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Aufklärung und Sichtbarkeit

Erster Internationaler Tag der Asexualität

Zum ersten Mal machen Asexuelle am 6. April 2021 weltweit auf die in der Allgemeinbevölkerung eher unbekannte Thematik aufmerksam.


Asexuelle lassen es nach Ansicht dieses Demonstranten am meisten krachen (Bild: davidgljay / flickr)

Weltpremiere für den Internationalen Tag der Asexualität (ITA): Erstmals wollen auch die Asexuellen an einem einheitlichen Tag über ihre sexuelle Orientierung aufklären. Aktivist*innen in aller Welt hatten Anfang des Jahres den 6. April als Datum für den Tag ausgewählt. Dieser Tag hatte den Zuschlag bekommen, "um Überschneidungen mit anderen wichtigen Jahreszahlen oder Gedenktagen auf der ganzen Welt zu vermeiden", heißt es auf der internationalen Kampagnenwebsite. Asexualität wird als Abwesenheit sexueller Anziehung oder als fehlendes Interesse an Sex definiert.

Mit dem "International Day of Asexuality" will die sogenannte Ace-Community sichtbarer in der öffentlichen Wahrnehmung werden. Ace (Englisch für Ass) ist ein Spitzname für Asexualität, daher wird die Orientierung oft mit der höchsten Spielkarte eines Skat- oder Pokerblattes dargestellt. Viele Asexuelle sehen sich auch als Teil der queeren Community an. Sie werben dafür, ihre sexuelle Orientierung im Rahmen der Abkürzung LGBTQIA auch innerhalb der Community sichtbarer zu machen.

Gesellschaftliche Vorurteile gegen Asexuelle weit verbreitet

Am Internationalen Tag der Asexualität wollen Aktivist*innen insbesondere mit beliebten Vorurteilen aufräumen. So bedeute Asexualität nicht, dass eine Person wegen einer schlechten Beziehung oder religiösen Überzeugungen auf Sex verzichte, Angst vor Intimität habe oder einfach keinen Partner oder keine Partnerin finden könne. Auch Asexuelle könnten sich etwa verlieben. Auch könnten sie Sex haben, beispielsweise weil sie Nachwuchs wollten. Viele wünschten sich eine Beziehung auf platonischer Basis.

Twitter / aktivista_net

Der Asexuellen-Community werden auch Menschen zugerechnet, die ihre sexuelle Orientierung als Demisexualität oder graue Grau-Asexualität definieren. Demisexualität bedeutet, dass Menschen nur sexuelle Gefühle zu Personen entwickeln, mit denen sie eine starke emotionale Bindung haben. Der weitfassende Begriff Grau-Asexualität umfasst Menschen, deren sexuelles Begehren nur schwach ausgeprägt ist.

Bereits jetzt gibt es eine sogenannte Ace-Week im Oktober, die allerdings bislang in Deutschland kaum Beachtung fand. Seit 2010 hat die Community auch eine Flagge: Sie besteht aus vier gleich großen horizontalen Streifen der Farben schwarz, grau, weiß und violett. Schwarz steht dabei für Asexualität, grau für Grau-Sexualität und Demisexualität, weiß für Sexualität und violett für die Community.

Twitter / IADofficial
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In der Vergangenheit war Asexualität von Mediziner*innen wie Homosexualität als Krankheit angesehen worden. Heute wird lediglich Anaphrodisie als Störung beurteilt. Dabei handelt es sich um Trieblosigkeit, die etwa durch Erkrankungen des zentralen Nervensystems hervorgerufen wird und oft eine Begleiterscheinung fortschreitenden Alters ist.

