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Dritte Staffel jetzt im ZDF

"Ku'damm 63": August Wittgenstein als heimlich schwuler Ehemann

Nach "Ku'damm 56" und "Ku'damm 59" startet im ZDF die dritte Staffel der Serie um Mutter Schöllack und ihre drei Töchter im Berlin der Nachkriegszeit. Erneut geht es auch um unterdrückte Homosexualität.


Helga (Maria Ehrich) und ihr heimlich schwuler Ehemann Wolfgang (August Wittgenstein) führen keine glückliche Ehe (Bild: ZDF / Boris Laewen)

Weihnachten im Jahr 1962: Der Braten bei Familie Schöllack ist verbrannt, der Tannenbaum umgestürzt. Die Töchter und ihre Männer zieht es raus zur Currywurstbude. Dann das Unglück: Mutter Caterina wird vom Bus angefahren. Nein, es ist nicht der Serientod von Claudia Michelsen. Mutter Schöllack überlebt, schwer verletzt. Tochter Helga (Maria Ehrich) übernimmt die Tanzschule. Dort wird sie, die unglücklich mit dem versteckt schwulen Staatsanwalt Wolfgang (August Wittgenstein) verheiratet ist, auf einen feurigen Tangolehrer aus Argentinien treffen. Einer der Handlungsfäden, der sich in der ersten Folge von "Ku'damm 63" (21.3., 20.15 Uhr im ZDF) ausrollt.

Zur Erinnerung: Es geht in der Serie um Berlin und den Westen Deutschlands nach dem Krieg. Wie gingen Frauen in den Fünfzigerjahren ihren Weg, als sie noch nicht einmal ein eigenes Konto führen oder arbeiten durften, ohne den Mann um Erlaubnis zu fragen? Nach "Ku'damm 56" und "Ku'damm 59" startet im ZDF am Sonntag die dritte Staffel der Miniserie um die Schöllack-Schwestern. Sie führt ins Jahr 1963.

Die Bedrohung durch den Paragrafen 175

Die Autorin Annette Hess hat sich diesen Frauenkosmos ausgedacht, der beim Publikum gut ankam, was auch an den Schauspieler*innen lag. Die Serie passt in den Zeitgeist: In der Filmbranche wird verstärkt darauf geachtet, wie Frauen gezeichnet sind, und dass sie überhaupt präsenter sind, nicht nur Beiwerk.

Im dritten Teil der "Ku'damm"-Saga geht es um Ehe und Emanzipation, häusliche Gewalt, enttäuschte Liebe, die Schatten der Nazi-Zeit, unterdrückte Homosexualität und die Bedrohung durch den Paragrafen 175. Die innere Zerrissenheit seiner Figur Wolfgang von Boost habe ihn "schon sehr angesprochen", erklärte Schauspieler Wittgenstein dazu in einem Interview. Und auch der Schlager-Grandprix kommt vor: Neu dabei ist Sängerin Helen Schneider ("Rock'n'Roll Gypsy"), die eine alternde Diva spielt.

Tochter Eva (Emilia Schüle) ist unglücklich mit einem Professor (Heino Ferch) verheiratet. Der hat sie brutal zusammengeschlagen, aber sie hat ein Tonband, mit dem sie ihn erpresst und sich so ein neues Leben als Galeristin aufbauen kann – mit blondem Bob und mondäner Garderobe. Ob das gut geht? Tochter Monika (Sonja Gerhardt) hat eine Fehlgeburt, unter der ihr Mann (Sabin Tambrea) sehr leidet. Barbesitzer Freddy (Trystan Pütter) bekommt Judenhass zu spüren. Mutter Caterina trifft eine alte Liebe wieder und hadert mit dem neuen Gerät in der Stube, einem Fernseher.

Unterhaltung und Gleichberechtigung

Im Corona-Jahr waren die Dreharbeiten nicht einfach, die Zwangspause dauerte mehrere Monate. Gedreht wurde dann mit Quarantäne, Tests und Masken am Set. "Es ist einfach schade, wenn man tagelang, wochenlang die Gesichter nicht sieht", erzählte Emilia Schüle im dpa-Interview. "Aber wir waren froh, dass es weitergeht." Es sei sehr schön gewesen, in diesem Ensemble wieder zusammenzukommen. "Wir lieben alle unsere Figuren und diese Geschichte und sind zu einer Familie zusammengewachsen." Das spürt man beim Zugucken.

