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Interview

"Die Sexszenen waren die einfachsten Sequenzen"

In "Are We Lost Forever" erzählt der schwedische Regisseur David Färdmar sehr authentisch von der Trennung eines schwulen Paares. Wir sprachen mit ihm über seine Inspiration, Nacktszenen, eine mögliche Fortsetzung und #ActOut.


Szene aus "Are We Lost Forever". Der Film von David Färdmar läuft im März 2021 in der queerfilmnacht online (Bild: Salzgeber)

Mit "Are We Lost Forever" gibt der Schwede David Färdmar sein Kinodebüt. Die Geschichte einer schwulen Trennung hatte er schon drei Jahre zuvor im Kurzfilm "No More We" verarbeitet, schon damals spielte Björn Elgerd den Adrian und Jonathan Andersson übernahm die Rolle seines Partners Hampus. Einer der beiden ist im wahren Leben offen heterosexuell. Im März ist der Film in der queerfilmnacht online zu erleben.

Adrian und Hampus sind seit drei Jahren zusammen, verlobt und wollen heiraten. Aber dann sagt Hampus Adrian eines Morgens, dass es kein "Wir" mehr gibt. Er will Schluss machen und ausziehen. Adrian ist am Boden zerstört und schockiert, er möchte die Beziehung mit Hampus, der Liebe seines Lebens, fortführen. Also folgen wir diesem Paar im Verlauf eines Jahres, von einem Frühling zum nächsten, und sehen, wie die beiden damit kämpfen, sich zu trennen oder vielleicht doch wieder zueinanderzufinden (queer.de rezensierte).


Regisseur David Färdmar

Herr Färdmar, was halten Sie vom Prädikat "Woody Allen für queeres Publikum"?

Vom Vergleich mit Woody Allen habe ich bislang noch nie etwas gehört, üblicherweise heißt es immer Ingmar Bergman, allein schon deshalb, weil wir beide aus Schweden stammen. Woody finde ich ganz passend, schließlich wird bei mir in einigen Szenen ziemlich viel geredet und in anderen reichlich geschwiegen. (lacht) Ansonsten war die "Before Sunrise"-Trilogie von Richard Linklater eine große Inspiration für mich.

Wird "Are We Lost Forever" demnach gleichfalls fortgesetzt?

Die Möglichkeit besteht durchaus. Aktuell spiele ich noch mit dem Gedanken, wie eine Fortsetzung aussehen könnte.

Wie autobiografisch ist dieses Drama einer Trennung?

Der Film ist keine Autobiografie, sondern reine Fiktion. Natürlich sind einige Situationen, Gefühle und Dialoge von Erfahrungen meiner eigenen Beziehungen inspiriert. Insbesondere in der Eröffnungsszene, habe ich die Seiten von Adrian und Hampus gleichermaßen ganz ähnlich schon so erlebt. Aber es wird sich niemand in den Figuren des Filmes wiedererkennen.

Die Dialoge klingen sehr lässig und glaubhaft. Wie viel Improvisation haben Sie zugelassen?

Bei den Dialogen haben wir uns sehr stark auf das Drehbuch verlassen und so gut wie keine Improvisationen zugelassen. Ich habe die Story den beiden Hauptdarstellern Björn Elgerd und Jonathan Andersson auf den Leib geschrieben, die zuvor ja bereits in der Kurzfilm-Version auftraten. Wir hatten viele gemeinsame Gespräche über die Rollen und umfangreiche Proben. Beim Dreh hatten wir alles bereits so verinnerlicht, dass Improvisationen kein Thema waren.


Poster zum Film: "Are We Lost Forever" läuft im März 2021 in der queerfilmnacht online

Wie entspannt geriet die Inszenierung der intimen Szenen zwischen den Jungs?

Die Sexszenen waren die einfachsten Sequenzen. Wir haben das vorher geprobt, einmal mit Klamotten, einmal nackt vor laufender Kamera. Weil wir als Independent-Produktion ohnehin eine sehr kleine Crew hatten, gab es gar niemanden, den wir bei den Sex-Szenen vom Set hätten verbannen können. (lacht) Ich sehe Nacktszenen völlig undramatisch. Wir haben überhaupt kein großes Ding daraus gemacht, wie es bei anderen Filmen oft der Fall ist. Je größer das Getue vorab, desto nervöser sind alle, wenn sie dann die Klamotten fallen lassen.

Sie waren lange im Casting tätig. Teilen Sie die Forderung von Russell T. Davies, wonach queere Figuren nur von queeren Menschen gespielt werden sollten?

Mehr Diversität in Film und Fernsehen finde ich auf jeden Fall wichtig. Mit queeren Schauspieler*innen, die alle Rollen spielen können sollten. In meinem Film geht es nicht um Sexualität, sondern um das Ende einer Beziehung. Einige meiner Schauspieler sind offen schwul, andere sind offen hetero – das gilt auch für die beiden Hauptdarsteller. Ich habe sie nicht nach ihrer sexuellen Orientierung besetzt, sondern weil sie für die Rolle passten. Bei "It's a Sin" ist das ganz anders, da geht es um Sex und Aids und ich verstehe völlig, dass Russell nur queere Darsteller*innen haben wollte.

In Deutschland haben sich unlängst 185 queere Schauspieler*innen mit einem Manifest geoutet. Wäre #ActOut in Schweden auch nötig oder bestünde dafür gar kein Bedarf?

Die meisten queeren Schauspieler*innen bei uns haben sich längst geoutet. Wenn jetzt jemand #ActOut benutzte, würde das keine Schlagzeilen produzieren.

Wie waren die Publikumsreaktionen auf "Are We Lost Forever" bei den wenigen Vorführungen, die es wegen Corona im Kino geben konnte?

Wir hatten voriges Jahr die Weltpremiere auf dem Filmfestival von Göteborg, noch rechtzeitig vor Corona. Ende des Sommers gab es zudem kurz die Möglichkeit für Kinovorstellungen. Die Zuschauenden haben gelacht und geweint. Man konnte die Emotionen im Kino sehr schön spüren. Ganz oft war zu hören: "Wow, das ist doch genau die Geschichte von meiner Trennung."

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Infos zum Film

Are We Lost Forever. Drama. Schweden 2020. Regie: David Färdmar. Darsteller*innen: Jonathan Andersson, Björn Elgerd, Micki Stoltt, Nemanja Stojanovic. Laufzeit: 103 Minuten. Sprache: schwedische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Salzgeber. Im März 2021 in der queerfilmnacht online sowie über die Seiten der Partnerkinos.


#1 KasiAnonym
  • 15.03.2021, 20:58h
  • Schon wieder keine deutsche Synchronisation? Mensch Leute, wo muss ich hinfahren, in welches Studio mich setzen? Ich schauspielere euch das da eben drauf. So ein schöner Film und kaum wer wird ihn sehen (ich habe bei iTunes vorbestellt).
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#2 nightfresh
  • 23.03.2021, 16:11h
  • Antwort auf #1 von Kasi
  • Ich verstehe das Gemecker bei OmU einfach nicht. Nur, weil sich in D die Übesetzung fremdsprachiger Titel etabliert hat, ist das trotzdem keine Selbstverständlichkeit. Muss Mensch einfach mal über den Tellerrand schauen (zb DK, NL, ESP, oder SWE), da sind Syncros idR nicht vorhanden. Und trotzdem kommt jede*r klar damit...

    Wenn du vllt net so fix lesen kannst bei UT (aus welchem Grund auch immer), dann gibt es normalerweise die Möglichkeit, sich das Ganze auch langsamer anzuschauen.
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