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"Dekadente, aussterbende Gesellschaft"

Nach Freispruch: Kutschera legt gegen Homosexuelle nach

Ulrich Kutschera feiert seinen gerichtlichen Freifahrtschein für Hetze gegen sexuelle Minderheiten: Im Portal von Beatrix von Storch warnt er mal wieder vor dem "homosexuell-pädophilen" Mann, der es auf Kinder abgesehen habe.


Professor Ulrich Kutschera vergangenes Jahr beim ersten Prozess vor dem Amtsgericht (Bild: dezentrale Redaktionskollektiv)

Der Kasseler Biologieprofessor Ulrich Kutschera hat nach seinen Freispruch im Volksverhetzungsprozess mit einem homosexuellenfeindlichen Artikel in der rechten Meinungsseite "Freie Welt" reagiert. Darin erklärte er sich zum "'Anwalt' jener Kinder, die in Homo-Haushalten untergebracht werden sollen" und denen dort Missbrauch drohe. "Freie Welt" ist das Sprachrohr von AfD-Politikerin Beatrix von Storch, das offiziell von ihrem Ehemann betrieben wird.

Laut Kutschera handle es sich bei seinem Kommentar mit dem Titel "Freispruch: Kinder sind auch Menschen" um einen Leserbrief an die "Hessisch Niedersächsische Allgemeine (HNA)", die diesen aber nicht gedruckt habe. Dabei klagte er über "Zensur" der "Mainstream-Presse" ("Leider kann ich diese Klarstellung nicht in der Mainstream-Presse publizieren und muss daher auf meinen Blog in der Freie Welt zurückgreifen, der glücklicherweise bisher noch nicht zensiert wird").

Kutschera behauptete weiter, er wolle mit seinen Äußerungen angeblich nur das Beste für Kinder. Wörtlich schrieb der 66-Jährige:

Es macht mich "wütend und traurig", dass die HNA in keinem Wort erwähnt, dass ich im "Strafverfahren" als "Anwalt" jener Kinder, die in Homo-Haushalten untergebracht werden sollen, aufgetreten bin. Es ging mir primär um das Kindeswohl und nicht darum, "homosexuelle Personen", die weder definiert, noch zahlenmäßig erfasst werden können, zu diskreditieren.

(Bild: freiewelt.net)

Als Beispiel für schwule Gewalt gegen Kinder nannte er einen angeblich in der HNA erschienen Bericht über einen "homosexuell-pädophilen Mann", der einen "genetisch fremden Adoptivling" missbraucht habe. Kinder, so Kutschera weiter, seien "in fast allen Berichten zu meinem Freispruch ignoriert" worden. Währenddessen würden "beleidigte 'Homosexuelle' zu prominenten Opfern" aufgebaut. "Das passt in unsere dekadente, aussterbende Gesellschaft", argumentierte Kutschera.

Der Hintergrund der Kutschera-Affäre: Der Evolutionsbiologe war am Dienstag vom Landgericht Kassel in zweiter Instanz vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen worden (queer.de berichtete). Die Äußerungen seien noch von der Meinungsfreiheit gedeckt gewesen.

Anlass für die Anklage war ein Interview mit dem Professor im österreichischen Portal kath.net aus dem Jahr 2017, in dem er vor Adoptionen durch homosexuelle Paare warnte. So argumentierte er: "Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann bzw. Frau-Frau-Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen." An anderer Stelle sprach er bei Homo-Männerpaaren mit Adoptivsohn von einem möglichen "Horror-Kinderschänder-Szenario".

Queere Studierende fürchten nach Freispruch "mehr Gewalt gegen Queers"

Das autonome Queer-Referat Universität Kassel hat am Donnerstag in einem Offenen Brief entsetzt auf den Freispruch Kutscheras reagiert: "Der Freispruch könnte bedeuten, dass auch weitere diskriminierende Aussagen strafrechtlich folgenlos bleiben. Wir befürchten, dass diese Verharmlosung durch das Gericht zu noch mehr Gewalt gegen Queers und andere marginalisierte Gruppen führen wird." Besonders vor dem "Hintergrund des rechten Terrors" dürften queerfeindliche, sexistische oder rassistische Äußerungen nicht verharmlost werden.