Direktlink | Trailer zur dritten Staffel
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Ob es eine Fortsetzung der "Ku'damm"-Geschichte geben wird? Emilia Schüle sagt, sie wisse es noch nicht. "Das hängt wahrscheinlich auch davon ab, wie es ankommt. Die Zeit, in die es als nächstes gehen würde, ist auf jeden Fall superspannend. Wir sind jetzt im Jahr 63, dann wären wir Ende der 60er und auch noch in Berlin." Als Jugendliche habe sie eine ganz große Faszination für die Studentenrevolte gehabt. "Deswegen wäre das natürlich verlockend."

Für das ZDF geht es nicht nur um Unterhaltung, sondern auch um Gleichberechtigung früher und heute. Die stellvertretende Programmdirektorin Heike Hempel erklärte mit Blick auf die Frauen, die auch hinter der Kamera arbeiteten, die Serie sei "ein aus weiblicher Perspektive erzähltes Programm". Die "Ku'damm"-Saga zeigt ihrer Ansicht nach, "wo wir herkommen und wo wir stehen in Sachen Gleichberechtigung – politisch, gesellschaftlich und auch im scheinbar Privaten. Im besten Fall schaffen wir ein Gemeinschaftserlebnis und wirken damit integrativ in einer sich immer weiter aufspaltenden Gesellschaft."

Die erste Folge von "Ku'damm 63" zeigt das ZDF am Sonntag, 21. März um 20.15 Uhr. Die Teile zwei und drei laufen dann am Montag, den 22. März sowie am Mittwoch, den 24. März ebenfalls zur Primetime um 20.15 Uhr. In der ZDF-Mediathek sind alle drei Teile bereits verfügbar. Dort kann man sich auch "Ku'damm 56" und "Ku'damm 59" anschauen.



#1 Carsten ACAnonym
  • 21.03.2021, 09:30h
  • Schön, dass in immer mehr Filmen, Mehrteilern und Serien die Wirklichkeit dargestellt wird.

    Es ist einfach absurd zu glauben, dass es im Nachkriegsdeutschland keine LGBTI gegeben habe. Sie mussten sich nur (u.a. durch den §175 und die noch viel größere gesellschaftliche Ächtung) verstecken.

    Deswegen ist es gut, dass auch so eine Serie dieses Thema mit behandelt. Denn rein statistisch gehört das eben auch zur Wirklichkeit mit dazu.

    Sehr vorbildlich.
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#2 Julian SAnonym
  • 21.03.2021, 09:42h
  • Das ist ja gut und schön.

    Aber ich erwarte auch, dass öfter reine LGBTI-Filme gezeigt werden. Wenn alleine schon Schwule und Lesben ca. 10% der Bevölkerung ausmachen, dann erwarte ich auch, dass nicht nur in solchen primär heterosexuellen Formaten ein entsprechender Anteil der Figuren entsprechend dargestellt wird. Sondern dann kann man auch erwarten, dass 10% der Filme und Serien auch reine LGBTI-Themen aufgreifen.

    Auch wir zahlen GEZ-Gebühren, dann können wir auch erwarten, dass auch mal zur Primetime ein LGBTI-Klassiker oder eine entsprechende Eigenproduktion gesendet wird. Und nicht nur im Nachtprogramm oder auf Arte und den Dritten Programmen.

