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Katholische Kirche
Über 200 Theologie-Professor*innen protestieren gegen Segnungs-Verbot
Die Erklärung der römischen Glaubenskongregation sei "von einem paternalistischen Gestus der Überlegenheit geprägt" und diskriminiere Lesben und Schwule, heißt es in einer Stellungnahme.

Welchen Weg schlägt die katholische Kirche ein? Die Wissenschaftler*innen werfen der Glaubenskongregation mangelnde theologische Tiefe und argumentative Stringenz vor (Bild: alefolsom / pixabay)
- 22. März 2021, 07:00h 2 Min.
Mehr als 200 Theologieprofessor*innen aus dem deutschen Sprachraum protestieren in einer Stellungnahme gegen das vom Vatikan erlassene Segnungsverbot für homosexuelle Paare. Die Erklärung der römischen Glaubenskongregation sei "von einem paternalistischen Gestus der Überlegenheit geprägt" und diskriminiere homosexuelle Menschen und ihre Lebensentwürfe, heißt es in der Stellungnahme, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. "Von dieser Position distanzieren wir uns entschieden. Wir gehen demgegenüber davon aus, dass das Leben und Lieben gleichgeschlechtlicher Paare vor Gott nicht weniger wert sind als das Leben und Lieben eines jeden anderen Paares."
In vielen Gemeinden würden Priester, Diakone und andere Seelsorger und Seelsorgerinnen Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare anbieten. "Wir begrüßen diese würdigenden Praktiken ausdrücklich", stellen die Wissenschaftler*innen klar. Der Erklärung der Glaubenskongregation fehle es an theologischer Tiefe und argumentativer Stringenz. "Werden wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert und nicht rezipiert, wie es in dem Dokument der Fall ist, untergräbt das Lehramt seine eigene Autorität", so die Expert*innen.
Viele prominente Unterzeichner*innen
Die Stellungnahme, die bis Sonntag von 212 Theologieprofessor*innen unterzeichnet worden war, ist von einer Arbeitsgruppe an der Universität Münster entworfen worden und kann weiterhin unterschrieben werden. Zu den derzeitigen Unterzeichner*innen gehören unter anderem der Dogmatiker Georg Essen von der Humboldt-Universität Berlin, der 92-jährige Peter Hünermann, von dem zahlreiche bedeutende Publikationen stammen, Julia Knop und Gregor Maria Hoff, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Dogmatik und Fundamentaltheologie, sowie der Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann aus Erfurt.
Weitere bekannte Vertreter*innen ihres Fachs sind die Vorsitzende des Katholischen Fakultätentags, Johanna Rahner aus Freiburg, der Münchner Fundamentaltheologe Thomas Schärtl-Trendel, der Münsteraner Dogmatiker Michael Seewald, der Neutestamentler Michael Theobald aus Tübingen und der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf. Auch mehrere Vertreter*innen kirchlicher Hochschulen haben unterzeichnet, darunter Jesuiten aus St. Georgen und Lehrende von den katholischen Hochschulen in Eichstätt und Linz.
Die römische Glaubenskongregation hatte am vergangenen Montag klargestellt, dass die Kirche nicht befugt sei, lesbische und schwule Paare zu segnen (queer.de berichtete). Unzulässig sei jede Segnungsform, die eine homosexuelle Partnerschaft anerkenne. Dies hat in der katholischen Kirche in Deutschland einen Proteststurm entfacht (queer.de berichtete). (cw/dpa)
Links zum Thema:
» Stellungnahme und Unterschriftenliste














