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Online-Aktion

Nach Morddrohungen: Prides rufen zu Solidarität mit CSD Altenburg auf

Thüringer CSDs und Szeneverbände bitten um Unterstützung für die Organisator*innen des ersten Prides in Altenburg.


Ausschnitt aus einem Sharepic des CSD Thüringen

Nach mehreren Medienberichten, in denen die Organisator*innen des CSD Altenburg nicht nur von den Planungen für den ersten CSD in der 32.000-Einwohner*innen-Stadt im Osten Thüringens, sondern auch von Beleidigungen und Einschüchterungsversuchen bis hin zur Morddrohungen erzählten, hat das Bündnis CSD Thüringen in Verbindung mit weiteren Szeneverbänden zu einer öffentlichen Unterstützung aufgerufen.

Der erste CSD in der ehemaligen Residenzstadt soll am 10. Juli stattfinden, von einem größeren Bündnis organisiert werden und eine Demonstration und Abschlusskundgebung mit "Demokratiemeile" umfassen. Als Motto wurde festgelegt: "Farbe bekennen – Der Regenbogen kennt kein Braun". "Mit dem Motto möchten wir ein klares Signal setzen und uns auch klar von Rechtskonservatismus bis Rechtsextremismus abgrenzen", sagte der Sprecher des CSD-Bündnisses, Torge Dermitzel, der Ostthüringer Zeitung.

Die CSD-Planungen hätten aber auch zu Gegenreaktionen geführt: "Ich habe Mord- und Gewaltandrohungen sowie heftige Beleidigungen über Instagram erhalten", so Dermitzel in der Zeitung. "Für mich ist es belastend, aber auch ein Zeichen dafür, dass es genau richtig ist, den Kampf zu führen und queeres Leben, vor allem im ländlichen Raum, zu etablieren." Schon seit Herbst habe es Anfeindungen gegeben, sagte Dermitzel der Leipziger Volkszeitung. Inzwischen habe aber die Intensität zugenommen und er "nehme das ernst".

Der CSD sei als Idee entstanden, nachdem er auf der Straße mehrfach als "Schwuchtel" beschimpft wurde, sagte Dermitzel gegenüber Radio F.R.E.I.. Nach den ersten CSD-Planungen und einer Debatte in einer "QAnon-Gruppe" erhalte er Mord- und Gewaltandrohungen per Instagram und Facebook wie "Wenn ich Sie auf der Straße sehe, schlage ich Sie so hart zusammen, dass Sie erst im Krankenhaus wieder aufwachen", "Wenn ich dich sehe, steche ich dich ab" oder "Wäre ich Dein Vater, würde ich Dich eigenhändig mit dem Rasenmäher überfahren." Die Bedrohungen kämen auch von Leuten, die man aus dem Altenburger Stadtbild kenne.

Angriff trifft auf alle

"Diese Drohungen treffen nicht nur die Organisator*innen, sondern betreffen die Freiheits- und Grundrechte aller Menschen", betont das Thüringer CSD-Bündnis, das "erschrocken und mit tiefer Sorge" von den Bedrohungen "insbesondere aus rechten Kreisen" erfahren habe. "Die Angriffe gegen die Organisator*innen zeigen, dass LSBTIQ* auch heute und hier in Thüringen Anfeindungen, Ausgrenzungen und Diskriminierung erleben. Wir rufen daher alle gesellschaftlichen und staatlichen Institutionen, sowie alle Einzelpersonen zu solidarischer Unterstützung und entschlossenem Auftreten gegen solche Angriffe auf."

So bittet das Bündnis, die Solidaritätserklärung online zu unterzeichnen und Sharepics dazu in sozialen Netzwerken zu verbreiten. "Wir verstehen Vielfalt als Bereicherung – egal ob die Vielfalt sexueller oder geschlechtlicher Identitäten, sozialer oder ethnischer Herkunft, Alter, Religionen oder Weltanschauungen, Befähigungen oder Beeinträchtigungen. Wir verurteilen solche Drohungen auf das Schärfste!"

Das Team des CSD Altenburg bekommt in letzter Zeit massiv Mord- und Gewaltandrohungen sowie homophobe Beleidigungen....

