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Kommentar

Warum Thierse mehr, nicht weniger Widerspruch braucht

In der schädlichen Endlos-Debatte um "Identitätspolitik" setzen viele auf "Augen zu und durch" – aber das Narrativ, Minderheiten dominierten die öffentliche Debatte und verdrängten wichtige Themen, verfängt und braucht Gegenrede.


Wolfgang Thierse löste mit seiner überzogenen SPD-Austrittsdrohung einen anhaltenden antiqueeren Shitstorm aus – und wird selbst von der SPDqueer nur mit Samthandschuhen angefasst (Bild: SPD-Bundestagsfraktion)

Seit Tagen hagelt es im Streit um "Identitätspolitik" auf Minderheiten, vor allem auf queere Menschen, nieder. Die SPD distanziere sich von Thierse, "um sich im queeren Milieu lieb Kind zu machen", schrieb die "Welt". Sozialdemokraten wollten sich als "'tief verstörte' Mitfühlende der diversen Geschlechtergemeinschaft hervortun", ätzte die "FAZ". Die Partei müsse sich "zwischen queerem Akademiker und Frau an der Aldi-Kasse" entscheiden, kommentierte der "Focus", der die "Ehe für alle" als "identitätspolitisch queeres Projekt allererster Ordnung" darstellte und die SPD-Forderung nach einem "nationalen Aktionsplan gegen Homo-, Bi-, Trans- und Interphobie und Gewalt gegen LSBTIQ" ins Lächerliche zog. "Hart aber fair", die Macher von "Papa, Papa, Kind: Homo-Ehe ohne Grenzen?", haben auch schon bei queer.de für eine Recherche für eine mögliche Sendung nachgefragt.

Das sind nur einige Beispiele der Debatte der letzten Tage. Mehr mediale Distanz zu einer Minderheit geht kaum noch, und alles führte zu einem queerfeindlichen Diskurs in sozialen Netzwerken, in dem Kommentare wie "Die sollen sich nicht so aufspielen" oder "Was wollen die denn noch?" noch die harmlosesten waren. Über die Kommentarfunktion von queer.de erhielten wir so viele menschenfeindliche Botschaften bis Bedrohungen wie schon lange nicht mehr.

Wir haben seit einigen Jahren Rechtsextreme im Bundestag und in allen Landesparlamenten, in sozialen Netzwerken eine Pandemie von menschenfeindlicher Hetze und entsprechenden persönlichen Angriffen. Und ein Großteil der deutschen Medien debattiert nun im Wahljahr über "Identitätspolitik" und "Cancel Culture" – Kampfbegriffe, die sich gegen den Einsatz für Minderheiten richten und in Wirklichkeit Kritik in ihrem Sinne "canceln" sollen. Es sind Kampfbegriffe der rechten Hetzer, gegen die man sich kaum noch wehren kann, wenn sich ihre Narrative in der Mitte etablieren (und Begriffe, gegen die man sich auch kaum wehren kann, weil sie einen unendlich großen Bereich abdecken; man vergleiche bereits den in Deutschland halbwegs chancenlosen Begriff "Homo-Propaganda" mit den Narrativen "Gender-Ideologie" bzw. "Gender-Gaga", die viel mehr Menschen etwa mit einer Ablehnung geschlechtergerechter Sprache abholen, aber auf weit mehr Ablehnung und Ausgrenzung zielen und entsprechend wirken).

"Endlich wehrt sich die Mitte gegen die neuen Ideologen", kommentierte die "Welt" zu Thierse – und meinte damit die "Zumutungen eines radikalen Aktivistentums" der "linken Identitätspolitik". Währenddessen bezieht sich der AfD-Politiker Alexander Gauland in Hetzbeiträgen bereits genüsslich auf Thierses Rhetorik.

