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Türkei

Kaaba-Bild mit queeren Flaggen: Prozess gegen Studierende in Istanbul hat begonnen

Am ersten Verhandlungstag ordnete das Gericht die Freilassung mehrerer Angeklagter aus U-Haft und Hausarrest an. Die Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen.


Vor dem Gerichtsgebäude verlasen Student*innen und Aktivist*innen SolidaritätsadressenTolga Sutlu / twitter)

Im Zusammenhang mit Protesten an der Bogazici-Universität in Istanbul hat ein Prozess gegen sieben Studentinnen und Studenten begonnen. Das Gericht ordnete am Ende des ersten Verhandlungstages am Mittwoch die Entlassung zweier Angeklagter aus der Untersuchungshaft an, wie eine dpa-Reporterin berichtete. Auch der Hausarrest gegen zwei Studenten wurde aufgehoben.

Im Prozess geht es um ein Ende Januar bei einer Protest-Ausstellung auf dem Gelände der Universität gezeigtes Bild. Auf ihm ist eine Szene rund um das muslimische Heiligtum in Saudi-Arabien, die Kaaba, zu sehen: Sie ist fast vollständig von einem mythischen Wesen verdeckt. Die Bildecken zieren jeweils eine Regenbogen-, eine Trans-, eine Lesben- und eine Asexuellen-Flagge. Die Urheber des Bildes sind nicht bekannt.

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Das Bild wurde unter anderem von der islamischen Gruppe der Studentinnen und Studenten der Bogazici-Universität als beleidigend kritisiert. In Folge kam es zu dem Polizeieinsatz, bei dem zwei der nun Angeklagten verhaftet wurden und auch das Büro der queeren Studierendenvertretung durchsucht wurde (queer.de berichtete). Wenige Tage später wurde die Gruppe von der Uni-Leitung verboten.

Den angeklagten vier Frauen und drei Männern wird "Aufhetzung zu Hass und Feindseligkeit" vorgeworfen, die Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen zwischen einem Jahr und bis zu drei Jahren. Sechs Angeklagte sind Studierende an der Bogazici-Universität, ein weiterer Student ist von einer anderen Universität. Die Verhandlung beobachtete unter anderem ein Vertreter des deutschen Generalkonsulats in Istanbul.

Studierende und Akademiker der Bogazici-Universität sowie Unterstützer protestieren seit Anfang Januar gegen den neuen Direktor Melih Bulu. Er steht der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP nahe und wurde von Präsident Recep Tayyip Erdogan eingesetzt.

Nach der Verhaftung der beiden Studenten war es zu tagelangen Protesten in Istanbul und weiteren Städten gekommen, die Polizei nahm hunderte Menschen fest und stürmte an einem Abend gar das Uni-Gelände (queer.de berichtete). Erdogan und Innenminister Süleyman Soylu nutzten die Vorkommnisse zu Stimmungsmache. Der Präsident nannte protestierende Studierende etwa "Terroristen" und äußerte sich feindlich gegenüber queeren Jugendlichen, Soylu sprach von "LGBT-Perversen" (queer.de berichtete). (dpa/nb)



#1 KaiJAnonym
  • 17.03.2021, 19:28h
  • "Aufhetzung zu Hass und Feindseligkeit."

    Mit diesem Vorwurf gehört Erdogan usw. auf die Anklagebank.
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#2 All the HateAnonym
  • 18.03.2021, 11:32h
  • "Aufhetzung zu Hass und Feindseligkeit"...

    Dreister geht es nicht mehr, oder?
    Mein Pa' will gerne wieder in der Türkei Urlaub machen. Kann er ruhig, aber ich hab' ihm klar gemacht das er alleine gehen wird.
    Ich kann in kein Land reisen, in welchem ich um mein Leben bzw. Wohlergehen fürchten muss.
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#3 stay strongAnonym
#4 LorenProfil