    Wenn z.B. alle zwei Wochen in ARD und ZDF ein LGBTI-Film in der Primetime laufen würde, wäre das nicht mal den 10% entsprechend. Aber das wäre ja schon mal ein Anfang. Aber davon ist Deutschland noch weit entfernt.
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#3 KumpelAnonym
  • 21.03.2021, 10:08h
  • Antwort auf #2 von Julian S
  • Da schreibt einer nach mehr Filme und Serien nur über uns. War das jetzt: Das Wort zum Sonntag? Kopfschüttel. Mein Regal steht voll mit guten Schwul/Lesbischen Filmen. Und was Hetero Serien anbelangt, tauchen auch WIR immer wieder mal darin auf. Mal so in eine Nebenrolle, dann wieder auch mal ganz groß.
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#4 WanndererAnonym
  • 21.03.2021, 10:12h
  • Antwort auf #3 von Kumpel
  • Ich glaube, es ging auch darum, dass sich Filme und Serien meistens im Nachtprogramm laufen.
    So sehr ich z.B. die rbb queer Nacht feiere, ist es halt doch immer spät nachts, damit ja nicht so viele Heteros da zufällig darüber stolpern und sich dann aufregen.
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#5 Dont_talk_aboutProfil
  • 21.03.2021, 11:37hFrankfurt
  • Antwort auf #2 von Julian S
  • Hast Du das mal nachgezählt ?

    Ich würde mal schätzen, dass wir in den neueren Produktionen deutlich mehr als 10 % haben.

    Man muss natürlich richtig zählen. Die Gesamtheit sind Personen, die in Filmen vorkommen und denen eine Beziehung/Sexualität zugeordnet wird.
    Also bitte nicht die Sportschau als Hetero-Sendung mitzählen.
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#6 KumpelAnonym
  • 21.03.2021, 12:49h
  • Antwort auf #4 von Wannderer
  • Die öffentlich rechtlichen Sender drohen ja jetzt mit noch mehr Einschränkungen bei Neuausstrahlungen. Wegen der nicht erhöhten R. und Fernsehgebühren. Also eine Wiederholung folgt der nächsten. Und wozu muß eigentlich jeder TV Sender seine eigene Quizshow haben u.s.w.? Die dritten Programme waren und sind schon immer nur das Zündlein an der Waage gewesen. So gesehen macht der RBB schon irgendwie einen guten Job. Wenn auch nur spätabends. Und ja, ich fände es Super, wenn gerade der RBB als Hauptstadt-Sendeanstalt eine Vorbildfunktion übernehmen würde und zur Primetime Schwul/Lesbische Filme oder gar Serien zeigt.
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#7 GirlygirlEhemaliges Profil
  • 21.03.2021, 14:16h
  • Antwort auf #5 von Dont_talk_about
  • Es gibt Studien, die zeigen, dass wir mit am stärksten unterrepräsentiert sind. Selbst Frauen, die ja nicht mal eine Minderheit sind, werden nicht angemessen repräsentiert. Ein Film hat ja für gewöhnlich mehrere Figuren, d.h. wenn man die zusammenzählt kommt man nie im Leben auf 10%, ja nicht mal 5% LGBTQ. Selbst wenn 10% aller Filme eine LGBT Rolle haben (was meines Wissens nicht mal stimmt), ist das noch keine angemessene Repräsentation, das wäre so wie wenn nur 50% der Filme EINE Frauen- oder Männerrolle hätten.
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#8 Dont_talk_aboutProfil
  • 21.03.2021, 14:37hFrankfurt
  • Antwort auf #7 von Girlygirl
  • Ich kenne dazu keine Studien, mein persönlicher Eindruck ist aber, dass es DEUTLICH mehr als 10 % sind.

    Wichtig: man muss richtig zählen !!!

    Es zählen nur die Figuren, deren Sexualität thematisiert wird oder von der man etwas schließen kann. Von einem Großteil der Figuren weiß man gar nichts, die darfst Du dann nicht als hetero zählen !

    Wenn in einer Serie eine Hauptfigur homosexuell ist, dann ist dies statistisch bereits eine deutliche Überrepräsentation. Ich halte diese Überrepräsentation nicht für falsch ! Aber wir sollten uns ihr bewusst sein.
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#9 Fake NewsAnonym
#10 Korinthen KKAnonym
  • 21.03.2021, 16:44h
  • Antwort auf #8 von Dont_talk_about
  • Was ist denn eine korrekte Repräsentation? Ein Hauptcharakter, der zu 10% homosexuell ist?
    Und wenn eine Frau Bundeskanzlerin ist, dann sind Frauen auch schon überrepräsentiert? Das Amt gibt es ja nur einmal.
    Wo wir schon einmal dabei sind:
    Welche Familie repräsentiert die durchschnittliche Anzahl an Kinder? Wenn zum ersten Kind noch 0,57 Kinder hinzukommen?
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