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Türkei

Wegen Regenbogenflaggen: Festnahmen bei Uni-Protesten in Istanbul

Erneut ging die Polizei gegen protestierende Student*innen an der Bogazici-Universität vor.


Die Szene am Donnerstag vor den Festnahmen (Bild: budirenisi / kaosgl / twitter)

Bei Protesten an der renommierten Bogazici-Universität in Istanbul sind am Donnerstag zwölf Menschen festgenommen worden. Sie würden unrechtmäßig festgehalten, kritisierten Studierendenvertreter. Die Polizei habe sich an den Regenbogenflaggen gestört, die während eines Protestmarschs am Campus gezeigt wurden, und habe den Demonstrierenden untersagt, diese zu zeigen. Später wurden auch Personen außerhalb des Campus bei einem Solidarität-Protest festgenommen.

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Studierende und Akademiker*innen der Bogazici-Universität sowie Unterstützer*innen protestieren seit Anfang Januar gegen den neuen Direktor Melih Bulu. Er steht der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP nahe und wurde von Präsident Recep Tayyip Erdogan eingesetzt.

Twitter / budirenisi
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Anlass für die Kundgebung am Donnerstag war die Ankündigung der Uni-Leitung, ein Disziplinarverfahren gegen einen Studenten einzuleiten, der während einer von der Polizei angegriffenen Kundgebung am 1. Februar auf das Einfahrtstor der Uni geklettert war und eine Regenbogenflagge zeigte (queer.de berichtete). Bilder der Aktion gingen weltweit viral.

In jenen Tagen war das staatliche Vorgehen gegen die Studierenden eskaliert: Bei zahlreichen Protesten im ganzen Land und vor allem in Istanbul nahm die Polizei hunderte Personen fest, sie stürmte dabei auch das Uni-Gelände. Anlass für die Proteste war die Festnahme von vier Studenten. Ihnen wurde vorgeworfen, mit einem auf einer Protest-Ausstellung auf dem Campus gezeigten Bild religiöse Gefühle verletzt zu haben. Auf ihm ist eine Szene rund um das muslimische Heiligtum in Saudi-Arabien, die Kaaba, zu sehen: Sie ist fast vollständig von einem mythischen Wesen verdeckt. Die Bildecken zieren jeweils eine Regenbogen-, eine Trans-, eine Lesben- und eine Asexuellen-Flagge.

Wegen des Bildes hatte die Staatsanwaltschaft später Anklagen gegen sieben Studierende erhoben, in der letzten Woche hatte der Prozess begonnen (queer.de berichtete). Die Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen zwischen einem Jahr und bis zu drei Jahren.


Istanbul am 1. Februar (Bild: Twitter / Terry Reintke)

Präsident Recep Tayyip Erdogan und Innenminister Süleyman Soylu hatten die Vorkommnisse Anfang Februar zu Stimmungsmache genutzt. Der Präsident nannte protestierende Studierende etwa "Terroristen" und äußerte sich feindlich gegenüber queeren Jugendlichen, Soylu sprach von "LGBT-Perversen" (queer.de berichtete).

In der Türkei hatte sich bereits in den Jahren zuvor das Vorgehen des Staates gegen LGBTI massiv verstärkt: So wurden CSDs und teilweise queere Kultur- und Sportveranstaltungen verboten und mehrfach Pride-Teilnehmende mit Gewalt festgenommen (queer.de berichtete). Nach Festnahmen bei einem Campus-CSD in Ankara müssen sich derzeit 18 Studierende und ein Dozent vor Gericht verantworten (queer.de berichtete). (nb/dpa)



#1 queergayProfil
  • 26.03.2021, 15:23hNürnberg
  • So einfach machen es sich islamisch-konservative Kreise, indem sie LGBTIQ-Aktivitäten & Proteste als terroristisch und jugendfeindlich verurteilen. Wo Ungerechtigkeit zur Norm werden soll, wird konkreter Widerstand zur Pflicht - immer und überall.
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