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"Rote Linie überschritten"

Johannes Kram erwirkt einstweilige Verfügung gegen die "SZ"

Das Landgericht München zwingt die "Süddeutsche Zeitung", eine Gegendarstellung des Nollendorfbloggers abzudrucken. In der Debatte um angebliche "Cancel Culture" war Kram falsch zitiert worden.


Johannes Kram betreibt seit zwölf Jahren das Nollendorfblog (Bild: privat)

Die aus dem Ruder gelaufene Debatte um angebliche "Cancel Culture" und Identitätspolitik hat die Justiz erreicht. Das Landgericht München folgte am Dienstag einer Klage des Berliner Nollendorfbloggers Johannes Kram und erließ eine einstweilige Verfügung gegen die "Süddeutsche Zeitung".

Kram wehrte sich damit erfolgreich gegen ein Falschzitat des Autors Andrian Kreye. Dieser hatte am 23. Februar in seinem Feuilleton-Aufmacher "Mob Reflex '21 – Weg mit der Frau, oder es knallt: Zu einem Jour Fix der SPD und dem Zustand der Debattenkultur" (im Web unter der kürzeren Überschrift "Mob Reflex '21") u.a. über einen Artikel des Nollendorfblogs geschrieben, in dem Kram der "FAZ"-Feuilletonchefin Sandra Kegel queerfeindliche Aussagen in einem Kommentar zur #ActOut-Kampagne vorgehalten hatte.

"SZ" konstruiert Fall angeblicher "Cancel Culture"

In seinem Text für die "Süddeutsche" behauptete Andrian Kreye: "Und – wie es der Nollendorfblog von Johannes Kram fordert – Kegel soll ab sofort keine Machtpositionen als Jurorin von Literaturpreisen (und in der Konsequenz des Gedankengangs als Feuilletonleiterin) mehr innehaben."

Tatsächlich hieß es jedoch im Nollendorfblog-Beitrag "Coming-out-Verriss in der 'FAZ'": Gegenrede auf Sandra Kegel" vom 9. Februar: "Es ist für mich schwer nachvollziehbar, dass sie verantwortlich für eines der wichtigsten Feuilletons deutscher Sprache sind. Und da man sie in Jurys vieler Buchpreise beruft, schaudert mich der Gedanke, dass queere Stoffe und queere Geschichtenerzähler*innen von Menschen wie Ihnen bewerten werden könnten."

"SZ" weigerte sich, Gegendarstellung abzudrucken

Da die "Süddeutsche" den Abdruck einer Gegendarstellung ablehnte, zog Kram vor Gericht.

In dem Antrag auf eine einstweilige Verfügung argumentierte sein Anwalt Robert Golz von der Berliner Kanzlei von Prof. Niko Härting: "An keiner Stelle fordert der Antragsteller in dem Blog auch nur sinngemäß, dass Frau Kegel ab sofort keine Machtpositionen als Jurorin von Literaturpreisen mehr innehaben soll. Vielmehr nimmt der Antragsteller Frau Kegel am Ende des Artikels in die Handlungsverantwortung, wenn es dort heißt: 'Es sind die netten, die klugen Köpfe. Es sind Menschen wie Sie. Aber Sie können das ändern. Bitte fangen Sie bald damit an!' Ändern kann Frau Kegel aber nur etwas aus einer 'Handlungsposition' heraus. Die Aufforderung steht damit auch inhaltlich im Widerspruch zu der von der Antragsgegnerin dem Antragsteller untergeschobenen Forderung, Frau Kegel solle keine Machtpositionen als Jurorin von Literaturpreisen mehr innehaben."

Das Münchner Landgericht verpflichtete die "SZ" zur Veröffentlichung von zwei Gegendarstellungen, eine in der Print- und eine in der Online-Ausgabe. Die Zeitung kann noch gegen die Entscheidung vorgehen.

