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"Queerspiegel"-Interview

"Warum sollten Schwule und Lesben das Privileg haben, sich zu verstecken?"

Eva Kreienkamp, die neue Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, appelliert an homosexuelle Menschen, ihre sexuelle Orientierung nicht geheim zu halten. Sie selbst habe sich früh geoutet.


Eva Kreienkamp leitet seit Oktober 2020 Deutschlands größtes kommunales Nahverkehrsunternehmen (Bild: BVG / Oliver Lang)

Die neue Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Eva Kreienkamp, wirbt für die Sichtbarkeit von Lesben und Schwulen sowie Vielfalt in Unternehmen. Die 58-Jährige selbst hatte früh ihr lesbisches Coming-out, wie sie in einem am Donnerstag versandten "Queerspiegel"-Newsletter erzählte. "Mit 16, 17 habe ich mir gesagt, dass ich ein gutes Leben haben möchte, als ganze Person. Meine Sexualität ist ein Teil davon – auch im Beruf."

Im Laufe der Jahre habe sie damit viele positive Erfahrungen gemacht, so Kreienkamp. Sie schränkte jedoch ein: "Auf der anderen Seite habe ich manche Jobs nicht bekommen, weil ich lesbisch bin. Und ich habe wahrscheinlich noch viel mehr nicht bekommen, weil ich eine Frau und lesbisch bin. Das hat mich letzten Endes aber nicht so sehr gestört, weil ich mein Leben weitergelebt habe."

Versteckspiel hält Kreienkamp "nicht für richtig"

Kreienkamp appellierte an Lesben und Schwule, ihre sexuelle Orientierung nicht zu verheimlichen: "Ich bin davon überzeugt, dass jede Lebensform gelebt werden und damit dann auch gezeigt werden sollte", so die BVG-Chefin im Interview. "Es gibt Menschen, die sich zum Beispiel aufgrund ihrer Hautfarbe nicht verstecken können. Es gibt genauso Menschen, die einen türkischen Nachnamen haben – die können sich auch nicht verstecken. Sie sind natürlich Bestandteil der Gesellschaft."

Für homosexuelle Menschen gebe es hingegen die Möglichkeit, ihre Sexualität zu verstecken. "Das halte ich nicht für richtig", so Kreienkamp. "Warum sollten Schwule und Lesben das Privileg haben, sich zu verstecken? Vielleicht sollten wir alle einen Tick mutiger sein. Damit wird die Welt besser. Woanders müssen sich Schwule und Lesben tatsächlich verstecken, weil ihnen sonst etwas Schlimmes passiert."

BVG-Chefin erlebte selbst Anfeindungen im ÖPNV

Mit Blick auf queerfeindliche Angriffe in Bussen und U-Bahnen sagte die BVG-Chefin: "Wir versuchen unser Bestes, indem wir unser Sicherheitspersonal gut schulen, damit dieses erkennen kann, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Wir haben eine Sicherheitsleitzentrale, die die Kameras beobachtet und nach Zwischenfällen aller Art sucht. Wenn etwas passiert, müssen wir es wissen – und zwar schnell." Ein Vorfall müsse schnell zur Anzeige gebracht werden. Es bringe nichts, wenn etwas zum Beispiel nur gefilmt und auf sozialen Netzwerken geteilt werde. "Wenn Fälle nicht gemeldet und angezeigt werden, können wir nur in Maßen reagieren."

Anfeindungen im öffentlichen Nahverkehr hat Kreienkamp demnach auch schon erlebt. Sie sei angeschnauzt worden, als sie ihre Frau geküsst habe. "Ich habe zurückgeschnauzt."

