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Deutsche Sprache

Genderstern wird nicht ins Amtliche Regelwerk aufgenommen

Die Verwendung von Sonderzeichen für eine geschlechtergerechte Sprache könne zu neuen Problemen und grammatisch nicht korrekten Lösungen führen, findet der Rat für deutsche Rechtschreibung.


Geschlechtergerechte Sprache ist mangels amtlicher Unterstützung oft noch auf Eigeninitiative angewiesen (Bild: Coyote III / wikipedia)

Der Genderstern wird bis auf weiteres nicht in das Amtliche Regelwerk der deutschen Sprache aufgenommen. Dies geht aus einem Zwischenbericht hervor, den der Rat für deutsche Rechtschreibung am Freitag in Mannheim beschlossen hat. Demnach will das Expertengremium die Entwicklung des Schreibgebrauchs zunächst weiter beobachten.

In dem Papier heißt es, der Rat wolle sich in seiner Bewertung geschlechtergerechter Schreibweisen an der Lesbarkeit und Verständlichkeit orientieren. Ziel sei es, "einem unkontrollierten Nebeneinander unterschiedlichster Variantenschreibungen entgegenzuwirken" und "die Einheitlichkeit der Rechtschreibung in allen deutschsprachigen Ländern zu erhalten".

Maßgebliche Instanz in Fragen der Orthografie

Immer mehr Unternehmen, Hochschulen, Stadtverwaltungen, Behörden und Medien verwenden neue sprachliche Formen wie etwa den Genderstern ("Student*innen") oder den Unterstrich ("Bürger_innen"). Damit sollen auch Menschen angesprochen werden, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen. Die Verwendung solcher Sonderzeichen kann laut Rechtschreibrat zu Folgeproblemen und grammatisch nicht korrekten Lösungen führen.

Seit 2004 ist der Rat für deutsche Rechtschreibung die maßgebliche Instanz in Fragen der Orthografie. Er hat rund 40 Mitglieder aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, dem Fürstentum Liechtenstein, der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Sitzungsort ist in der Regel das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim; dort ist die Geschäftsstelle des Rats. (cw/dpa)



#1 AtreusProfil
  • 27.03.2021, 10:34hSÜW
  • Wen interessiert es denn, was der Rat der Deutschen Rechtschreibung dazu zu sagen hat? Wer möchte gendert, verbal und schriftlich im Privatleben, wer nicht möchte, lässt es eben. Wo bitte ist das Problem? Wer bekommt es überhaupt mit, wenn ich gendere? Lächerlich den Menschen vorschreiben zu wollen, ihre Aussprache oder Schrift zensieren zu wollen.
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#2 KMBonnProfil
  • 27.03.2021, 11:09hBonn
  • Ich bin sehr erleichtert, dass dieses Konstrukt nicht in das Regelwerk aufgenommen wird. Als schwuler Verleger und Autor (Fantasyliteratur) in Büchern demnächst Werwölf*innen etc. zu nutzen ... nee, das steht nicht zur Diskussion.

    Und wir haben im Verlag entschieden, auch Manuskripte von Autoren, die in ihren Büchern unbedingt gendern wollen, nicht anzunehmen.
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#3 Ralph
  • 27.03.2021, 11:56h
  • Antwort auf #2 von KMBonn
  • Ich hab gerade mal nach dem Zufallsprinzip irgendeinen Roman aus meiner Bibliothek geholt, ihn an beliebiger Stelle aufgeschlagen und ohne hinzusehen auf einen Satz getippt. Er würde nach Sternchenrechtschreibung lauten:

    Alte Beamt*innen wurden ihrer Stellen entsetzt, weil ein*e neue*r Bewerber*in ihr Amt höher bezahlte.

