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Ballett

Queere "Orlando"-Inszenierung am Moskauer Bolschoi Theater

Liebestänze von zwei Frauen, ein Tänzer mit weiblicher und männlicher Rolle: Der deutsche Choreograph Christian Spuck geht in Russland an die Grenzen des Möglichen.


Das Bolschoi Theater in Moskau (Bild: Amreinka / pixabay)

Der deutsche Choreograph Christian Spuck inszeniert mitten in der Corona-Krise am weltberühmten Bolschoi Theater in Moskau Virginia Woolfs Klassiker "Orlando" als Ballett. Er habe sich entschieden, die Geschichte um einen Mann, der eines Tages als Frau erwacht, mit einer Tänzerin zu besetzen, sagte Spuck in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Moskauer Tageszeitung "Kommersant". "Geschlecht hat keine Bedeutung, das Wichtigste ist die Persönlichkeit", sagte der 51-Jährige auf Fragen des Blatts, wie es sei, in einer homosexuellenfeindlichen Gesellschaft zu arbeiten.

Nach Darstellung Spucks hätten sich die Ballerinen bei den Liebes-Tänzen zunächst nicht in die Augen gesehen. "Am Anfang erröteten und lachten sie […] Aber jetzt geraten ihnen die Pas de deux sehr schön, sehr zärtlich."

Das Ballett hat aufgrund des Gesetzes gegen "Homopropaganda" die Altersfreigabe 18+ wie auch das von Starregisseur Kirill Serebrennikow inszenierte Werk "Nurejew" um den schwulen Weltstar Rudolf Nurejew (1938-1993). Spuck lobte das zeitweilig nicht gezeigte Ballett Serebrennikows als "wunderbare Aufführung".

Das Ensemble brauchte Bedenkzeit


Chistian Spuck

Entschieden habe er sich auch, einem Tänzer eine männliche und weibliche Rolle zu geben. Demnach tanzt der Solist die Partie von Königin Elizabeth I. und eines Kapitäns, der sich in den weiblichen Orlando verliebt. "Ich weiß, dass das in Russland keine leichte Entscheidung ist", sagte Spuck. Aber nach etwas Bedenkzeit habe die Besetzung zugesagt.

Weltpremiere des Balletts mit 51 Tänzer*innen ist auf der neuen Bühne des Bolschoi Theaters an diesem Mittwoch. Spuck, der seine Karriere am Stuttgarter Ballett begonnen hatte und heute Ballettchef in Zürich ist, kann anders als in der Schweiz, wo es wegen der Corona-Pandemie aktuell keine Aufführungen gibt, in Russland ungehindert arbeiten. Die Theater sind in der russischen Hauptstadt geöffnet – bei maximal 50 Prozent Auslastung. (cw/dpa)



#1 nussknackerAnonym
  • 23.03.2021, 17:40h
  • bin gespannt, ob das gut geht und ob früher oder später von kreml inszenierte volksmassen sich konzertiert gegen die aufführung echauffieren, sodass sie abgesetzt wird, um dem "willen des volkes" zu entsprechen.
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