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Wuppertal

CDU-Ratsmitglied empört sich über offen lebende Schwule

"Was nur sehr nervt, ist, daß Schwule mir ständig ihre sexuelle Vorliebe unter die Nase reiben wollen", postete der Wuppertaler CDU-Stadtverordnete Holger Reich auf Facebook. Seine Partei distanzierte sich, die Jusos fordern eine Entschuldigung.


Holger Reich ist seit 2020 Ratsmitglied der Stadt Wuppertal (Bild: CDU Wuppertal)
  • 15. März 2021, 03:37h 33 2 Min.

Mit einem queerfeindlichen Facebook-Post hat der Wuppertaler CDU-Stadtverordnete Holger Reich einen Sturm der Empörung ausgelöst. "Was nur sehr nervt, ist, daß Schwule mir ständig ihre sexuelle Vorliebe unter die Nase reiben wollen", kommentierte der 61-Jährige einen "Bild"-Artikel. "Ständig dröhnt es aus dem TV, dem Radio oder sonst woher daß dieser oder jener sich als Schwul geoutet hat und alle, die es nicht 'toll finden' automatisch homophob (=krank) abgestempelt werden." Der Post wurde mittlerweile gelöscht.

Die Wuppertaler Jusos reagierten auf Reichs Entgleisung mit einer Pressemitteilung. "Ein demokratischer Stadtverordneter, der die Bürger*innen der Stadt Wuppertal im Rat vertritt, sollte für eine offene Gesellschaft eintreten und Diskriminierungsformen nicht noch reproduzieren", kritisierte der SPD-Nachwuchs. "Wir fordern Holger Reich auf, sich für seine queerfeindlichen Äußerungen zu entschuldigen. Denn wir sollten stolz darauf sein, dass sich Menschen zu ihrer sexuellen Identität bekennen können, egal zu wem sie sich hingezogen fühlen."

CDU-Kreisverband distanziert sich von Reich

Auch aus der Union kam Kritik: "Für die Kreispartei CDU teile ich mit, dass die Ansichten von Holger Reich mit denen der CDU nicht übereinstimmen", erklärte Parteichef Rolf Köster gegenüber der "Wuppertaler Rundschau". "Von den mir bekannt gewordenen Äußerungen distanziere ich mich für den Kreisverband." Laut CDU-Fraktionschef Ludger Kineke bedauere Reich seine Äußerungen und habe dies auch an Teilnehmende der Facebook-Diskussion kommuniziert.

Wenn es um seine eigene sexuelle Orientierung geht, hat Holger Reich übrigens keine Hemmungen, allen Menschen davon zu erzählen. Auf seiner Homepage schreibt der CDU-Politiker: "Holger Reich ist verheiratet mit Michaela Reich; gemeinsam haben sie 3 erwachsene Kinder und mehrere Enkelkinder."

Seinen CDU-Eintritt begründet Reich auf der Website mit seinem "Puls" über Entscheidungen der früheren rot-grünen Bundesregierung. Als Beispiel nennt er die 2001 eingeführten eingetragenen Lebenspartnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare, die er als "Spontanangriff des damals neues Bundeskanzlers auf die Ehe durch Gleichstellung/Gleichschaltung mit der sog. Homoehe" bezeichnet. (mize)

Nachträglich ergänzt um Zitat zum Lebenspartnerschaftsgesetz.

-w-

#1 Schon
  • 15.03.2021, 06:56hFürth
  • Echt jetzt? Ich schaue mir einen Krimi im Fernsehen an... klar ohne mindestens eine Hetero-Bettszene geht gar nichts.
    Es muss nicht einmal im Zusammenhang mit dem Mord stehen.
    Irgend ein anderer Film? Ohne eine Darstellung heterosexuellen Handlungen kommt doch heute kein Spielfilm mehr aus.
    Und jetzt beklagt sich so ein armer Mensch, dass die Schwulen so aufdringlich mit ihrer Sexualität sind?
    Ich empfinde die in den Medien dargestellte Heterosexualität als aufdringlich, aber ich beschwere mich im Gegensatz nicht, weil ich tolerant bin.
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#2 Pu244Anonym
  • 15.03.2021, 07:22h
  • Ich würde sagen, dass das ausgleichende Gerechtigkeit wäre, immerhin schmieren CDUCSU einem bei jeder erdenklichen Gelegenheit ihre sexuelle Vorliebe für "Ehe zwischen Mann und Frau als Kern der Familie" aufs Brot.

    Im Gegenteil, eigentlich ist das sogar noch recht harmlos, denn CDU/CDU lassen auch bei jeder Gelegenheit, zumindest unterschwellig, erkennen, dass sie alle anderen Lebensentwürfe (und sei es nur die heterosexuelle Partnerschaft ohne Ehe) als minderwertig bis verwerflich erachten.
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#3 WipperfischerAnonym
  • 15.03.2021, 07:54h
  • Der Herr Reich spricht wohl nur das aus, was ein Durchschnittswähler der CDU/CSU wirklich empfindet. Wie lässt sich sonst erklären, dass die AfD jemals eine solche Bedeutung bekam? Es sind im Wesentlichen ehemalige CDU-Wähler, denen die CDU nicht rechtsradikal genug ist. War sie soch stets die Partei, wo Naziverbrecher nach dem 2. Weltkrieg weiß gewaschen und gefördert wurden. Die "Veränderungen" in dieser Partei sind doch nichts anderes als eine Oberflächenpolitur, weil man mit der Regierung Willy Brandt merkte, dass der alte Kurs nicht mehr beim Wähler ankam. Jetzt trauen sich die "alten Kämpfer" wieder aus den Löchern.

    Übrigens, die CDU/CSU ist in Ostdeutschland auch nichts anderes als ein Sammelbecken von alten SED-Kadern. Die haben sofort ihren "Klassenstandpunkt" gewechselt und sich mit den zukünftigen Mächtigen verbündet. Nach der Wende konnte man sehr gut im Wahlkampf beobachten, wie die ehemaligen Genossen eine großen Bogen um die PDS machte. Diese allseitig gebildeten sozialistischen Persönlichkeiten hatten zuvor noch die späteren PDS-Anhänger als "Verräter der Arbeiterklasse" beschimpft und drangsaliert.

    Was mit diesem Exkurs gesagt werden soll, ist die Tatsache, dass es ganz Viele Reichs gibt, die unbedingt wieder die heilige Familie samt ihren Rollenverteilungen und Diskriminierung von Anderslebenden wieder zur Lebensrichtschnur in der BRD machen wollen. Das klappt ja schon seit Corona sehr gut. Die Frau am Herd und der Mann verdient. Die Kinder sind zuhause gut aufgehoben und die "guten Adenauerzeiten" zum Greifen nah. Corona muss man nur einmal als Chance begreifen. Diese CDU/CSU muss dasselbe Schicksal erleiden, wie die "Democrazia Christiana" in Italien. Am besten gleich die SPD noch mit in den Abgrund reißen, dann könnte tatsächlich eine Demokratisierung dieses Landes in nahe Zukunft rücken.
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