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Umfrage "Vielfalt im Film"

Vier von zehn homosexuellen Filmschaffenden bleiben im Schrank

Queerfeindlichkeit, Sexismus und Rassismus sind laut einer neuen Umfrage große Probleme in der deutschen Filmwirtschaft. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes fordert Konsequenzen.


In der deutschen Filmindustrie mangelt es an Vielfalt (Bild: Chad Sparkes / flickr)

Die deutsche Filmwelt muss deutlich mehr gegen Diskriminierung tun. Das geht aus einer am Donnerstagmorgen von der Initiative "Vielfalt im Film" veröffentlichten Umfrage unter mehr als 6.000 Filmschaffenden hervor, in der viele über Rassismus, Sexismus und Homophobie berichten. Die Film- und Fernsehbranche sei von "struktureller Diskriminierung vor und hinter der Kamera durchzogen", erklärte Schauspielerin Sara Fazilat vom Bündnis Pro Quote Film.

Die gemeinnützige Organisation "Citizens For Europe" hatte Mitglieder des Branchenportals Crew United befragt. Die Ergebnisse sind nach Angaben des Forschungsteams nicht repräsentativ für alle Filmschaffenden in Deutschland, sollen aber Hinweise liefern. Die Umfrage wurde von vielen weiteren Organisationen unterstützt, darunter auch der Queer Media Society.

Auch den Ergebnissen geht hervor, dass vier von zehn teilnehmenden queeren Filmschaffenden im Arbeitskontext nie bis nur manchmal offen mit ihrer sexuellen Orientierung (40 Prozent) und/oder Geschlechtsidentität (34 Prozent) umgingen. Als Grund nannten sie zum Großteil Angst vor negativen Konsequenzen für ihre Karriere.

Diskriminierung als strukturelles Problem

Diskriminierung sei ein strukturelles Problem, sagte die wissenschaftliche Leiterin Deniz Yildirim. So habe die Hälfte der Befragten angegeben, in den vergangenen zwei Jahren Diskriminierung im Arbeitskontext erlebt zu haben. Zum Beispiel wegen des Geschlechts, des Alters oder des Körpergewichts. Auch rassistische Zuschreibungen fielen darunter. Zwei von drei der Filmschaffenden, die Diskriminierung erlebt hatten, hätten diese nicht gemeldet.

Die Umfrage warf auch einen Blick auf sexuelle Belästigung. Viele Frauen würden etwa unangemessene, sexualisierte Kommentare erleben oder bedrängt. Von rund 2.600 Frauen, die dazu Angaben gemacht hätten, hätten etwa 80 Prozent angegeben, in den letzten zwei Jahren mehrfach sexuelle Belästigung im Arbeitskontext erlebt zu haben.

Auch bei den Inhalten sieht das Bündnis Nachholbedarf. Die Darstellung beispielsweise von arabischen Menschen werde oft als klischeehaft empfunden. Frauen mit asiatischen Wurzeln würden beispielsweise oft übersexualisiert dargestellt, kritisierte die Schauspielerin und Agentin Chun Mei Tan am Mittwoch.

Quoten als Lösung?

Skadi Loist von der Filmuniversität Babelsberg sieht die Politik und die Filmbranche selbst in der Pflicht. Eine Option sei, mit Quoten zu operieren. Da seien die Förderinstitutionen gefragt. Manche hätten schon Diversity-Checklisten in Arbeit. Die Produktionsfirma UFA habe beispielsweise eine eigene Selbstverpflichtung ausgerufen (queer.de berichtete). Auch innerhalb von Fernsehsendern müsse etwas getan werden.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die die Umfrage mitfinanzierte, sieht angesichts der Ergebnisse Handlungsbedarf: "Die Studie zeigt sehr deutlich, dass sich in der Filmbranche etwas tun muss", sagte Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Berliner Behörde. "Sinnvoll wären klare Verhaltenskodizes für Produktionen sowie vor allem ein effektives Beschwerdemanagement bei Diskriminierung und Belästigung." Auch eine Beschwerdestelle sei notwendig. Als Vorbild nannte Franke die branchenweite Beratungsstelle "Themis", die 2018 im Zuge von #MeToo ihre Arbeit aufgenommen hatte. (dk/dpa)