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Eurovision

"Verstoß gegen Regeln": Belarus vom ESC ausgeschlossen

39 Länder gehen beim Eurovision Song Contest im Mai an den Start. Belarus ist diesmal nicht dabei. Der Song instrumentalisiere den Wettbewerb, sagen die ESC-Verantwortlichen.


Die weißrussische Band Galasy ZMesta wird nicht nach Rotterdam fahren (Bild: Promo)
  • Von Christian Thiele, dpa
    28. März 2021, 16:27h, 5 Kommentare

Der Eurovision Song Contest (ESC) geht in diesem Jahr ohne Belarus (Weißrussland) über die Bühne. Die Europäische Rundfunkunion schloss das autoritär geführte Land aus, weil auch das zweite eingereichte Lied nicht den Regeln des Musikwettbewerbes entspreche und nun eine erweiterte Einreichungs-Deadline verstrichen sei. Beim 65. ESC im Mai in Rotterdam gehen damit nun 39 Länder an den Start.

Der Rauswurf sorgte am Wochenende bei den Offiziellen in Minsk für Empörung. Der Ausschluss sei politisch motiviert, hieß es. Erst am Samstag gab es bei Protesten in Belarus gegen Machthaber Alexander Lukaschenko mehr als 200 Festnahmen.

Die frühere Sowjetrepublik wollte die Band Galasy ZMesta ins Rennen schicken. Schon deren erster eingereichter Song "Ja nauchu tebja" ("Ich werde dir beibringen") wurde kurzerhand von den ESC-Verantwortlichen einkassiert. Der Vorwurf: Das Lied stelle "den nicht-politischen Charakter des Wettbewerbs infrage". Es hatte Beschwerden gegeben, weil der Song mit Zeilen wie "Ich werde dir beibringen, nach der Melodie zu tanzen" in den Augen vieler Menschen die Protestbewegung gegen Lukaschenko verhöhnt.

Auch zweiten Song abgelehnt

Belarus bekam eine zweite Chance, um doch noch beim ESC dabei sein zu können – und sollte ein anderes Lied einreichen. Doch auch das fiel durch. Es verstoße gegen die ESC-Regeln, die sicherstellten, "dass der Wettbewerb nicht instrumentalisiert oder in Verruf gebracht wird", hieß es in einer am Freitagabend veröffentlichten Erklärung der Europäischen Rundfunkunion (EBU). Details zu den beanstandeten Lyrics wurden nicht genannt. Das zweite Lied handelt unter anderem von einem Fuchs, der einen Hasen fraß und wenig später in einer Schlinge gefangen wurde.

"Die Entscheidung, uns auszuschließen, ist politisch motiviert", sagte der Chef der Nationalen Staatlichen Fernseh- und Rundfunkgesellschaft von Belarus, Iwan Ejsmont, der Staatsagentur Belta zufolge. Die ESC-Verantwortlichen seien von "Politikern und Hassern in sozialen Netzwerken" unter Druck gesetzt worden. Die Band selbst zeigte sich entsetzt und sprach von einer "absoluten Schande": "ESC-Freunde, es war uns eine große Freude, diese Farce zu sehen."

Die Gruppe Galasy ZMesta unterstützt Lukaschenko

Im vergangenen Jahr gab es über Monate Massenproteste gegen Lukaschenko nach der weithin als gefälscht geltenden Präsidentenwahl am 9. August. Der als "letzter Diktator Europas" kritisierte Staatschef hatte sich nach 26 Jahren an der Macht mit 80,1 Prozent der Stimmen erneut zum Sieger erklären lassen. Die EU erkennt ihn nicht mehr als Präsidenten an. Zehntausende Menschen wurden festgenommen. Viele von ihnen kritisierten massive Polizeigewalt.

Die Gruppe Galasy ZMesta unterstützt Lukaschenko. Wenn man versuche, "das Land zu zerstören, das wir lieben und in dem wir leben, können wir nicht gleichgültig bleiben", schrieb die Gruppe auf ihrer Homepage. Der ESC wird dieses Jahr zwischen dem 18. und 22. Mai in Rotterdam ausgetragen. Der Wettbewerb war im Vorjahr wegen der Corona-Pandemie erstmals in seiner Geschichte ausgefallen. Diesmal werden unterschiedliche Konzepte vorbereitet, mit denen es in jedem Fall eine Show mit Voting geben wird (queer.de berichtete).

