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Abschaffung des Transsexuellengesetzes gefordert

Tag der Trans-Sichtbarkeit: "Der aktuelle Zustand in Deutschland ist enttäuschend"

Der 31. März ist seit einigen Jahren der "Transgender Day of Visibility". Dieses Jahr wird besonders die Forderung nach besseren Gesetzen laut.


Wer am 31. März in sozialen Medien unterwegs ist, dürfte auf Bilder wie diese stoßen (Bild: Twitter / BHIVA)

Weniger als sechs Monate vor der Bundestagswahl nutzen LGBTI-Aktivist*innen und Politiker*innen in Deutschland den "Transgender Day of Visibility" für Forderungen, insbesondere für die Abschaffung des völlig veralteten Transsexuellengesetzes. Gleichzeitig soll aufgezeigt werden, dass trans Menschen nach wie vor unter gesellschaftlicher Diskriminierung leiden.

"Die Abschaffung des bisherigen Transsexuellengesetzes ist längst überfällig und ich bin frustriert zu sehen, dass sich hier in den vergangenen Jahren nichts an der Situation verändert hat", erklärte etwa SPDqueer-Vizechefin Sarah Ungar. "Der aktuelle Zustand in Deutschland ist enttäuschend, menschenverachtend und stigmatisierend. Eine progressive und mutige Entscheidung zugunsten eines menschenwürdigen Selbstbestimmungsrechts ist bisher in der Bundespolitik leider ausgeblieben." Der Verband forderte daher die Parteifreund*innen in der Bundesregierung auf, den Begutachterzwang abzuschaffen und für ein kostengünstiges Verfahren zur Vornamens- und Personenstandsänderung einzutreten.

"Gezielte Täter-Opfer-Umkehr"

Jens Brandenburg, LSBTI-politischer Sprecher der oppositionellen FDP-Bundestagsfraktion, verwies auf die sich verschärfende Lage für trans Menschen: "Mit einer gezielten Täter-Opfer-Umkehr erreicht die Transfeindlichkeit in der deutschen Öffentlichkeit einen traurigen Höhepunkt", so Brandenburg. "Wenn sogar anerkannte Printmedien transgeschlechtliche Menschen unreflektiert mit vergewaltigenden Horden in Frauensaunen und Frauengefängnissen gleichsetzen, ist das ein Alarmsignal. Gleichzeitig nimmt die Gewaltbereitschaft gegen trans- und intergeschlechtliche Menschen weiter zu." Neben der Abschaffung des Transsexuellengesetzes sei ein Nationaler Aktionsplan gegen Homo- und Transfeindlichkeit "überfällig".

Sven Lehmann, der queerpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, stellte auf Twitter klar: "Über ihren Körper, ihre Sexualität und auch ihr Geschlecht kann nur eine Person bestimmen und Auskunft geben – und das ist jeder Mensch selber." Seine Parteifreundin Terry Reintke, die Vizefraktionschefin der Grünen im Europarlament, versicherte trans Menschen, dass die EU-Volksvertretung "im Kampf um Gleichheit und Sichtbarkeit an eurer Seite steht".

Twitter / svenlehmann
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Twitter / TerryReintke

Bundesverband trans* stellt sechs Forderungen

Der Bundesverband Trans* (BVT*) stellte angesichts des Sichtbarkeitstages sechs Forderungen an die Politik. So soll für die Behörden eine Erklärung einer Person über die eigene Geschlechtsidentität ausreichend sein und vor dem Standesamt erfolgen. Außerdem sollen die Regelungen für trans*, inter* und nicht-binäre Personen vereinheitlicht werden und Jugendliche ab 14 Jahren selbst entscheiden dürfen. Die Möglichkeit, den Namen und Geschlechtseintrag zu ändern, soll zudem niedrigschwellig sein und unabhängig von der eigenen Staatsbürgerschaft. Nach der Änderung des Namens und Geschlechtseintrags müsse auch ein Anspruch auf Dokumentenberichtigung bestehen.

Weltweit berichten trans Menschen in sozialen Medien darüber, in welchen Feldern es noch Diskriminierung gebe. Die amerikanische TikTokerin Rosalynne Montoya machte etwa auf Diskriminierung von trans Menschen bei Flughafen-Sicherheitskontrollen aufmerksam.

Twitter / TransgenderGER
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Viele trans Menschen stellen auch wie in der "Before and After Challenge" Bilder vor ihrer Geschlechtsanpassung aktuellen Bildern gegenüber. Dazu beschreiben viele, wie viel glücklicher sie darüber sind, ihr wahres Selbst gefunden zu haben.