Wissenschaftler*innen schätzen, dass der Anteil der Asexuellen bei ein Prozent der Bevölkerung liegt, manche gehen aber von einer höheren Dunkelziffer aus. Mehrere Studien deuten zwar darauf hin, dass die Lebenszufriedenheit unter Asexuellen niedriger ist als unter der Allgemeinbevölkerung. Dies sei aber wie bei Homo- oder Transsexuellen hauptsächlich eine Folge von gesellschaftlicher Diskriminierung. (dk)



#1 LarsAnonym
  • 06.04.2021, 15:01h
  • Gut, dass auf diesen möglichen Aspekt der menschlichen Sexualität hingewiesen wird.

    Bei der großen Zahl von möglichen sexuellen Identitäten wäre es gleichzeitig hilfreich, dass die Übergänge zwischen den Streifen des Regenbogens in der Wirklichkeit nie klare Linien sind, sondern fließende Übergänge und dass Menschen, auch wenn sie eine bestimmte sexuelle Identität / Orientierung haben, nicht notwendigerweise völlig "taub" für den Rest des Spektrums sind.

    Ein solches Verständnis könnte der Toleranz und Verständnis und Kommunikation dienlich sein.
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#2 AtreusProfil
  • 06.04.2021, 16:15hSÜW
  • Antwort auf #1 von Lars
  • "Bei der großen Zahl von möglichen sexuellen Identitäten wäre es gleichzeitig hilfreich, dass die Übergänge zwischen den Streifen des Regenbogens in der Wirklichkeit nie klare Linien sind, sondern fließende Übergänge..."

    Ein tolles Bild, das du da bemühst! Volle Zustimmung.
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#3 MaverickAnonym
  • 06.04.2021, 16:22h
  • Antwort auf #1 von Lars
  • Allgemein wäre es schön, wenn die Menschheit nicht alles in Schubladen einsortieren würde. Wir wären sehr viel freier, wenn wir nicht für dies und das eine Zuschreibung suchen würden. "Was bist du?" - "Ich bin ein Mensch!" - Das reicht.
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#4 Sven100Anonym
#5 AsexuellAnonym
  • 06.04.2021, 16:42h
  • Ob Asexualität komplett de-medikalisiert ist, ist nicht unumstritten. Im ICD 10 gibt es die Diagnose F52.0 "Mangel oder Verlust von sexuellem Verlangen" was sich in Wortlaut auf Teile der Ace Community beziehen kann. Im ICD 10 ist das zwar in einen Kontext eingebettet, durch den man Asexualität davon abgrenzen könnte, aber nur bei einer wohlwollenden Interpretation. Wenn allerdings Mediziner*innen Asexualität nicht für existent halten, können sie das auch in ihrem Sinne interpretieren und dann war's das mit de-medikalisiert.
    Persönlich ist das ein Grund warum ich das nicht mit Ärzten bespreche.
    So, ich schätze, das war mein Beitrag zum Tag der Asexualität :D
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#6 Gnurfel42Anonym
  • 07.04.2021, 02:00h
  • Juhuuuu, ein Tag nur für Leute wie mich!

    Ich habe erst vor wenigen Wochen im stolzen Alter von 31 gemerkt, dass ich asexuell bin.
    Bei mir trifft wirklich alles zu, es gibt überhaupt keinen Zweifel. Ich bin nicht asexuell geworden, ich war es schon immer.
    Ich hatte es nur nicht gewusst. Klingt absurd, aber in dieser Gesellschaft ist Sex so selbstverständlich und dominant. Für Leute wie micht ist das oft irgendwie total bescheuert.

    Das späte Erkennen der eigenen Asexualität kommt wohl öfters vor, ich habe auch von anderen Asexuellen gehört, die es erst sehr spät gemerkt haben.

    Früher habe ich geglaubt, ich wäre minderwertig, weil ich einfach keinen Sex habe aber ihn auch nicht anstrebe. Jetzt weiß ich, es hat mich ohnehin nie wirklich zu irgendjemanden hingezogen und strebte keine Beziehung an, auch nicht für Sex.