Jendrik Sigwart vertritt Deutschland


Jendrik Sigwart (Bild: NDR)

Deutschland wird diesmal vom schwulen Sänger Jendrik Sigwart und seinem Lied "I Don't Feel Hate" vertreten (queer.de berichtete). Der 26-Jährige hatte sich in einem mehrstufigen Auswahlprozess gegen mehr als 150 Konkurrent*innen durchgesetzt. Die zuletzt größten deutschen Erfolge hatten Michael Schulte mit einem vierten Platz 2018 und Lena mit dem Sieg 2010 eingefahren.

Ärger droht indes der Musikerin Manizha, die Russland beim Wettbewerb mit dem Lied "Russian Woman" ("Die russische Frau") vertritt. Wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die Würde russischer Frauen prüft das russische Ermittlungskomitee, eine dem Präsidenten unterstellte Staatsanwaltschaft, den Song derzeit. Manizha selbst wies diese Vorwürfe vehement zurück. Die im zentralasiatischen Tadschikistan geborene Sängerin zeigt sich nicht nur mit Frauenrechtsbewegungen solidarisch, sondern etwa auch mit Lesben und Schwulen in Russland (queer.de berichtete). Vor allem aus konservativen Kreisen gab es deshalb Kritik an der Wahl Manizhas.

teaserbild
(39 Videos) Alle Videos der Beiträge zum Grand Prix am 22. Mai in Rotterdam.



#1 PetterAnonym
  • 28.03.2021, 17:15h
  • Die Regeln sind jedem bekannt und wer dagegen verstößt, wird disqualifiziert. So ist das eben.
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#2 DramaQueen24Ehemaliges Profil
  • 29.03.2021, 01:44h
  • Antwort auf #1 von Petter
  • Manche Länder nutzen den Wettbewerb für Propaganda. Und, wenn das auffällt, geben sie sich als Opfer des ach so bösen und verdorbenen Westens.
    Erinnert Ihr Euch noch, als Conchita Wurst antrat, und die Dreistigkeit besaß, auch noch zu gewinnen? Wie die in Russland und anderen Ostblockstaaten durchdrehten?
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#3 WhityAnonym
  • 29.03.2021, 07:30h
  • Antwort auf #2 von DramaQueen24
  • Ja, auf jeden Fall.
    Und ich erinnere mich auch, dass in Deutschland die Jury nicht musikalisch argumentiert hat, warum man ihr weder Punkte noch den Sieg geönnt hat. Und es ist für mich auch immernoch ein Unding, dass in deutschen Radiosendern weit mehr der zweitplatzierte Titel aus den Niederlanden gespielt wurde als der Siegertitel, was ja auch ein sehr deutliches Statement ist.
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#4 MichaProfil
  • 29.03.2021, 08:32hMünchen
  • Antwort auf #3 von Whity
  • Das ist doch nicht immer Absicht, um einen Song zu bashen, sondern liegt vielleicht auch an Radioeingänglichkeit eines Songes. Calm after the storm ist vermutlich auch kommerziell erfolgreicher und beliebter gewesen als Rise like a phoenix. Der Siegertitel von 2016 (1944 von Jamala) wurde wegen seiner Sperrigkeit kaum gespielt, während das harmonischere If I were sorry von Frans (Platz 5) oft im Radio lief.
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#5 Julian 80Anonym
  • 29.03.2021, 09:19h
  • Antwort auf #3 von Whity
  • Ja, ich erinnere mich noch gut, dass Conchita in Deutschland beim Zuschauer-Voting auf Platz 1 war, aber bei der deutschen Jury nur ziemlich weit hinten. Weswegen sie dann auch aus Deutschland nur eine mittlere Punktzahl bekommen hatte.

    Und die Jury laberte dann irgendwas von "Fanden wir auch toll, aber..." und dann kamen zig Ausreden, warum man ihr so wenig Punkte gegeben hatte, die aber alle nichts mit der Musik zu tun hatten.

    Noch deutlicher kann sich eine Jury nicht selbst disqualifizieren.
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