Eine virulente Debatte wird viral

Die Debatte um "Identitätspolitik", die den bei den Wähler*innen nicht so populären und von Rechten massiv bekämpften Einsatz für Minderheiten gegen eine angebliche und nie groß definierte Politik "für alle" ausspielt, als wäre das ein tatsächlicher Gegensatz, ist nicht neu. Sie wurde auch schon von Sahra Wagenknecht oder Boris Palmer geführt (der Grünen-Politiker hat sich bereits wieder zu Wort gemeldet). Schon da zeigte sich die viele Ablehnung, zu der das führt, und das Absurde: Der Einsatz für Menschen, die etwa schwul oder schwarz geboren werden und für diese (Teil-)Identität angegriffen und ausgegrenzt werden, wird pauschal als "ideologisch" diffamiert – und nicht hinterfragt wird zugleich beispielsweise der jahrzehntelange Einsatz für katholische Gläubige (eine selbst gewählte Identität, wenn man so will). Bei den Rechten und Bedürfnissen queerer Menschen bestand großer Nachholbedarf. Dass sich manche Debatten im LGBTI-Bereich ewig ziehen und nicht abgeschlossen sind, liegt dabei auch an den Trippelschritten der Politik, an der konstanten Gegenwehr von Union und mancher Medien.

Nun hat die Debatte mit voller Wucht die Regierungspartei SPD erreicht. In ihrem erst vor wenigen Tagen veröffentlichten Entwurf des Wahlprogramms fordert sie, den Antidiskriminierungsartikel des Grundgesetzes um das Merkmal "sexuelle Identität" zu erweitern (queer.de berichtete) – und führt jetzt eine Debatte, als wäre nicht nur dieses Ziel, sondern der ganze Verfassungsartikel überflüssig und dem Gemeinwohl entgegengesetzt. Dieser setzt seit 1949 das Benachteiligungsverbot übrigens nicht in Abwägung zu vermeintlichen Interessen der "normalen Menschen", wie Thierse es ausdrückte.

Wobei Debatte führen der falsche Ausdruck ist: Eigentlich hatte zunächst nur Wolfgang Thierse einen Kommentar veröffentlicht, der, schlimm wie er war, dennoch eher eine überschaubare Debatte auslöste. Dann wurde ihm bekannt, dass Esken und Kühnert in einem Brief an wenige Empfänger*innen, der primär der queeren Community nach dem aus dem Ruder gelaufenen "Jour Fixe"-Talk Solidarität versichern sollte, auch seine Einlassungen indirekt in einem Nebensatz kritisierten – weil sie "ein rückwärtsgewandtes Bild der SPD" zeichneten, "das Eure Community, Dritte, aber eben auch uns verstört" (queer.de berichtete).

Eine erpresste Debatte

Aus dieser winzigst kleinen, halböffentlichen und von den Mainstream-Medien zunächst kaum beachteten Mücke machte Thierse einen Elefanten, bot selbst indirekt und unaufgefordert seinen Parteiaustritt an, woraus viele Medien ganz im Sinne Thierses ein unberechtigtes "Cancel Culture"-Phänomen bastelten: Seht hin, liebe Leser, Thierse wird wegen seiner Ansichten "ausgegrenzt" ("Tagesspiegel") – und letzlich drohe "uns" das allen. Esken versuchte in Panik, die plötzliche Debatte einzufangen – und das nicht im Sinne von Minderheiten, sondern der Partei. So versicherte sie dem "verdienstvollen Genossen", dass man sich nicht von ihm distanziere oder für ihn schäme, und warf dafür queer.de, letztlich die queere Community, unter den Bus (queer.de berichtete). Kühnert schwieg. Gebracht hat das wenig: Das offenbar auch an der Parteibasis verfangende Narrativ, die SPD verrate die Interessen der einfachen Arbeiter*innen, wenn sie sich für Minderheiten einsetze, ging viral weiter durch viele Medien und soziale Netzwerke.

In der für Minderheiten schädlichen Debatte, in der Medien und Thierse noch nachlegten und nachlegten und nachlegten, hörte man seitdem aus der SPD-Führung fast nichts. Man kann das als Versuch werten, das Feuer nicht weiter anzufachen. Aber es brennt, und es braucht eine ordentliche Löschung. Es braucht – nicht nur aus der SPD, sondern aus allen demokratischen Parteien, aus den wichtigsten Menschenrechtsverbänden, von unseren Verbündeten und Mitstreiter*innen im gleichen Boot – eine klare wie beherzte Argumentation, warum man sich für Minderheiten einsetzt und warum das anderen Interessen nicht entgegensteht, sondern diese vernünftig und notwendigerweise ergänzt.

