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Katholische Kirche
Woelki lobt Segnungs-Verbot für Lesben und Schwule
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sieht in der Erklärung des Vatikans, homosexuelle Paare nicht zu segnen, eine "Stärkung des katholischen Ehe- und Familienverständnisses".

Beim "Karnevalistengottesdienst" am 8. Januar 2020 im Kölner Dom segnete Erzbischof Rainer Kardinal Woelki das Kölner Dreigestirn (Bild: Bilddatenbank Erzbistum Köln)
- 24. März 2021, 02:42h 3 Min.
Update 15.15 Uhr: Sven Lehmann empfiehlt Rücktritt des Kardinals
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki schließt sich dem Nein der katholischen Glaubenskongregation zur Segnung lesbischer und schwuler Paare an. Woelki sehe in der Haltung des Vatikans "eine Stärkung des katholischen Ehe- und Familienverständnisses", wie das Erzbistum Köln dem "Bonner General-Anzeiger" am Dienstag mitteilte.
Die römische Glaubenskongregation hatte Mitte März klargestellt, dass die Kirche nicht befugt sei, homosexuelle Paare zu segnen (queer.de berichtete). Unzulässig sei jede Segnungsform, die eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft anerkenne. Die Entscheidung wurde heftig kritisiert, unter anderem hatten sich zahlreiche katholische Gremien und Verbände dagegen gewandt (queer.de berichtete).
Für Lesben und Schwule nur warme Worte
Woelki sagte weiter, er werde sich "weiterhin dafür einsetzen, dass wir Menschen einander – gleich welcher sexuellen Orientierung auch immer – mit Respekt, gegenseitiger Achtung und Wertschätzung begegnen." Es bleibe "für uns die Aufgabe, die mit der kirchlichen Beheimatung und Seelsorge für Menschen mit gleichgeschlechtlicher Neigung verbundenen Fragen weiterzuführen".
Erst wenige Tage zuvor hatten Jurist*innen ein von Woelki in Auftrag gegebenes Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsvorwürfen vorgestellt. Mehreren Verantwortungsträgern des Erzbistums warfen die Gutachter*innen Pflichtverletzungen vor. Woelki selbst wurde nicht belastet, räumte jedoch eigene Fehler im Umgang mit mutmaßlichen Missbrauchstätern ein.
Woelki war 2012 für den "Respektpreis" nominiert
Woelki hatte an der Römischen Universität vom Heiligen Kreuz promoviert, die zur fundamentalistischen Laienorganisation Opus Dei gehört. Als sein Motto gibt Woelki aus, "ein ganz entschiedenes Christentum" zu leben. Mehrere Jahre arbeitete er als Sekretär des extrem homofeindlichen Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner, 2003 wurde er zum Kölner Weihbischof ernannt. In dieser Funktion verhinderte er die Diakonatsweihe des Katholiken Georg Schwikart, weil dieser Jahre zuvor ein Aufklärungsbuch über Homosexuelle verfasst hatte.
2011 wurde Woelki vom damaligen Papst Benedikt XVI. zum Erzbischof von Berlin ernannt. Dabei erhielt er den Titel "Kardinal". In der Hauptstadt protestierten LGBTI-Gruppen zunächst gegen die Ernennung. Woelki ging jedoch auf den Lesben- und Schwulenverband zu und traf sich mit dem Vorstand zu einem offiziellen Treffen (queer.de berichtete). Die Aktivist*innen lobten daraufhin dessen Dialogbereitschaft. 2012 wurde Woelki sogar vom "Bündnis gegen Homophobie" für den "Respektpreis" nominiert. Er lehnte jedoch die Nominierung ab und erklärte, er habe nur eine Selbstverständlichkeit geäußert (queer.de berichtete).
In Interviews gab sich Woelki bei LGBTI-Themen offen, beharrte aber stets darauf, dass homosexuelle Handlungen "nicht gebilligt" werden könnten. Der jetzt 64-Jährige agitierte in der Öffentlichkeit zudem gegen gleiche Rechte für Lesben und Schwule. Vor der Bundestagswahl 2013 sagte er, dass der Ausschluss von homosexuellen Paaren von der Ehe für die Kirche genauso wichtig sei wie das Thema soziale Gerechtigkeit. 2014 wurde Woelki von Papst Franziskus als Nachfolger von Kardinal Meisner zum Erzbischof von Köln ernannt. (cw/dpa)
Update 15.15 Uhr: Sven Lehmann empfiehlt Rücktritt des Kardinals
Sven Lehmann, Kölner Bundestagsabgeordnete und queerpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, geht hart mit Kardinal Woelki ins Gericht: "Dieser Kardinal passt nicht zu Köln! Die Äußerungen von Kardinal Rainer Maria Woelki dokumentieren wiederholt eine offene Ablehnung von Lesben und Schwulen." Der Kölner Kardinal stelle sich damit bewusst gegen Reformbewegungen innerhalb der katholischen Kirche.
Woelkis Äußerungen stünden im Gegensatz "zu einer weltoffenen und lebensfrohen Stadt wie Köln, in der LSBTI ein völlig selbstverständlicher Teil der Stadtgesellschaft sind". Der Kölner Oberhirte "wäre gut beraten, über einen Rücktritt nachzudenken".