Die frühere Co-Geschäftsführerin des Mainzer Nahverkehrs war im Oktober 2020 auf Sigrid Nikutta an der Spitze der BVG gefolgt (queer.de berichtete). Im November erhielt sie den ersten "German Diversity Award" in der Kategorie "LGBT+" (queer.de berichtete). (cw/dpa)



#1 KurobaAnonym
  • 18.03.2021, 16:08h
  • Find den Begriff "Privileg" merkwürdig. Den Kontext den sie herstellt ist verständlich, aber ich würd es trotzdem nicht als Privileg bezeichnen.
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#2 LostAnonym
  • 18.03.2021, 16:16h
  • Richtiges Privileg sich verstecken zu müssen weil man sonst zu Hause täglich psychischer und körperlicher Gewalt ausgesetzt ist,
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#3 Kim SalabimAnonym
  • 18.03.2021, 16:17h
  • Antwort auf #1 von Kuroba
  • "Möglichkeit" klingt im Vergleich dazu sehr neutral und sie will ja auch etwas problematisieren. Ich verstehe aber deinen Punkt und bin auch darüber auch gestolpert. Hinzu kommt: Sich verstecken können, das gilt vielleicht für "Straigth-Actors", aber wer eine Butch oder Tunte durch und durch ist, hat(te) dieses "Privileg" nicht/nie.
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#4 AltoAnonym
  • 18.03.2021, 16:24h
  • "Warum sollten Schwule und Lesben das Privileg haben, sich zu verstecken?"

    Weil es lebensnotwendig ist. Es gibt schon zu viele Schwule und Lesben, die von rechten Heteroprolls auf dem Heimweg von der U-Bahn halbtot verprügelt werden.
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#5 SolanceaeAnonym
  • 18.03.2021, 17:14h
  • Antwort auf #1 von Kuroba
  • Privileg ... Ist das nicht immer eine Subjektive Wahrnehmung? Weiße hetero CIS Männer halten auch fast nichts was sie haben als Privileg. Und dennoch wissen gerade PoC, Homosexuelle oder Trans* Menschen, dass es Privilegien sind. Aus unserer Sicht heraus.

    Uns so ist Euer Privileg, dass ihr eure Homosexualität verbergen könnt eben ein Privileg. Nur aus Sicht von uns Trans* Menschen. Ja, ich habe mir auch schon oft gewünscht, das verstecken zu können, dass ich Trans* bin. Aber es geht nicht. Mir sieht man das nun einmal an, bis an mein Lebensende.

    Also ist es ein Privileg, was ihr habt. nur eben nicht aus Eurer Perspektive
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#6 NonBinaryEhemaliges Profil
  • 18.03.2021, 17:52h
  • Antwort auf #5 von Solanceae
  • "Privileg ... Ist das nicht immer eine Subjektive Wahrnehmung?"

    Nein. Es geht nicht "nur" darum, ob sich jemand benachteiligt "fühlt", sondern es gibt ganz klar beleg- und nachvollziehbare Privilegien gewisser Bevölkerungsgruppen gegenüber anderen. Also sind Privilegien und die daraus resultierenden Benachteiligungen durchaus objektivierbar.

    Ich kann der Argumentation Eva Kreienkamps übrigens durchaus folgen. Wir sollten es hier auch endlich mal schaffen, unsere Perspektive auf andere Benachteiligte zu erweitern - so, wie sie es benennt, z.B. auf Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert werden und dies eben NICHT verstecken können, oder auch Menschen, deren Name ganz offensichtlich nicht "biodeutsch" (was für ein schrecklicher Begriff!) ist. Oder eben Trans*Personen.

    Ich bin froh, dass sich eine starke und einflussreiche Persönlichkeit zu Wort meldet und das so thematisiert. Ich habe ja selbst auch schon häufig dazu aufgerufen, sich offener zu zeigen, um der gewollten Unsichtbarkeit zu entgehen. Und fast ebenso häufig habe ich hier eins dafür auf die Mütze gekriegt.

    ""Ich habe zurückgeschnauzt.""
    Das gefällt mir. Wir dürfen uns einfach nicht mehr so viel gefallen lassen. Ja: mir ist klar, dass es Fälle von krasser Gewalt gibt, in denen das nicht die optimale Taktik sein kann. Aber in der riesengroßen Mehrzahl aller Fälle handelt es sich in unserer Gesellschaft um (teils noch mit freundlichem Lächeln "versüßte") Mikro-Aggressionen. Die manchmal SO mikro auch gar nicht bleiben, sondern sich auch teils rasant ausbreiten können, wie wir erst kürzlich erleben mussten. Und deshalb ist es wichtig, a) sichtbar zu sein, was eben auch ein Stück unangreifbarer macht als verdruckstes, verängstigtes Verstecken und b) den Mund aufzumachen und "zurückzuschnauzen", wenn uns jemand dumm kommt. Und sei es nur der kleinste angeblich "harmlose" Spruch.

