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Serientipp

Marnie denkt immer nur an Sex

In der britischen Dramedy "Pure" kämpft eine 24-Jährige gegen ihre von einer Zwangsstörung verursachten Fantasien. Alle sechs Folgen gibt's in der Nacht auf Samstag auf ZDFneo – und anschließend in der Mediathek.


Marnie (Charly Clive) hat auch in den unpassendsten Momenten immer nur Sex im Sinn (Bild: ZDF)
  • Von Patrick Heidmann
    26. März 2021, 09:46h, noch kein Kommentar

Sich vorzustellen, alle Menschen um einen herum seien nackt – das dürfte dem einen oder der anderen durchaus bekannt vorkommen. Warum auch nicht, so etwas soll ja ganz gut gegen Nervosität helfen. Doch was, wenn man rund um die Uhr eigentlich an kaum etwas anderes denken kann als an nackte Leute und die sexuellen Aktivitäten, in die sie – und man selbst – involviert sind?

Genauso ergeht es der 24-jährigen Marnie (Charly Clive, eine wunderbare Neuentdeckung), und das schon seit Jahren. Ihre Gedanken sind nicht erotisch oder sexy, und unterdrücken lassen sie sich auch nicht. Viel mehr lösen sie Panik aus und sind Teil einer schweren psychischen Störung, die im Verlauf der bemerkenswerten und viel zu kurzen britischen Serie "Pure" (am Freitag, den 26. März ab 23 Uhr 40, alle sechs Folgen am Stück bei ZDFneo und anschließend in der ZDF-Mediathek zu sehen) schließlich als eine waschechte Zwangsstörung diagnostiziert wird.

Therapieversuch in einer queeren Bar

Bis es soweit ist, flieht Marnie allerdings erst einmal Hals über Kopf aus der schottischen Provinzheimat nach London, nachdem sie ausgerechnet am Hochzeitstag ihrer Eltern plötzlich Sex-Phantasien im Kopf hatte, in denen sogar Mutter und Vater eine Rolle spielten. Der erste Versuch, dort ihre Gedanken in den Griff zu bekommen, führt direkt in eine queere Bar und das Bett von Amber (Niamh Algar, die auch schon in Desiree Akhavans Serie "The Bisexual" zu sehen war). Es könnte schließlich sein, dass ihr "Problem" nur das Symptom einer Unterdrückung ihrer wahren sexuellen Identität ist.

Doch letztlich ist dieser Abstecher, bei dem Ambers Mitbewohner Joe (Anthony Welsh) eigentlich fast noch mehr ihr Interesse weckt, ebenso wenig hilfreich wie ein Treffen der Anonymen Sexsüchtigen, bei dem sie Charlie (Joe Cole, vergangenes Jahr in "Gangs of London" zu sehen) kennen lernt. Bis Marnie realisiert, dass sie nicht mit Alkohol, sondern nur mit professioneller Hilfe wirklich so etwas wie Kontrolle über ihren Alltag gewinnen kann, braucht es allerdings noch einige Abstürze und unangenehme Situationen.

Marnie will jeder zweiten Frau zwischen die Beine greifen

"Pure", geschrieben von Kirstie Swain und basierend auf dem gleichnamigen, autobiografischen Buch von Rose Cartwright, ist keine Serie über Queerness, denn Marnie stellt doch recht bald fest, dass zwanghafte Gedanken daran, wie sie jeder zweiten Frau zwischen die Beine greift, nicht automatisch heißen, dass sie nicht heterosexuell ist. Überhaupt ist auch Sex nicht das eigentliche Thema dieser lediglich sechs Folgen umfassenden (und leider nicht fortgesetzten) Staffel. Sondern es geht tatsächlich um eine erstaunlich offene und glaubwürdige Auseinandersetzung mit psychischen Erkrankungen und wie man mit ihnen leben kann.

Getragen von einem sehenswerten Ensemble (in dem auch Amber, Charlie und dem Rest von Marnies eklektischem Freundeskreis genug Platz eingeräumt wird) erinnert "Pure" mit all den Peinlichkeiten, die die Protagonistin erlebt. mitunter an "Fleabag" oder "Feel Good". Der Fokus der halbstündigen Episoden liegt letztlich allerdings mehr auf den dramatischen Aspekten der Thematik als auf dem (überwiegend düsteren) Humor. Abschrecken lassen sollte man sich davon auf keinen Fall, denn nicht zuletzt beim Abbau des Stigmas, das mit psychischen Erkrankungen und Zwangsstörungen aller Art oft einhergeht, leistet diese ungewöhnliche kleine Serie einiges.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zur Serie
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