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"Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation"

Köln setzt auf Gendersternchen und Co.

Die viertgrößte deutsche Stadt will mit einem neuen Leitfaden sprachliche Diskriminierungen vermeiden. Auch die Dimensionen "sexuelle Orientierung" und "Geschlechtsidentität" sind berücksichtigt.


Mit Hilfe der "Genderbread Person" (abgeleitet von "Gingerbread Man", dem englischen Begriff für Lebkuchenmann) erklärt die Stadt Köln den Unterschied zwischen sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität (Bild: Stadt Köln)

Köln erhält eine neue, fairere Amtssprache: Der 54-seitige "Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation bei der Stadt Köln" (PDF) ist bereits seit dem 1. März für die Verwaltung maßgebend. Im Vorwort zum Leitfaden begründete Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) die Initiative mit den Worten: "Wir sind die Stadt der Vielfalt. Lassen Sie uns diese Vielfalt auch in der Kommunikation deutlich sichtbar machen und unseren Kolleg*innen, den Kölner*innen und auch unseren Gästen eine gute Partnerin in allen Lebenssituationen sein."


Henriette Reker ist seit 2015 Oberbürgermeisterin der kleinsten deutschen Millionenstadt (Bild: Stadt Köln)

Der Leitfaden setzt auf diskriminierungsfreie Sprache, in der unter anderem alle Geschlechter miteinbezogen werden sollen. Dies soll durch geschlechtsneutrale Bezeichnungen wie Studierende (statt Studenten und Studentinnen) oder dem Gendersternchen (Student*innen) erreicht werden. Gesprochen werden soll das Sternchen laut der Stadt Köln mit dem "glottalen Stopp" – diese kurze Pause ist bereits in manchen Radiosendern Alltag und wird auch von TV-Größen wie "heute"-Sprecherin Petra Gerster oder Unterhaltungsmoderatorin Ruth Moschner verwendet. Außerdem soll die Sprache keine Rollenklischees bedienen – als Beispiele werden in dem Leitfaden die Begriffe "Not am Mann" oder "Milchmädchenrechnung" genannt.

Twitter / Koeln | Schreibweisen wie Kölner*innen sind in der aktuellen Kommunikation der Stadt Köln bereits Alltag
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Verwaltung soll nicht grundsätzlich von Heterosexualität ausgehen

In einem eigenen Kapitel wird auch darauf eingegangen, dass Homo- und Bisexuelle nicht sprachlich diskriminiert werden sollten. Wörtlich heißt es: "Im Gegensatz zu vielen anderen Dimensionen ist die sexuelle Orientierung von Menschen nicht sichtbar. Heterosexualität wird als 'Normalität' und akzeptierte Form der sexuellen Orientierung in unserer Gesellschaft festgelegt und anerkannt. Es sollte sprachlich, zum Beispiel in Einladungen oder Ansprachen, nicht grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass andere Menschen heterosexuell sind."

Als Beispiel wird etwa angeführt, dass nicht "Frau X mit ihrem Mann" eingeladen werden sollte, sondern "Frau X mit Partner*in". Statt "Mutter" und "Vater" solle möglichst "Eltern", "Elternteil" oder "Erziehungsberechtigte" verwendet werden. Außerdem werden in dem Text Begriffe wie "Transgender" oder "Inter*" erklärt und beschrieben, dass die sexuelle Orientierung unabhängig von der Geschlechtsidentität eines Menschen sei.


Empfehlungen im Leitfaden (Bild: Stadt Köln)

"People of Color" statt "Farbige"

Auch andere Diskriminierungsfragen werden angesprochen, etwa zur ethnischen Herkunft einer Person. So sollen als beleidigend empfundene Bezeichnungen wie "Farbige" vermieden werden und beispielsweise durch den Begriff "Schwarze Menschen" (mit großem S) oder der amerikanischen Eigenbezeichnung "People of Color" (PoC) ersetzt werden. Zu einer wertschätzenden Kommunikation gehöre auch, Sonderzeichen in ausländischen Namen zu verwenden (so soll laut der Stadt Köln der in der Türkei beliebte Frauenvorname Tuğba nicht mehr Tugba geschrieben werden).

Für das gesprochene Wort gelten die neuen Regelungen bereits jetzt. Vorhandene Materialien und Broschüren sollen noch aufgebraucht und dann mit entsprechenden Änderungen ersetzt werden. Dieser Prozess könne laut der Stadtverwaltung bis Ende 2022 abgeschlossen sein. (dk)



#1 GrimbaldAnonym
#2 ErklärbärAnonym
  • 23.03.2021, 18:53h
  • Antwort auf #1 von Grimbald
  • "Schwarze Menschen ist eine Selbstbezeichnung und beschreibt eine von Rassismus betroffene gesellschaftliche Position. "Schwarz" wird großgeschrieben, um zu verdeutlichen,dass es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handelt und keine reelle' Eigenschaft', die auf die Farbe der Haut zurückzuführen ist. So bedeutet Schwarz-Sein in diesem Kontext nicht, einer tatsächlichen oder angenommenen 'ethnischen Gruppe' zugeordnet zu werden, sondern ist auch mit der gemeinsamen Rassismuserfahrung verbunden, auf eine bestimmte Art und Weise wahrgenommen zu werden."

    www.amnesty.de/2017/3/1/glossar-fuer-diskriminierungssensibl
    e-sprache


    "weiß" wird dann meistens klein und kursiv geschrieben, um anzudeuten, dass es sich nicht einfach um komplementäre Bezeichnungen handelt, sondern um eine hegemoniale (weiß) und eine marginalisierte (Schwarz).
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#3 BeepAnonym
  • 23.03.2021, 19:51h
  • "Lesbierin"? Bitte was?

