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Rheinland-Pfalz

Ditib: Rücktritt nach Einladung von türkischem Homohasser

Ein geplanter Vortrag des extrem queerfeindlichen Historikers Ahmet Simsirgil beim rheinland-pfälzischen Moscheeverein Ditib sorgte für heftige Kritik. Nun trat der Landeschef zurück.


Ahmet Simsirgil ist Professor für osmanische Geschichte an der Marmara-Universität in Istanbul (Bild: Sayın14 / wikipedia)

Nach massiver Kritik an der Einladung eines türkischen Historikers hat der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende des Moscheevereins Ditib seinen Rücktritt erklärt. Als Landesvorsitzender trage er die volle Verantwortung für die Einladung "einer Person wie Ahmet Simsirgil, der in seinen Texten und Äußerungen offene Hetze" betrieben habe, erklärte Yilmaz Yildiz am Samstag.

Der stellvertretende Landesvorsitzende Cihan Sen sagte am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur, der Landesvorstand werde nun über die personelle Neuaufstellung beraten. Mit dem Rücktritt bekräftige Ditib Rheinland-Pfalz das Bekenntnis zur Fortführung des Dialogs mit der Landesregierung auf dem Weg zu einem Grundlagenvertrag mit vier islamischen Verbänden.

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Simsirgil: Westen will Türkei mit Homosexualität "infizieren"

Simsirgil werden extrem queerfeindliche und antisemitische Aussagen vorgeworfen. Erst vor einer Woche verteidigte er etwa den Ausstieg der Türkei aus der Istanbul-Konvention (queer.de berichtete). Der Westen habe durch den völkerrechtlichen Vertrag versucht, die Türkei mit der angeblich von ihm finanzierten "LGBT-Lobby" zu infiltrieren, sagte er bei einem Auftritt im türkischen Fernsehen. Dadurch würden Familienstrukturen zerstört und Homosexualität verbreitet. "Wenn sie die Türkei mit dieser Krankheit infizieren, dann fällt damit auch die gesamte islamische Welt", warnte Simsirgil. Auf seinem Youtube-Kanal gibt es ein Video mit dem Titel "Vatikan – Zentrum der Homosexualität". Die Tageszeitung "Welt" hatte als erstes Medium über die Einladung Simsirgils berichtet.

Wegen der von Ditib nach heftiger Kritik schließlich zurückgenommenen Einladung des Historikers wurde die rheinland-pfälzische Landesregierung erstmals seit der Unterzeichnung von Zielvereinbarungen am 1. April 2020 bei einem der vier islamischen Verbände vorstellig und forderte eine Stellungnahme an. "Vom eingeladenen Gast sind öffentliche Äußerungen bekannt, die im klaren Gegensatz zu dem in der Zielvereinbarung geschlossenen Verständnis stehen", erklärte ein Sprecher des zuständigen Kulturministeriums. Nach der Stellungnahme von Ditib werde die Landesregierung entscheiden, "welche Konsequenzen sie für den Zielvereinbarungsprozess aus diesem Vorgang ableitet".

CDU-Landeschefin Klöckner begrüßt Rücktritt

CDU und AfD haben gefordert, den Prozess der Zielvereinbarung mit Ditib zu beenden. Im Herbst will die Landesregierung die Einhaltung der vereinbarten Grundsätze prüfen und dann über eine Fortsetzung der seit 2016 unterbrochenen Verhandlungen über einen Grundlagenvertrag entscheiden. Dieser soll Regelungen zu islamischen Feiertagen, zum islamischen Religionsunterricht und zu neu zu schaffenden Professuren für islamische Religionspädagogik enthalten.

Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner bezeichnete den Rücktritt von Yildiz als richtig. "Aber wie sieht es mit seinen Mitstreitern aus? Eine solche Einladung eines so umstrittenen Predigers kann sicher kein Alleingang gewesen sein", betonte die Bundesagrarministerin. Ein Verband, der einen Prediger mit offener Hetze einlade, habe "offensichtlich ein Problem mit dem Werteboden unserer Verfassung". Die Landesregierung sollte nicht weiter damit warten, die Zusammenarbeit mit dem Moscheeverein Ditib zu beenden.

