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CSD e.V. will sich "in keiner Weise engagieren"
Berliner Ur-CSD distanziert sich von neuem CSD-Verein
Knatsch in der Berliner Szene: Eine neue Aktionsgemeinschaft will im September einen Pride organisieren – der alteingesessene CSD-Verein reagiert empört.
- 17. März 2021, 10:46h 3 Min.
Die Initiative Queerer Veranstalter Berlin (IQV) hat am Dienstag einen neuen CSD-Verein, der für den 11. September einen Pride in der Bundeshauptstadt angekündigt hatte, scharf attackiert. Die IQV habe "mit diesem 'CSD' nichts zu tun und distanziert sich ausdrücklich von dieser Veranstaltung und den dazugehörigen Organisatoren, welche keinen Verein in ihre Planungen einbezogen hat", heißt es in einer Pressemitteilung. Eine Zusammenarbeit mit der erst im Februar von Thomas Kohs und Markus Poscher gegründeten Aktionsgemeinschaft lgbtiq Berlin e.V. werde abgelehnt.
Der IQV gehören neben dem Berliner CSD-Verein auch Berlin Leder und Fetisch (BLF), Folsom Europe und der Regenbogenfonds der schwulen Wirte an. Die Vereine organisieren neben dem CSD e.V. auch Easter Berlin, das Lesbisch-Schwule Stadtfest und Folsom Europe. Hintergrund des Streits ist, dass noch völlig unklar ist, ob, wann und wie der für ursprünglich für den 24. Juli anberaumte Pride der alteingesessenen Organisator*innen stattfindet.
Die Neu-CSD-Veranstalter Kohs und Poscher hatten mit ihrer RutWiess Events GmbH unter anderem den queeren Weihnachtsmarkt Christmas Avenue in Köln und Berlin organisiert und sind bis jetzt Gastropartner des Ur-CSDs. Außerdem organisiert die Kölner Firma insbesondere in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Nicht-Szene-Events wie die Weiberfastnacht Siegburg oder "Rhein in Flammen" in Koblenz.
Die Veranstalter*innen des Ur-CSD zeigten sich empört, dass die neue Aktionsgemeinschaft an ihren Organisationsqualitäten gezweifelt hatte. So hatte Kohs im Februar in der "Siegessäule" recht forsch erklärt: "Wir haben gedacht, wenn der Berliner CSD e. V. das nicht auf die Reihe kriegt, einen CSD in 2021 zu organisieren, dann übernehmen wir das mit unserem Know-How und unseren Mitstreiter*innen." Dabei lud er auch den Ur-CSD ein, sich bei der Organisation zu beteiligen.
Die eingeladene IQV beklagte jetzt, dass die Aktionsgemeinschaft mit derartigen Äußerungen in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecke, sie veranstalte "alleinig einen 'neuen' CSD" und alle Vereine des IQV hätten sich "danach zu richten". Die Einladung der Arbeitsgemeinschaft zur Mitorganisation wiesen die Alt-Organisator*innen brüsk zurück: "Die IQV wird sich in keiner Weise engagieren."
??????? Da bis Ende des Sommers große Veranstaltungen nicht erlaubt werden, planen wir das 28. Lesbisch-Schwule Stadtfest jetzt für den 2./3. Oktober 2021.
Posted by LesbischSchwules Stadtfest Berlin on Sunday, February 14, 2021
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Zudem kritisierte die IQV den geplanten Termin des neuen CSDs am 11. September. Denn der zweite Samstag im September sei traditionell reserviert für das international beachtete Fetischfestival Folsom Europe. Die Aktionsgemeinschaft lgbtiq Berlin hatte diesen Termin eigenen Angaben zufolge ausgewählt, weil es der einzige gewesen sei, an dem das Brandenburger Tor noch für eine Großveranstaltung verfügbar gewesen sei.
Führungskrise beim Alt-CSD
Für den CSD e.V. kommt der neue Verein ohnehin zur Unzeit: Der CSD-Vorstand war im November 2020 zurückgetreten, nachdem er finanzielle Engpässe aufgrund der Corona-Pandemie beklagt hatte. Eine Mitgliederversammlung, die im Januar Nachfolger*innen wählen sollte, wurde abgebrochen. Damit führt das alte Team geschäftsführend den Verein weiter.
Unterdessen haben Kohs und Poscher große Pläne: So wollen sie etwa den Europride nach Berlin bringen, wie sie gegenüber dem "Tagespiegel" erklärten. "Das ist natürlich eine Mammut-Aufgabe", so Kohs, "aber nach 30 Jahren wäre das ein tolles Zeichen für die ganze Stadt". Zudem wolle man "kein Ersatz für bestehende Konstruktionen sein, sondern neue Sachen gemeinsam entwickeln". Zuletzt wurde der Europride 1993 in der Bundeshauptstadt veranstaltet.
Bereits letztes Jahr fand ein vom CSD-Verein unabhängiger Pride-Marsch statt (queer.de berichtete). Bei dem nichtkommerziellen Event nahmen mehr als 3.000 Menschen teil – dieses Jahr soll die Veranstaltung erneut stattfinden. Außerdem gab es 2020 erstmals einen CSD im Ortsteil Marzahn, was zu Widerstand aus rechtsextremen Kreisen führte (queer.de berichtete). Der Ur-CSD wurde dagegen wegen der Corona-Pandemie weitgehend in die digitale Welt verlegt (queer.de berichtete). (dk)