Posted by CSD Thüringen on Thursday, March 18, 2021
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In diesem Sinne setze auch das CSD-Motto "ein klares Zeichen: nationalsozialistische und rechtsextreme Ideologien haben in unserer Gesellschaft keinen Platz. Es ist Aufgabe Aller, dies immer wieder deutlich zu machen und mit Taten zu untersetzen."

Damit reagierte das Bündnis auch auf Altenburgs Oberbürgermeister André Neumann (CDU), der den CSD grundsätzlich unterstützt, das Motto gegenüber der LVZ aber als Politisierung beklagt hatte: "Dass das eigentliche Ansinnen des CSD, für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung einzutreten, hinter ein politisches Motiv gestellt wird, finde ich schade." Ein unpolitischer CSD verdiene diesen Namen nicht, meint das CSD-Bündnis. Und: "Für Parteien, Vereine und Initiativen kann das Motto kein Problem darstellen: Die Abgrenzung gegen nationalsozialistische und rechtsextreme Ideologien sollte Kern-Bestandteil aller demokratischen Parteien, Vereine und Initiativen sein. Die Unterstützung entsprechender emanzipatorischer Bewegungen durch alle demokratischen Kräfte ist unabdingbar." (nb/pm)



#1 swimniAnonym
  • 18.03.2021, 18:57h
  • man sieht die heimliche gleichgültigkeit der cdu: sie hat das wesen eines csd gar nicht begriffen, wenn sie politisierung beklagt.

    sollen wohl alle so angepasst und opportunistisch sein wie cdu-vorzeigehomo spahn.
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#2 ChrisyAnonym
#3 NonBinaryEhemaliges Profil
  • 18.03.2021, 21:04h
  • ""Dass das eigentliche Ansinnen des CSD, für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung einzutreten, hinter ein politisches Motiv gestellt wird, finde ich schade.""

    Ähem? Gleichberechtigung und Eintreten gegen Diskriminierung hätten also nichts mit Politik zu tun? Na klar, wenn man unter Politik hauptsächlich Wirtschaftsförderung und Selbstbereicherung versteht, dann natürlich nicht.

    Nicht nur schade, sondern schwer bedenklich finde ich allerdings, dass die CDU offenbar Probleme damit hat, sich von Braun (=rechtsextrem) abzugrenzen. Weshalb sonst könnte sie mit dem Motto ""Farbe bekennen Der Regenbogen kennt kein Braun"" nicht klarkommen? Vielleicht, weil der Regenbogen auch kein Schwarz kennt?

    Oh Mensch, da herrscht aber Aufklärungsbedarf in der Provinz. Aber auch nicht nur da.
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#4 nichtschwimmerAnonym
  • 19.03.2021, 10:56h
  • Antwort auf #1 von swimni
  • ich glaube, du hast den nagel auf den kopf getroffen. die cdu liebt leute ihre lsu-ler*innen und spahn:
    - strammer katholischer messdiener mit nibelungentreue zum vatikan;
    - sich selbt verleugnend gegen die eheöffnung stimmen, bis es nicht mehr anders geht, und dann aufs trittbrett aufspringen und alle von den mutigen anderen erkämpften rechte sofort für sich reklamieren;
    - als schwuler aber weiterhin relativ unsichtbar zu bleiben, um die als normal empfundenen anderen bürger*innen nicht zu erzürnen.

    für mich ist das echtes vomitat.
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#5 schlimmAnonym
  • 19.03.2021, 13:35h
  • Sachsen ist an die Rechten verloren, Thüringen ebenfalls, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sind nahe dran. Das faschistische Erbe der DDR lässt grüßen.
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#6 goddamn liberalAnonym
  • 19.03.2021, 22:57h
  • Antwort auf #5 von schlimm
  • Das 'faschistische Erbe der DDR' hat, wenn man die Wahlergebnisse betrachtet, wenig mit der DDR und viel mit dem Faschismus zu tun, den es v.a. vor 1945 gab und den es ab 1990 ungehindert wieder gab.

    In Thüringen gab es vor '33 die erste Landesregierung mit NSDP-Beteiligung und in den 90ern den Neonazi-Mentor Roewer als angeblichen Verfassungsschutzchef.

    Das wirkt natürlich bis heute nach.

    Die demokratische Bevölkerungsmehrheit sollte schamlos zeigen, dass sie die Mehrheit ist.
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