Twitter / LondynnchaneI
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Der aus dem USA stammende internationale Tag für Sichtbarkeit von trans Personen wird seit 2009 am 31. März begangen. Er soll eine positivere und selbstbewusste Ergänzung zum "Transgender Day of Rememberance" sein, mit dem am 20. November Gewaltopfern gedacht wird. Mit dem Ziel größerer Sichtbarkeit stellen trans Personen sich, ihr Leben und ihre Geschichte in Medien, in sozialen Netzwerken oder auf Vorträgen etwa in Schulen vor. (cw)

12.00 Uhr: Um sechs Forderungen des BVT* ergänzt



#1 FinnAnonym
  • 31.03.2021, 12:35h
  • Ich erwarte, dass Union und SPD sich endlich bewegen und alle sechs Forderungen zeitnah umsetzen.

    Sind die dazu nicht bereit oder nicht fähig, müssen eben andere Parteien ran, die nicht mehr die Interessen eines Teils der Bürger blockieren.

    Denn hier verliert niemand, der nicht betroffen ist, irgendwas. Das betrifft nur Trans- und Inter-Menschen und niemanden sonst. Deswegen gibt es keinen Grund, damit noch zu warten.
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#2 N8EngelProfil
  • 31.03.2021, 13:00hWenden
  • Ich habe in Vorstellungsgespräch sehr oft schon gesagt bekommen, das man sowas nicht wolle, das man das den Mitarbeitern oder Kunden nicht zumuten könne. Als Dankeschön das ich mir das anhören darf, werde ich von Arbeitsvermittlern dann aufgfordert, doch mal mit nem Kurzhaarschnitt und ohne Titten zum Vorstellungsgespräch zu gehen.
    Wie man sieht: wir werden nicht diskriminiert.
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#3 Taemin
  • 31.03.2021, 13:21h
  • §§ 19, 20 des Preußischen Allgemeinen Landrechts von 1794 (!) bestimmten, dass nach der Geburt von Menschen mit uneindeutigem Geschlecht deren Eltern der Personenstandsbehörde gegenüber das Geschlecht bestimmten und der/die betroffene Mensch diese Wahl bei Eintritt der Volljährigkeit bestätigen oder abändern konnte. Das trifft die Lage von zwischengeschlechtlichen Menschen heute nicht ganz und die von transidenten Menschen heute kaum, ist aber doch ein Wegweiser für aktuelle Gesetzgebung. Eine Schande für Deutschland, dass es heute noch immer nicht so weit ist, wie das doch als so rückständig verschriene Preußen schon vor über 200 Jahren war.
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#4 TransMomAnonym
  • 31.03.2021, 14:25h
  • Antwort auf #2 von N8Engel
  • "nicht zumutbar zu sein" ist ein e der miesesten Diskriminierungsformen die es gibt, da es uns das Menschsein direkt abspricht. Aber wir sollen alles ertragen und am besten noch die Klappe halten und verschwinden.
    Wie TransNaySayer es immer wieder sagt: Kinn Nach oben, bis zum Himmel und stolz auf sich sein, denn wir sind wunderbar
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#5 SybilleAnonym
  • 31.03.2021, 14:31h
  • Ich hatte es zu einem anderen Artikel bei queer.de schon mal geschrieben, daß ich den BV Trans* für einen größtenteils harmlosen Origami-Verein halte, der außer viel Papierkram (sic!), Vereinsmeierei und Funktionärsgetute nichts zustande bekommt.

    Sechs Forderungen an die Politik, und die üblichen Verdächtigen dort nicken freundlich, stimmen dem zu, und die Parteien gehen zur Tagesordnung über,

    Gerade die SPD und die FDP hätten in den langen Jahren Regierungsverantwortung allein seit 2000 genug Gelegenheit zur Abschaffung des TSG und Eingliederung ins PStG gehabt und sich um nichts gekümmert.

    Die Mißstände und Forderungen sind schließlich lange bekannt. Wenn die SPD und FDP heute laute Betroffenheitslyrik absondern, so ist das nur verlogen.

    Vom BV Trans* erwarte ich nur eines: Die braven und submissiven Papierkram-Funktionäre an der Spitze in Rente zu schicken und sich daran zu erinnern, was Stonewall bedeutet und wer damals ganz vorne mit dabei war.

    Dann bin auch ich gerne ganz vorne mit dabei, Wo gute Worte nichts nützen, bleibt nur die Faust auf dem Tisch, laut und oft!
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#6 trans naysayerAnonym
  • 31.03.2021, 15:42h
  • It' Trans Day Of Visibility!! A big hug, high-five and much love to my trans sisters and baby girls in Germany!

    "It is revolutionary for any trans person to choose to be seen and visible in a world that tells us we should not exist."
    - Laverne Cox

    I've never been interested in being invisible and erased in my entire life. When you reach the point of paradise - which is your own state of mind - look back to see how many followed in your lead. Know your worth. Know the difference between what you're getting and what you deserve.

