gaben demnach an, Teil der LGBTI-Community zu sein, 15 Prozent war cis- und heterosexuell, fünf Prozent machten keine Angaben.

Den vorläufigen Ergebnissen zufolge waren neben LGBTIA auch Befragte ohne Partner*in, ohne Kind, Alleinwohnende und unter 65-Jährige Gruppen, die durch die Krise besonders von Einsamkeit betroffen wurden. Die Forscher*innen maßen Einsamkeit mit Hilfe der De Jong Gierveld Short Scale. Dabei zeigte sich eine höhere Einsamkeit in der zweiten Befragungswelle im Vergleich zur ersten. In der Gruppe der LGBTIA waren asexuelle Menschen, trans Menschen und nicht-binäre Menschen besonders ausgeprägt von Einsamkeit betroffen, auch wenn sie in einer Partnerschaft lebten. Einsamkeit sei gefährlich, da sie klar mit einer erhöhten Depressivität assoziiert sei.

Twitter / HerrmannWolfram
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Hintergrund der seelischen Probleme ist eine deutlich messbare Abnahme persönlicher sozialer Kontakte: In der ersten Welle der Pandemie habe es eine deutliche Reduzierung gegeben, in der zweite Welle eine erneute leichte Abnahme.

Cis-hetero Teilnehmer*innen wiesen demnach insgesamt etwas mehr soziale Kontakte auf als LGBTIA. "Es zeigt sich in der ersten Welle eine Verschiebung der Kontakte hin zu Eltern und Geschwistern, wobei die Kontakte zu Eltern und Geschwistern in der zweiten Welle wieder niedriger waren", teilte die Charité mit. "Insgesamt wird deutlich, dass cis-hetero Teilnehmer*innen häufiger mit Eltern und Geschwistern Kontakt hatten als LBGTIA+-Teilnehmer*innen."

Die Pandemie belaste insbesondere Menschen, die schon vorher psychische Probleme hatten. Teilnehmende, die sich während der Befragung in Psychotherapie befanden, gaben etwa an, dass die Psychotherapie während der Pandemie seltener stattfand oder langfristig ausfiel.

Empfehlungen der Forschenden

Die Zahlen zeigten, dass es "weiterhin einen hohen psychosozialen Unterstützungsbedarf" gebe. "Insbesondere asexuelle, trans und non-binäre Menschen sollten digitale Unterstützungs- und Vernetzungsangebote als Mittel gegen Einsamkeit angeboten werden. Hausärzt*innen sollten bei Patient*innen, die sich zurzeit in Psychotherapie befinden, nachfragen, ob diese aktuell ausreichend stattfindet." Es sei empfehlenswert, wenn Hausärzt*innen bei queeren Patient*innen gezielt nach Einsamkeit fragten und lokale queere Organisationen als Ansprechpartner*innen kennen würden.

Die Charité ist seit 2018 Mitglied des Berliner Bündnisses gegen Homophobie (queer.de berichtete). (dk)



#1 aaaaaberAnonym
  • 04.03.2021, 17:47h
  • Als Asexueller, der seit einem halben Jahrzehnt keinen Sex mehr hatte, ist der Lockdown kein Problem. Das mag für die Leute zutreffen, die Saunen, Kinos und andere Orte aufsuchen, weil sie bestimmte Kontakte anknüpfen wollen, aber das trifft ja wohl auf mich nicht zu.

    Ich habe in der letzten Zeit viel gelesen und meine Kochkünste verfeinert - wobei ich aber auch leider viel zugenommen habe.

    Ich werde mich wohl in der nächsten Zeit wieder ehrenamtlich bei einer Sozialberatung einbringen können. Dann sind die sozialen kontakte auch wieder da...
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#2 IsimileAnonym
  • 04.03.2021, 18:52h
  • Antwort auf #1 von aaaaaber
  • Kontakte sind nicht nur Sex.

    Ich bin auch asexuell und für mich sind viele Kontakte weggebrochen. Der Ace- und der queere Stammtisch kann sich nicht mehr treffen, genauso wie andere Gruppen. Meine Arbeitskollegen habe ich seit Monaten nicht mehr gesehen. Mit Freunden auf einen Kaffee treffen oder irgendwo draußen zusammensitzen geht auch nicht. Wenn überhaupt kann ich mich mit einer weiteren Person zum spazieren gehen verabreden, aber das war die letzten Wochen wetterbedingt auch nicht möglich. Viele haben Familie und Freunde, die weiter entfernt wohnen, seit Monaten nicht gesehen.

    Das sind ganze Netzwerke und unterstützende Strukturen, die da für viele weggefallen sind. Es geht nicht nur darum, dass gerade mal keine ONS möglich sind, wie die Untersuchung ja klar zeigt.
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#3 Dea*Anonym
  • 04.03.2021, 21:01h
  • Antwort auf #1 von aaaaaber
  • Schön für Sie. Das klingt für mich allerdings weniger nach asexuell sondern mehr nach asozial/dissozial. Kontakte lediglich auf Sex zu reduzieren empfinde ich schon als auffallend beschränkt. Und mit dem Alleinsein nicht zwangsläufig Einsamkeit zu verbinden zeugt von Resillienz. Aber ich höre in Ihrem Kommentar deutlich Missbilligung für anders empfindende und handelnde heraus.

    Ich bin lesbisch. Aber nur weil ich nicht asexuell bin, heisst das noch lange nicht, dass ich mich in Saunas und Clubs auf der Suche nach ONS begebe. Und selbst wenn ich das täte, wäre das auch völlig in Ordnung! Aber es geht doch hier nicht nur um Sex! Mit Freunden und Kollegen mal einen Kaffee trinken, ins Kino, Grillen am Strand, Essen gehen, Spieleabende, Yogagruppe, BodyBalance, Schwimmbad und Krafttraining, mal in den Arm genommen werden,... alles vollständig weggebrochen.

