Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?38397

Franz-Josef Overbeck

Essener Bischof fordert "wertschätzende Neubewertung der Homosexualität"

Die homophobe Linie des Vatikans gerät unter deutschen Bischöfen zunehmend in die Kritik: Jetzt hat der Ruhrbischof gefordert, toleranter mit Schwulen und Lesben umzugehen.


Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat seinen einst aggressiven Ton gegenüber sexuellen Minderheiten inzwischen gemäßigt – und fordert sogar echte Reformen (Bild: Bistum Essen)

In einem Brief an alle Pfarreien im Bistum Essen hat Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck eine "ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität" durch die katholische Kirche verlangt. Nach dem Nein des Vatikans zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare habe er zahlreiche Zuschriften von Seelsorgerinnen und Seelsorgern erhalten, die ihm ihre offene Ablehnung der Position des Vatikans übermittelt hätten, berichtete Overbeck nach einer Mitteilung des Bistums vom Freitag.

Die kirchliche Lehre verlange "dringend eine erweiterte Sichtweise auf die menschliche Sexualität", so Overbeck. Die Erklärung der Glaubenskongregation habe viele Menschen mit einer homosexuellen Orientierung gekränkt und verletzt. Eine solche Position werde in der heutigen Zeit nicht mehr akzeptiert. Die Haltung der Gläubigen dürfe vom Vatikan nicht ignoriert werden. Zudem sei es ein "Zeichen der Begleitung", wenn ein Pfarrer bei schwulen und lesbischen Paaren "über das Gute ihres Lebens einen Segen" spreche. Damit könne gezeigt werden: "Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig."

Die Glaubenskongregation hatte am Montag klargestellt, dass die Kirche nicht befugt sei, homosexuelle Paare zu segnen, weil diese Liebesbeziehungen ausnahmslos "Sünde" seien (queer.de berichtete).

Overbeck ist seit 2009 Bischof von Essen. Seither hat er seine Einstellung zu Homosexualität grundsätzlich geändert. So machte er etwa noch 2010 Stimmung gegen Schwule und Lesben, indem er ihnen vorwarf, mit ihrer sexuellen Orientierung der Natur zu widersprechen (queer.de berichtete). Später traf er sich mit LGBTI-Aktivist*innen und äußerte sich seither zurückhaltender über die angebliche Minderwertigkeit der gleichgeschlechtlichen Liebe. (dk)



#1 LegatProfil
  • 19.03.2021, 15:24hFrankfurt am Main
  • "Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig."

    Das ist zumindest dem Anschein nach schon mal eine progressivere Grundhaltung. Bisher hieß es ja auch von Befürwortern aus der katholischen Priesterschaft, dass man nur bereit sei Einzelpersonen zu segnen, aber nicht die Beziehung an sich. Eine geistige Verrenkung, die sich so auch nur ein Theologe ausdenken kann. Wenn Herr Overbeck tatsächlich bereit ist, gleichgeschlechtliche Beziehungen als solche zu segnen, ist das schon mal besser, aber natürlich ist eine Segnung sowohl theologisch als auch kirchenrechtlich gesehen immer noch etwas komplett anderes als eine Trauung, die selbst bei den progressivsten katholischen Priestern weiterhin nur (augenscheinlich) heterosexuellen Paaren vorbehalten bleiben soll. Insgesamt bewerte ich das daher eher so, dass mit einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren eher eine Diskriminierung zementiert werden soll, als dass hier tatsächlich etwas progressives geleistet wird.

    Übrigens bringt eine Segnung von homosexuellen Einzelpersonen keineswegs eine automatische Liberalisierung des Katechismus mit sich. Auch gesegnete homosexuelle Einzelpersonen sind weiterhin offiziell angehalten in sexueller Abstinenz zu leben, ob nun als Paar zusammen oder nicht. Sprich: Schwuler Sex ist weiterhin Sünde. Ich habe noch keinen einzigen katholischen Priester gehört, der offen gefordert hätte, den Katechismus zu ändern, so dass schwuler Sex keine Sünde mehr ist. Erst wenn DAS gefordert ist, nehme ich solche Bestrebungen von katholischer Seite wirklich ernst.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 stephan
  • 19.03.2021, 18:54h
  • Ich bin mir nicht ganz so sicher, wie ernst ich Overbecks Wandlung nehmen soll!? Schade, dass er sich nicht dazu äußert, dass er und wie er zu anderen Erkenntnissen gekommen sei! Welche Argumente, welche Erlebnisse und Begegnungen haben seinen Gesinnungswandel herbeigeführt?
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Teddy63Ehemaliges Profil
#4 KreidewolkeAnonym
  • 19.03.2021, 20:31h
  • Zudem sei es ein "Zeichen der Begleitung", wenn ein Pfarrer bei schwulen und lesbischen Paaren "über das Gute ihres Lebens einen Segen" spreche. Damit könne gezeigt werden: "Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig."

    LOL. Muss man* dieses komische Rumgeeiere verstehen? Wahrscheinlich nicht. Die Frage, die mich viel mehr beschäftigt ist, ob Typen wie Overbeck eigentlich schon Kreidewolken rülpsen?
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Teddy63Ehemaliges Profil
  • 19.03.2021, 21:08h
  • Antwort auf #1 von Legat
  • >> Ich habe noch keinen einzigen katholischen Priester gehört, der offen gefordert hätte, den Katechismus zu ändern, so dass schwuler Sex keine Sünde mehr ist. Erst wenn DAS gefordert ist, nehme ich solche Bestrebungen von katholischer Seite wirklich ernst. <<

    Ansatzweise kann man DAS aus dem bischöflichen Brief herauslesen:

    "Darum bleibt auch der Wunsch verständlich, diese Verbindungen zu segnen, weil sie frei und verantwortungsbewusst der Gestaltung der eigenen Taufberufung im Raum der Kirche entsprechen wollen. Im besagten römischen Schreiben wird diese Möglichkeit auf dem Stand der heutigen Entwicklung strikt abgelehnt. Viele aktuelle theologische und humanwissenschaftliche Erkenntnisse, aber auch der Glaubenssinn der Gläubigen, der bei vielen gerade in diesen Tagen deutlich zum Ausdruck kommt, weisen in eine andere Richtung. Sie wollen damit den Menschen als ganze Person würdigen und dabei seine Sexualität nicht außen vor lassen. Sie gehört untrennbar zu dieser Identität dazu, erst recht, wo Menschen ihre Sexualität verantwortungsvoll und unter unbedingter Achtung der Würde des oder der anderen in Beziehungen leben."

    Das habe ich so noch nie aus der Kirche vernommen, ist doch vielleicht mal ein zaghafter Anfang...
  • Antworten » | Direktlink »
#6 LegatProfil
#7 Hermes
  • 22.03.2021, 11:35h
  • Schwuler Sex ist weiterhin Sünde. Ich habe noch keinen einzigen katholischen Priester gehört, der offen gefordert hätte, den Katechismus zu ändern, so dass schwuler Sex keine Sünde mehr ist.

    Da müssen sich aber viele Sünder in der klerikalen Organisation befinden, wenn man die vielen Mißbrauchsfälle betrachtet. Und wie groß ist die Dunkelziffer...... ? Also kehrt vor eurer eigenen Tür und segnet endlich uns Schwule, denn wir stehen dazu!
  • Antworten » | Direktlink »