    (Lion Feuchtwanger, Jud Süß, S. 27 in der Taschenbuchausgabe von Fischer)

    Nee... so was möchte, so was kann ich nicht lesen.
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#4 KaiJAnonym
#5 KaiJAnonym
#6 Ralph
  • 27.03.2021, 14:06h
  • Antwort auf #5 von KaiJ
  • In der Tat - wenige Zentimeter daneben und ich hätte den Namen der Rose gegriffen, einen Roman, den man aus naheliegenden Gründen nicht gendern kann. Ich bin mal zu einem anderen Regal gegangen und habe (auch zufällig) Daphne du Mauriers´"Meine Cousine Rachel" gezogen und dieses Mal nicht irgendwo reingetippt, sondern einfach den Beginn gelesen - gegendert hieße es da:

    Wenn jetzt ein*e Mörder*in sein*ihr Verbrechen sühnt, so tut er*sie es in Bodmin nach gerechter Verhandlung vor dem Schwurgericht. Das heißt, wenn das Gesetz ihn*sie für schuldig erklärt, ehe sein*ihr eigenes Gewissen ihn*sie umbringt.

    Dritter und vierter Satz des Romans. Ich glaube, das bedarf keines Kommentars.
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#7 NonBinaryEhemaliges Profil
  • 27.03.2021, 14:35h
  • Oh ja, die Angst vor "Folgeproblemen". Die gab es ja auch bei der Ehe für Alle: demnächst könnten die Leute noch auf die Idee kommen, ihre Haustiere zu heiraten etc. Überhaupt, alles, was Menschen eigenständig tun, ist dem deutschen Kontrollwahn suspekt.

    Außerdem gerät dann natürlich die Vormachtstellung der Männer in Gefahr - ihr Privileg, als Einzige immer und überall genannt zu werden, wohingegen alle anderen unter Ferner Liefen eingeordnet werden.

    Mir ist schon klar, dass diese männliche Angst vor Kontroll- und Exclusivitätsverlust ganz, ganz schrecklich sein muss. Aber es wird eine Zeit geben (ich werde sie nicht mehr erleben), in der man über die heutige, auch sprachliche Vormachtstellung der Männer nur noch den Kopf schütteln wird.

    Sofern der Homo "sapiens" sich nicht vorher schon mit Hilfe hausgemachter Zoonosen oder auch der Klimakatastrophe selbst ausgerottet hat.
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#8 zundermxeAnonym
  • 27.03.2021, 14:35h
  • Vielleicht müssen/dürfen wir uns daran gewöhnen zu denken bevor wir schreiben oder reden.
    Wo macht was Sinn und ist angemessen?!
    Wer einfach (e Regeln) will, wird das Leben nie kurz, knapp und wenigstens einigermaßen treffend in ein paar Worte fassen können.
    Kategorisch für oder gegen Gender- gerechte Rechtschreibung und Sprache zu sein, finde ich aktuell noch sehr problematisch. Wobei ich persönlich deutlich mehr Sympathie für das erstere habe und stark hoffe, dass sich das ohne weiteren Kulturkampf ganz entspannt durchsetzten wird.
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#9 Svetlana LAnonym
  • 27.03.2021, 14:46h
  • Antwort auf #2 von KMBonn
  • "...nee, das steht nicht zur Diskussion.

    Und wir haben im Verlag entschieden, auch Manuskripte von Autoren, die in ihren Büchern unbedingt gendern wollen, nicht anzunehmen."

    Ganz schön ausgrenzend! Das heißt dann auch, dass es in deinen "Werken" keine nichtbinären Personen geben wird?

    Wie lange will dieser Rechtschreibrat eigentlich noch beobachten? Wir haben seit einigen Jahren die "Dritte Option" - für mich ist es selbstverständlich, dass auch Menschen, die sich nichtbinär verorten, in irgendeiner Weise sprachlich berücksichtigt werden müssen. Da haben wir bislang nur *, _ oder :, was ja in meinen Augen nur der Anfang sein kann, denn damit gibt es noch immer keine Pronomen für enbies.
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#10 YannickAnonym
  • 27.03.2021, 15:27h
  • Das ist ja auch vollkommen richtig so, dass das nicht ins amtliche Regelwerk übernommen wird. Denn es behindert ja nicht nur den Lesefluss, sondern ist sachlich falsch und übrigens auch diskriminierend.

    Natürlich kann jeder das weiter verwenden, wie er will. Genauso wie auch jeder nach Belieben andere Rechtschreibfehler in seine Texte einbauen darf. Aber es bleiben halt Fehler.
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