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CSD e.V. will sich "in keiner Weise engagieren"

Berliner Ur-CSD distanziert sich von neuem CSD-Verein

Knatsch in der Berliner Szene: Eine neue Aktionsgemeinschaft will im September einen Pride organisieren – der alteingesessene CSD-Verein reagiert empört.


Der Berliner CSD findet seit 1979 jedes Jahr statt (Bild: mw238 / flickr)

Die Initiative Queerer Veranstalter Berlin (IQV) hat am Dienstag einen neuen CSD-Verein, der für den 11. September einen Pride in der Bundeshauptstadt angekündigt hatte, scharf attackiert. Die IQV habe "mit diesem 'CSD' nichts zu tun und distanziert sich ausdrücklich von dieser Veranstaltung und den dazugehörigen Organisatoren, welche keinen Verein in ihre Planungen einbezogen hat", heißt es in einer Pressemitteilung. Eine Zusammenarbeit mit der erst im Februar von Thomas Kohs und Markus Poscher gegründeten Aktionsgemeinschaft lgbtiq Berlin e.V. werde abgelehnt.

Der IQV gehören neben dem Berliner CSD-Verein auch Berlin Leder und Fetisch (BLF), Folsom Europe und der Regenbogenfonds der schwulen Wirte an. Die Vereine organisieren neben dem CSD e.V. auch Easter Berlin, das Lesbisch-Schwule Stadtfest und Folsom Europe. Hintergrund des Streits ist, dass noch völlig unklar ist, ob, wann und wie der für ursprünglich für den 24. Juli anberaumte Pride der alteingesessenen Organisator*innen stattfindet.

Die Neu-CSD-Veranstalter Kohs und Poscher hatten mit ihrer RutWiess Events GmbH unter anderem den queeren Weihnachtsmarkt Christmas Avenue in Köln und Berlin organisiert und sind bis jetzt Gastropartner des Ur-CSDs. Außerdem organisiert die Kölner Firma insbesondere in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Nicht-Szene-Events wie die Weiberfastnacht Siegburg oder "Rhein in Flammen" in Koblenz.

Die Veranstalter*innen des Ur-CSD zeigten sich empört, dass die neue Aktionsgemeinschaft an ihren Organisationsqualitäten gezweifelt hatte. So hatte Kohs im Februar in der "Siegessäule" recht forsch erklärt: "Wir haben gedacht, wenn der Berliner CSD e. V. das nicht auf die Reihe kriegt, einen CSD in 2021 zu organisieren, dann übernehmen wir das mit unserem Know-How und unseren Mitstreiter*innen." Dabei lud er auch den Ur-CSD ein, sich bei der Organisation zu beteiligen.

Die eingeladene IQV beklagte jetzt, dass die Aktionsgemeinschaft mit derartigen Äußerungen in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecke, sie veranstalte "alleinig einen 'neuen' CSD" und alle Vereine des IQV hätten sich "danach zu richten". Die Einladung der Arbeitsgemeinschaft zur Mitorganisation wiesen die Alt-Organisator*innen brüsk zurück: "Die IQV wird sich in keiner Weise engagieren."

??????? Da bis Ende des Sommers große Veranstaltungen nicht erlaubt werden, planen wir das 28. Lesbisch-Schwule Stadtfest jetzt für den 2./3. Oktober 2021.

Posted by LesbischSchwules Stadtfest Berlin on Sunday, February 14, 2021
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Zudem kritisierte die IQV den geplanten Termin des neuen CSDs am 11. September. Denn der zweite Samstag im September sei traditionell reserviert für das international beachtete Fetischfestival Folsom Europe. Die Aktionsgemeinschaft lgbtiq Berlin hatte diesen Termin eigenen Angaben zufolge ausgewählt, weil es der einzige gewesen sei, an dem das Brandenburger Tor noch für eine Großveranstaltung verfügbar gewesen sei.

Führungskrise beim Alt-CSD

Für den CSD e.V. kommt der neue Verein ohnehin zur Unzeit: Der CSD-Vorstand war im November 2020 zurückgetreten, nachdem er finanzielle Engpässe aufgrund der Corona-Pandemie beklagt hatte. Eine Mitgliederversammlung, die im Januar Nachfolger*innen wählen sollte, wurde abgebrochen. Damit führt das alte Team geschäftsführend den Verein weiter.

Unterdessen haben Kohs und Poscher große Pläne: So wollen sie etwa den Europride nach Berlin bringen, wie sie gegenüber dem "Tagespiegel" erklärten. "Das ist natürlich eine Mammut-Aufgabe", so Kohs, "aber nach 30 Jahren wäre das ein tolles Zeichen für die ganze Stadt". Zudem wolle man "kein Ersatz für bestehende Konstruktionen sein, sondern neue Sachen gemeinsam entwickeln". Zuletzt wurde der Europride 1993 in der Bundeshauptstadt veranstaltet.

