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Erste Operette mit queerer Handlung

"Operette für zwei schwule Tenöre" feiert Uraufführung im Herbst

Am Montag beginnt der Vorverkauf für das Stück von Florian Ludewig (Musik) und Johannes Kram (Text), das ab 6. Oktober im Berliner BKA-Theater zu sehen sein soll. Wir haben eine Hörprobe!


Poster zum Stück
  • 21. März 2021, 09:53h, noch kein Kommentar

Im Oktober, wenn aller Voraussicht nach der Kulturbetrieb wieder "hochgefahren" wird, feiert die Hauptstadt mit einer Uraufführung die Wiedergeburt der "Berliner Operette". In den "Goldenen Zwanzigern" hatte das Genre durch das Strapazieren von Rollenbildern und Zelebrieren von Diversität und Emanzipation Berlins Bild in der Welt mitgeprägt.

Hundert Jahre später führt die "Operette für zwei schwule Tenöre" von Johannes Kram (Text) und Florian Ludewig (Musik) im BKA-Theater diese Tradition fort – als erste Operette der Welt mit queerer Haupthandlung. Die beiden Autoren versprechen eine "moderne, aufwühlende und teilweise urkomische Geschichte, die sich zwischen der Klischeewelt einer Landidylle und der schwulen Großstadtszene bewegt". Teile der Songs wurden seit 2017 in konzertanten Showcases bei verschiedenen Community-Events aufgeführt (queer.de berichtete).

Die Operette erzählt von einem schwulen Beziehungsdrama

Im Mittelpunkt des Stücks stehen 16 von Ludewig m Stil der "goldenen Operette" komponierte neue "Schmacht-Walzer" und Operetten-Schlager wie "Champagner von Aldi", "Mein Fetisch ist die Operette", "Wann fahr'n wir wieder zu Ikea?" und "Gern hätte ich die Frau'n geküsst".

In der Handlung der Operette geht es um ein schwules Beziehungsdrama: Tobi hat sich von Jan getrennt. Der versteht die Welt nicht mehr, schließlich hatten sie doch in den letzten Jahren ein Leben zusammen aufgebaut, mit allem, was sich beide (und doch besonders Jan!) immer gewünscht hatten: Ein Häuschen auf dem Land samt Gartenidylle, selbstgemachter Marmelade und freundlich grüßenden Nachbarn. Doch ohne jede Vorwarnung hat sich Jan aus dem Staub gemacht, ist nach Berlin gezogen, will sich in der Großstadt "ausleben".

Audio / MP3 | Hörprobe aus der "Operette für zwei schwule Tenöre": Auszug aus dem Lied "Viele Grüße aus Berlin"
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Die "Operette für zwei schwule Tenöre" erzählt – wie jede Operette – die Geschichte des wunderbaren Glücks einer möglich werdenden "unmöglichen Liebe". "Sie zeigt, dass sich jede Liebe selbst erfinden muss, wobei eine schwule Liebe nicht auf all die tradierten Erfahrungen zurückgreifen kann wie die der Heteros", so Kram und Ludewig zu ihrem Stück. "Die Tradition des offenen schwulen Glücklichseins hat gerade erst begonnen, sie will gelernt, probiert und erkämpft werden. Sie will gleich sein und doch auch anders. Sie schreit danach zu scheitern, in unserer Geschichte ist das teilweise brüllend komisch, doch immer auch berührend, liebevoll, zumal das Scheitern-Können immer auch ein Pathos rechtfertigt, dass sich nicht falsch und schmierig anfühlt."

Weder Parodie noch "Retro"-Imitation des Genres

Ihre "Operette für zwei schwule Tenöre" verstehen die beiden Autoren dabei weder als Parodie noch als "Retro"-Imitation des Genres, sondern als "ein Stück, das die musikalische und stilistische Welt der Operette mit heutigen Bildern und Themen füllt". Die Operette ist dabei selbst Teil der Handlung – als Vorstellung einer besseren Welt, die nicht nur erkämpft, sondern auch erträumt werden können muss, um gelingen zu können.


Florian Ludewig (li.) und Johannes Kram (Bild: DIrk Lang)

In einer rasanten Kombination aus Gesang, Schauspiel und Komik sollen neben den zwei Protagonisten drei junge Ensemble-Männer auf der Bühne stehen, die für Chor, Tanz und schräge Kostümwechsel verantwortlich sind. Während die Besetzung auf der Bühne bewusst überschaubar ist, wird bei der musikalischen Umsetzung aus dem Vollen geschöpft: Die Musikstücke werden als Orchesterarrangements produziert und "über Band" eingespielt.

Das Berliner BKA-Theater hat für die Operette für 2021 und 2022 insgesamt acht Wochen Spielzeit vorgesehen. Andere Spielstätten außerhalb der Hauptstadt sind in Planung. Die Uraufführung ist am 6. Oktober 2021, der Vorverkauf startet am 22. März. (cw/pm)