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Russland
Tschetschenien: Polizei verhört Verwandte der inhaftierten queeren Jugendlichen
Rund 20 Personen sollen festgenommen und in Verhören nach dem Aufenthaltsort der Eltern von Ismail und Salekh gefragt worden sein.

Isaew und Magamadow links in "Geständnis"-Videos aus dem letzten Jahr und rechts im Februar vor Gericht (Bild: Russ. LGBT Network / Nowaja Gaseta)
- 24. März 2021, 19:17h 3 Min.
Russische Medien berichten über eine weitere Eskalation der Einschüchterung und Rechtlosigkeit in Tschetschenien im Umgang mit den regimekritischen Brüdern Ismail Isaew (seit einigen Tagen 18 Jahre alt) und Salekh Magamadow (19 oder 20 Jahre alt), die sich derzeit in einer zweimonatigen Untersuchungshaft zu einem von Medien als vorgeschoben bschriebenen Vorwurf der Terroristen-Unterstützung befinden. Demzufolge habe die Polizei am Dienstag rund 20 Menschen im Dorf Komsomolskoye bei Razzien festgenommen und zu Verhören gebracht.
Bei den Personen habe es sich um Verwandte der Teenager gehandelt und die Verhöre hätten dazu gedient, den Aufenthaltsort ihrer Eltern ausfindig zu machen, berichtet etwa das Portal "Meduza" unter Berufung auf einen Anwalt des LGBT Network. Einen rechtlich haltbaren Grund für die Festnahmen habe es nicht gegeben; gegen zwei Uhr nachts seien die Menschen wieder freigelassen worden.
Laut der Zeitung "Nowaja Gaseta" hatten beide Eltern die russische Teilrepublik nach Drohungen verlassen. Der Vater der beiden Teenager hatte in den letzten Wochen berichtet, unter Druck gesetzt worden zu sein, anwaltliche Vertretung für sich und die Söhne abzulehnen. Die Mutter hatte sich in der letzten Woche unter anderem in einem Video öffentlich an die russische Menschenrechtsbeauftrage Tatjana Moskalkowa gewandt mit der Aufforderung, sich für ihre Söhne einzusetzen. Moskalkowa wandte sich inzwischen an die Generalstaatsanwaltschaft mit der Bitte um Überprüfung des Falles. Dabei geht es unter anderem um Vorwürfe erzwungener Geständnisse und der Verweigerung rechtlichen Gehörs.
Nach Tschetschenien rücküberstellt
Die beiden aus Tschetschenien stammenden junge Männer waren im letzten Jahr mit Hilfe des russischen LGBT Network aus der Region geflüchtet. Anfang Februar wurden sie in ihrer Wohnung in Nischni Nowgorod festgenommen und verschleppungsartig zunächst in die tschetschenische Stadt Gudermes rücküberstellt und verhört (queer.de berichtete). Später hieß es, sie hätten gestanden, einen Terroristen durch Essensweitergabe unterstützt zu haben (queer.de berichtete).
Während das LGBT Network berichtete, die beiden hätten angegeben, unter Druck zu Geständnissen gezwungen worden zu sein, haben lokale und regionale Gerichte im Februar eine zweimonatige Untersuchungshaft angeordnet (queer.de berichtete). Nach dem Strafrechtsparagrafen zur Unterstützung einer illegalen bewaffneten Gruppierung drohen ihnen bis zu 15 Jahre Haft.
/ rulgbtnet | Englische Pressemitteilung des LGBT Network mit neuen Details zum Fall, nachdem Anwälte des Verbands mit den Brüdern reden konntenMother of the kidnapped Salekh and Ismail recorded an appeal to the High Comissioner for Human Rights in Russia asking to help her sons.
Russian LGBT Network (@rulgbtnet) March 18, 2021
Ismail turned 18. We shared the story told by the brothers, who were finally allowed to see their lawyers
https://t.co/AasRriZhjO pic.twitter.com/Sucf2bec3o
Die Brüder waren bereits im April 2020 wegen der Moderation eines regimekritischen Telegram-Kanals für mehrere Wochen in Tschetschenien festgehalten und nach eigenen Angaben unter Folter zu "Geständnis"-Videos gezwungen worden, in denen sie als "keine Männer" vorgeführt wurden und Leute dazu aufriefen, sich nicht negativ über die Regierung von Präsident Ramsan Kadyrow zu äußern (s. Vorberichte). Den Kanal mit Regime- und Islamkritischen sowie queeren Inhalten sollen sie nach ihrer Flucht wieder aus Nischni Nowgorod heraus betrieben haben.
Über die sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität der beiden Jugendlichen hatte es in den letzten Wochen unterschiedliche Medienberichte und Aussagen gegeben. Das LGBT Network, das unter anderem die anwaltliche Vertretung organisiert, spricht von zwei Brüdern. Der Zeitung "Nowaja Gaseta" zufolge war Isaew bereits im August 2019 – damals 16 Jahre alt – wegen seines mutmaßlichen Schwulseins in Tschetschenien außergesetzlich festgenommen und in den Keller einer Polizeiwache gebracht worden, wo er sieben Tage verbringen musste, bis ihn seine Mutter freigekauft habe. Auch nach der internationalen Empörung über die antiqueere Verfolgungswelle in Tschetschenien im Frühjahr 2017 war es in der Region immer wieder zu entsprechendem Handeln gekommen (queer.de berichtete). (nb)















Die jetzigen Polit-Herrscher gehen da moderner und zeitgemäßer vor. Verfeinerte PR-Methoden und Medienkontrolle, verschleierte Korruption und Bespitzelung im großen Stil dienen der Machterhaltung und Reichtumsvermehrung einer kleinen Führungsriege, die über Leichen geht, wenn es denn sein muß.
Queere Jugendliche haben da leider ganz schlechte Karten und Möglichkeiten. LGBTIQ-Menschen in aller Welt sollten Paroli bieten, wo auch immer das möglich ist.