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Banknote vorgestellt

Erstmals schwuler Mann auf 50-Pfund-Schein

Zum ersten Mal können die Britinnen und Briten mit einem Geldschein bezahlen, auf dem ein wegen Homosexualität verurteilter "Straftäter" abgebildet ist.


Stolz präsentiert die britisch-nordirische Zentralbank ihren neuen Schein umrahmt von einem Code und einer Regenbogenfahne (Bild: Bank of England)

Die "Bank of England", die Zentralbank für Großbritannien und Nordirland, hat am Donnerstag ihre neue 50-Pfund-Note vorgestellt. Auf den 15 Zentimeter breiten Scheinen ist der Wissenschaftler Alan Turing (1912-1954) abgebildet. Turing ist vor allem für seinen Beitrag zur Entschlüsselung von Nachrichten bekannt, die im Zweiten Weltkrieg vom deutschen Kriegsgegner mit den sogenannten Enigma-Maschinen kodiert wurden. Fortan konnten die britischen Militärs bei ihrer Kommunikation unbemerkt mitlesen. Dieser geheimdienstliche Vorteil hat laut Expert*innen den Krieg verkürzt. Nebenbei schaffte Turing auch noch die theoretischen Grundlagen für die moderne Computertechnologie.

Das Mutterland dankte dem Kriegshelden seine Tat aber nicht: Turing wurde im Jahr 1952 wegen einer homosexuellen Beziehung von einem Gericht verurteilt. Um eine Haftstrafe zu umgehen, willigte er in eine Hormonbehandlung ein, die seinen Sexualtrieb hemmen sollte. Zwei Jahre später nahm er sich das Leben – im Alter von nur 41 Jahren. Die Verurteilung wurde 2013 posthum aufgehoben (queer.de berichtete).

Geheimdienstchef: Turing war Ikone der LGBT-Community

Der Direktor des britischen Geheimdiensts GCHQ, Jeremy Fleming, würdigte Turing als eine der weltweit größten Ikonen der LGBT-Community. "Turing wurde gefeiert für seine Genialität und verfolgt, weil er schwul war. Sein Vermächtnis ist eine Erinnerung daran, dass es wertvoll ist, alle Aspekte der Vielfalt zu würdigen", so Fleming.

Die neue Banknote ist aus einem Kunststoffgemisch hergestellt, das die Scheine länger haltbar macht als Papiergeld. Die Scheine sollen am 23. Juni in Umlauf kommen. Umgerechnet ist der Schein gegenwärtig 58 Euro wert.

Auf den anderen Pfund-Scheinen befinden sich – neben Königin Elisabeth II. – der Kriegs-Premierminister Winston Churchill (fünf Pfund), Schriftstellerin Jane Austen (zehn Pfund) und Maler William Turner (20 Pfund). Auf der bisherigen 50-Pfund-Note waren der Erfinder James Watt und der Ingenieur Matthew Boulton abgebildet gewesen. (dpa/dk)



#1 history reloadedAnonym
#2 dellbronx51069Anonym
#3 CornyAnonym
  • 25.03.2021, 18:18h
  • Ein schönes Signal, noch dazu, da Turing das Maß schlechthin in der Informatik ist. Berechenbarkeit, Halteproblem, Turing-Test und Turing-Vollständigkeit sind wichtige Begriffe. Übrigens wusste Turing damals bereits, dass eines Tages "Künstliche Intelligenz" existieren würde, etwa in dem Umfang, in dem wir sie heute haben.

    Nur das mit dem Selbstmord ist nicht ganz geklärt: Es wurde, mit der Begründung "den schwulen könne man alles zutrauen" keine Ermittlung oder irgendwas eingeleitet, sondern behauptet, dass er sich das Leben genommen habe. Gesichert ist diese Behauptung nicht, es könnte sich theoretisch auch um Mord gehandelt haben. [Siehe dazu: eine Dokumentation von ARTE über Alan Turing].
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#4 NonBinaryEhemaliges Profil
#5 WipperfischerAnonym
  • 25.03.2021, 20:51h
  • Alan Turing hat in der Tat mit seinen Turingmaschinen entscheidend dazu beigetragen, dass der Code der Enigma geknackt werden konnte. Doch sind die ersten Versuche, welche auch erfolgreich verliefen von polnischen Mathematikern wie M. Rejewski, H. Zygalski, J. Rotycki erfolgt. Doch am Ende bleibt stets der Danke des "Vaterlandes" aus. Nicht auszudenken, wie es heute in Deutschland aussehen würde, wenn der Traum der SS und der meines Klassenlehrers, seines Zeichens SPD-Mitglied und Berufsostpreuße in Erfüllung gegangen wäre, eher ein Albtraum, der ein gemeinsames Vorgehen der Alliierten gegen den "Iwan" vorsah. Denn der kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion war schon entstanden, bevor die Potsdammer Konferenz stattfand.

    In diesem Falle hätten die Holocaustleugner recht, da sämtliche Spuren erfolgreich verwischt worden wären und wir Schwule wären mindestens im KZ gelandet oder gar ausgemerzt worden - bis heute.

    Darum kann man die Leistung von Alan Turing und seinem Team, wozu später die oben genannten polnischen Wissenschaftler dazu stießen, gar nicht hoch genug bewerten.

    Schließlich konnte so der U-Boot Krieg eingegrenzt werden, woran auch die spätere Vierwalzen-Enigma nichts mehr ändern konnte.
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#6 HugogeraldAnonym
#7 Taemin
  • 26.03.2021, 10:17h
  • Es gibt drei Spielfilme zum Thema, wovon einer Alan Turing und dessen Geschichte nicht mal erwähnt und daher seinerseits nicht erwähnenswert ist. Im älteren der beiden anderen (1996) wird Alan Turing von dem schwulen Schauspieler Sir Derek Jacobi dargestellt und im jüngeren von dem heterosexuellen Benedict Cumberbatch. Interessanterweise führte erst der zweite zu einer Neubewertung der Person Turing und letztlich zur Aufhebung der Strafe durch die Königin. Anscheinend war es dafür 1996 politisch immer noch zu früh.
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