Bereits letztes Jahr fand ein vom CSD-Verein unabhängiger Pride-Marsch statt (queer.de berichtete). Bei dem nichtkommerziellen Event nahmen mehr als 3.000 Menschen teil – dieses Jahr soll die Veranstaltung erneut stattfinden. Außerdem gab es 2020 erstmals einen CSD im Ortsteil Marzahn, was zu Widerstand aus rechtsextremen Kreisen führte (queer.de berichtete). Der Ur-CSD wurde dagegen wegen der Corona-Pandemie weitgehend in die digitale Welt verlegt (queer.de berichtete). (dk)



#1 UrberlinerAnonym
  • 17.03.2021, 13:56h
  • Sich noch weiter zu spalten, während unsere Feinde an Einigkeit gewinnen (Thierse, Gauland ...), ist durch und durch kurzsichtig.
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#2 RebeccaProfil
  • 17.03.2021, 14:15hBerlin
  • Der bisherige CSD-Verein wollte die Kommerzialisierung, die durch den damaligen CSD-Vorstand zurück drängen. Und nun kommt eine eindeutig kommerzielle GMBH und will einen CSD organisieren.

    Dass da gewisse Unterschiede vorhanden sind, kann man durchaus verstehen.
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#3 MariconAnonym
  • 17.03.2021, 16:43h
  • Der digitale CSD war ein Reinfall.
    Zwar hantiert der CSD-Vorstand mit beindruckenden Zahlen zur Reichweite, die aber der genaueren Betrachtung nicht standhalten.
    Der digitale CSD wurde im Alleingang vom Vorstand beschlossen und durchgezogen, Nachfragen von Mitgliedern wurden entweder gar nicht oder zickig beantwortet. Die Mitglieder wurden fast gänzlich außen vor gelassen.
    Die Ignoranz gegenüber dem Pride im Juni war kindisch. Dazu kam dann noch die Affaire um Nina Queer.
    Die unter-/abgebrochene Mitgliederversammlung aufgrund der Tatsache, dass der Vorstand seine Hausaufgaben nicht gemacht hatte, hat den Eindruck gefestigt, dass der CSD e.V. nicht in der Lage sein wird, einen würdigen CSD in 2021 zu veranstalten. Das ist ein Fakt. Jeder, der an der MV beteiligt war, wird bestätigen können, wie unprofessionell der Vorstand agiert hat.

    Das alles hat zu einem luftleeren Raum geführt, der zu dieser Situation geführt hat.

    Es ist zwar nicht schön, dass man Strukturen unterwandert, aber es war nicht überraschend.
    Und daran ist nicht derjenige schuld, der seine Chance sah, sondern diejenigen, die diese Chance erst ermöglichten.

    Die neue Eskalationsstufe eine neue Interessensgemeinschaft zu gründen, ist einfach nur noch peinlich. Anstatt zu MACHEN, wird erstmal wieder schmutzige Wäsche gewaschen.
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#4 Checks nichtAnonym
  • 17.03.2021, 20:35h
  • Ich checks nicht....

    Wer ist nun für was? Wer von den beiden betreibt die Kommerzialisierung mehr oder überhaupt?

    Was sind die Unterschiede? Geht's hier überhaupt darum, dass um den Kern des CSDs gestritten wird, oder streiten sich white gay cis dudes um Gelder und Ruhm.

    Ich blick nicht durch
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#5 trans naysayerAnonym
#6 trans naysayerAnonym
  • 17.03.2021, 21:42h
  • Antwort auf #3 von Maricon
  • "Dazu kam dann noch die Affaire um Nina Queer."

    Interessantes Framing. Ich nenne das mental gymnastics . Gehirnakrobatik. Es ging nicht um eine "Affaire um Nina Queer". Es ging um RASSISMUS. Böses Wort.

    So offen, unverhohlen und konsequent bis zum Schluss, dass allen People of Color nur noch die Möglichkeit blieb, ihre Teilnahme abzusagen.

    Beide um Gelder und zweifelhaften Ruhm konkurrierenden Weiss dominierten "Vereine" haben auch zukünftig kein Interesse an der Aufarbeitung ihres Rassismus.
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#7 SchonProfil
  • 18.03.2021, 06:53hFürth
  • Klingt für mich etwas nach Folksfront Judäa gegen Judäische Folksfront. Da freuen sich die Römer.
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#8 Taemin
  • 18.03.2021, 11:19h
  • Gib ein paar Schwulen eine große Idee und beauftrage sie mit der Verwirklichung. Berufe eine Versammlung ein, um die Ausführung des Projekts zu planen. Schließ die Tür des Versammlungsraums ab. Eine Stunde später kannst du den Saal öffnen und die Leichen abtransportieren.
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#9 OtternaseAnonym
  • 18.03.2021, 11:26h
  • Antwort auf #7 von Schon
  • Besser kann man es nicht zusammenfassen!

    Die Rechten gewinnen an Einigkeit und LGBT*IQ spalten sich. Wer das befürwortet oder betreibt, hat nichts gelernt und nichts verstanden.
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#10 StaffelbergblickAnonym