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Kampagne "Familie ist Familie"

Orbán-Regime leitet Verfahren ein: RTL Ungarn zu LGBTI-freundlich

RTL betreibt den beliebtesten Privatsender Ungarns. Doch der gerät nun unter Druck, weil er nach Ansicht der ungarischen Regierung zu LGBTI-freundlich ist und damit Kinder gefährde.


Der Sender RTL Klub unterhält seit 1997 die Ungar*innen mit TV-Perlen wie "Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei", betreibt aber auch LGBTI-Toleranzkampagnen (Bild: RTL Magyarország)

Der ungarische TV-Sender RTL Klub muss sich einem Verwaltungsverfahren der staatlichen Medienaufsicht wegen einer Anti-Homophobie-Kampagne unterziehen. Die Medienaufsicht wirft RTL Klub vor, jugendgefährdendes Material vor 21 Uhr gesendet zu haben. Außerdem wird auf das ungarische Mediengesetz verwiesen, wonach Fernsehsender "für Respekt für die Institution der Ehe und die Familie werben" müssten – dies schließt in Ungarn offenbar keine Regenbogenfamilien ein.

RTL Klub ist derzeit der erfolgreichste Privatsender des Landes; er gehört zu 80 Prozent der in Luxemburg und Köln ansässigen RTL Group, die in Deutschland RTL, Vox, ntv und mehrere andere Sender betreibt.

Hintergrund für die Ermittlungen ist die mehrfache Ausstrahlung von fünfminütigen Clips mit dem Titel "Familie ist Familie", in dem über ihr Leben und Diskriminierungserfahrungen von Regenbogenfamilien gesprochen wird. Zu Wort kommen neben schwulen Vätern und lesbischen Müttern auch Lehrer*innen und Soziolog*innen. Die Spots wurden von der LGBTI-Organisation Háttér Társaság erstellt. RTL Klub hatten den Aktivist*innen Werbezeiten kostenlos zur Verfügung gestellt.

Direktlink | Derartige Videos sind nach Ansicht der ungarischen Regierung jugendgefährdend
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Háttér-Társaság-Sprecher Tamás Dombos kritisierte gegenüber RTL Klub das Vorgehen der Regierung scharf: "Das Ziel ist, LGBT-Organisationen zum Schweigen zu bringen und jegliche gesellschaftliche Debatte über dieses Thema im Keim zu ersticken." Die Organisation hatte bereits in der Vergangenheit davor gewarnt, dass viele Medien in Ungarn aus Angst vor derartigen staatlichen Sanktionen bereits Selbstzensur betrieben und LGBTI-Themen schlicht ausblendeten.

Ministerpräsident Viktor Orbán und seine Fidesz-Partei regieren Ungarn seit inzwischen mehr als zehn Jahren mit harter Hand. Immer wieder kritisierten Oppositionelle, dass die Regierung die Pressefreiheit und die Unabhängigkeit der Justiz einschränkt. Zudem kritisierten Menschenrechtsaktivist*innen insbesondere die antiziganistische und extrem LGBTI-feindliche Haltung der Regierung. So setzte Orbán letztes Jahr eine Verfassungsänderung durch, um trans Personen nicht mehr in ihrem Geschlecht anzuerkennen; zeitgleich wurde gleichgeschlechtlichen Paaren neben der Ehe auch die Adoption verboten (queer.de berichtete).

Erst vor wenigen Tagen verließ die Fidesz-Partei die Europäische Volkspartei, der auch die deutschen Parteien CDU und CSU angehören (queer.de berichtete). Orbán erklärte im Anschluss, er wolle Konservative um sich sammeln, die "nicht dem LGBTQ-Wahn verfallen sind" (queer.de berichtete).

Vor zwei Jahren hatte die staatliche Verbraucherschutzbehörde Ungarns Coca-Cola für eine Regenbogen-Toleranz-Kampagne mit Bußgeld belegt, weil die Plakatmotive mit gleichgeschlechtlichen Paaren "die körperliche, geistige, emotionale und moralische Entwicklung von Kindern und Minderjährigen beeinträchtigen" könnten (queer.de berichtete). Wenige Monate zuvor hatte ein staatlicher TV-Sender in einer ganzen Sendung Homo-"Heilung" geradezu beworben – ohne Konsequenzen (queer.de berichtete). (dk)



#1 AnnickAnonym
  • 08.03.2021, 17:49h
  • Mir ging durch den Kopf als ich das gelesen habe, dass doch dieser "beliebteste Sender" sollte er Strafen, Vorgaben oder sonst was erleiden müssen, eben ein dermaßen langweiliges Programm senden sollte, dass die Menschen dort auf die Barrikaden gehen.....
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#2 Bekannte TaktikAnonym
  • 08.03.2021, 20:05h
  • Solchen Kräften waren freie, unabhängige Medien immer schon ein Graus.

    Solche Mächte versuchen stets als erstes, die Medien unter ihre Kontrolle zu bringen.
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#3 DramaQueen24Ehemaliges Profil
  • 09.03.2021, 02:51h
  • Liebe EU, lieber europäischer Gerichtshof,

    zeigt Orban und seiner Faschopartei endlich die rote Karte! Genug ist genug!
    Wer das geld der EU will, aber europäische Menschenrechte und die Medienfreiheit (vierte Gewalt im Staat) mit Füßen tritt, sollte zu spüren bekommen, was es heißt, draußen zu sein!
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#4 NonBinaryEhemaliges Profil
  • 09.03.2021, 06:31h
  • "Ministerpräsident Viktor Orbán und seine Fidesz-Partei regieren Ungarn seit inzwischen mehr als zehn Jahren mit harter Hand. Immer wieder kritisierten Oppositionelle, dass die Regierung die Pressefreiheit und die Unabhängigkeit der Justiz einschränkt. Zudem kritisierten Menschenrechtsaktivist*innen insbesondere die antiziganistische und extrem LGBTI-feindliche Haltung der Regierung."

    Ich frage mich wirklich, was so ein Land noch in der EU zu suchen hat. Es ist ganz offenbar ein Webfehler der EU, dass sie keine ausreichenden Mittel hat, um solche demokratiefeindlichen Menschenrechtsverletzungen zu ahnden oder zumindest zu sanktionieren.

    Aber daran sieht man halt wieder, dass die EU eine reine Wirtschaftsgemeinschaft ist. Solange Euro und Forint rollen. Von Wertegemeinschaft keine echte Spur. Traurig. Ich hatte mir das mal sehr, sehr anders vorgestellt.
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