Diese dringend notwendige Verteidigung vermeintlicher "Identitätspolitik" muss übrigens nicht in die Tiefe gehen – die Debatte um den "kleinen Mann", der bei dieser Politik angeblich unter den Tisch falle, wird paradoxerweise größtenteils hinter Paywalls oder in irgendwelchen halböffentlichen Briefen geführt, und das kleinteilig, wirr und pseudo-intellektuell. Was es braucht, ist beispielsweise folgende Argumentation: Man kann über das ein oder andere streiten. Man kann auch manche Ängste haben (die eine fortschrittliche Partei allerdings nehmen, statt wiederholen und legitimieren sollte, wie Thierse es etwa früher zur Ehe für alle und zum Bildungsplan tat). Aber wenn der Einsatz für Minderheiten grundsätzlich in Frage gestellt wird, wenn diese diffamiert, ausgegrenzt oder zurückgedrängt werden, widersprechen wir mit voller Kraft. Wir nehmen die Anliegen von Minderheiten ernst und verteidigen sie und lassen uns dabei nicht einschüchtern, nicht auseinander dividieren. Rassismus oder Homophobie und zunehmend Transphobie müssen benannt werden können und dürfen nicht ohne Widerspruch bleiben. Nur so kann eine vielfältige Gesellschaft gelingen.

Das Appeasement von SPDqueer

Was es nun übrigens am allerwenigsten braucht, ist der peinliche Thierse-Appeasement-Versuch, den sich der SPDqueer-Bundessprecher Sascha Roncevic am Mittwoch in einem "Cicero"-Interview geleistet hat (als erste Stellungnahme zum Thema und natürlich hinter einer Paywall, so dass vor allem die nicht gänzlich korrekte Überschrift "Wolfgang, wir stehen hinter dir" hängen bleibt). Der stellvertretende Bundesvorsitzende der LGBTI-Arbeitsgemeinschaft der Partei versucht – zu bemerkenswert aggressiven Fragen – in manchen Punkten durchaus eine gelassene Verteidigung der queeren Community gegen die Thesen Thierses, etwa wenn er dem Vorwurf, dass eine Opferperspektive angeblich Argumente ersetze, entgegenhält: "Aber es ist doch ein Unterschied, ob man sich als Opfer fühlt oder ein Opfer ist. (…) Warum darf man diese Gewalterfahrung nicht mit in den Diskurs einbringen?"

Man dürfe das aber "bloß nicht als absolutes Argument hinstellen", schränkt Roncevic dann allerdings sofort imaginär ein. Mehrfach distanziert er sich von Thierse-Kritiker*innen: Die SPDqueer habe den Politiker "gar nicht öffentlich abgekanzelt". "Das waren einzelne Mitglieder. Aber wir als AG haben nie ein Statement abgegeben, in dem es heißt, Wolfgang Thierse sei reaktionär." Die SPDqueer teile Thierses FAZ-Kommentar "nicht in allen Punkten", Roncevic stimmt ihm aber unter anderem in dem Punkt zu, dass der raue Ton mancher Debatte der Sache nicht dienlich sei. "Ich glaube aber, [Thierse] verwechselt das Anliegen der Leute mit der Art und Weise, wie einige Leute das kommunizieren. Aber das ist eben nur ein Teil der Community. Es gibt nicht die queere Community."

Roncevic greift so Thierse, den er für seinen Einsatz gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit lobt, mit Samthandschuhen an, die von Thierse Angegriffenen aber bekommen einen Tritt in den Hintern. Besonders peinlich wird es, als er sich im Zusammenhang des "Jour Fixe"-Talks von Alfonso Pantisano – LSVD-Bundesvorstand und Landesvorsitzender der SPDqueer in Berlin – distanziert: "Alfonso Pantisano war in dieser Runde das einzige SPDqueer-Mitglied, er hat aber nicht für die AG gesprochen. Er war halt in einer langjährigen Beziehung mit einem Schauspieler, der sich nicht geoutet hat, und er hat darunter gelitten. Alle anderen haben auch ihren Beitrag dazu geleistet, dass die Diskussion eskaliert ist, aber das waren Mitglieder der Initiative Act up [gemeint ist #ActOut; d. Red.; Update 12.3.: Roncevic legt Wert auf die Feststellung, dass er den aber-das-Nebensatz, der bei "Cicero" zunächst online stand, in der vom Magazin verschriftlichen Fassung des mündlich geführten Interviews nicht freigegeben habe, da dies nicht seine Aussage gewesen sei]. Ich tue mich aber schwer damit, andere Leute zu verurteilen, wenn sie sehr emotional sind. Ich kann nur sagen: Ich hätte anders reagiert und anders argumentiert."

