Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?38445

Japan

Lesbische "Ehebrecherin" muss Schadensersatz an Ehemann ihrer Geliebten zahlen

Den Straftatbestand des Ehebruchs können auch gleichgeschlechtliche Paare begehen, stellte ein Gericht in Tokio fest.


In Japan ist Ehebruch noch strafbar: Nach neuer Rechtsprechung können nun auch Schwule und Lesben als Ehebrecher*innen verurteilt werden (Bild: mike george / flickr)

  • 25. März 2021, 12:22h, noch kein Kommentar

Ein Bezirksgericht in Tokio hat vergangenen Monat eine 37-jährige Frau zur Zahlung von 110.000 Yen (850 Euro) verurteilt, weil sie mit einer mit einem Mann verheirateten 35-jährigen Frau geschlafen hatte. Wie "The Asahi Shimbun" berichtet, hatte der gehörnte Ehemann die Frau verklagt.

Die Beschuldigte hatte im Verfahren argumentiert, dass sie sich nicht des Ehebruchs schuldig gemacht habe, da laut Gesetz nur verschiedengeschlechtlicher Sex Ehebruch bedeute. Außerdem sei durch ihre "Tat" die Ehe nicht kaputt gemacht worden. Nach Ansicht des Gerichts habe die Frau aber den "ehelichen Frieden" untergraben und sei daher schuldig. Die Strafe muss sie auf das Konto des Ehemannes überweisen.

Anders als in Deutschland, wo der Straftatbestand Ehebruch 1969 abgeschafft wurde, dürfen laut japanischem Recht Eheleute die Geliebten ihrer fremdgehenden Partner*innen verklagen. Allerdings hatten Gerichte in der Vergangenheit gleichgeschlechtliche Techtelmechtel meist nicht als Ehebruch anerkannt, weil Homosexuelle schließlich keine Ehe eingehen dürfen. Zuletzt änderte sich aber die Rechtsprechung. Besonders einschneidend war die Entscheidung des Obergerichts von Tokio im März 2020: Damals wurde die Ex einer lesbischen Frau zur Zahlung von 1,1 Millionen Yen (8.500 Euro) verurteilt, weil sie fremdgegangen war. Laut dem Gericht befanden sich die beiden Frauen nämlich in einer De-facto-Ehe.

In Japan gibt es bereits seit Jahren Forderungen nach der Ehe für alle. Erst vor einer Woche hatte ein Gericht erstmals die Einschätzung vertreten, dass das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz in der Verfassung verstößt (queer.de berichtete). Laut einer Studie aus dem Jahr 2019 geben rund neun Prozent der Japaner*innen an, lesbisch, schwul, bisexuell oder trans zu sein (queer.de berichtete). (dk)