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Katholische Kirche

Über 200 Theologie-Professor*innen protestieren gegen Segnungs-Verbot

Die Erklärung der römischen Glaubenskongregation sei "von einem paternalistischen Gestus der Überlegenheit geprägt" und diskriminiere Lesben und Schwule, heißt es in einer Stellungnahme.


Welchen Weg schlägt die katholische Kirche ein? Die Wissenschaftler*innen werfen der Glaubenskongregation mangelnde theologische Tiefe und argumentative Stringenz vor (Bild: alefolsom / pixabay)

Mehr als 200 Theologieprofessor*innen aus dem deutschen Sprachraum protestieren in einer Stellungnahme gegen das vom Vatikan erlassene Segnungsverbot für homosexuelle Paare. Die Erklärung der römischen Glaubenskongregation sei "von einem paternalistischen Gestus der Überlegenheit geprägt" und diskriminiere homosexuelle Menschen und ihre Lebensentwürfe, heißt es in der Stellungnahme, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. "Von dieser Position distanzieren wir uns entschieden. Wir gehen demgegenüber davon aus, dass das Leben und Lieben gleichgeschlechtlicher Paare vor Gott nicht weniger wert sind als das Leben und Lieben eines jeden anderen Paares."

In vielen Gemeinden würden Priester, Diakone und andere Seelsorger und Seelsorgerinnen Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare anbieten. "Wir begrüßen diese würdigenden Praktiken ausdrücklich", stellen die Wissenschaftler*innen klar. Der Erklärung der Glaubenskongregation fehle es an theologischer Tiefe und argumentativer Stringenz. "Werden wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert und nicht rezipiert, wie es in dem Dokument der Fall ist, untergräbt das Lehramt seine eigene Autorität", so die Expert*innen.

Viele prominente Unterzeichner*innen

Die Stellungnahme, die bis Sonntag von 212 Theologieprofessor*innen unterzeichnet worden war, ist von einer Arbeitsgruppe an der Universität Münster entworfen worden und kann weiterhin unterschrieben werden. Zu den derzeitigen Unterzeichner*innen gehören unter anderem der Dogmatiker Georg Essen von der Humboldt-Universität Berlin, der 92-jährige Peter Hünermann, von dem zahlreiche bedeutende Publikationen stammen, Julia Knop und Gregor Maria Hoff, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Dogmatik und Fundamentaltheologie, sowie der Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann aus Erfurt.

Weitere bekannte Vertreter*innen ihres Fachs sind die Vorsitzende des Katholischen Fakultätentags, Johanna Rahner aus Freiburg, der Münchner Fundamentaltheologe Thomas Schärtl-Trendel, der Münsteraner Dogmatiker Michael Seewald, der Neutestamentler Michael Theobald aus Tübingen und der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf. Auch mehrere Vertreter*innen kirchlicher Hochschulen haben unterzeichnet, darunter Jesuiten aus St. Georgen und Lehrende von den katholischen Hochschulen in Eichstätt und Linz.

Die römische Glaubenskongregation hatte am vergangenen Montag klargestellt, dass die Kirche nicht befugt sei, lesbische und schwule Paare zu segnen (queer.de berichtete). Unzulässig sei jede Segnungsform, die eine homosexuelle Partnerschaft anerkenne. Dies hat in der katholischen Kirche in Deutschland einen Proteststurm entfacht (queer.de berichtete). (cw/dpa)

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#1 Grete WurmAnonym
  • 22.03.2021, 13:49h
  • Sehr gute Aktion! Genau meine Rede, wir brauchen noch viel mehr davon, um Druck und Änderung auszuüben.
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 22.03.2021, 14:26h
  • Ein interessanter Nebenaspekt ist dabei, dass es Homophoben immer schwerer fällt, ihre gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hinter einer frommen Tarnkappe zu verbergen.

    Siehe die Berufung des polnischen Botschafters auf den "katholischen Glauben" in Polen.

    Als wenn z. B. Irland oder Malta nicht katholisch geprägt wären.
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#3 fadenscheinigAnonym
  • 22.03.2021, 16:05h
  • Wer's braucht ... aber:

    Die "Segnung" gilt in diesem Klub als rituell minderwertig. Solange gleichgeschlechtlichen Paaren keine vollwertige Trauung angeboten wird, ist das ganze nichts fortgesetzte Diskriminierung. Wenn "Gläubige" dazu Beifall klatschen, haben sie es wohl nicht anders verdient.

    Für diejenigen, die wagen wollen, endlich klar zu denken :
    www.kirchenaustritt.de
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#4 fadenscheinigAnonym
#5 Girlygirl
  • 22.03.2021, 17:10h
  • Antwort auf #2 von goddamn liberal
  • Die homophoben Katholik*innen mag ich sehr gerne: Sie sagen frei heraus, dass sie LGBT für eine Sünde halten und ich weiß dann mit wem ich keine nähere Bekanntschaft machen sollte bzw. kann sie beenden. Deswegen glaube ich, dass die wahre Gefahr zumindest in Deutschland nicht vom Klerus ausgeht, sondern von der neuen Rechte, die ihre LGBTQ Feindlichkeit unter dem Deckmantel der "Meinungsfreiheit" äußern und die es sogar in die Mitte der Gesellschaft geschafft hat (Dieter Nuhr oder dieser SPD Opa). Wir können ihnen keine Homophobie nachweisen, weil sie es nie explizit sagen, aber man hat trotzdem ein sehr unangenehmes Gefühl. Besonders Trans Menschen haben darunter zu leiden. Manche Katholik*innen sind scheinbar toleranter als manche Atheist*innen, obwohl die Katholische Führungselite immer noch extrem menschenfeindlich ist!
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#6 BinkeinpapstAnonym
#7 LegatProfil
  • 22.03.2021, 21:16hFrankfurt am Main
  • Da kann man nur viel Erfolg und alles Gute wünschen. Wobei ich denke, ein neues Schisma wäre der bessere und redlichere Weg, wenn man mit der Führungslinie in Rom nicht mehr kann. Trump gründet auch gerade die Trumpisten (oder wie auch immer die heißen werden) als Abspaltung der Republikaner. Finde ich super, weil das die Rechtsradikalen insgesamt schwächt, wenn die sich immer weiter zersplittern. Daher finde ich das auch für organisierte Religionen einen guten Weg.
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#8 ChrissNAnonym
  • 23.03.2021, 17:16h
  • Was mich mal interessieren würde, wie viele Theologie-Professoren gibt es denn in Deutschland? Ich vermute mal, dass 200 schon eine große Zahl sind und somit ein Großteil der Professoren gegen die homophobe Agenda des Vatikans aufbegehren, was ein großer Fortschritt wäre. Der Vatikan muss dann auch irgendwann seine Meinung ändern. Wenn es hingegen 10.000 Theologie-Professoren in D gibt, wäre es unbedeutend, aber das glaube ich nicht, da es ja nur 20-30 Unis gibt, an denen man Theologie studieren kann und dann jeweils 10 Professoren wären dann 200-300.
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