Die queeren Studierenden forderten jetzt die Universitätsleitung auf, ein Disziplinarverfahren gegen Kutschera zu anzustrengen. Die Hochschule müsse sich jetzt "klar positionieren". (dk)



#1 LegatProfil
  • 05.03.2021, 12:06hFrankfurt am Main
  • "Der Freispruch könnte bedeuten, dass auch weitere diskriminierende Aussagen strafrechtlich folgenlos bleiben. Wir befürchten, dass diese Verharmlosung durch das Gericht zu noch mehr Gewalt gegen Queers und andere marginalisierte Gruppen führen wird."

    Genau das ist der Fall und viele deutsche Richter wollen das auch so. Anders kann man den vorliegenden Fall nicht mehr interpretieren.
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#2 Freisler-WatchAnonym
  • 05.03.2021, 12:29h
  • Da sieht man die Konsequenzen für LGBT*IQ-Menschen, wenn Richter den Rechten den Rücken stärken. Es geht weiter und wird dreister, dreckiger, brauner.
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#3 zundermxeAnonym
  • 05.03.2021, 12:43h
  • Gibt es immer noch keine Urteilsbegründung?

    Es ist schon eine erschütternde und sehr ernüchternde Bestandsaufnahme in 2021, dass ein derart übler Hetzer nicht nur öffentlich wiederholt diese Hetze verbreiten darf, überdies als Dozent arbeiten darf und dies dann auch noch gerichtlich in zweiter Instanz als völlig legal abgesegnet wird.
    Wie sich Kutschera nun mit rechtsstaatlicher Legitimation äußern darf, zeigt, dass 33-45 nicht so lange her ist, wie viele denken mögen und Polen und Ungarn auch ganz praktisch in Deutschland denkbar sind.

    Dieses aktuelle (als eins von leider zu vielen) Beispiel (en) zeigt auf welchem Hintergrund und mit welcher Bedeutung die SPD gerade eine sehr gefährliche Diskussion öffentlich führt.
    Vom angeblich übergeordneten Interesse des Gemeinwohls sind wir iSv Kutschera gesprochen wieder sehr fix beim gesunden Volkskörper (der natürlich völlig zu recht alles abstoßen darf, was vermeintlich schadet oder nicht dazu gehört).
    Thierse und die SPD werden sich gegen Zustimmung und Applaus von rechts nicht wehren können.

    Wenn ein deutsches Gericht derart eindeutigste Aussagen nicht als Beleidigung, Diskriminierung und Hetze anerkennt, haben wir allen Grund zur Sorge.
    Oder gibt es tatsächlich Queers, die sich von den Aussagen von Kutschera nicht zumindest beleidigt fühlen?
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#4 FennekAnonym
  • 05.03.2021, 12:53h
  • >>>>> Im Portal von Beatrix von Storch warnt er mal wieder vor dem "homosexuell-pädophilen" Mann, der es auf Kinder abgesehen habe. <<<<<

    Mit anderen Worten:
    Er warnt vor Priestern.

    Wieso sagt er das dann nicht so, sondern beschreibt das so kompliziert?
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#5 MättiAnonym
  • 05.03.2021, 13:13h
  • Vielleicht könnte man mit Fakten derartige "Meinungsäußerungen" widerlegdn? Kommt sexueller Missbraucv von Kindern bei heterosexuellen Paaren nicht in erheblichem Ausmaß vor?
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#6 FelixAnonym
  • 05.03.2021, 13:17h
  • "Es ging mir primär um das Kindeswohl und nicht darum, "homosexuelle Personen", die weder definiert, noch zahlenmäßig erfasst werden können, zu diskreditieren."

    Herr Kutschera,

    zunächst mal zur Definition: die kann man im Lexikon nachschlagen, das brauche ich hier nicht zu erklären.

