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Heimkino

"Baby Jane": Eine toxische lesbische Beziehung

Jonna und Piki schweben auf Wolke Sieben. Die junge Liebe beginnt jedoch zu bröckeln, je mehr Pikis Panikattacken ihre Leben beeinflussen. "Baby Jane" von Katja Gaurilof ist ein sehenswertes Drama, das sich jeder Eindeutigkeit entzieht.


Shootingstar Roosa Söderholm und die Sängerin Maria Ylipää spielen in "Baby Jane" ein Paar, dessen stürmische Beziehung auch entlang von Abgründen verläuft (Bild: Salzgeber)
  • Von Fabian Schäfer
    7. März 2021, 00:01h, noch kein Kommentar

"F41, was ist das denn?", fragt Jonna ihre Freundin Piki, als sie deren Sachen durchgeht. Ach, nichts Besonderes, hört sie als Antwort. Die Diagnose stehe nur für Panikattacken. Seit zehn Jahren leidet Piki darunter. Und jetzt soll sie bitte aufhören, ihre Unterlagen zu durchwühlen.

Es ist der erste kleine Knacks, den die noch frische Beziehung der zwei jungen Frauen erfährt. Jonna ist gerade nach Helsinki gezogen, als sie die gut zehn Jahre ältere Piki in einem queeren Club kennengelernt hat. Sie lachen, machen Kissenschlachten, pure Lebensfreude und Verknalltheit.

Als Piki ihre Partnerin ihren Freund*innen vorstellt, ist eine der Reaktionen: Wow, eine waschechte Baby Jane. Wie im Sechzigerjahre-Hollywood-Film stellt Jonna (Roosa Söderholm) zwar nicht ihre Schwester, sondern ihre Partnerin mit ihren großen Augen, den blonden Haaren und der unschuldigen Art in den Schatten. Piki (Maria Ylipää) dagegen trägt ausschließlich schwarz, ihre Haare sind kurz, die Wangenknochen markant.

Die Ex ist immer misstrauisch


Poster zum Film: "Baby Jane" läuft im März 2021 in der queerfilmnacht online

So unbeschwert die Liebesgeschichte auch anfängt: Regisseurin Katja Gauriloff lässt die Zuschauer*innen ihres Dramas "Baby Jane", das in diesem Monat in der queerfilmnacht online läuft, von Anfang an ahnen, dass das nicht alles ist, dass das keine Lovestory nach altbekanntem Muster wird. Für diesen Eindruck sorgen kurze Traumsequenzen genau wie Geräusche, eher ein Flirren und Flimmern, das sie sich aus Horrorfilmen borgt.

Denn die Harmonie zwischen den Verliebten beginnt zu bröckeln. Verantwortlich dafür ist auf den ersten Blick Pikis Exfreundin Bossa (Nelly Kärkkäinen). Die beiden sind immer noch befreundet, Bossa hat sogar einen Schlüssel für die Wohnung. Ihre Augen sind stets misstrauisch, sie lächelt nie. Die finanziellen Schwierigkeiten machen es nicht besser.

Doch ganz so klar sind die Sympathien nie verteilt. Piki leidet spürbar an ihrer psychischen Erkrankung. Sie geht nicht vors Haus, und wenn, dann nur mit Cap, dunkler Pilotensonnenbrille und Kapuze über dem Kopf. "Ich habe kein Leben", sagt sie. Die Beziehung zur Exfreundin ist eigentlich eine Abhängigkeit. Mit den Panikattacken geht Regisseurin Katja Gauriloff sensibel um, sie stehen nicht im Mittelpunkt, auch wenn sie die Beziehungen so prägen. Zudem streift sie die Frage, was mental gesund und was krank ist, und ob Einschränkungen nur mit Diagnoseschlüssel etwas gelten.

Eine Beziehung voller Sehnsucht

Für "Baby Jane" greift sie auf den gleichnamigen Roman von Sofi Oksanen zurück, verlegt ihn aber von den Neunzigern ins Heute. Gerade in ihrem Heimatland Finnland, das bei Suizidraten immer einen der vorderen Plätze im weltweiten Vergleich belegt, ein virulentes Thema.

Es wird immer deutlicher, wie toxisch das Verhältnis der beiden ist, und wie sich das auch auf die Beziehung von Jonna und Piki überträgt. Piki kann verletzend und fies sein, doch Jonna steht dem in nichts nach. Für ihre Beziehung gibt es deshalb keine Schublade. Sie ist nicht nur toxisch, und sie ist nicht nur glücklich. Sie ist voller Sehnsucht (der guten wie der schlechten), verletzend und schließlich auch ausweglos. Auch wenn Katja Gauriloff für ihren ersten Spielfilm stellenweise zu dick aufträgt, macht diese Uneindeutigkeit "Baby Jane" spannend und sehenswert.

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Infos zum Film

Baby Jane. Drama. Finnland 2019. Regie: Katja Gauriloff. Darsteller*innen: Roosa Söderholm, Maria Ylipää, Nelly Kärkkäinen. Laufzeit: 90 Minuten. Sprache: finnische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Salzgeber. Im März 2021 in der queerfilmnacht online sowie über die Seiten der Partnerkinos.