    Don't hide your TRUTH! Carry your chin up HIGH and show your PRIDE!

    lots of love!
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#7 SilviaausBOProfil
  • 01.04.2021, 09:23hBochum
  • Gewiß, der aktuelle Zustand ist enttäuschend, das ganze Gezumpel mit den Gutachten braucht niemand wirklich - ausser den Gutachtern.... .
    Bei der ganzen Diskussion um die Abschaffung der Gutachten sollte jedoch nicht vergessen werden, dass der MDK, die Krankenkassen und die Operateure weiterhin die Gutachten werden haben wollen, denn sie brauchen weiterhin eine "Legitimation", um Op's genehmigen zu können. Selbst wenn ein Rechtsanspruch auf angleichende Maßnahmen im SGB 5 manifestiert wird, wird man auf Feststellungen über das Vorliegen von Transidentität bestehen. Nicht wenige Transmenschen (welche nach der Transition einfach Frauen oder Männer sind wie andere auch!) pfeifen ökonomisch aus dem letzten Loch (Hartz4) und werden die Gutachten nicht bezahlen können, welche bis dato in diesen Fällen über die Verfahrenskostenhilfe finanziert wurden. Denen, die in dieser Situation sind, würde damit ins Knie geschossen. Was wäre dann gewonnen? Dann wäre diese unsägliche "Gutachteritis" zwar beendet, aber man würde Menschen zurücklassen, die wahrlich Hilfe nötig haben! ich will mich keineswegs gegen die Abschaffung der Begutachterei aussprechen, ich finde nur, dass man das alles in Zusammenhängen sehen muss.
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#8 KratzbürsteAnonym
  • 01.04.2021, 10:06h
  • Antwort auf #7 von SilviaausBO
  • Wenn die Krankenkassen diese absolut aussageschwachen Gutachten haben wollen, dann können sie ja auch die Kosten dafür übernehmen. Im Moment ist da auch schon niemandem geholfen, denn die Kosten für die "Gutachten" aktuell trägt auch nur die betreffende trans Person, bzw Prozesskostenhilfe im Fall der Armut, die man aber auch brav zurück zahlen muss, sobald sich die wirtschaftliche Situation verbessert, womit man wiederum mit einigen tausend Euro Schulden starten kann... Also erklär mir bitte, wo die aktuelle Situation in der Hinsicht besser sein soll als bei einer Abschaffung des TSG und dem Gutachtenzwang...
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#9 Anonyma
  • 01.04.2021, 14:11h
  • Machen wir uns nichts vor: Deutschland wird es alleine schon aus Mentalitätsgründen einfach nicht schaffen, trans Menschen die Selbstbestimmung zuzugestehen, die für ein menschenwürdiges Leben eigentlich nötig wäre. Dafür gibt es in allen beteiligten "Lagern" einfach viel zu viele Bedenkenträger:innen, die schon bei der kleinsten positiven Veränderung in Panik verfallen, dass eine solche Veränderung an anderer Stelle vielleicht (vorübergehend) zu irgendwelchen an den Haaren herbeigezogenen Problemen führen könnte (siehe z.B. Kommentar Nr. 7). Man ist nach 40 Jahren "Transsexuellengesetz", Jahrzehnten psychiatrischer Pathologisierung und den daraus resultierenden "gewohnten Abläufen" offenbar so sehr in die eigenen (inneren) "Hürden" verstrickt, die man aus diesem toxischen Konglomerat selbst konstruiert hat, dass man jede Fähigkeit, das "Problem" auch nur mal ansatzweise neu zu denken, verloren hat und ergeht sich stattdessen lieber in ein typisch deutsches "Kleinklein" scheinbar unlösbarer Konflikte und Probleme, das dann jeden Fortschritt schon im Keim erstickt. So traurig es auch ist: Viel mehr als eine für dieses Land in vielen Bereichen leider so typische "Verschlimmbesserung" ist da in absehbarer Zeit kaum noch zu erwarten.
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#10 SilviaausBOProfil
  • 02.04.2021, 08:53hBochum
  • Antwort auf #8 von Kratzbürste
  • Das BSG hat lediglich festgestellt, dass die Krankenkassen die Kosten für die OP's übernehmen müssen - aber nicht zu welchen Bedingungen. Will heißen: Die Gutachten werden auch weiterhin verlangt werden. Die stehen natürlich im Eigentum der antragstellenden Person. Wenn du die Gutachten nicht zur Verfügung stellst, dann legt sich der MDK einfach quer, so sieht's momentan aus. Das diese eingeschliffene Praxis ein schlechter Witz ist, weis ich natürlich auch. Ich wollte eigentlich auch nur darauf hinweisen, dass man die PstÄ im Zusammenhang mit den anderen Maßnahmen sehen muß. Immer noch Kratzbürste???
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