Bei Ditib komme immer wieder der türkische Staatspräsident Erdogan zum Vorschein, kommentierte der Grünen-Politiker Volker Beck auf Twitter. "Es ist immer das Gleiche. Auf Nachfragen nicht reagieren. Erscheinen Presseartikel wird bedauert und zurückgerudert und zuweilen zurückgetreten und dann geht das von vorne los." (cw/dpa)

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#1 AtreusEhemaliges Profil
  • 29.03.2021, 08:41h
  • Ich hoffe sehr, dass ich nicht der einzige bin, der die Aussage als vollkommen gestört empfindet, mit einem Rücktritt etwas "bekräftigen zu wollen", nachdem man im vollen Bewusstsein um die Person und seine Aussagen einen Volksverhetzter einlud und darin keinerlei Problem erkannt hat. Das Problem für die Ditib besteht einzig und allein in dem Unglück freier deutscher Presse, die ihre Machenschaften anders als in der Türkei nicht lobpreist, sondern kritisiert und aufdeckt. Ich fürchte nur, dass nur wenige Prozent solcher Fälle publik werden.

    Dass man als Landesregierung überhaupt mit einem politisch auf Linie gebrachten Verband und Organ des Diktators Erdogan paktiert, der sogar für Erdogans Angriffskrieg auf Syrien unter Hilfenahme islamistischer Terrormilizen betete, ist für mich unbegreiflich. Die Krönung ist die teilweise Einbeziehung der Ditib in die Gestaltung des Religionsunterrichts.
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#2 Julian 80Anonym
  • 29.03.2021, 09:08h
  • >>>>> Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner [...] Ein Verband, der einen Prediger mit offener Hetze einlade, habe "offensichtlich ein Problem mit dem Werteboden unserer Verfassung". <<<<<

    >>>>> Grünen-Politiker Volker Beck auf Twitter. "Es ist immer das Gleiche. Auf Nachfragen nicht reagieren. Erscheinen Presseartikel wird bedauert und zurückgerudert und zuweilen zurückgetreten und dann geht das von vorne los." <<<<<

    Ich kann mich der Kritik von Frau Klöckner und Herrn Beck nur anschließen:

    Ditib fährt immer dieselbe Masche:
    Immer wieder zeigen sie, dass sie ein Problem mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundpresse haben. Und wenn dann mal in einzelnen Fällen die mediale Aufmerksamkeit zu groß wird, gibt es ein Bauernopfer. Und wenn das Thema dann aus der Öffentlichkeit raus ist, macht man weiter wie bisher...

    Die erklären uns mit einem Lächeln im Gesicht, unsere Freunde zu sein, aber das ist nur Teil der Taktik, die ganz anderes erreichen soll.

    Man sollte endlich jegliche Zusammenarbeit mit diesem Verein beenden. Es gibt genug Islamverbände, die auf dem Boden unseres freiheitlich-demokratischen Rechtsstaats stehen und mit denen man zusammenarbeiten kann.
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#3 FinnAnonym
  • 29.03.2021, 09:29h
  • "Dieser soll Regelungen zu islamischen Feiertagen..."

    Nein danke.

    Wir haben schon genug christliche Feiertage, wo Freiheitsrechte eingeschränkt werden (z.B. das Musik- und Tanzverbot an den stillen Feiertagen). Da müssen wir das nicht auch noch für andere Religionen einführen.

    Wenn Gläubige an diesen Tagen im stillen Kämmerlein sitzen wollen, sollen sie das ruhig. Aber dann kann man doch nicht anderen, die das nicht wollen und vielleicht nicht mal Angehörige dieser Religion sind, das ebenfalls aufzwingen.

    Zu einer Trennung von Staat und Kirche als Voraussetzung für eine freiheitliche Demokratie gehört, dass Religion Privatsache ist. Da kann jeder seinen Glauben leben, aber der Staat hat niemandem vorzuschreiben, dass man an bestimmten Tagen nicht einkaufen, nicht singen, nicht tanzen, etc. darf.
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