    Eine Häufung von Mikroaggressionen führt auf Dauer zum Phänomen Minority Stress. Deshalb ist JEDES Sich-dagegen-wehren auch eigene Gesundheitsvorsorge.
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#7 Homonklin_NZAnonym
  • 18.03.2021, 19:35h
  • Das als Privileg zu umschreiben ist geradezu halbblind. Sie sieht nur eine Seite der Medaille. Damit ist sie nun ja nicht allein, aber von anderen etwas zu verlangen, nur weil man selbst damit kaum oder kein Problem hatte, kann auch ein Eingriff in die persönliche Entfaltungsfreiheit sein. Dernach kann man nämlich auch Teile seines Selbst für sich behalten. Es gibt keine Verpflichtung zu einem Outing.

    Sollte einer ständig seine Bilder mit sich herum schleppen, damit klar erkennbar ist, der ist Künstler? Es gibt viele Eigenschaften, die man nicht ansieht.
    Müssten, wenn nichts "versteckt" werden darf, nicht alle möglichst nackt durch die Gegend rennen? Da gibt es auch Teile, die man nicht sieht...
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#8 NonBinaryEhemaliges Profil
  • 18.03.2021, 19:56h
  • Antwort auf #7 von Homonklin_NZ
  • "Dernach kann man nämlich auch Teile seines Selbst für sich behalten."

    Aber es ist doch genau der Punkt, dass Viele eben NICHT das Privileg haben, "Teile ihres Selbst für sich zu behalten". Darauf macht sie aufmerksam und sagt: ""Es gibt Menschen, die sich zum Beispiel aufgrund ihrer Hautfarbe nicht verstecken können. Es gibt genauso Menschen, die einen türkischen Nachnamen haben die können sich auch nicht verstecken."

    Demnach bezeichnet sie, logisch schlussfolgernd, Menschen, die die Ursache für ihre Diskriminierung (eher) verstecken können, als privilegiert. Und wirft dann die Frage/Forderung auf, "Vielleicht sollten wir alle einen Tick mutiger sein. Damit wird die Welt besser."

    Damit setzt sie übrigens niemandem die Pistole auf die Brust. Sie sagt nicht "Ab sofort müssen alle mutiger sein" - sie sagt ""Vielleicht sollten wir alle einen Tick mutiger sein.""

    Ich halte das für nachvollziehbar und legitim. Ich denke, als Gruppe Diskriminierter innerhalb dieser Gesellschaft werden wir das Problem auch tatsächlich schwerlich anders lösen können. Das heißt NICHT, dass jede_r das in jeder Lebensphase und überall sofort tun MUSS. Es ist eine Aufforderung zu mehr Mut und auch mehr Stolz. Immerhin "feiern" wir Gay Pride. Und ich kann nicht an einem Tag pro Jahr, auf dem CSD, stolz auf mich und mein Sosein sein und mich die anderen 364 Tage wegducken. Das geht auf die Dauer einfach nicht gut.

    Hier noch ein Link zum Self Empowerment: toller Mann, toller Sänger, tolles Lied und toller Text. Hat mich schon mehr als einmal gerettet.

    www.youtube.com/watch?v=oWXN5WvT6sY
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#9 TamiAnonym
#10 Pu244Anonym
  • 18.03.2021, 21:46h
  • Antwort auf #5 von Solanceae
  • Das Wort Privileg passt einfach nicht, da ein Privileg unverdient ist. Weiße hetero CIS Männer sind eben nicht privilegiert, da es eben der Normalfall sein sollte, sich nicht mit Diskriminierung herumschlagen zu müssen oder gar angegriffen zu werden.

    Zum Thema:
    Das müssen die Leute selbst wissen. Ich schätze mal, dass das niemand zum Vergnügen macht. Man sollte nicht über Leute urteilen, deren Umstände (besonders die Familie) man nicht kennt.
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