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Türkei

Erdogan kündigt aus Homophobie Pakt zum Schutz von Frauen

Femizide, also Morde an Frauen, sind ein großes Problem in der Türkei. Trotzdem tritt die Regierung aus einem internationalen Abkommen zum Schutz von Frauen aus, weil dieses angeblich auch Homosexualität "normalisiert".


Recep Tayyip Erdogan hat in den letzten Jahren vermehrt auf Homophobie gebaut, um Unterstützung aus dem Volk zu erhalten (Bild: World Humanitarian Summit / flickr)

Die türkische Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Samstag ihren Austritt aus der Istabul-Konvention erklärt. Die vor zehn Jahren vom Europarat ausgearbeitete Vereinbarung soll einen europaweiten Rechtsrahmen schaffen, um Gewalt an Frauen auf allen Ebenen zu verhindern und zu bekämpfen – verboten sind etwa Zwangsheirat, Genitalverstümmelung, Zwangsabtreibung oder Zwangssterilisation. In dem Vertragswerk wird als Ziel genannt, "eine echte Gleichstellung von Frauen und Männern" herzustellen. Die Türkei behauptet allerdings, dass damit Homosexualität "normalisiert" werden solle.

Das Präsidentenamt begründete den Austritt am Sonntag mit den Worten: "Die Istanbul-Konvention sollte ursprünglich Frauenrechte stärken, wurde aber von einer Gruppe von Leuten gekapert, die Homosexualität normalisieren wollen – diese ist inkompatibel mit den gesellschaftlichen und Familienwerten der Türkei." In der Mitteilung werden keine Details darüber genannt, welche Abschnitte der Vereinbarung der Türkei sauer aufstoßen.

Protestaktionen in mehreren türkischen Städten

Seit der Austrittserklärung kam es in mehreren Teilen der Türkei zu Protestaktionen und Demonstrationen. Aktivist*innen verwiesen darauf, dass es in der Türkei mehr als anderswo in Europa zu Femiziden, also zur Tötung von Frauen und Mädchen wegen ihres Geschlechts, kommt. Offiziell wurden letztes Jahr 300 Frauenmorde gemeldet – die Dunkelziffer sei aber viel höher. Oft würden Frauenmorde als Suizide registriert und so verschleiert. Die Täter würden meist ohne oder mit niedrigen Strafen davonkommen. Auch international stieß der Austritt auf Kritik.

Twitter / vonderleyen | Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht sich dafür aus, die Istanbul-Konvention in ganz Europa zu ratifizieren

Die Istanbul-Konvention ist bislang von der Europäischen Union und allen Europarats-Mitgliedsstaaten außer den Diktaturen Aserbaidschan und Russland unterzeichnet worden. Die Ablehnung von LGBTI-Rechten wird von mehreren weiteren europäischen Ländern als Grund genannt, das Vertragswerk bislang nicht ratifiziert zu haben. In der Slowakei nutzten rechte Parteien das Abkommen 2019 im Wahlkampf und warnten davor, dass damit "traditionelle Werte" außer Kraft gesetzt würden.

Auch in Polen wurden letztes Jahr mit homophober Begründung ein Austritt aus dem Abkommen debattiert (queer.de berichtete). Nach internationalem Widerstand relativierte die rechtspopulistische Regierung ihre Position (queer.de berichtete).

Die Ablehnung Polens wird in der Pressemitteilung Erdogans auch direkt zitiert: "Polen hat Schritte eingeleitet, um aus der Konvention auszutreten, und nennt als Grund einen Versuch der LGBT-Community, ihre Idee über das Geschlecht auf die gesamte Gesellschaft auszudehnen", heißt es. Hintergrund ist, dass vor allem religiöse Gruppen Stimmung gegen die Vereinbarung machen, weil in der englischen Version neben dem Begriff "Sex" für Geschlecht vor allem der verhasste Begriff "Gender" genutzt wird und sich die Konvention so auch auf "gesellschaftlich geprägte Rollen, Verhaltensweisen, Tätigkeiten und Merkmale" bezieht. (dk)



#1 GirlygirlEhemaliges Profil
  • 22.03.2021, 17:31h
  • Ganz Unrecht hat der Erdogan ja nicht: Misogynie und LGBTQ Feindlichkeit gehen ja meistens Hand in Hand. Wobei wir in der Hierarchie noch unter (hetero) Frauen stehen. Es fangen schwere Zeiten für heterosexuelle Frauen aber noch schwerere für die gesamte LGBTQ Community an. Es war davor auch schon schwer, aber jetzt ist es auch noch vom Präsidenten "genehmigt"
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#2 michael hnkAnonym
  • 23.03.2021, 07:30h
  • "Femizide, also Morde an Frauen"

    Warum schreibt man nicht gleich Frauenmorde? Oder spricht von Frauenfeindlichkeit statt von Misogynie?