So wird mal eben ein hochverdienter Aktivist der eigenen Partei und der Bewegung geopfert, um Thierse und der Partei zu gefallen, und wird zugleich das Motiv bedient, Aktivist*innen mit berechtigten Anliegen als emotionale Schreihälse zu diffamieren. Bereits eine Pressemitteilung von SPDqueer zu dem Talk las sich so, als wolle man sich für seine queeren Mitgenoss*innen bei der Partei entschuldigen, als wolle man der Basis bloß nicht zu lästig werden. Das gilt wohl auch für den Koalitionspartner auf Bundesebene: Zur Vorstellung der queeren Punkte im SPD-Wahlprogramm schrieb Roncevic noch einen Beipackzettel samt Vorab-Wähler*innenbeschimpfung: "Kritiker*innen, die der SPD entgegenhalten, warum wir diese Ziele nicht bereits in den vergangenen Jahren umgesetzt haben, möchten wir daran erinnern, dass dies bisher nicht an unserem Willen, sondern am Fehlen progressiver Mehrheiten gescheitert ist."

Letztlich ist das die Selbst-Aufgabe queerer Politik. Das ist zu wenig für die SPDqueer, zu wenig für die SPD und zu wenig für die Gesellschaft. Wer die Rhetorik von Thierse und Co. über "Identitätspolitik" weiter laufen lässt, wird keine progressive Politik umsetzen können.



#1 LorenProfil
  • 11.03.2021, 16:09hGreifswald
  • Der arme, arme Wolfi. Früher wars schon ziemlich anstrengend, als es im Osten noch so grau war. Aber heute wirds ihm doch zu bunt mit all den Mosereien, die da so lautstark vorgetragen werden, so unerbittlich, dass es ihm ganz und gar nicht normal vorkommt. Das überfordert Wolfi, der schon mitgekriegt hat, das auch in unserem schönen Land nicht alles golden glänzt. Aber Kritik doch bitte diskret (sozusagen hinter einer permanenten, möglich schwer zu durchdringenden Paywall) und mit dem Niveau, das ein ach so verdienter Sozialdemokrat schon mal einfordern kann. Von den anderen, versteht sich. Und immer schön "Bitte,, bitte" sagen, dann fällt auch hin und wieder ein Krümelchen von seinem Gabentisch. Herrje, es könnte alles einfacher sein, wenn sich die anderen mall bescheiden würden. Nicht wahr, Wolfi?
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#2 HaPeAnonym
  • 11.03.2021, 16:20h
  • Mal ganz ehrlich: Der Auftritt von Alfonso Palisanto war so emotional und unprofessionell, dass es einem die Fremdschamesröte ins Gesicht trieb. Der Freund wollte sich nicht outen? Toller Freund. Dem hätte Palisanto mal lieber den Marsch blasen sollen, anstatt sich bei der SPD darüber zu beschweren. Ungläubig saßen mein Freund und ich am Schirm und dachten: Was zum Teufel ist denn da los?
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#3 TrekieAnonym
  • 11.03.2021, 16:48h
  • SPD und progressiv?
    Ich weis echt nicht mehr, was man zu denen noch sagen soll. Ich finds ein riesen Umding, das SPDqueer sich jetz auch noch für ihre "unangenehm lauten Artgenos*innen" entschuldigen. Aber was soll man von diesem Karrieristen Gesindel auch erwarten?
    "Pssst, nich so laut - wenn die anderen hören das wir queer sind, kommen wir nie in den bundestag"
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#4 FoxiAnonym
  • 11.03.2021, 17:00h
  • Antwort auf #2 von HaPe
  • ich empfehle jedem sich das besagte Video dieser Veranstaltung anzuschauen, um sich ein eigenes Bild zu machen.

