Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?38477

Primetime-Krimi

Kritik an Gender-Trouble-"Tatort"

Der Wiener "Tatort" über einen queeren Psychokiller entzweit das Publikum: LGBTI-Aktivist*innen halten den Fernsehfilm für problematisch.


Im Ersten gruselte sich das Publikum in der Sonntagsprimetime vor einem queeren Monster (Bild: ARD)

Fördert die am Sonntagabend bei ARD und ORF ausgestrahlte österreichische "Tatort"-Folge "Die Amme" Transphobie? Queere Aktivist*innen warnen davor, dass die Ausstrahlung Folgen für geschlechtliche Minderheiten haben könnte. Der Krimi handelt vom zwielichtigen Janko (Max Mayer), der in Frauenkleidern Prostituierte tötet (queer.de berichtete).

"Wenn trans*Frauen ab morgen wieder verstärkt mit Angst begegnet [wird, sie] als Psychopathinnen bezeichnet werden, dann hat das auch was mit diesem Tatort zu tun", mutmaßte etwa der Berliner SPDqueer-Landeschef Alfonso Pantisano auf Twitter. Pantisano erklärte angesichts der anhaltenden Debatte um die Reform des Transsexuellengesetzes davor, der "Tatort" trage dazu bei, "dass trans*Menschen weiter stark pathologisiert gelesen werden".

Twitter / Pantisano
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Twitter / Pantisano
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Aus diesem Grund schrieb Sebastian Kropp, der Chef der SPDqueer Oberfranken, einen Brief an ARD und ORF, in dem er eine Entschuldigung für den "Tatort" forderte. Die beiden Sender sollten klarstellen, "dass queere Personen nicht psychisch krank und kriminell sind und dies beim Täter in der oben bezeichneten Folge in keinem Zusammenhang zueinander steht".

dgti: "Tatort" verstärkt Ressentiments

Auch die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (dgti) sieht die "Tatort"-Folge kritisch. In einem Brief an die ARD kritisierte der Verband: "Die Darstellung entspricht in keiner Weise der gesellschaftlichen Gegebenheit und ist geeignet, die verbreitete Ressentiments, wie sie seit vielen Jahrzehnten bestehen, zu verfestigen und zu legitimieren." Zwar sei der "Tatort" in erster Linie eine Unterhaltungssendung und müsse den Ansprüchen und Gegebenheiten dieses Genres genügen, "doch müssen, seiner herausragenden Stellung in der Sendelandschaft und dem exponierten Sendeplatz geschuldet, noch andere Gesichtspunkte berücksichtigt werden". Zumindest hätte es einer "geeigneten redaktionellen Einbettung" bedarft. Die dgti sieht den 90-minütigen Krimi als Volksverhetzung an und mutmaßt, dass der Film bald im "Giftschrank" landen werde.

Tatort – Trans* Feindlichkeit durch Framing: Bei ARD und DEGETO, den Produzenten der "Tatort" Reihe hieß es am Samstag:...

Posted by Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. on Sunday, March 28, 2021
Facebook / Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Das vom Lesben und Schwulenverband entsandte ZDF-Fernsehratsmitglied Jenny Luca Renner sieht den "Tatort" ebenfalls kritisch: "Für die mit Queerness ungeschulten Zuschauenden konnte der Eindruck entstehen, dass trans Frauen männlich gelesene Personen sind, die sich Kleider an ziehen, Kinder entführen und deren Mütter umbringen bzw. versuchen, diese umzubringen", so die LGBTI-Aktivistin am Montag auf Facebook. Sie warnte vor stereotypischen Darstellungen, die gerade vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufgebrochen werden müssten.

Meine Gedanken zum gestrigen #Tatort ? Die Ausgewogenheit ist das Problem Zur besten Sendezeit zeigte die ARD gestern...

