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Internationaler Frauentag
Forderung: LGBTI-Community muss Frauen besser akzeptieren
Anlässlich des Weltfrauentags rufen queere Aktivist*innen dazu auf, auch in der queeren Community mehr für die Sichtbarkeit von Frauen zu tun.

Der internationale Frauentag wird weltweit – wie etwa auch im kanadischen Toronto – begangen (Bild: Daniel Lobo / flickr)
- 8. März 2021, 08:57h 3 Min.
LGBTI-Aktivist*innen appellieren angesichts des Internationalen Frauentages am 8. März, die Anliegen von Frauen auch in der Community sichtbarer zu machen. "Noch zu häufig werden die Bedürfnisse und Belange von lesbischen Frauen und trans* Frauen in Gesellschaft und Politik, aber auch in der Community wenig bis gar nicht thematisiert", erklärte Henny Engels, Vorstandsmitglied des LSVD-Bundesverbandes. "Zu oft werden sie mit ihren Potentialen ebenso wie mit ihren spezifischen Ausgrenzungserfahrungen ignoriert oder nur unzureichend wahrgenommen".
Frauen müssten auch heute noch "Sexismus, Rassismus, Lesben- oder Transfeindlichkeit, Antisemitismus, Antiziganismus sowie antifeministische Ideologien" erdulden. "Es reicht! Eine Gesellschaft darf es sich nicht erlauben, dass Menschen aufgrund ihres Geschlechts bzw. ihrer Geschlechtsidentität angefeindet oder abgewertet werden", so Engels. Notwendig sei daher, die "tatsächliche Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt, eine umfassend Reform des Familienrechts, die Umsetzung der Istanbul-Konvention, ein Aktionsprogramm zur Prävention gegen Gewalt und die Unterstützung von gewaltbetroffenen Frauen und Kindern engagiert anzugehen".
/ lsvd#Frauentag Alle Frauen haben ein Recht darauf, angst- und diskriminierungsfrei über sich, ihr Leben, ihren Körper und ihre Partnerschaften und Familien bestimmen zu können. https://t.co/iYVMdBGQ0M pic.twitter.com/JD4qtW0dU0
LSVD-Bundesverband (@lsvd) March 8, 2021
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Auch der SPDqueer-Landesverband NRW beklagt, dass Frauen "sowohl in der schwul-dominierten queeren Szene, als auch in der Frauenbewegung" oft unsichtbar seien. Dabei seien Frauenfeindlichkeit und LGBTI-Feindlichkeit "oftmals zwei Seiten derselben Medaille". Aus diesem Grund forderten die queeren Sozialdemokrat*innen, "dass die Sichtbarkeit von Lesben in unserer pluralen Gesellschaft weiter gefördert werden muss, um Diskriminierung und Hetze durch rechte Kräfte sowohl gegen Frauen als auch gegen LSBTIQ* entgegen zu wirken!"
Der Deutsche Lesbenring weist darauf hin, "ein freies und selbstbestimmtes Leben" für viele lesbische Frauen noch immer nicht erreicht sei – das treffe vermehrt auf jene Frauen zu, die nicht den typischen Klischees entsprechen: "Insbesondere lesbische Frauen und Mädchen, die nicht der gesellschaftlich vorgegebenen Norm von Weiblichkeit entsprechen, sind vielfach Diskriminierung und Mobbing ausgesetzt."
Lehmann: Männer, solidarisiert euch!
Mehrere weitere LGBTI-Aktivist*innen appellieren an Männer, sich öffentlich zu solidarisieren. Sven Lehmann, der queerpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, schrieb anlässlich des Frauentages etwa auf Twitter: "Wie können wir Männer die Anliegen der Frauen unterstützen? Ganz einfach: zuhören, eigene Privilegien reflektieren, solidarisieren. Und Inhalte teilen, in denen Frauen für sich und ihre Anliegen *selbst* sprechen!"
/ svenlehmannHeute ist #Weltfrauentag Wie können wir Männer die Anliegen der Frauen unterstützen? Ganz einfach: zuhören, eigene Privilegien reflektieren, solidarisieren. Und Inhalte teilen, in denen Frauen für sich und ihre Anliegen *selbst* sprechen!#IWD2021 #Frauentag #geballterfeminismus pic.twitter.com/Ig1Hxlh71K
Sven Lehmann MdB (@svenlehmann) March 8, 2021
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"Solange das Eintreten für ein selbstbestimmtes Leben für LBTIQ Frauen* und Lesben* weiterhin als 'Identitätspolitik' verunglimpft wird und nicht erkannt wird, dass es hier um die Gewährung elementarer Menschenrechte und grundlegende feministische Prinzipien der Selbstbestimmung geht, hat nicht verstanden, worum es geht. Insbesondere die reaktionären Erwiderungen rund um die Kampagne #ActOut (185 Schauspieler*innen hatten ihr öffentliches Coming-out im Magazin der Süddeutschen Zeitung am 5. Februar 2021) sind für uns nicht akzeptabel.
Der Weltfrauentag findet inzwischen seit mehr als 100 Jahren immer am 8. März statt. Er entstand Anfang des 20. Jahrhunderts als Initiative sozialistischer Organisationen. Die Forderungen waren die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation von Arbeiterinnen. Seit letztem Jahr ist der Frauentag in Berlin ein gesetzlicher Feiertag – Bewohner der 15 anderen Bundesländer müssen aber arbeiten. (dk)