    Ja Pantisano war mir auch für seine Person zu unprofessionell, weil er sich durch seine privaten Erlebnisse reingesteigert hat. Aber auch Johannes Kram war direkt auf aggressive Konfrontation aus. Auch das Heinrich Horwitz direkt beleidigt gegenüber Frau Schwan reagiert hat wegen Misgendering, fand ich kindisch. Frau Schwan war damit sichtlich auch überfordert und hat sich auch direkt entschuldigt und Besserung gelobt.

    Wir queeren Leute dürfen nicht vergessen, dass außerhalb unserer eigenen Echokammern und Blasen manche Menschen noch nie was von non-binären Menschen gehört haben. Man sollte in so einer Situation nachsichtig und freundlich aufklären, statt direkt beleidigt zu sein.

    Lediglich Bettina Hoppe hat mir von den queeren Vertretern gut gefallen. Sie hat kritisiert und diskutiert und ist sachlich geblieben. Das zeigt also dass solche Diskussionen auch gescheit ohne Eskalation geführt werden können. Frau Kegel hatte ja auch ein weiterführendes Gespräch angeboten und Frau Hoppe dies auch angenommen. Das waren die wenigen Lichtblicke.

    Alles in allem müssen wir uns selber an die Nase fassen. Die queere Szene hat sich mit dieser Veranstaltung keinen Gefallen getan. Wenn man sieht, was das nun für Wellen schlägt.

    Erst wurde Frau Schwan niedergemacht, obwohl ich ihr nach Ansicht des kompletten Videos keinen Vorwurf machen kann. Sie hat lediglich versucht den Ton zu mäßigen. Als Thierse ihr dann Tage später beisprang ergoss sich die Eskalation auf ihn.

    Actout ist eine tolle Kampagne. Aber dieser kleine Artikel von Frau Kegel war es nicht Wert sich derart zu echauffieren. Der Artikel war relativierend aber nicht bösartig, allenfalls empathielos von Frau Kegel.

    Wir müssen aufhören jeden als homophoben Nazi zu bezeichnen, der nicht unsere Meinung teilt. Es gibt nicht nur schwarz und weiß. Wir schlagen damit auch potentiellen Verbündeten vor den Kopf.

    Hier wurde unnötig eine Front aufgemacht, die nicht notwendig war. Verbündete für unsere Anliegen hat man damit nicht gewonnen. Auf solche Eskalationen folgen dann in der Presse nämlich Begriffe wie "schrille Minderheit".

    Sascha Roncevic versucht hier derweil lediglich die Wogen zu glätten und das ist nachvollziehbar.

    Kritik soll man äußern und Diskussion ist Demokratie, aber nicht jeder sollte gleich in die rechte Ecke gestellt werden.

    Alle bitte wieder einen Gang runterschalten.

    ich weiß, auch mein Beitrag wird jetzt wieder zur heftigen Gegenrede führen. Aber ich kann damit leben.

    Die AfD lacht sich derweil munter ins Fäustchen.

    Können wir uns nicht lieber auf die echten Feinde unserer queeren Identität und Lebensart konzentrieren?
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#5 HaPeAnonym
#6 SakanaAnonym
  • 11.03.2021, 17:29h
  • Antwort auf #4 von Foxi
  • Ich kann deinem Kommentar nur vollumfänglich zustimmen.

    Was mich in der Debatte besonders stört, ist, dass nur übereinander, aber nicht miteinander gesprochen wird. Es wäre doch der Mühe wert gewesen, Wolfgang Thierse oder Gesine Schwan direkt anzufragen und um ein gemeinsames Interview zu bitten, um mehr über ihre Motive zu erfahren.

    So steht jetzt ein Artikel gegen den anderen und dadurch, dass vieles hinter Paywalls verschwunden ist, kann man nur noch schemenhaft erahnen, was sich hinter den Texten eigentlich verbirgt.

    Darin liegt eine gewisse Tragik in der Diskussionsführung.
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#7 foxiAnonym
  • 11.03.2021, 17:54h
  • Antwort auf #6 von Sakana
  • ja stimmt voll und ganz.