Posted by Jenny Luca Renner on Monday, March 29, 2021
Facebook / Jenny Luca Renner
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Auch wenn der Fernsehfilm als handwerklich gut gemacht beschrieben wird, sehen auch einige Medien "Die Amme" kritisch: So heißt es in einem Meinungsbeitrag für "Deutschlandradio Kultur", dass es problematisch sei, wenn ein Mann in Frauenkleidern als das personifizierte Böse dargestellt werde: "Die Bösartigkeit, der Sadismus dieser Figur stehen im Zusammenhang mit dem Crossdressing. Hier ist niemand fluide, will non-binär gelesen werden oder als Dragqueen reüssieren – das Hin und Her zwischen den Geschlechterbildern ist vielmehr die Wurzel allen Übels." Damit wirke "Die Amme" wie ein "Relikt aus ferner Zeit" – als Vorbilder werden Anthony Perkins in Hitchcocks "Psycho" (1960), Michael Caine in "Dressed to Kill" (1980) oder der Buffalo-Bill-Charakter in "Das Schweigen der Lämmer" (1991) genannt. Dies seien "Beispiele dafür, dass Männer, die Frauen sein wollen, aber ihren Gender Trouble nicht gebacken kriegen, Psychopathen werden müssen".

Twitter / HoffFex | Auf Twitter machen mehrere Nutzer*innen ihrem Unmut Luft
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Andere Medien zeugen dem Film dagegen Respekt, weil er dem Zeitgeist widerstehe. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", die schon mal vor angeblicher Transgenderpropaganda in Kitas warnte, heißt es etwa über die Hauptfigur: "Eine solche Figur auf der Grenze zwischen den Geschlechtern, die offenbar aus einer tiefgreifenden Störung heraus handelt, womöglich schwere kindliche Traumata erlitten hat und im Rausch dem Wahn verfällt, ist eine riskante Entscheidung in Zeiten, in denen Institutionen und Aktivisten sich überschlagen mit Vorgaben für gendersensibles Sprechen und die gesellschaftliche wie künstlerische Repräsentation von Trans-Identitäten." Die Autorin behauptet jedoch, dass der Bösewicht "ganz offensichtlich nicht der LGBTQ-Welt und ihren Weiterungen" angehöre.

Queere Aktivist*innen kritisieren bereits seit Jahrzehnten, dass es verwerflich von Filmemacher*innen sei, sich mit trans Menschen ausgerechnet eine besonders gefährdete Gruppe als mutmaßliches Hassobjekt auszusuchen. So litten geschlechtliche Minderheiten mehr als andere Mitglieder der LGBTI-Community unter Ausgrenzung, was sehr häufig zu Depressionen und sogar zu Selbstmordversuchen führe. Negative Darstellungen in Medien verstärkten die Verteufelung von nicht-cissexuellen Menschen. (dk)

11.15 Uhr: Ergänzt um Aussage von Jenny Luca Renner

Wöchentliche Umfrage

» Ist es okay, trans Menschen so wie in "Tatort: Die Amme" darzustellen?
    Ergebnis der Umfrage vom 29.03.2021 bis 05.04.2021


#1 geschautAnonym
  • 29.03.2021, 10:40h
  • Der Täter ist ein Mann und das ändert sich auch nicht, wenn er bei seinen Taten die Mutter der Kinder mimt.
    Ich würde ihn nicht mal queer nennen, geschweige denn Trans.
    Die Aufregung ist m.E. unnötig.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 SakanaAnonym
  • 29.03.2021, 10:54h
  • Ich habe den "Tatort" ebenfalls gestern angeschaut und fand ihn unterirdisch, was die Darstellung des Täters anbetraf. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass so eine Darstellung bei Zuschauern Abwehrhaltungen gegen transsexuelle und transidente Menschen auslöst....Einer meiner Mitschauer stellte dann auch gleich die Frage, ob man die Person jetzt als "Transe" bezeichnen müsse, woraufhin ich die Person korrigierte und darauf hinwies, dass das T-Wort ein verletzender transfeindlicher Terminus wäre, der zu unterlassen wäre.
    Deshalb hoffe ich, dass diese "Tatort"-Folge im Giftschrank verschwindet.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Taemin
  • 29.03.2021, 10:57h
  • Antwort auf #1 von geschaut
  • Jein. Wir müssen bedenken, dass Unbelehrbare eine Sicht auf Transfrauen haben und verbreiten, die ziemlich genau diesem Bild entspricht: Da verkleiden sich Männer als Frauen, um auf Damentoiletten Frauen zu belästigen, im Frauensport Sieger zu sein, Kinder zu belästigen usw. usf. Dieses Bild schwankt zwischen lächerlicher Witzfigur und gefährlichem Unhold. - Übrigens sollte die Frage beantwortet werden, weshalb hier überhaupt ein "Mann in Frauenkleidern" Verbrechen begehen muss. Konnte der Täter sich nicht anders kostümieren, z.B. als Pfarrer, Polizist, Sanitäter oder in irgendeinem anderen scheinbar Vertrauen erweckenden Gewand? Weshalb musste das Drehbuch unbedingt eine echte oder vermeintliche, jedenfalls beim Großteil des Publikums im Gedächtnis bleibende Nähe zu Transfrauen suchen?
  • Antworten » | Direktlink »
#4 HexeAnonym
  • 29.03.2021, 11:11h
  • Wer das hier gezeigte relativiert hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.
    Transmenschen werden seit es bewegte Bilder gibt praktisch immer gleich dargestellt: Als tote Prostituierte oder als pathologische Mörder.
    Positve (Deutsche) Vorbilder sind sehr selten. Selbst wenn der ungeschickte Versuch besteht, ein "respektvolles" Portrait zu erstellen, liegt der Fokus doch immer nur auf Operationen und Geschlechtsteilen.