    "Femizide" und "Misogynie" sind schöne Beispiele für feministisch-soziologisches Fachchinesisch, das (ungewollt) einen drastischen Sachverhalt verharmlosend darstellt. Als Leser, der sich außerhalb feministisch-soziologischer Diskurse bewegt, baut man automatisch eine emotionale Distanz auf, wenn man beispielsweise von Misogynie als Tatmotiv liest, statt einfach zu schreiben, dass der Täter ein Frauenhasser war. Außerdem läuft man bei Fachchinesisch in journalistischen Artikeln immer Gefahr, nicht sauber zu trennen und die Dinge zu vermischen. Nicht jede Mordtat eines Mannes an (s)eine Frau hat geschlechtsspezifische Gründe, wie im übrigen auch umgekehrt nicht. Wenn er die Alte umbringt, um ihre Lebensversicherung zu kassieren, würde ich das nicht als "Femizid" sondern als Mord aus Geldgier bezeichnen und den Täter auch nicht zwingend als "misogyn" ansehen. Eine klare Sprache, die die Dinge als solche benennt, was sie sind, statt mit verklausulierendem Fachchinesisch um die Ecke zu kommen - das hilft!
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#3 swimniAnonym
  • 23.03.2021, 11:38h
  • er schreitet voran, der islamofaschismus erdogans und in den kommunen wird die deutschlandfiliale erdogans, die ditib, von bürgermeistern, kirchen und sozialarbeitern gehätschelt und getätschelt.
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#4 audeasAnonym
#5 GirlygirlEhemaliges Profil
  • 23.03.2021, 13:19h
  • Antwort auf #2 von michael hnk
  • Der Artikel hat doch erklärt was Femizid heißt und Misogynie ist nun wirklich kein "Fachchinesisch", es ist ein Wort wie Homophobie oder Antisemitismus, also etwas was man durchaus kennen kann. Und wenn nicht, kann man es ja einfach googlen und wenn du noch mehr Artikel über die Lage der Frauen (und auch LGBT) in der Türkei liest, weißt du auch, wie man zu diesen Anschuldigungen kommt. Es ist zwar schön, dass du es sehr genau nimmst und die etlichen reichen Frauen mit ärmeren Ehemännern in der Türkei berücksichtigst (Ironie off), aber die haben es wahrscheinlich noch am Besten. Natürlich erklärt der Artikel keine genauen Hintergründe, das würde den Rahmen sprengen, es wird vorausgesetzt, dass man ungefähres Hintergrundwissen hat und das richtig miteinander kombiniert. Ich glaube, dass du das auch kannst. Hier ein paar Stichworte: konservatives Weltbild wieder trendy > strikte Geschlechterrollen > der Mann hat das Sagen > häusliche Gewalt > Morde an Frauen begangen von Verwandten (Zufall?)
    Dazu gibt es Statistiken Studien, aber das ist selbst mir zu viel Fachchinesisch.
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#6 DramaQueen25Anonym
  • 23.03.2021, 13:23h
  • Erdo will wohl in der Türkei die Polygamie mit minderjährigen Zwangsbräuten einführen, und das so genannte "Ehrenmorde" und Gewalt gegen Frauen kein Straftatbestand wird. Anders kann ich mir sein hirnrissiges Verhalten nicht erklären.
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#7 goddamn liberalAnonym
#8 geldAnonym
  • 23.03.2021, 21:02h
  • Antwort auf #2 von michael hnk
  • Auch im von dir genannten Beispiel wäre es trotzdem ein Femizid/Feminizid, also Frauenmord, verbunden mit dem Raub von Geld oder Gütern, die der Frau gehören oder zustehen. In fast jedem gesellschaftlichen Kontext geht das Hand in Hand mit Misogynie, also Hass oder Frauenfeindlichkeit, und/oder der Unterdrückung von Frauen zusammen, meistens beides als "passliche" Kombination (Ironie off). Und wird auch meistens nicht wirklich getrennt gesehen oder erlebt. Was nicht heißt, dass Differenzierung schlecht oder unangemessen wäre.
    Warum die Begriffe verharmlosend sein sollen, sehe ich nicht. Umgangssprachlich sind sie nicht, das stimmt wohl.
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