    Habe mit meinem Hetero-Arbeitskollegen darüber gesprochen, der mich gefragt hatte, was denn die queere community gegen den Thierse hätte. Der wäre doch Bürgerrechtler gewesen, der ist doch kein Nazi. Hatte nur was im Spiegel kurz darüber gelesen. Was denn da los wäre?

    Die meisten Leute kennen die kompletten Zusammenhänge gar nicht, auch wegen paywall-Artikeln. Das hat sich total hochgeschaukelt, natürlich aber auch vom Thierse her.

    Man sollte miteinander reden. Frau Schwan schien in dem Video für sowas auch aufgeschlossen zu sein. Es ging ja auch in dem Video darum, dass man mehr in der Sache diskutieren soll und sich nicht persönlich angreifen soll. Das war doch das Leitthema. Also bitte Frau Hoppe, sie wirkten so verständig in dem Video. Irgendjemand muss da mal die Initiative ergreifen.

    Die abfälligen Kommentare zu den einzelnen Akteuren finden sich sowohl hier bei queer.de als auch bei Medien wie spiegelonline nur jeweils aus der anderen Perspektive.

    Man kann richtig dabei zusehen, wie sich hier der Hass beider Seiten unnötig aufbaut.
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#8 WahrheitIstRelativAnonym
  • 11.03.2021, 17:58h
  • Die SPD sollte für Minderheiten da sein und für den sogenannten "kleinen Mann". Dieser "kleine Mann" ist aber durchaus konservativ und nur für die SPD, weil er eben "klein" und selber benachteiligt ist. Für andere Benachteiligte hat er nichts übrig. Die Afd wittert ihre Chance... Wie fangen wir das ab, oder besser gesagt, wie fängt die SPD das ab?
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#9 HaPeAnonym
  • 11.03.2021, 18:16h
  • Antwort auf #7 von foxi
  • Der Historiker Burkhard Jellonek war in dem Video unserer Ansicht nach ein Lichtblick auf der Seite der queeren Community. Er hat festgestellt, dass der Feind nicht die SPD oder Thierse oder die FAZ-Autorin ist, sondern eine Nicole Höchst von der AfD. Darauf sollten wir uns konzentrieren. Es ist schade, dass ausgerechnet er in der Diskussion völlig untergangen ist. Dabei war er der einzige, der sachlich geblieben ist. Es ist übrigens erfreulich,, dass sich hier so viele konstruktve Stimmen zu Wort melden. Die Kommentare auf Queer.de von den letzten Tagen waren teilweise unglaublich destruktiv.
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#10 dellbronx51069Anonym
  • 11.03.2021, 18:21h
  • Antwort auf #4 von Foxi
  • Ich war nie ein Freund der SPD und auch nicht von Thierse. In der Analyse stimme ich hier voll zu. Zu Beginn der Corona Pandemie hatte ich an dieser Stelle prognostiziert dass unsere Situation sich dramatisch verschlechtern würde wenn wir Debatten dieser Art führen. Es geht dabei nicht mehr um die eigentlichen Probleme sondern zum Schluss nur noch darum Recht zu haben und sich anzuschreien. Auch wenn wir Recht in der Sache haben , heisst es nicht das wir es auch bekommen. Der überwiegenden Mehrheit geht es erstmal um Ihr wirtschaftliches Überleben gerade jetzt. Da sind queere Rechte für die Meisten schlicht unwichtig für die heterosexuelle Mehrheit.
    Mir wurde hier Opfer Täter Verdrehungen vorgeworfen und quasi Afd Nähe. Was völlig lächerlich ist. Ich wollte lediglich darauf hinweisen das die gegenwärtige Situation grosse Gefahren für uns alle birgt , was sich ja jetzt auch zeigt.
    Wir haben in den letzten 50 Jahren oft feststellen müssen wir hart und mühsam der weg zu unseren Menschenrechten ist . Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen durch unbedachtes Handeln alles zu zerstören. Da warten unsere Feinde nur drauf. Ich zitiere mal Gabriele Kuby: Sie freue sich über die Corona Pandemie, den nun würden alle Rechte der LGBTI zerstört. Worte sind manchmal schlimmer als Revolverkugeln. Wollen wir das aus diesen Worten wirklich nochmal Kugeln werden. ?
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