Kram: Debatte faktenbasiert und ohne Ressentiments führen

Johannes Kram begründete seine Klage gegen die "Süddeutsche" mit dem Bemühen um eine "Versachlichung" der erhitzten Debatte um Meinungsbeiträge von Sandra Kegel, Gesine Schwan und Wolfgang Thierse. In zwölf Jahren Nollendorfblog habe er sich noch nie juristisch gegen die mediale Darstellung seiner Arbeit gewehrt, aber Andrian Kreye habe eine "rote Linie überschritten".

"Mit seiner falschen Wiedergabe konstruiert er einen Fall angeblicher 'Cancel Culture' und hat damit eine sowieso schon gefährliche Stimmungslage gegen Minderheiten weiter eskaliert, in der diesen vorgeworfen wird, mit angeblich radikalen Forderungen das gesellschaftliche Klima zu gefährden", so Kram. "Mir geht es, anders als die 'SZ' suggeriert, nicht darum, dass Frau Kegel oder andere Teilnehmer*innen der Debatte 'weg' müssen. Im Gegenteil: Die Debatte ist offensichtlich notwendig, aber notwendig ist auch, dass sie faktenbasiert und ohne homophobe und queerfeindliche Ressentiments geführt werden kann. Es besorgt mich sehr, dass man daran offensichtlich die wichtigsten deutschen Tageszeitungs-Feuilletons noch erinnern muss."

 Update  18.03.21: Gegendarstellungen veröffentlicht

Die "SZ" hat Krams Gegendarstellung am Mittwochabend online veröffentlicht. Sie wurde außerdem in der Printausgabe vom 18. März oben links im Feuilleton abgedruckt.



#1 Taemin
  • 17.03.2021, 09:24h
  • Es ist wichtig, dass Johannes Kram gegen diese Lüge vorgeht und gegen die Weigerung der SZ, sie richtigzustellen. Nach wie vor gilt die SZ als seriöses Presseorgan, auf dessen Wahrheitsgehalt sich viele Menschen verlassen.
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#2 KaiJAnonym
#3 KaiJAnonym
#4 swimniAnonym
  • 17.03.2021, 09:47h
  • schade, dass das die sz zu verantworten hat, sie ist doch sonst relativ queer-kompetent. gleichwohl finde ich krams vorwurf, dass kegel vom jour fix eingeladen wurde überzogen, gerade die diskussion ist doch wichtig. da hat krams übers ziel hinausgeschossen.
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#5 Taemin
  • 17.03.2021, 10:05h
  • Antwort auf #4 von swimni
  • Dein Gedenkengang setzt voraus, dass man mit Leuten wie Gauland, Thierse, Storch, Kelle, Kegel usw. ergebnisoffen über Würde und Rechte queerer Menschen diskutieren solle. Eine Zumutung, die bei sonst völlig gleichem Sachverhalt Juden niemals angesonnen würde.
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#6 KaiJAnonym
#7 KaiJAnonym
#8 kuesschen11Profil
  • 17.03.2021, 10:48hFrankfurt
  • Es ist Johannes Krams gutes Recht, sich gerichtlich wegen falscher Wiedergabe seiner Meinung in dem Medium zu verteidigen.

    Er geht die Sache gut an. Ich wünsche ihm viel Erfolg dafür.
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#9 swimniAnonym
  • 17.03.2021, 11:46h
  • Antwort auf #5 von Taemin
  • auch geh absolut nicht mit kegels und thierses mist, den sie verzapft haben, d`accord aber Thierse und kegel mit Gauland, Storch, und kelle, auf eine ebene zu stellen zeigt die unfähigkeit von Ralph zu differenzieren. Du solltest Deinen unbändigen frust besser kanalisieren und nicht nur um dich schlagen. das macht mehr kaputt als dass es jemandem hilft.
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#10 AtreusProfil
  • 17.03.2021, 12:27hSÜW
  • Antwort auf #9 von swimni
  • Ich glaube nicht, dass Ralph die Personen gleichsetzt, sondern ihre Argumentation bei queeren Themen, die fast wortgleich sind und letztlich bar jeden Willens ergebnisoffen zu debattieren, immer in Diffamierung enden: Gendergaga/Ideologie. Insofern hat Ralph Recht.
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