    Zum Kindeswohl:
    Ja, das muss natürlich immer an erster Stelle stehen. Das ist doch wohl selbstverständlich. Und genau wie bei Heteros hat auch bei Regenbogenfamilien niemand ein Anrecht auf ein Kind. Und Sie wissen hoffentlich, wie sorgfältig so etwas geprüft wird - unabhängig von der sexuellen Orientierung der Eltern.

    Aber es gibt eben Fälle, wo ein Kind bei einer Regenbogenfamilie prima aufgehoben ist. Soll das dann lieber im Heim oder auf der Straße leben?

    Erstens gibt es ja auch bei Regenbogenfamilien oft leibliche Eltern der Kinder oder enge Verwandte, Geschwister eines leiblichen Elternteils, die im Falle dessen Tods einspringen. Und es gibt auch Kinder, die sonst niemand will, z.B. weil sie vielen zu alt sind, weil sie schwer krank sind, etc.

    Es gibt genug Beispiele wo Kinder es in Regenbogenfamilien besser haben als bei ihren leiblichen Eltern, wo sie vernachlässigt oder gar misshandelt wurden.

    Dass Kinder in Regenbogenfamilien aufwachsen, ist Fakt - egal ob mit oder ohne Adoptionsrecht. Das Adoptionsrecht dient doch gerade dem Kindeswohl. Damit ein Kind z.B. beim Tod eines Elternteils nicht auch noch das andere Elternteil und die vertraute Umgebung verliert.

    Wenn es Ihnen wirklich ums Kindeswohl geht, dann können Sie doch nicht die Augen davor verschließen, dass es eben genau darum geht und nicht um Wünsche von irgendwelchen potentiellen Eltern.

    Dieses Thema ist und war immer schon weniger ein Thema von LGBTI-Gleichstellung, sondern ein Thema von Kindeswohl. Aber manchmal ist eben genau so eine Regenbogenfamilie am besten für das Kindeswohl. Und dann wäre es doch falsch, gegen das Kindeswohl zu handeln, oder?
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#7 Taemin
  • 05.03.2021, 13:31h
  • Dazu passt, dass ein Verwaltungsgericht gerade dem Verfassungsschutz verboten hat, die AfD, zu deren Dunstkreis Kutschera gehört, als Verdachtsfall zu beobachten. Rechte Richter schützen rechte Extremisten.
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#8 LupdejuppAnonym
  • 05.03.2021, 13:41h
  • Antwort auf #3 von zundermxe
  • Nope, gerade nochmal gegoogelt "Urteilsbegründung".... steht nur das es unter Meinungsäußerung fällt ! Würde mich auch interessieren wie genau da die Rechtsauslegung aussieht, schätzungsweise (!) schützt ihn die Tatsache wie er das formuliert hat; "ich finde", "ich sehe kommen" , "ich halte es für möglich"....
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#9 LegatProfil
  • 05.03.2021, 13:42hFrankfurt am Main
  • Antwort auf #4 von Fennek
  • Falsch, pädophile Priester sind genau das: Pädophil! Sie sind NICHT "homosexuell-pädophil"!

    Falle bitte nicht auf rechte Argumentationsweisen rein. Es ist wissenschaftlich längst erwiesen, dass Pädophile NICHTS mit Sexueller Orientierung zu tun hat. Ein grundsätzlich heterosexueller Mensch kann neben seiner Sexuellen Orientierung auch eine pädophile Neigung haben und in diesem Zusammenhang zum Täter an einem dem Täter gleichgeschlechtlichen Kind werden.
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#10 Sarah_SAnonym
  • 05.03.2021, 13:47h
  • Herr Kutschera sagt: "Alle Homosexuelle sind Phädophile" und ein Lieblingsspruch der Rechten ist "Todenstrafe für Kinderschänder".

    Wer simpelste Mathematik beherrscht kann eins und eins zusammenzählen und erkennt wie gefährlich die Aussage eines Herrn Kutschera für unsere Minderheit im Land ist.
    So ein Mensch ist kein Wissenschaftler, er ist ein Demagoge und so empathielos das ihm keiner Abkauft das er sich um Kinder sorgen würde.
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