    Das ganze hat System: Transmenschen werden entweder unsichtbar gemacht oder pathologisiert.

    Und Teile der Community tragen da leider auch eine Mitschuld dran, da sie sich einer Sensibilisierung und Weiterbildung verweigern.

    Die Kommentare im Artikel davor und auch die die hier erfolgen werden, werden es beweisen.

    Ich bin froh das es noch aktive Leute gibt die Position beziehen und auf diesen Missstand aufmerksam machen. Ihnen gilt an dieser Stelle ein großer Dank!

    Wer sich aber hinstellt und wieder nichts verstanden hat, aber eine "Meinung" vertritt, sollte besser zu Transthemen schweigen und mal reflektiere, wie es anders herum sein könnte? Man stelle sich vor Transmenschen würden Homophobie relativieren. Wer ist hier wessens Ally?

    Alles eine Frage der Privilegien.

    Solidarität wäre mal angebracht. Einfach mal annehmen: Diese permanente Darstellung als Freak, Mörder, Toilettenvergewaltiger oder Opfer ist verletztend und hat schwere folgen für Betroffene.

    Wer das nicht verstehen WILL, ist schlicht empathielos oder ein A.

    Herzsmiley.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 StaffelbergblickAnonym
  • 29.03.2021, 11:34h
  • OMG ... was soll diese Diskussion über eine Tatortfolge. Tatort ist Fiktion. Keine Realität. Früher als "Schimanski" noch maskulin durch Essen oder wo auch immer zog ... war das das reale Abbild von kriminalistischer Arbeit? Lena Hodental wohnt mit ihrem italienische Ermittlerkollegen quasi zusammen und treffen am Schluß auf "Ausseriridische". In anderen Folgen wohnen alle extrem luxuriös. Auch der inhaltliche Nebenaspekt .... dass etliche Ermittler private/psychische Probleme haben, geht mir gewaltig auf den Senkel. Solche Leute gehören von diesen Aufgaben entbunden. Und dann immer nur Mord ... Kriminalfälle sind mehr als nur Mord. Warum nicht mal einen Tatort über massenweise Diebstähle von hochpreisigen Mountainbikes durch rumänischen Banden usw ... Gut wäre zu langweilig.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 KumpelAnonym
  • 29.03.2021, 11:36h
  • Antwort auf #3 von Taemin
  • Genau das ging mir beim anschauen des Krimis ständig im Kopf herum, wieso dieser vollkommen abgedrehte schräge Typ Frauenkleider trägt? Aber ich erwähnte es schon. Das Drehbuch ist einfach grottenschlecht und eine Beleidigung Trans Frauen gegenüber.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Sam83Anonym
  • 29.03.2021, 11:44h
  • Ich hatte in den letzten Monaten viel Zeit Krimis zu schauen und hierbei ist doch eines klar: Mal ist der Mörder Schwul, mal Bi, mal Trans, meistens Hetero. Dann gibt es deutsche Mörder, Türken, Araber, Spanier. Menschen mit Behinderung greifen zum Messer oder zur Waffe. Genauso wie der arbeitslose Junkie, die hilfsbereite Sozialarbeiterin oder der studierte Professor. Je nach Drehbuch, je nach Autor. Ein Krimi, ein Film, eine Fiktion. Das bei diesen Fiktionen oftmals polarisierende Themen hergenommen werden, ist auffällig und womöglich gewollt. Man kann, muss und darf darüber mit Sicherheit im Anschluss auch diskutieren.