    Weihnachten oder Silvester mit der Familie? Fehlanzeige: Meine Eltern sollten sich entscheiden ob sie mit mir oder meinem Bruder, seiner Frau und den kleinen Kindern feiern. Danach direkt wochenlange Quarantäne als Kontaktperson 1. Grades (beruflich bedingt). Kurz darauf Kontaktverbot und Ausgangssperre.
    Mit PTBS, Depression, Borderline und Binge Eating Disorder war das letzte Jahr als psychisch chronisch kranke alleinlebende Frau wirklich eine schwere Zeit, die mich täglich herausforderte. Und es ist tatsächlich kaum ein Ende in Sicht (zumindest nicht hier mitten im Hot Spot).
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#4 Ben BraunschweigAnonym
  • 05.03.2021, 00:51h
  • Antworten auf @aaaaaber
    und unten @Dea*
    Also da könnte man wirklich sauer werden. Mr. Asexuell. Vielleicht ist es ja möglich, das die von Ihnen genannten Personen, welche vielleicht ja auch auch Saunen, etc. aufsuchen, das aus Einsamkeit machen? - Kommt Ihnen gar nicht in den Sinn, oder? - es hat nicht jeder das Glück, eine Beziehung zu finden, oder gefunden zu haben, bzw. eine Partnerschaft. Aber was sollten Sie auch so weit denken? - Nein, ich denke sogar, auch viele Asexuelle verstehen etwas von Liebe oder Sehnsucht, denn sie haben ja lediglich kein Interesse an Sex, aber manche doch an Partnerschaft. Nur Sie nicht. Das ist schade. Und es zeigt wie unsensibel man sein kann. Dann bringen Sie sich mal wieder in Ihre Sozialberatung ein, genau. Ist doch recht sozial...na klar.

    @Dea*

    Ihre Lebenssituation tut mir leid. Ich habe auch mit Einsamkeit zu kämpfen. es tut weh. Ich wünsche Ihnen und uns dennoch alles gute. Liebe Grüße
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#5 aaaaaaberAnonym
  • 05.03.2021, 02:19h
  • Antwort auf #3 von Dea*
  • Mir eine dissoziale Persönlichkeitsstörung nachzusagen ist nicht sehr nett.

    Ich komme aus einer wenig erfreulichen Familie, wo es sogar Personen gab, die straffällig wurden. Zu dieser Gruppe habe ich verständlicherweise keinen Kontakt mehr.

    Irgendwie habe ich trotzdem - wenn auch nur auf dem zweiten Bildungsweg - ein Abitur gemacht. Zu den Schulkollegen gibt es leider nur einen sehr losen Draht per Mail und Telefon, da jeder woanders Karriere gemacht hat.

    Auf Grund einer Schwerbehinderung durch einen Motorradunfall bin ich in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, was viele sportliche Aktivitäten ausschließt.

    Da ich zeitweilig in Großbritannien gearbeitet habe, spreche ich noch einigermaßen gut Englisch und helfe ehrenamtlich in einer Flüchtlingshilfe vornehmlich afrikanischen Menschen, die ich um ihren Familiensinn beneide. Mit meinen dortigen hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitstreitern habe ich immer noch Kontakt - per Mail, per Telefon und gelegentlich durch persönliche Treffen.
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#6 MephalaAnonym
  • 05.03.2021, 07:38h
  • Die Pandemie ist auch nutzbar. Als lesbische trans Frau sind mir viele für cis Personen selbstverständliche Möglichkeiten versperrt. Schon vor der Pandemie habe ich drastisch erlebt, daß ich mich von den cis Lesben-Szenen und der transmisogynen Queer-Szene fern halten und in Acht nehmen sollte. Darum kann ich mein Lesbisch-Sein sowieso nicht leben, in keiner Weise, Pandemie hin oder her.

    Inzwischen sind die TERFs mächtiger und aggressiver geworden, es ist wahrscheinlich mein Glück, daß ich schon vorher keine Szene-Menschen mehr in meinem Umfeld hatte. Was sich in der Queerszene abspielt, beobachte ich über passives Mitlesen von Social Media, auch da wird es aus meiner Sicht immer schlimmer.

    Obendrein bin ich extrem arm und weiß, daß auch das so bleiben wird - bestenfalls. Ich kann während der Pandemie also schon einüben, wie der Rest meines Lebens sein wird, wenn sie vorbei ist. Das finde ich günstig, es wird mir nämlich so nach der Pandemie leichter fallen, weiter so zu leben wie jetzt.
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#7 LupdejuppAnonym
#8 trans naysayerAnonym
  • 05.03.2021, 13:55h
  • Antwort auf #7 von Lupdejupp
  • "Ehrliche Frage: in wie weit spielt die Tatsache das du weiß bist ("und das in Zukunft auch sein wirst" ?) da mit rein???"

    @Mephala, #6:
    "Obendrein bin ich extrem arm und weiß, daß auch das so bleiben wird - bestenfalls."

    Vielleicht bist Du ja spätestens an dieser Stelle bereit, diesen Satz in Deiner Muttersprache ein zweites mal zu lesen.
    Sollte es dann immer noch nicht mit dem Textverständnis klappen, bin ich gerne bereit, Dir als non-native-speaker Deine Muttersprache zu erläutern.

    Trotzdem Danke für den post. Ich habe herzlich gelacht.
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#9 LupdejuppAnonym
#10 MephalaAnonym