    ... okay, ist wohl eine veraltete Bezeichnung für "Lesbe"
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#4 GrimbaldAnonym
  • 24.03.2021, 08:17h
  • Antwort auf #2 von Erklärbär
  • Um auf Unterdrückung aufmerksam zu machen schreibt man "Schwarz" und auf Unterdrücker aufmerksam zu machen schreibt man "weiß" in kursiv?

    Also sollen das generische Begriffe sein, die jedoch so nah an an der Hautfarbe liegen (weiße und schwarze Menschen), dass der Unterschied bei den Begrifflichkeiten von den meisten Menschen wohl gar nicht mehr erkannt werden können.
    Ist ein weißer Mensch der rassistisch beleidigt und behandelt wird dann ein Schwarzer Mensch? Und schwarze Menschen die in hegemonialer Macht stehen weiße (in kursiv)?
    Bei solchen sprachlichen Auswüchsen kann man sich nur noch an den Kopf fassen. Ich denke solche bewusst irrleitenden Begrifflichkeiten führen zu viel mehr Auseinandersetzungen in den Bevölkerungen als dass sie von Nutzen sind. Und vorallem lösen die Begriffe kein einziges Problem. Wie kann die Stadt Köln so etwas empfehlen?
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#5 Taemin
  • 24.03.2021, 08:58h
  • Antwort auf #3 von Beep
  • Lesbierinnen sind Bewohnerinnen der Insel Lesbos, deren Bewohner Lesbier heißen. Früher (übrigens zumindest an einer Stelle sogar in "Queer as Folk") wurde der Begriff gelegentlich und irrtümlich für Lesben verwendet.
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#6 EulenspiegelAnonym
  • 24.03.2021, 10:47h
  • "Farbige" vermeiden, und people of color benutzen ist auch etwas ahem, seltsam.

    "Leute von Farbe", also kurz Farbige - und da sind wir wieder. Hört sich nur pompöser an.

    Es gibt in den USA auch "Schwarze Leute von Farbe" - also kurz Schwarze. Dieser Begriff ist erlaubt.

    Mit diesen ganzen Euphemismen sollte man viel besser dasselbe machen wie mit "schwul". Das war auch das Standard-Schimpfwort, so wie N* in den USA (die richtig böse Veriante mit den gs). Diese Begriffe zurückerobern und zu etwas positiven machen würde die ganzen Rassisten viel mehr ärgern, als alle 3 Jahre neue Ausweichbegriffe zu finden.
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#7 GodzillaAnonym
  • 24.03.2021, 13:23h
  • Antwort auf #6 von Eulenspiegel
  • Das ist ein absolut unterirdischer Kommentar, da er nur so vor Unwissenheit und Relativismus strotzt.
    Ich lege nahe, sich über den Begriff PoC kundig zu machen und warum man das N.-Wort niemals in was positives umkehren kann.

    Zum eigentlichen Thema:
    Ich begrüße den Schritt der Stadt Köln sehr.
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#8 AltoAnonym
  • 24.03.2021, 13:34h
  • Antwort auf #7 von Godzilla
  • Nein, er hat völlig recht. People of Colour (Leute von Farbe) und Farbige sind das gleiche Wort. Wo ist denn da der Unterschied außer das eins auf deutsch ist und das andere auf englisch? Das N*ger völlig inakzeptabel und Mohr veraltet ist, ist klar, aber Schwarze, Dunkelhäutige, Afrodeutsche, Afrikaner etc., sind doch keine schlimmen Wörter
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#9 EulenspiegelAnonym
  • 24.03.2021, 14:01h
  • Antwort auf #7 von Godzilla
  • Das N-Wort wird in schwarzen Communities untereinander benutzt, als Auszeichnung. Wohlwissend über die Bedeutung.

    Es ist gerade dieser Schritt, der den Spieß umdrehen kann und die Rassisten blosstellt, als in ewige Ausweichwörter zu fliehen die schnell verbrennen (irgendwann gab es für kurze Zeit sogar mal "Maximalpigmentiert" - brr und schnell von den Rechten als neues Schimpfwort vereinnahmt).

    Es ist eine andere Herangehensweise an das Problem als das zur Zeit übliche verbieten und umschiffen. Mit dem Ziel, das durch die Normalisierung die Beleidigung und Herunterstufung abfällt und die rassistischen Idioten mit leeren Händen gedemütigt dastehen.
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#10 NachfrageAnonym