    Sex ist aber für Asexuelle kein Tabu, und Masturbation schon gar nicht. Warum? Es geht darum, ob man sich sexuell hingezogen fühlt, nicht unbedingt um die sexuelle Befriedigung an sich. Die Libido existiert separat von der sexuellen Orientierung.
    Aber trotzdem gibt es auch einige Asexuelle, die in der Tat mit Sex halt gar nichts anfangen können. So wie mich.
    Asexualität ist ein weites Feld, es gibt davon viele Abstufungen und Variationen und Unterbegriffe. Man »darf« durchaus mal Sex gehabt haben, man kann trotzdem asexuell sein.

    Das Gegenteil von »asexuell« ist »allosexuell«, das heißt »nicht asexuell«.

    Seit ich weiß, dass ich asexuell bin, bin ich mir selbst in Reinem. Dieser Druck, dass ich Sex oder eine Beziehung haben MUSS, um ein ganzer Mensch zu sein, der war mit einem Schlag verpufft. Es war eine große Erleichterung für mich, zu wissen, asexuell zu sein!
    Tatsächlich ist das nur ein Vorurteil von der allosexuellen Mehrheitsgesellschaft. Dass man ohne Sex oder Beziehung versagt hat. Aber dieser Lebensentwurf passt eben nicht auf alle. So einfach ist das.
    Ja, Asexuelle sind queer. Es gibt keinen logischen Grund, warum asexuelle nicht Teil von LGBT+ sein dürfen.

    Ich lebe alleine, aber könnte zufriedener nicht sein. Dass Asexualität eine Krankheit oder Störung sein soll, ist für mich völlig absurd.
    Es wäre die seltsamste Krankheit der Welt, denn ich fühle mich pudelwohl.

    Asexualität ist eine sexuelle Orientierung, und genauso zu akzeptieren wie hetereo, homo, bi, pan, usw.
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#7 Homonklin_NZAnonym
  • 07.04.2021, 02:34h
  • Antwort auf #3 von Maverick
  • Der Ansatz ist gut. Leider hält er nur vor, bis Jemand konstant zum Beispiel von Sexuellen angeflirtet wird, die dann auch noch enttäuscht reagieren, wenn sie hören, sorry, bei mir musste das Teil eingepackt lassen.

    Ebenso wäre es, wenn sich eine Lesbe laufend in Frauen verknallt, die stockhetero sind, und das für Mensch genug nehmen.
    Da können Schubladen und Zuordnungen sehr behilflich sein. Muss ich als Demisexueller überhaupt Typen anflirten, die dann sowieso nur auf ONS aus sind?
    Wenn man weiß, es gibt da eine Community von denen, die das ebenso ähnlich möchten, und da ist die Wahrscheinlichkeit höher, dem zukünftigen Lebenspartner zu begegnen.
    Mensch sein allein verrät solche Dinge nicht.

    Interessant. Etwas wie demisexuell scheine ich zu sein. In Verbindung mit fetischsexuell wohl.
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#8 PolyplusAnonym
#9 bicurseEhemaliges Profil
  • 07.04.2021, 07:15h
  • Antwort auf #6 von Gnurfel42
  • Freut mich, dass du für dich Antworten gefunden hast.

    Als ich Anfang 30 war, dachte ich auch, dass ich allein wunderbar zurecht käme. Jetzt bin ich Mitte 30 und fühle mich einsamer wie nie. Jeder braucht andere Menschen, niemand lange allein zurecht, es heißt ja asexuell, nicht asozial. Ich denke, ich könnte sowohl als bi als auch ace durchgehen, aber keine der Labels passen so wirklich - weg damit! Die Buchstaben-Community sollte sich echt mal was überlegen, um wirklich inklusiv ihre Andersartigkeit zu nennen. Die "Queer Community" ist wieder so ein Label, das mal ein böses Schimpfwort war, das jetzt für alles stehen soll. Ich verwende es nicht.
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#10 logikAnonym