    Was aber mindestens genauso auffällig ist, ist der tägliche "Twitter & Co - Aufschrei" von Politikern. Mir kommt das oftmals sehr künstlich daher. Es geht hier um einen Film. Mir wäre es lieber, die Politiker würden ihre Energie in ihre reelle Arbeit setzen. Da gibt es genug Arbeit, auch im LGBTQ-Bereich. Ich habe eine Trans-Nachbarin. Ich käme nie auf die Idee, ihr ab heute mit dem Gedanken "oh, die böse Mörderin" zu begegnen. Vielleicht bin ich aber als Jahrgang 1983 auch noch von der "alten Schule", der durchaus einen Tatort-Krimi vom realen Leben unterscheiden kann.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 TERFieAnonym
  • 29.03.2021, 12:00h
  • Mag sein, dass ein Film Fiktion darstellen muss - allerdings bleibt die Frage: Warum braucht es die Figur eines Mannes in Frauenkleidern, wenn es nicht das Ziel des Films ist, ein Stereotyp zu bedienen?
    Und wie die TERF-Diskussion (Rowling und andere) zeigt, wird immer wieder das Klischee hochgekocht, dass Transgender in Umkleidekabinen für Frauen zu einer Gefahr werden können - eine bestimmte rechtsextreme Partei im Bundestag fördert solche Klischees sehr bewusst.
    Wenn nun ein Film diese Klischees aufgreift, dann verstärkt er sie letztlich (unabhängig davon, ob jemand eine trans-Person persönlich kennt oder nicht).
    Und wenn man sieht, wie seit Jahren Betroffenen das Leben schwer gemacht wird und sich konservative Parteien weigern, die Begutachtung abzuschaffen und das TSG durch ein modernen Personenstandsgesetz zu ersetzen, dann bekommt man mit: Auch da kommen solche Klischees von Missbrauch sogar bei Politikern als Argument zum vorschein.
    Insofern sollte so ein Film möglichst schnell in die Mottenkiste.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 KaiJAnonym
  • 29.03.2021, 12:05h
  • Es ist wie immer bei diesen zwielichtigen Tatorten. Realitätsverfälschend, reaktionäre Klischees festigend etc. sind sie. Als Unterhaltung "entschuldigt" fördern sie gesellschaftlichen Rollback. Und die Wirkung dürfte beträchtlich sein, da sie bei einer Unterhaltung ziemlich unkritisch verinnerlicht wird. Und es geht bei den Tatorten seit Jahrzehnten so. Manchmal wird Kritik geübt und nach pseudoargumentativen Gegenreaktionen bleibt
    alles beim Alten. Die Tatorte setzen ihr diskriminierendes Werk fort. Es wird Zeit, dass diese konsequent angegangen werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Teddy63Ehemaliges Profil
  • 29.03.2021, 12:17h
  • Antwort auf #1 von geschaut
  • >> Ich würde ihn nicht mal queer nennen, geschweige denn Trans.
    Die Aufregung ist m.E. unnötig. <<

    Ich habe diese Figur auch nicht als queer bzw. trans empfunden, dennoch hatte ich schon, noch bevor ich den Film sah, große Bedenken zur Wirkung der Story auf die allgemeine Wahrnehmung queerer Menschen in unserer Gesellschaft, weil hier die Unterscheidungsfähigkeit oft eingeschränkt ist und die Bilder bekannte Vorurteile transportieren und festigen. Ich weiss von einer mir bekannten trans*Frau, dass sie oft aus weit verbreiteter und engstirnig heteronormativer Sicht als "Mann in Frauenkleidern" gesehen und gelesen wird. Die in weiten Teilen der Bevölkerung vorhandene Unwissenheit in Verbindung mit Vorurteilen zur Lebenswirklichkeit von trans*Menschen, (auch ich als schwuler Mann habe da sicher noch Lerndefizite), wird durch stereotype Bilder wie sie der Tatort gestern geliefert hat, zur Bestätigung dieser Vorurteile. Bilder können in Gedanken eine nicht unerhebliche und oft unbewusste Macht haben. Trans*Menschen werden zu "Männern in Frauenkleidern" (oder auch umgekehrt), sie sind psychisch "daneben", sie sind drogenabhängig, kriminell und gefährden natürlich auch das Kindeswohl. Das bleibt dann bei vielen Menschen hängen. Dieser Tatort war wirklich gruselig, aber leider nicht im Sinne von "spannend".
  • Antworten » | Direktlink »