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"Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation"
Köln setzt auf Gendersternchen und Co.
Die viertgrößte deutsche Stadt will mit einem neuen Leitfaden sprachliche Diskriminierungen vermeiden. Auch die Dimensionen "sexuelle Orientierung" und "Geschlechtsidentität" sind berücksichtigt.

Mit Hilfe der "Genderbread Person" (abgeleitet von "Gingerbread Man", dem englischen Begriff für Lebkuchenmann) erklärt die Stadt Köln den Unterschied zwischen sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität (Bild: Stadt Köln)
- 23. März 2021, 14:20h 3 Min.
Köln erhält eine neue, fairere Amtssprache: Der 54-seitige "Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation bei der Stadt Köln" (PDF) ist bereits seit dem 1. März für die Verwaltung maßgebend. Im Vorwort zum Leitfaden begründete Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) die Initiative mit den Worten: "Wir sind die Stadt der Vielfalt. Lassen Sie uns diese Vielfalt auch in der Kommunikation deutlich sichtbar machen und unseren Kolleg*innen, den Kölner*innen und auch unseren Gästen eine gute Partnerin in allen Lebenssituationen sein."

Henriette Reker ist seit 2015 Oberbürgermeisterin der kleinsten deutschen Millionenstadt (Bild: Stadt Köln)
Der Leitfaden setzt auf diskriminierungsfreie Sprache, in der unter anderem alle Geschlechter miteinbezogen werden sollen. Dies soll durch geschlechtsneutrale Bezeichnungen wie Studierende (statt Studenten und Studentinnen) oder dem Gendersternchen (Student*innen) erreicht werden. Gesprochen werden soll das Sternchen laut der Stadt Köln mit dem "glottalen Stopp" – diese kurze Pause ist bereits in manchen Radiosendern Alltag und wird auch von TV-Größen wie "heute"-Sprecherin Petra Gerster oder Unterhaltungsmoderatorin Ruth Moschner verwendet. Außerdem soll die Sprache keine Rollenklischees bedienen – als Beispiele werden in dem Leitfaden die Begriffe "Not am Mann" oder "Milchmädchenrechnung" genannt.
/ Koeln | Schreibweisen wie Kölner*innen sind in der aktuellen Kommunikation der Stadt Köln bereits Alltag1.980 Kölner*innen sind aktuell mit dem #Corona-Virus infiziert. Die #Inzidenzzahl liegt in #Köln derzeit bei 110,9 und die #Reproduktionszahl bei 1,21. Uns wurde ein weiterer Todesfall in Zusammenhang mit einer #Covid_19-Erkrankung gemeldet. Mehr Infos: https://t.co/83caWKKPW6 pic.twitter.com/v1YzP2PC4i
Stadt Köln (@Koeln) March 22, 2021
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Verwaltung soll nicht grundsätzlich von Heterosexualität ausgehen
In einem eigenen Kapitel wird auch darauf eingegangen, dass Homo- und Bisexuelle nicht sprachlich diskriminiert werden sollten. Wörtlich heißt es: "Im Gegensatz zu vielen anderen Dimensionen ist die sexuelle Orientierung von Menschen nicht sichtbar. Heterosexualität wird als 'Normalität' und akzeptierte Form der sexuellen Orientierung in unserer Gesellschaft festgelegt und anerkannt. Es sollte sprachlich, zum Beispiel in Einladungen oder Ansprachen, nicht grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass andere Menschen heterosexuell sind."
Als Beispiel wird etwa angeführt, dass nicht "Frau X mit ihrem Mann" eingeladen werden sollte, sondern "Frau X mit Partner*in". Statt "Mutter" und "Vater" solle möglichst "Eltern", "Elternteil" oder "Erziehungsberechtigte" verwendet werden. Außerdem werden in dem Text Begriffe wie "Transgender" oder "Inter*" erklärt und beschrieben, dass die sexuelle Orientierung unabhängig von der Geschlechtsidentität eines Menschen sei.

Empfehlungen im Leitfaden (Bild: Stadt Köln)
"People of Color" statt "Farbige"
Auch andere Diskriminierungsfragen werden angesprochen, etwa zur ethnischen Herkunft einer Person. So sollen als beleidigend empfundene Bezeichnungen wie "Farbige" vermieden werden und beispielsweise durch den Begriff "Schwarze Menschen" (mit großem S) oder der amerikanischen Eigenbezeichnung "People of Color" (PoC) ersetzt werden. Zu einer wertschätzenden Kommunikation gehöre auch, Sonderzeichen in ausländischen Namen zu verwenden (so soll laut der Stadt Köln der in der Türkei beliebte Frauenvorname Tuğba nicht mehr Tugba geschrieben werden).
Für das gesprochene Wort gelten die neuen Regelungen bereits jetzt. Vorhandene Materialien und Broschüren sollen noch aufgebraucht und dann mit entsprechenden Änderungen ersetzt werden. Dieser Prozess könne laut der Stadtverwaltung bis Ende 2022 abgeschlossen sein. (dk)















